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Freitag, 6. Oktober 2023

Ich, Sperling - James Hynes

 


Titel: Ich, Sperling
Autor: James Hynes
Originaltitel: Sparrow
Verlag: dtv
ISBN: ‎978-3423283557
Euro: 28,00
Veröffentlichungsdatum: September 2023
Seiten: ‎ 592
Serie: nein (?)
Come in: vorablesen.de

 

 

 

Inhalt
Im spanischen Carthago Nova wächst im 4. Jahrhundert n. Chr. ein namenloser Junge in der Küche eines Bordells heran. Woher er stammt, wird er nie erfahren. Eine der Wölfinnen, Euterpe, nimmt sich seiner an und wird ihm zur Ziehmutter. Sie nennt ihn Sperling und erklärt ihm die Welt. Als Sklaven haben sie kein leichtes Los. Anfangs zieht man Pusus (Junge) zu einfachen Haushaltsarbeiten heran. Doch eines Tages wird er, wie alle wissen, ins Obergeschoss ziehen, dorthin, wo die Freier ihr Recht verlangen. Pusus wird sein Schicksal annehmen – oder daran zerbrechen.

 

 

Montag, 21. Februar 2011

Mein fahler Freund - Isaac Marion


Titel: Mein fahler Freund
Autor: Isaac Marion
Originaltitel: Warm Bodies
Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 3608939148
Euro: 19,95
Veröffentlichungsdatum: Februar 2011
Seiten: 298
Kein Serientitel
Come in: Gewonnen





Inhalt

Die Welt hat sich verändert und liegt größtenteils in Trümmern. Wie das geschehen ist, weiß R nicht, er weiß auch nicht wie lange es her ist, seit er gestorben ist und sich als wandelnde Leiche wieder erhob. R ist ein Zombie und das macht ihm nicht viel aus. Nur seine Erinnerung, wie die an seinen Namen oder daran, was er früher war, fehlen ihm. Er spürt, dass er anders ist, als seine Artgenossen, die größtenteils in dem verlassenen Flughafen herumstehen und stöhnen.
Und der Hunger nach Leben, der ihn alle paar Tage überkommt, bringt ihn dazu, Dinge zu tun, die er eigentlich nicht tun will. Mit seinem besten Freund M und ein paar anderen macht er Jagd auf Lebende. Ihr Ziel: das Gehirn, denn mit jedem Bissen fließen Erinnerungen, Gedanken und Gefühle in die Zombies über.
Eines Tages überfallen die Zombies eine Gruppe Jugendlicher und R tötet den Anführer Perry. Dessen Gedanken gehen dabei auf R über und als er die blonde Julie sieht, ist es um ihn geschehen. Denn sie und Perry waren ein Paar und R setzt nun alles daran, die junge Frau am Leben zu erhalten. Sie lehrt ihn Dinge, die er einst kannte und R hungert geradezu danach.
Er beginnt die Dinge zu hinterfragen und löst damit einen Prozess aus, der in der Lage wäre, alles bisher dagewesene zu verändern. Aber es gibt Wesen, die genau das verhindern wollen.

Cover

Das Cover wurde von Kat Menschik, einer in Berlin lebenden Illustratorin, angefertigt. Die 1968 geborene Kommunikationsdesignerin, zeichnet für Zeitungen und illustriert Bücher. Von 1996-2000 war sie Mit-Verlegerin des Comic-Verlags "Millionen". Heute arbeitet sie als freie Illustratorin in Berlin. Sie hat eine Tocher. Ein sehr interessantes und informatives Interview mit der Künstlerin kann HIER nachgelesen werden.
Das Cover des Romans ist sicherlich Ansichtssache. Mir gefällt es und nach dem Lesen muss ich sagen, dass es auch passt. Es ist individuell allein für "Mein fahler Freund" angefertigt worden. Im Hinblick auf das Original gewinnt das deutsche Cover, auch wenn es doch ziemlich den Touch eines Kinderbuches bekommt. Leider wird damit auch ein falscher Eindruck vermittelt und es ist schade, dass die Geschichte um Anerkennung kämpfen muss. Aber das ist man ja im Genre - in beiden - gewöhnt.

Meinung

Der Roman basiert auf einer Kurzgeschichte, die den Titel "Iam A Zombie Filled With Love" trägt und HIER in englischer Sprache nachgelesen werden kann. Isaac Marion bereut seine Entscheidung, daraus einen Roman gemacht zu haben, sicher nicht. Bereits in 16 Sprachen übersetzt und nach Hollywood verkauft, zieht er schon jetzt weite Kreise.
Es hat mich einige Überwindung gekostet, zu diesem Roman zu greifen, denn zwar bin ich für alle Arten von Liebesgeschichten zu haben, aber hier schienen Cover und Klappentext auf eine eher unspektakuläre Geschichte hinzuweisen. Doch schon nach wenigen Seiten - darum sei die Leseprobe an dieser Stelle angeraten - wurde ersichtlich, dass der Autor etwas von seinem Handwerk versteht.
Isaac Marion ist es gelungen, aus einem eher banalen Thema einen halbphilosophischen, gesellschaftskritischen Roman zu schaffen, der, im Nachhinein gesehen, eigentlich gar nicht in erster Linie von Zombies handelt.
R ist ein junger Mann gewesen, als "der Fluch" ihn getroffen hat und er wünschte, er wüsste mehr darüber. Seine innere Kraft, sein Festhalten am Leben und seine Gedanken, die man jemandem, der kaum in der Lage ist ganze Sätze zu bilden, gar nicht zutraut, machen den Reiz dieses Werkes aus. Verbunden mit der wirklich überzeugenden sprachlichen Gewandheit bekommen zunächst oberflächliche Geschehnisse teilweise unheimlich viel Tiefe.
Julie ist in einer extremen Welt aufgewachsen. Und obwohl alles nur schlechter zu werden scheint und sie sich einem täglichen eng angelegten Drill unterziehen muss, hat sie sich ihre Menschlichkeit bewahrt. Gleichzeitig ist sie aber auch eine junge Frau geblieben, die ihre ganz eigenen Sehnsüchte hat. Der Erzähler des Romans wechselt nie hin zu ihr, dennoch wurde ihrer Figur, dadurch, wie R sie sieht und was sie ihm erzählt, sehr viel Persönlichkeit mitgegeben.
Die Liebesgeschichte steht nie im Vordergrund. Eher sind beide vom jeweils anderen fasziniert, denn beide verhalten sich nicht so, wie sie es eigentlich sollten. Hinzu kommt, dass R durch Perrys Erinnungen Teil hat an einigen Jahren, in denen Julie aufgewachsen ist. Es gibt später einen zögerlichen und dann einen sehr heftigen Kuss, aber keine vordergründige Romantik, kein Händchenhalten und Co. Wer so etwas nicht mag, sollte trotzdem zugreifen. Der Beziehung wohnt, gerade von Rs Seite aus, eher sehr viel Sehnsucht inne, die noch nicht einmal unbedingt nur der anderen Person gilt, sondern vielmehr auch dem, was sie darstellt.
Am meisten fasziniert war ich jedoch von M, dem besten Freund unseres Protagonisten. Wieder wird nie die Erzählperspektive zu ihm gewechselt, dennoch erscheint dieser Mann/Zombie sehr lebensecht und dreidimensional. Der frühere Playboy und Frauenheld wird mehr als deutlich, trotzdem scheint es auch ein Kerl zu sein, mit dem man Pferde stehlen kann. Er hat, wie man so schön sagt, das Herz auf dem rechten Fleck.
Was Gewaltdarstellungen angeht, so gibt es diese natürlich. Aber doch eher dezent und nie in eine bewusste oder unbewusste Splatterrichtung abdriftend. Selbst wenn R das Gehirn Perrys aus der Hosentasche zieht und isst - er hat sich ein wenig davon für später aufgehoben - hat das nichts abstoßendes. Ich habe mich sogar dabei erwischt, wie ich hoffte, er würde genau das tun. Denn jedem Bissen folgt eine Erinnerung, die wie ein Blitz in dunkler Nacht die Geschichte gewaltig belichtet; einerseits unterbricht und andererseits heftig vorantreibt.
Obwohl sie sich nur dieses eine Mal sehen, gehen auch R und Perry eine Beziehung ein. Der eine, der tot ist und wieder leben möchte und der andere, der lebt und sich den Tod wünscht. Was für eine abstruse Kombination - die funktioniert!
"Mein fahler Freund" ist einer dieser Romane, der einen packt und zwingt, die gesamte Geschichte in einem Rutsch durchzulesen. Auch wenn es trotzdem hier und da einige kleinere Kritikpunkte gibt - die ich nicht aufzähle, weil sie viel zu unbedeutetnd sind - erfasst einen diese Welle und reißt absolut überzeugend mit.
Das einzige, um das ich mir Gedanken mache, ist die Verfilmung. Denn ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass man DAS in einen auch nur halbwegs überzeugenden Film packen kann. Darum sollten alle, die an Rs und Julies Geschichte interessiert sind, auf jeden Fall zum Buch greifen.
Absolute Leseempfehlung!

http://burningbuilding.blogspot.com/
Isaac Marion, geboren 1981 im Nordwesten des Bundesstaates Washington. Lebt in Seattle als Grafiker und Autor. Nach der Veröffentlichung einiger Kurzgeschichten ist »Mein fahler Freund« Marions erster Roman. Die Filmrechte wurden sofort an Hollywood verkauft.

Montag, 13. Dezember 2010

Gefangene der Dunkelheit (Faefever 04) - Karen Marie Moning


Es handelt sich bei dem Roman "Gefangene der Dunkelheit" um den vierten Teil der Faefever-Serie. Jeder, der die Vorgänger nicht kennt, läuft Gefahr, sich selbst den Lesespaß zu nehmen, weil er Dinge erfahren könnte, die das Ende eines anderen Teiles verraten. Darum bitte nur lesen, wenn die anderen Serienteile bekannt sind.

MacKayla Lane ist Gefangene der unheilvollen Prinzen, die sich an ihrem Leid laben. Doch es gibt Hoffnung: Die junge Sidhe-Seherin Dani(elle) hat sich auf den Weg gemacht, um ihre Freundin zu befreien. Unwillig folgen ihr einige andere Seherinnen, die eher an Macs heiligem Speer interessiert sind, als an ihr.
Doch obwohl es ihnen gelingt, Mac die Freiheit wiederzugeben, scheint es für sie keine Zukunft zu geben. Sie ist nun eine Pri-ya, ein bloßes Tier, das nur auf seine Bedürfnisse reagiert und keinen klaren Gedanken fassen kann.
Doch Jerricho Barrons holt Mac aus der Abtei der Seherinnen zu sich in sein geheimes Versteck. Es dauert viele Monate, doch es gelingt ihm, sie zu heilen und ihr die Erinnerung an ihre Vergangenheit wiederzugeben.
Dublin liegt derweilen noch immer in Trümmern, Schatten und Unseelie haben sich eingenistet und zerstören alles und jeden, der ihnen in die Quere kommt. Doch es gibt auch Menschen, die nicht gegen die neue Bedrohung kämpfen, die sich den neuen Herren der Erde anschließen.
In all dem Chaos folgt Mac ihrem Wunsch, ihre Eltern zu besuchen, gibt sich ihnen jedoch nicht zu erkennen. Dabei belauscht sie ein Gespräch, in dem es um eine uralte Prophezeiung geht. Zwei Schwestern, die eine verdammt zu einem frühen Tod, die andere dazu, die Welt zu zerstören. Und Macs Eltern wissen, es sind ihre Töchter, die damit gemeint sind ...


Das Cover gefällt mir ehrlich gesagt wenig und das nicht nur, weil es grün ist. Ich stelle mir die Figuren im Buch gern selbst vor und mag es nicht, wenn sie mir wie auf dem Silbertablett präsentiert werden.
Hinzu kommt, dass die Frau auf dem Cover keiner Frau im Buch gleicht, was mir stets wenig gefällt. Wenn schon, denn schon.


Der vierte Band knüpft nahtlos an seinen Vorgänger an, was nur insofern schade ist, als dass zwischen der Veröffentlichung beider Serienteile mehrere Monate liegen.
Obwohl Karen M. Moning wieder einen sehr spannenden Page Turner vorgelegt hat, gibt es doch einige Dinge, die mich gestört haben.
Das Thema Vergewaltigung ist nie einfach. MacKayla stellt sich der Herausforderung und gewinnt, setzt sich mit dem Thema an sich aber nie auseinander. Man sollte meinen, dass ihr Hass geschürt wird oder sie viele Nächte lang durchweint, statt dessen vergehen die Szenen, in denen die Sprache auf die Tat kommt - und Barrons nimmt da sicher kein Blatt vor den Mund - so schnell, dass sie fast einen sehr oberflächlichen Touch erhalten.
Natürlich gibt es die Zeit nach der Rettung mit Barrons, die sehr düster und extrem erotisch ist, was aber alle Leser, die so weit in der Serie gekommen sind, nicht stören dürfte. Hier ist Mac aber nicht sie selbst, sie weint um vieles, sie tanzt und lacht, aber das ist nicht sie, die das tut. Danach hieß es stets: Ja, ich war eine Pri-ya, eine abhängige Sklavin von Feensex, aber ich habe es überwunden und bin noch stärker aus der Sache herausgekommen. Seht euch also vor.
Ich kann nicht behaupten, dass mich das übermäßig gestört hat, aber es hat mich gestört und darum gehört es auch erwähnt.
Macs Beziehung zu den Sidhe-Schwestern hat sich kaum verbessert. Zwar gibt es da die dreizehnjährige Dani, die Mac aus den Händen der Prinzen gerettet hat und die nun das heilige Schwert führt, aber ansonsten ist die Frauengemeinschaft doch arg hin und her gerissen. Es ließ mein Herz bluten, dass die Frauen, die genau für diese Aufgabe geboren wurden, nun zu hilflosen kleinen Mädchen wurden, die nicht wissen, was sie als nächstes tun sollen. Ob mehrere hundert Frauen wirklich nur von einer Anführerin abhängig sind und wirklich keine in vielen Jahrzehnten auf die Idee kam, sich selbst fortzubilden, wage ich zu bezweifeln. So ganz glaubhaft war das für Karen M. Moning sicher auch nicht, denn sie hat die Figur der Kat selbstbewusst auftreten lassen. Damit wurde auch ein innerer Bürgerkrieg unter den Seherinnen verhindert, der sich sicher auch nur sinnlos über mehr als nur noch zwei Bände verteilt hätte. Aber auch nicht uninteressant gewesen wäre.
Mac an sich hat sich noch stärker verändert, wenn auch nicht ganz so, wie ich mir das gewünscht hätte. Natürlich muss sie auf die beste Woge im Meer setzen, aber dass sie sich so abhängig macht, hätte ich mir anders gewünscht. Ich hoffe, sie findet zu ihrer Stärke aus dem dritten Teil zurück.
Es werden endlich einige Geheimnisse von Jerricho Barrons gelüftet, da Mac es ein paar Mal gelingt in seinen Geist einzudringen. Wirklich schlauer ist danach weder sie noch der Leser, es gibt seinem Charakter aber noch mehr Tiefe.
Das Ende ist eindeutig zu lang geraten und wirkt eher wie eine Art Puffer. Der Kontrast zum restlichen Roman, wo sich mehrere Actionszenen mit solchen, die ein weiteres Geheimnis offenbaren abwechseln, ist enorm. Der Cliffhanger am Ende beinahe langweilig, ich musste mit den Augen rollen.
"Gefangene der Dunkelheit" lässt mich also etwas zwiespältig zurück, obwohl ich das Buch in sehr kurzer Zeit gelesen habe und viel Spaß dabei hatte! Als großer Fan der Serie werde ich natürlich auch den letzten Band lesen, aber überlege dennoch, ob ich wirklich den teuren Hardcover im Original anschaffen soll oder nicht lieber auf die Taschenbuchausgabe warten. Und wenn es die gibt, ist sicher auch schon die deutsche Übersetzung gelistet.
Postiv ist auf jeden Fall der Anhang, in dem die wichtigsten Begriffe und Personen gelistet und erklärt sind. Übrigens von Mac selbst. Die älteren Einträge aus vorherigen Bänden sind mit Zusätzen versehen, in denen die neueren Entwicklungen zum tragen kommen. Und ganz am Ende gibt es einige sehr schmackhafte Rezepte Macs, in denen sie verrät, wie man das Unseeliefleisch am besten zubereitet, damit es nicht mehr ganz so eklig ist.
Fans der Autorin und der Serie werden zugreifen und das sollten sie auch.

1. Im Bann des Vampirs (Darkfever)
2. Im Reich des Vampirs (Bloodfever)
3. Im Schatten dunkler Mächte (Faefever)
4. Gefangene der Dunkelheit (Dreamfever)
5. Shadowfever (18.01.2011)


http://www.karenmoning.com/
Karen Marie Moning was born in Cincinnati, Ohio, one of four children. She graduated from Purdue University with a BA in Society and Law. After a decade of working with insurance litigation and arbitration, she quit her job to pursue her dream of a writing career. Four manuscripts and countless part-time jobs later, Beyond the Highland Mist was published by Bantam Dell and nominated for two prestigious RITA awards. Author of the beloved HIGHLANDER series and the thrilling new FEVER series, featuring MacKayla Lane, a sidhe seer. Her novels have appeared on The New York Times, USA Today, and Publisher's Weekly bestsellers lists, and have received many industry awards, including the RITA



Dienstag, 7. Juli 2009

Kalix - Werwölfin von London - Martin Millar



Im London der heutigen Zeit schleicht eine junge Werwölfin herum. Kalix stammt aus der Herrscherfamilie des MacRinnalch-Clans in Schottland. Als ihr Vater, der Fürst, ihren Geliebten Gawain verletzt und verbannt, tötet sie ihn in einem Zweikampf. Auf der Flucht vor den Häschern ihrer Großmutter und des ältesten Bruders begegnet sie in ihrem Laudanumrausch den Studenten Daniel und Moonglow. Die beiden nehmen sich der Jugendlichen an und verstecken sie.
Inwischen entbrennt ein Kampf um die Nachfolge des Fürsten. Verasa, die Ehefrau, möchte statt des ältesten Sarapen, lieber den jüngeren Sohn auf dem Thron sehen und intrigiert beim Familienrat. Thrix, die eigentlich nichts mehr mit dem Clan zu tun haben wollte und ein Modelabel gegründet hat, muss eingreifen und ihre Schwester Kalix schützen. Dabei hilft ihr die Feuergöttin Malveria, die immer auf das schönste Kleid bei Festlichkeiten spekuliert. Ihre nicht adoptierte Nichte Agrivex freundet sich mit Kalix und den beiden Studenten an.
Plötzlich taucht Gawain auf, der Kalix noch immer liebt, durch einen Fehler aber glaubt, sie sei nun Daniel verbunden. In seiner Not will er Thrix um Rat fragen und beide gehen ein Verhältnis ein.
Sarapen sieht seine Chance Fürst zu werden gekommen, als die beiden Cousinen, über die man nicht spricht, ein Konzert geben und alle Verwandten eingeladen sind. Er sammelt seine Getreuen um sich, um zuzuschlagen und seine Widersacher aus dem Weg zu räumen.


Martin Millar ist ein toller Jugendroman gelungen. Wie schon in "Die Elfen von New York" beweist er sein großes Geschick bei der Schaffung von Charakteren. Seine Beobachtungsgabe der heutigen Jugendkultur ist gelungen, er saugt sie auf und gibt sie treffend wieder.
In recht vielen kleineren Kapiteln, die immer aus der Sicht einer der beteiligten Personen geschrieben wurden, wird die Handlung stringent weitergesponnen. Leider kommt es dahingehend auch zu vielen Wiederholungen, da Millar, wie ich vermute, jeder Figur die Möglichkeit geben wollte, ihre ureigenste Sicht der Dinge darlegen zu können. Da auch die verwendete Sprache wieder sehr einfach gehalten ist (wie bei den New Yorker Elfen) zieht sich das Leseerlebnis leider ziemlich hin. Nicht weniger als fünf andere Bücher habe ich dazwischengeschoben, weil mich schon der Gedanke daran, dieses Buch beenden zu müssen, genervt hat. Mit einem schnellen Querlesen habe ich die letzte Hälfte dann doch noch bewältigt und bin auf einige durchaus interessante Szenen gestoßen. Malveria und ihre Nichte gehören dazu. Sie sind so schön gegensätzlich und bilden ein herrliches Mutter-Tochter-Gespann.
Thrix verliert zum Ende hin an Substanz, scheint fast nebensächlich für den Autor geworden zu sein. Kalix dagegen durchläuft mehrere Stadien der Veränderung, die alle glaubhaft sind. Ihr selbstzerstörerisches Verhalten lässt erst nach und nimmt dann wieder zu. Ihre inneren Dämonen, die aus einer ungeliebten Kindheit und ihrem Alter resultieren, zwingen sie immer wieder dazu, nichts zu essen oder sich die Haut zu ritzen.
Was mir sehr gefallen hat, war die Art des Werwolfes. So wäre er auch, wenn ich es mir aussuchen dürfte und nicht, wie in zahlreichen anderen Romanen, wo der Werwolf als solcher nur die Handlung "wilder" ausschmücken soll, aber eigentlich zu wenig durchdacht wurde.
Die Fortsetzung würde mich interessieren, weil ich gerne wüßte, was es mit Kalix Geburt auf sich hat und wer letztendlich der neue Fürst wird. Spannend ebenfalls die vielen kleinen Liebesbändel. Nächstes Mal bitte eine Personenliste.
Junge Paranormalliebhaber kommen auf jeden Fall auf ihre Kosten. Sollte das Buch jemals verfilmt werden, bin ich umgehend im Kino.


Freitag, 26. Juni 2009

Die Fehde der Königinnen - Eva Maaser



Im Jahr 566 wird die sechzehnjährige Königstochter Brunichild mit Sigibert, dem König der Franken verheiratet. Noch vor ihrer Abreise aus Toledo begegnet die junge Frau Wittiges, einem jungen Landadeligen, der gerade dabei ist, seinen Platz in der Welt zu suchen. Um nicht unvorbereitet in die Ehe gehen zu müssen, lässt sich Brunichild von einer Hure unterweisen und wählt dann Wittiges aus, um das erste Mal bei einem Mann zu liegen. Dieser verliebt sich in die Königstochter und beschließt, mit ihr in das neue Land zu ziehen.
Mit beiden reisen auch der junge Alexander, der als Kind zum Eunuchen gemacht worden ist und ganz wundervolle Musik auf jedem Instrument zustande bringt. Eigentlich Sklave, bekommt er sowohl eine Freilassungsurkunde, als auch ein Schriftstück, das ihm seine wahre Herkunft verkündet; beides wird auf der Reise gestohlen. Aletha, die Dienerin Brunichilds, ist unrechtmäßig schwanger und braucht einen Ehemann. Brunichild wählt Wittiges dazu aus, der sich nur sehr zögernd darauf einlässt.
Am Hofe Sigiberts gelingt es Wittiges den König vor einem Anschlag zu schützen und wird mit Land und seinem Vertrauen belohnt. Zuerst wenig begeistert, nimmt Wittiges beides an und versucht sich ein Leben mit Aletha und Alexander aufzubauen.
Doch dann gerät er mitten hinein in den Bruderkrieg: Sigiberts Vater hatte - obwohl von der Kirche ungern gesehen - fünf Ehefrauen und entsprechend viele Söhne. Vor allem der gutaussehende Chilperich, der auch Brunichild den Kopf verdreht hat, kann sich nicht damit zufrieden geben, was er hat und fordert immer mehr. An seiner Seite seine Mätresse Fredegunde, die ihn zusätzlich anstachelt. Er heiratet Brunichilds jüngere Schwester wegen deren Mitgift, kümmert sich aber nicht weiter um sie. Als das Mädchen umkommt, schwört Brunichild Rache.


Eva Maaser hat ein überzeugendes Werk geschaffen, das Historienfreunde begeistern wird. Doch leider muss erwähnt werden, dass sowohl Titel, als auch Klappentext einen Inhalt vorgaukeln, den es so nicht gibt. Allein Brunichilds Reise zu ihrem Mann und das erste Kennenlernen zieht sich bis etwa zur Mitte des Buches. Mit Fredegunde, die erst im letzten Drittel des letzten Drittels ihre Schwägerin wird, kommt sie nur selten und wenn, dann eher freundschaftlich in Kontakt. Wer also einen "Zickenkrieg" auf hohem Niveau erwartet, wird sicherlich sehr enttäuscht sein.
Wittiges ist der Hauptcharakter in diesem Buch und das wird in der fortlaufenden Handlung immer deutlicher - damit stehen auch nicht, wie im Nibelungenlied, die Frauen im Vordergrund. Sympathisch, draufgängerisch, bedacht und ein wenig starrsinnig kämpft er sich durch die elf Jahre, die das Buch dem Leser bietet. Obwohl für ihn unerreichbar, hält er an seiner Liebe zu Brunichild fest und tut daher nicht nur für sie, sondern auch ihren Ehemann Sigibert alles, was er kann. Dabei wird er immer wieder in Intrigen und Kämpfe verwickelt, die nicht immer zu seinem Vorteil ausgehen.
Brunichild scheint unnahbar, wenngleich auch sie ihre Kämpfe zu bestehen hat. Diese allerdings einer Frau des frühen Mittelalters angemessen und geschichtsnah, dabei aber sehr unterhaltsam dargestellt. Eine Königin, die erst im Laufe der Jahre zu sich und ihrem Platz findet.
Ein großes Manko ist das Ende. Als hätte der Platz nicht mehr gereicht, werden zwei Jahre in nur wenigen Seiten zusammengestaucht und lediglich Wittiges kommt noch zu Wort. Was in dieser Zeit mit Brunichild geschah und warum sie noch immer auf Rache sinnt, bleibt unklar. Allerdings hat Eva Maaser sich auch viele lose Enden in der Handlung gelassen, die darauf schließen lassen, dass es den ein oder anderen Nachfolgeband geben wird. Doch auch "Die Fehde der Königinnen" kann als abgeschlossen betrachtet werden. Zumindest, was diese Generation betrifft.
Die Autorin wird neben Rebecca Gable einen Platz in meinem (virtuellen) Bücherregal finden. Sie schreibt unterhaltsam und locker-leicht hinweg. Der Leser taucht ein in eine Zeit und ein Umfeld, das fremd und nah zugleich ist. Maaser legt hier ihren ersten historischen Roman vor, sie ist bisher eher als Krimi- und Kinderbuchautorin bekannt geworden. Ich für meinen Teil hoffe, dass sie schnell die Fortsetzung vorlegen kann, denn die anderen beiden Genres liegen mir überhaupt nicht.
Hiermit spreche ich eine deutliche Empfehlung für das Buch aus.


Samstag, 23. Mai 2009

Gesellschaftsspiele - Louise Jacobs




Leider abgebrochen


Es hat mich fasziniert zu lesen, dass Louise Jacobs ein Jahr lang in der Kunstszene recherchiert hat, ehe sie diesen Roman schrieb. Dann bedeutet die Schreiberei ihr etwas, dachte ich. Nur wie man "in der Kunstszene recherchiert" ist mir nicht klar. "Abgetaucht" steht im Einband, ist sie also untergegangen und verschwunden und "tauchte wieder auf", irgendwann?
Welche Menschen mögen ihr begegnet sein, malt sie vielleicht selbst? Hat sie Ausstellungen organisiert, an ihnen teilgenommen? Wie nah ist sie den Künstlern gekommen, um dann vom Innenleben eines solchen zu erzählen? Und aus wie vielen Leuten, die ihr dabei begegnet sein mögen, hat sie die Figur Leo Becker geschneidert - kann dies dann überhaupt noch authentisch sein?
Mir gefiel Leo zunächst, seine Unentschlossenheit, sein innerer Druck werden sehr deutlich. Hin und her gerissen sucht er nach etwas, vielleicht einer Muse oder einfach einem Platz, der ihm das gibt, was ihm nun zu fehlen scheint. Der Umzug seines Ateliers hat zunächst geholfen und von anderen Problemen abgelenkt, die aber wieder aufgetaucht sind.
Rahel, seine Ehefrau, liebt die anderen Männer, die er ihr zugesteht, nicht mehr versteckt. Sie bringt sie offen mit in sein Haus, in seine Kunst. Ein Affront gegen jeden Mann und ganz bestimmt gegen Leo Becker. Sie will ihm weh tun, natürlich. Nach all den Jahren, in denen sie sich für ihn aufgeopfert und ihn berühmt gemacht hat, bedeutet sie ihm nichts mehr, er schert sich nur um sich selbst und seine Bilder.
Diese beiden Personen, die eigentlich nicht mehr zusammen gehören, sind aber in ehelicher Zweisamkeit und geschäftlicher Praxis aneinandergekettet. Ein durchaus interessanter Ausgangspunkt, den Frau Jacobs da gewählt hat, einfach ideal, um tief in die Abgründe einer, zwei oder x Seelen einzutauchen. Schade, dass sie das Ende vorwegnimmt, aber da ich das Buch nicht in Gänze kenne, weiß ich auch nicht, inwiefern das sinnvoll ist.
Ich werde sicher wieder einmal zu diesem Buch greifen und weiterlesen, aber im Moment stecke ich einfach fest, im ersten Drittel schon. Woran liegt das?
An den immens vielen (unwichtigen) Details, die den Inhalt aufschwemmen und die Koppelung eines stoischen Und-dann-Stils. Eines davon ist schlecht, beides vereint einfach tödlich für mich. Schon nach wenigen Zeilen verschleierte sich mein Blick und ich dachte mich davon, woandershin. An die Zeilen gefesselt war ich also bei weitem nicht, denn obwohl man als Leser mittendrin ist, lässt Frau Jacobs niemanden an sich und ihre Figuren heran, hatte ich das Gefühl. Wie eine unsichtbare Mauer steht da irgendetwas zwischen mir und dem Buch.
Es tut mir ehrlich leid, dass ich nicht mehr sagen kann, nach meinem ersten Abbruchbuch bei vorablesen. Aber jede Kunst ist auch und vor allem Geschmackssache.


Donnerstag, 7. Mai 2009

Der Schuh auf dem Dach - Vincent Delecroix




"Der Schuh auf dem Dach" ist ein Roman, der insgesamt zehn Kurzgeschichten beinhaltet. Das Geschehen dreht immer wieder zu einem Haus in Paris zurück, in dem die handelnden Personen leben oder gelebt haben. Auf dem Dach liegt stets ein Schuh und darin findet der Leser auch das einzig verbindende Element. Delecroix, der seine Landsleute mit dem Buch bezaubert hat, schafft mannigfaltige Figuren und sogar eine Tierperspektive. Daher ist es schwer zu bestimmen, mit welcher seiner Geschichten er mehr Eindruck hinterlassen wird, bei mir sind es drei.
Dieses arme schwarze Mädchen in "Lied der Sehnsucht", die so verliebt war in ihn, der ohne Aufenthaltsgenehmigung mitten unter ihnen lebte. Ein Verrat brachte die Polizei zu ihm und man riss den Geliebten aus ihren Armen. Den Schmerz, den sie nun empfindet, bringt uns der Autor sehr vehement und stark näher. So viel Liebeskummer und Trauer fließt zwischen den Zeilen, das hat mich tief beeindruckt.
Wer sich ein wenig mit der Problematik, die Delecroix hier anspricht, auskennt, wird wissen, warum er diese Geschichte geschrieben hat. Gerade die Jugendlichen in den Vorstädten, auch oft schwarzer Hautfarbe, finden einfach keinen Weg in die französische Gesellschaft hinein.
"Warum ich verschwunden bin" erklärt dem Leser ein ehemaliger Literaturkritiker. Mit zweifelhaften Aussagen und meist ohne die Bücher gelesen zu haben, brachte er es schnell zu Ansehen, Ruhm und einer eigenen Fernsehsendung. Doch dann überfällt ihn plötzlich das Gefühl, dass das alles nutzlos ist, was er tut. Er ist zu stoisch, hinterfragt nichts. Also gibt er alles auf und beginnt, Bücher, da vor allem die alten Philosphen, zu lesen. Schließlich kapselt er sich von der Welt ab, um zu höherem Wissen zu gelangen.
Ich habe so gelacht! Delecroix ist beinahe bitterböse mit der Zunft umgegangen, aber trotzdem liebevoll, so dass sie ihm nicht lange böse sein wird. Die Person, vor der man zunächst Achtung hat, verkommt, ohne es zu merken, zur halben Lachnummer. Was ich bedauere ist, dass man nicht erfährt, inwiefern und ob überhaupt ein erneutes Umdenken einsetzen wird.
Die liebenswürdige alte Dame aus "Erste Hilfe" kann sich nicht damit abfinden, dass niemand diesen alten Schuh auf dem Dach gegenüber entfernen will. Als sie die Feuerwehr unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ruft und sie bittet "wo Sie doch schon mal da sind", etwas dagegen zu unternehmen, sendet man ihr einen jungen Mann, der sie verwarnen soll. Schnell freunden sich die beiden an und erkennen, dass sie zwar durchaus verschieden sind, aber doch auch viel gemeinsam haben. Vor allem ihre Einsamkeit.
Sie ist so echt! Das ist beinahe beängstigend. Ich mochte sie sehr gern, habe mir vorgestellt, wie sie nicht ihrem Neffen, sondern mir von den Begebenheiten erzählt. An den richtigen Stellen musste ich schmunzeln und an anderen betroffen schlucken. Delecroix beweist sein Talent mit jeder einzelnen Zeile.
Neben diesen drei Lieblingen von mir gab es allerdings auch Geschichten, die habe ich eher überflogen, als richtig gelesen. Das fand ich eher schade, aber der Zugang zur Denkweise des Autors fehlte mir dort einfach. Doch das ist ja das Gute an einer Kurzgeschichtensammlung: für jeden ist etwas dabei, man kann getrost auch mal was auslassen. Obwohl ich es schade fand, die meist nicht mehr als drei Zeilen nicht finden zu können, die mir verrieten, was jetzt die Verbindung zu den Nachbarn ist.
Ich mochte "Die Welt der Amelie" sehr gerne und glaube von der Atmosphäre dieser Geschichte auch hier etwas wieder zu finden, so dass ich annehme, dass dies französischen Autoren und Werken eigen ist. Daher schaue ich mich jetzt mal näher nach beidem um. Zwar enthalten beide Werke auch viel Klischee, aber meine Güte, was ist denn das Leben, wenn nicht ein einziges Klischee?


Mittwoch, 29. April 2009

Das Haus in den Wolken - Judith Lennox




Richard Finborough - aufsteigender Firmeninhaber, nie um Frauen und Geld verlegen - begegnet 1909 der ebenso schönen, wie schweigsamen Isabel Zeale. Obwohl sie aus niederen Kreisen stammt, geht sie ihm nicht aus dem Kopf und er wirbt um ihre Gunst. Schließlich erhört sie ihn, obwohl sie ein Geheimnis hütet, das er nie erfahren darf und stets befürchten muss, dass er sie verlässt, wenn er genug von ihr hat.
Das Ehepaar bekommt drei Kinder: Philipp, Sara und Theo. Isabel versucht sich an das Leben der Reichen und Schönen anzupassen, was ihr aber nie so ganz gelingen will. Richard kämpft im ersten Weltkrieg und lernt dort einen Kameraden kennen. Als er den besuchen will, findet er nur ein verwahrlostes Haus, eine halbverrückte Frau und ein kleines Mädchen vor. Aus Sentimentalität bringt er die Frau entsprechend unter und nimmt das Mädchen, Ruby, mit zu sich nach Haus, wo sie als eine Finborough aufwächst, sich aber nie völlig zugehörig fühlen wird.
Philip und sein Vater sind sich zu ähnlich und es kommt zum Bruch. Sara, das Mädchen aus gutem Hause verliebt sich unstandesgemäß und lernt erst spät, was es heißt zu l(i)eben. Theo zieht es in die Ferne, da er mit ansehen muss, wie die Frau, die er innig liebt, verzweifelt und unerhört einem anderen nachläuft. Inzwischen bricht der zweite Weltkrieg aus und die Jungen gehen zur Armee.
Ruby, die stets nach ihrem verschollenen Vater gesucht hat, bekommt einen schrecklichen Verdacht, der sich bestätigt. Isabel wird ebenfalls von ihrem Geheimnis eingeholt und muss Richard alles beichten. Aber die Familie wäre nicht die Familie, wenn nicht ...


Noch nie habe ich so lange für einen Roman gebraucht und das lag sicher nicht an der Dicke des Buches. Der Anfang um die zarte Liebesgeschichte von Richard und Isabel las ich sehr gern, aber dann kam das "Muss" immer mehr dazu. Ich legte das Buch beiseite. Dabei war das, was ich las nicht wirklich uninteressant. Nur eben äußerst zäh geschrieben. Leider war schon am Beginn klar, was Isabels Geheimnis war und wo Rubys Vater abgeblieben ist. Einige Handlungseinschübe konnten das nicht wett machen, sondern leider nur verzögern.
Erst ab etwa Seite 300, die ich nach Monaten(!) wieder aufgriff, kam Leben in die Geschichte. Hatte ich mich gewandelt? Das Buch? Ich weiß es nicht. Aber das, was mich zuvor davon abhielt, in die Seiten zu schmökern, zog mich nun beinahe an. Frau Lennox beschreibt nun einmal nicht alles ausführlich, aber ich muss gestehen, dass das auch nicht immer angebracht ist. Außerdem wäre der Roman dann auf fünfhundert Seiten mehr gekommen - mindestens.
Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich fest entschlossen war, das Buch zuende zu lesen. Ich glaube schon, dass ich ein gutes Buch erkennen kann, auch wenn es nicht unbedingt meinem persönlichen Geschmack entspricht. Oder aber es war einfach die Handlung selbst. Die Kinder waren irgendwann groß und Lennox konnte sie aus einem völlig anderen Kontext heraus agieren lassen.
Alles in allem muss ich sagen, dass mir der Roman doch sehr gut gefallen hat. Da ich zufällig im Buchregal meiner Mutter ein weiteres Werk der Autorin gefunden habe, werde ich mich noch einmal an ihr versuchen - es ist auch deutlich kürzer.
Was Lennox gut hinbekommen hat, ist, eine Familie über Jahre hinweg absolut glaubhaft zu schildern. Und den Leser zudem in eine längst vergangene Zeit eintauchen zu lassen. Davor wirklich Hut ab!


Montag, 9. März 2009

Totenmesse - Arne Dahl




Aller Laster Anfang ist das Öl und Arne Dahl hat einen ganzen Roman darum gesponnen. Ein sehr aktuelles Thema und wie sich hier zeigt, schon seit fast einem ganzen Jahrhundert. Cilla Hjelm ist und bleibt eine Staffagefigur, nach dem Banküberfall taucht sie nicht mehr auf, außer in zwei Nebensätzen am Schluß. Aber sie hat es ja selbst erkannt, sie ist und bleibt genau das. Vielleicht war sie in einem der Vorgängerromane mehr, das allerdings weiß ich nicht, da dies mein allererster Roman von Arne Dahl ist.


Der Anfang war recht schleppend, da diverse Personen etwas sehr Alltägliches taten und schließlich noch mehr Personen hinzukamen, die ich alle nicht kannte. Furchtbar auch, dass sie so ähnliche Namen hatten, die zum Verwechseln geradezu einluden. Aber nicht aufhalten lassen, einfach weiterlesen. Der Banküberfall sorgt für Spannung, doch just in dem Moment, als ich mich fragte, ob ich ein ganzes Buch mit einer langweiligen Geiselbefreiung verbringen muss, ändert sich alles, was ich als sehr erfreulich empfand. Man nimmt die Gangster gefangen und plötzlich sind sie verschwunden. Was nun? Hinzu kommen Auszüge aus einem Tagebuch, das ein deutscher Soldat im zweiten Weltkrieg geschrieben hat. Dabei habe ich mich allerdings gefragt, wie er alles verlieren kann, dieses kleine Büchlein aber immer bei sich behält und das über Monate, in denen er nichts einschreibt. Diese Auszüge lesen sich ausnehmend gut und da es sich bei dem Soldaten um einen studierten Mann handelte, will ich auch gern diese beinahe lyrische Sprache glauben.


Ein wenig konstruiert und an den Haaren herbeigezogen fand ich Teile der Handlung schon. Aber Arne Dahl versteht es geschickt, darüber hinweg zu täuschen. Wäre diese Geschichte von einem anderen Autoren geschrieben worden, man würde sie sicher in der Luft zerreißen. Nur das Ende, so leid es mir tut, ist einfach nur sehr enttäuschend. Ich hätte mir da mehr gewünscht, als dass plötzlich alles so nichtssagend ausläuft. Eine Menge Fragen zu diesem auch nicht nachvollziehbarem Ende - das ich nicht verraten will - haben sich in mir gebildet und so manches leuchtet mir einfach nicht ein. Beinahe bin ich enttäuscht, dass ich so lange durchgehalten habe und schließlich, gelinde gesagt, nichts passiert.


Dahl erzählt eine gelungene Geschichte mit kleinen Schwächen, die aber nicht weiter auffallen. Seine Sprache ist einfach, aber subtil, Spannung versteht er meisterhaft aufzbauen, so dass der Roman mehrere Schichten davon ausbildet. Das Ende ist gewöhnungsbedürftig, aber alles in allem ist dies ein Buch, dass nicht nur Fans gefallen wird. Es liest sich wirklich schnell weg, aber es macht sicher Sinn, die Vorläufer gelesen zu haben. Ich hab einfach zugeschaut, was die einzelnen Figuren taten, aber erkannt oder sie mir gemerkt habe ich nicht. Alles Fremde bis zum Schluß.


Was mir auch sehr gefiel, war der versteckte Zeigefinger Dahls, was die Ölkriege anbelangt. Aus dieser Idee heraus einen ganzen Roman aufzubauen und dann auch noch den Kalten Krieg und seine Politik einzubauen stelle ich mir nicht einfach vor. Da kann ich gern die kleineren Ungerimtheiten vergessen. Obwohl ich kein Fan des Genres bin, möchte ich den Roman gern weiterempfehlen, denn er hat mir gut gefallen.


Mittwoch, 4. März 2009

Landliebe gesucht - Emma Hamberg




Emma Hamberg überfällt den Leser mit drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten - und Schwestern sind es auch noch. Dumm nur, dass sie so jedes Klischee, das es gibt, darstellen. Das wäre nicht weiter schlimm, denn was ist das Leben, wenn nicht ein einziges Klischee? Doch Hamberg hat sich die Extreme herausgesucht und ihre Kühe dazugegeben. Lena, verheiratet, drei Kinder, einfach nur müde und überarbeitet. Marie, älteste, Silikontitten, Barkeeperin, einsam. Asa, Computerspezialistin, kinderlos, verheiratet, unzufrieden.
Die Leben der Schwestern wirken zunächst glaubhaft, wenn auch immer einen Tick zu weit getrieben. Und dann diese Eifersucht, das viele BlaBla. Es dauert, ehe der Unglücksfall - der Tod des geliebten Vaters - eintritt. Fast die Hälfte des Romans ist rum und ab da, ist nichts mehr, wie zuvor. Zum einen verlässt Lena ihre kleine Familie, Marie kündigt später und Asa ... nun, sie schläft mit dem Mann ihrer Schwester. Alle sind sie verloren in sich selbst, aber ich kann nun einmal leider nicht glauben, dass es der Vater war, der ihrem Leben die Stabilität gegeben hat, der sie hat alles bisher durchstehen lassen. Ist es wirklich sein Tod, der sie alles überdenken lässt?
Es wirkt hanebüchen, wie Hamberg die Handlung vorantreibt. Ein Schicksalsschlag nach dem anderen und es scheint sich alles den agierenden Personen zu entziehen, sie geraten in einen Strudel aus Verzweiflung und Leidenschaft. Aber genau das kam bei mir nicht an. Ich fand es einfach viel zu übertrieben, viel zu sehr auf Pump gedacht. Natürlich heißt es in bekannten Schreibratgebern: "Lass sie länger leiden." aber deswegen muss man bitte nicht so sehr übertreiben. Das Ende ist völliger nonsens. Gerade was Marie betrifft, bin ich damit absolut nicht einverstanden, auch wenn Emma Hamberg noch so sehr ihrer Nachbarin einen Gefallen damit tun wollte, wie sie selbst schreibt. Es ist einfach too mouch und nebenbei auch unnötig. Vorhersehbar sollte ich vielleicht auch noch erwähnen. Und so leicht verzeiht es sich nicht, nicht einmal in einer Familie.
Warum ich das Buch zuende gelesen habe? Weil die Autorin eben doch etwas geschafft hat, nämlich, dass ich wissen wollte, wie es ausgeht. Denn von Gefühlen und wie man sie gut rüberbringt versteht sie was. Hätte sie sich bei den Figuren und auch der Handlung nur ein wenig zurückgenommen, ich könnte wohl glauben, dass es sich hier um einen neuen Bestseller handelt. Doch so muss ich leider annehmen, dass auch hier eine Marketingabteilung ihr Übriges dazu getan hat, was allein Titel und Aufmachung des Buches beweisen.


Mittwoch, 18. Februar 2009

Liebespaarungen - Lionel Shriver




Zwei Wege - zwei Schicksale und was nun wirklich geschehen ist, weiß niemand. Doch genau das ist ein Ende, das ich mir so gewünscht hätte, auch wenn es nicht ganz so fulminant ausgegangen ist, wie ich es vermutet und ein bisschen auch gehofft habe. Eine Frau, zwei Männer und eine große Entscheidung. Ein entweder-oder ohne die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass das Leben auch ohne Mann lebenswert ist. Aber Irina McGovern ist so nicht erzogen und stammt aus einer Generation, die diesen Gedanken für völlig abwegig halten muss.


Die beiden Männer könnten unterschiedlicher nicht sein. Lawrence, der aufrechte, pünktliche, sparsame Anorak-Man und Ramsey, der wilde, nach Leben hungernde Snooker-Spieler. Eigentlich hätte Lionel Shriver hier von einem Klischee zum nächsten hinken müssen, doch das tut sie nicht. Sie schafft zwei Figuren, die so, wie sie sind, absolut glaubhaft wirken, die neben den Ecken und Kanten genug Liebenswertes besitzen. Natürlich müssen sich die beiden Leben, die Irina nach dieser verhängnisvollen Nacht, in der sie mit Ramsey seinen Geburtstag feiert und ihn schließlich (nicht) küsst, völlig unterscheiden. Aber mir ist nicht klar, warum in der einen Geschichte Lawrence eine lange Zeit braucht, um über seine Irina hinwegzukommen, während er in der anderen Geschichte jahrelang eine Geliebte aushält. Oft wirkte das auf mich, als hätte ich es mit zwei verschiedenen Menschen zu tun. Klar, Shriver will mit diesem Detail die beiden Leben verflechten. Irina bricht aus, weil das Leben mit Lawrence ihr nichts mehr zu bieten hat. Eigentlich ist da nichts, was sie stört, alles ist wie immer, alles ist perfekt. Genauso muss es auch Lawrence gehen, als er die Sicherheit liebende Irina seit fünfzehn Jahren an seiner Seite hat.


Ich muss gestehen, dass ich mit dem Anfang des Romans so meine Schwierigkeiten hatte. Ich begriff erst spät, was es mit der weißen und schwarzen Kapitelzahl auf sich hatte und so war ich stark verwirrt, weil mir der Zusammenhang fehlte. Aber nach dem ersten Drittel las ich "Liebespaarungen" sehr gerne. Natürlich gab es auch Momente, in denen ich etwas grillig die weißen Kapitel verfluchte, da sie zurück zum Anfang gingen, eben das noch einmal erzählten, was ich soeben ja schon gelesen hatte. Nur eben aus der Sicht der anderen Irina. Dennoch komme ich nicht umhin, die Autorin (die eigentlich Margaret Ann heißt, den Namen aber nie mochte) für diesen Clou zu bewundern. Ich wette, sie ist beim schreiben ebenso oft verzweifelt und wollte alles hinschmeißen. Aber wie sie es geschafft hat, die gleiche Situation so völlig anders darzustellen und zu interpretieren hat mich schon tief beeindruckt. Ich glaube im übrigen auch nicht, dass nur eine der beiden Geschichten erzählt, die gleiche Wirkung auf mich als Leser gehabt hätte. Für mich, das muss ich gestehen, ist die interessantere Geschichte die mit Ramsey, aber sie allein hätte mich nicht vom Hocker gerissen. Doch gepaart mit Lawrence und dieser völlig anderen Irina wurde sie einfach noch viel reizvoller und damit lesenswerter.


Sicherheit also gibt es nicht und lieber ein kurzes Lieben, als gar keines. Interpretiere ich die Aussage des Romans richtig? Ich weiß es nicht. Aber das ist ja das Schöne daran: es gibt kein wirkliches Richtig und Falsch. Die "bessere" Variante kann sich der Leser selbst auswählen oder sich eine völlig andere ausdenken. Wie wäre es mit einer, in der sich Irina nicht so völlig mit ihrem Mann identifiziert und sich über ihn beinahe definiert? Natürlich stört es sie, dass sie nur nach ihrem jeweiligen Mann und dessen Beruf gefragt wird, weil sie weiß, dass sie das muss. Aber eigentlich ist es doch aufregend zu sagen: Ja, der ist ein weltberühmter Snookerspieler oder: Ja, der ist ein sehr bekannter Politikwissenschaftler. Ich? Ich illustriere Kinderbücher ... klar, dass den meisten Gesprächspartnern da nichts weiter zu einfällt. Wie weltbewegend soll denn das sein? Und Geld bringt es wahrscheinlich auch keines. Doch die beiden Kinderbücher in den zwei Leben zeigen deutlich, wie sehr sie sich selbst an den jeweiligen Mann verloren hat. Liebe? Ja. Aber doch mehr Sex. Armer Ramsey, irgendwann ist er weder ein guter Liebhaber, noch ein (guter) Snookerspieler. Was bleibt von ihm?
Also alles zurück zum Anfang?


Mir hat das Buch wirklich gut gefallen; eine Geschichte, die genau so und nicht anders erzählt werden sollte. Ja, es gibt die langgezogenen Passagen und ja, es liest sich mitunter stockend und langweilig, wenn sich endlos Kapitel für Kapitel wiederholt. Doch im letzten Drittel des Buches entschärft sich das Ganze und Seite um Seite, Geschehen um Geschehen fliegt am Leser vorbei. Die Idee ist wirklich hervorragend. Eine Frau, zwei Männer gibt es zwar schon so lange, wie es menschliche (Liebes-) Bande gibt, aber auf diese Weise, möchte ich behaupten, ist es mir noch nicht erzählt worden. Wirklich großes Können, Frau Shriver, alle Achtung.


Mittwoch, 11. Februar 2009

Schrei nach Stille - Anne Chaplet




Sophie Winter hat ein Buch geschrieben: "Summer of Love". Darin schildert sie einen Sommer '68 in dem drei junge Hippies in ein eher verschlafenes und in sich eingespieltes Dorf ziehen. Leider sind sie nicht willkommen, was man sie immer und immer wieder spüren lässt. Erst sind es nur eingeschlagene Fenster, schließlich, nachdem ein Mädchen aus dem Dorf hinzustößt, auch eine Prügelei. Die Polizei tut nichts. Und schließlich verschwindet eines der Hippiemädchen, die anderen beiden gehen weg und das große Verdrängen setzt ein. Wo ist sie? Was haben das Dorf und seine Bewohner damit zu tun?
Das Buch, vierzig Jahre später veröffentlicht, wird ziemlich erfolgreich und man plant ebenfalls eine Verfilmung. Zu dieser Zeit zieht die Autorin Sophie Winter in ein kleines, verschlafenes Dorf in Hessen. Was kaum einer so recht ahnt: Ihr Roman basiert auf echten Begebenheiten und sie ist nicht unabsichtlich in dieses Haus, das von den Dorfbewohnern gemieden wird, eingezogen. Schon bald scheinen sich die Vorkommnisse von damals zu wiederholen. Dies allerdings stört Sophie zunächst nicht weiter, im Gegenteil, es wird schnell klar, dass sie es genau darauf angelegt hat. Das Alter und sicherlich auch ihr jahrelanger Drogenkonsum in der Jugend haben ihr Gedächtnis nicht besser gemacht. Sie kämpft gegen eine doch recht starke Demenz, die in Alzheimer umzuschlagen droht. Sie will endlich klären, was damals wirklich geschah.
Eher unabsichtlich wird sie dabei von zwei Männern unterstützt, die aus unterschiedlichen Gründen ebenfalls herausfinden möchten, was passiert ist. Gleichzeitig ist im Dorf nämlich ein kleiner, blonder Junge verschwunden und belebt zusätzlich das, was von niemandem vergessen worden ist.


Anne Chaplet malt Bilder mit Worten und jedes einzelne ist ein Kunstwerk. Schon allein deswegen lohnt sich das Lesen des Buches unbedingt. Sie setzt die Hinweise sehr dezent und doch auch so, dass sie nicht überlesen werden können. Es gibt - Gott sei Dank - keine überflüssige Gewalt, keine Leichen, über die man ständig stolpert, kein Blut, wo es nicht hingehört. Sie setzt auf die Beziehung der Menschen zueinander und diese zeichnet sie lebensecht. Zum Fürchten teilweise!
Was mich ein wenig durcheinandergebracht hat, waren die beiden Männer Bremer und deLange. Irgendwie ist mir zuerst entgangen, dass das zwei verschiedene Leute sind und als ich es begriffen habe, war es schon fast zu spät. Wer hat wann Sophie kennengelernt, wer hat welchen Grund, ihr zu helfen bzw. den Fall neu aufzurollen? Ein bisschen sehr zufällig war es schon, als Charles, der Mann in der Hippiekommune, zufällig auftauchte bzw. deLange herausbekam wer er heute ist. Aber das verzeiht man gern.
Das Ende gefiel mir sehr, was selten ist; es bildet einen gekonnten Abschluß. Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen.


Dem Tode nah - Linwood Barclay





Selbstgerecht erscheint die Hauptfigur des Vaters bis zum Ende und übertreibt es schon fast. Der einsame Cowboy, der wenig redet, aber stets richtig handelt, in ein modernes Umfeld gebettet und vor ein Problem, das seine Familie bedroht, gestellt. Im Prolog des Romans versteckt sich der siebzehnjährige Derek im Keller seines besten Freundes und Nachbarn Adam. Dieser muss mit seinen Eltern in den Urlaub fahren und Derek freut sich darauf, endlich ein kleines Fleckchen Erde nur für sich zu haben. Für sich und seine Freundin Penny, die er nur zu gern endlich beschlafen würde.
Doch der Zufall macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Adams Mutter erleidet einen Rückfall und die Familie kehrt zurück. Noch bevor Derek sich aus dem Haus schleichen kann, dringt ein Bewaffneter ein und erschießt die Familie.
Danach erlebt der Leser das Geschehen aus Sicht seines Vaters Jim, dem zunächst eher weniger an der Aufklärung des Mordfalles gelegen ist, der sich vielmehr mit anderen Porblemen herumschlagen muss. Doch als sein Sohn offenbar immer mehr ins Visier der Ermittler rückt, versucht er auf eigene Faust etwas herauszufinden. Dabei hat er aber stets nur die (unbewußte?) Rache am Chef seiner Frau Conrad Chase im Sinn, die vor vielen Jahren eine Affäre mit diesem gehabt hatte. Auffällig ist auch der ungeklärte Selbstmord eines hochbegabten Studenten, an dessen Computer Derek gekommen ist und auf dem sich ein Mansukript verbirgt, das dem Bestseller Conrad Chase auffällig gleicht.
Jim arbeitete vor einiger Zeit für den Bürgermeister, der sich mehr als einmal daneben benommen hat und sicher auch vom Autor als Konstrastfigur geschaffen wurde, um den aufrechten Mann Jim noch rechtschaffener, ehrlicher und auch stolzer darzustellen (und auch eine-wir-hier-unten und die-da-oben Rolle beizubehalten). Diese Gegenüberstellung ist geglückt, doch war sie mir etwas zu sehr an der Grenze zu Klischee und Abklatsch. Alles in allem ist "Dem Tode nah" ein spannender Roman (meiner Meinung nach aber eher Krimi als Thriller), der mit einigen Verdächtigen aufwarten kann, die den Leser immer mal wieder in eine falsche Richtung führen. Ich bin mit dem Ende nicht wirklich einverstanden, es wirkt mir eine Spur zu konstruiert und die Motivation des Täters kann ich, was Jim und seine Familie angeht, nicht nachvollziehen. Auch, dass alles so wirklich positiv ausgeht, vor allem für Jim, hat mir nicht gefallen, wenn es natürlich auch den Gerechtigkeitssinn des Lesers ansprechen dürfte.
So, wie der Roman aufgebaut und geschrieben wurde, ist er sehr ansprechend für die meisten Leser gemacht und lässt sich sicher auch sehr gut verfilmen. Ich allerdings bin einfach nicht mit der Hauptfigur des Vaters warm geworden und einige Stellen des Buches zogen sich doch recht in die Länge. Dennoch würde ich das Buch, schon allein wegen Preis und Cover, weiterempfehlen.


Sonntag, 25. Januar 2009

Firmin - Ein Rattenleben - Sam Savage





Du bleibst eben immer was du bist, vor allem für andere. Einmal Ratte, immer Ratte; welch Ironie für Firmin, hat er doch sein Leben lang versucht, jemand anderer zu sein. In seinen Träumen war er stets einer der Helden aus Buch oder Film, zwei Medien, die er sehr verehrt hat. So verehrt wie die erste und zweite Liebe seines Lebens. Nun, Norman hat versucht ihn umzubringen und Jerry starb, ehe Firmin sich entscheiden konnte, ob auch er nur ein Trugbild, ein Ideal, das es so nie gegeben hat, war. Die Ratte Firmin wird in einem Buchladen geboren und merkt irgendwann, dass sie die Seiten der Bücher nicht nur anfressen, sondern auch lesen kann. Sie haben alle einen eigenen Geschmack: süß, bitter, sauer, bittersüß, ranzig, salzig, scharf. (Geht es uns Lesern nicht auch oft so, dass wir Bücher als schmackhaft empfinden? Oder sie uns zu schwer im Magen liegen?) Er weiß, rein theoretisch steht ihm die Welt offen, aber praktisch kommt er nie aus der Buchhandlung und ihren weiteren Etagen hinaus. Er lebt in der Welt und er versteht sie weiß Gott besser, als ein Vielgereister, trotzdem bleibt sie ihm stets Geheimnis, das es zu ergründen gilt.


Das ist das erste Buch von Sam Savage, einem Mann fortgeschrittenen Alters, der in Philosophie promovierte, eine zeitlang unterrichtete, aber meist in Berufen arbeitete, die damit nicht viel zu tun hatten. Die Ratte Firmin ist absolut liebeswert und wüsste man es nicht, so würde man sie für einen Menschen halten. Die Zeit, in der das Geschehen spielt und die hervorragend recherchiert (und erlebt?) wurde, könnte nicht besser dargestellt werden. Die Emotionen aller Figuren übertragen sich mit Leichtigkeit auf den Leser und schaffen eine ganz eigene Atmosphäre. Firmin ist in seiner Rolle als gebildete Ratte glaubhaft und wirkt nicht ein einziges Mal aufgesetzt. Ja, nicht einmal wirklich fiktiv. Das meiste kann entweder als real oder als Sinnbild verstanden werden, es würde sich absolut gleich bleiben. Ich für meinen Teil hoffe sehr, dass wir von Sam Savage noch viel mehr zu lesen bekommen.


Mittwoch, 21. Januar 2009

Obsession - Hitomi Kanehara



Es ist geschehen, womit ich nicht gerechnet habe. Mir hat das Buch wirklich gut gefallen. Trotz der vielen Vorurteile, die ich hatte, bin ich (bilde ich mir jedenfalls ein) unvoreingenommen an das Buch herangegangen. Es ist sicherlich ... schräg und völlig anders, weicht ab von bekannten Bahnen und spricht aus, was manche so nicht einmal denken würden.

Rin ist 22, Autorin und frisch verheiratet. Ihr Manager möchte, dass sie eine Autofiktion schreibt, also eine erfundene Biografie. Schon an dieser Stelle vermutete ich, dass auch Hitomi Kanehara genau das gemacht hat. In einer alten Ausgabe des Büchermagazins ist nachzulesen, dass sie selbst am linken Unterarm Narben vom Ritzen hat, genau wie Rin. Nicht alles wird wahr sein, aber auch nicht alles erfunden. Die Figur der jungen Frau im Buch ist zutiefst gestört in ihrem sozialen Verhalten. Besonders ihre Beziehung zu Männern hat gelitten, was auch, aber nicht nur, in ihrer Kindheit/ Jugend begründet zu liegen scheint. Jeder Mann ihres Lebens hat sie verraten und im Stich gelassen, wie soll sie da auch Vertrauen aufbauen? Aber sie sehnt sich nach einem Platz im Leben, jemandem, der nur ihr gehört, bei dem sie das erfährt, was sie bislang vermissen musste. In mehreren Rückläufen werden eben jene Beziehungen erzählt, die Ehe mit 22 (Winter, Shin), 18 (Sommer, Shâ), 16 (Sommer, Gatô), 15 (Winter, Nyanko).

Die Welt des jungen Japans ist auf den ersten Blick erschreckend. Orgien, Drogen, Sex und mehr oder minder recht planlos verlaufende Leben. Völlig an den Haaren herbeigezogen finde ich das nicht, denn auch hierzulande brechen immer mehr junge Menschen aus der Welt ihrer Eltern aus. Bietet man ihnen keine Alternativen ... was soll schon werden? Ohne Orientierung kann man in einer Welt, der man sich nicht anpassen will oder kann nicht existieren. Nur vegetieren. Das haben nicht nur die Frauen erkannt, sondern so bilde ich mir ein, auch die Männer. Viele von den Partnern Rins haben sich ebenfalls "Obsessionen" oder auch Nischen gesucht. Ob es Shâ ist, der nur für seine Musik lebt oder Gatô, der von Spielautomat zu Spielautomat zieht und dabei genauso eifersüchtig ist, wie Rin es später sein wird. Die "neue Welt" des Konsums, Mode, Film/ TV und die "alte Welt" der Dogmen, Werte und Familienehre passen nicht mehr zusammen. Aber der Wandel kommt scheinbar so schnell, dass niemand Zeit hat, sich darauf einzustellen. Freiheit ist für die Frauen, die meist ihr Leben lang an einen Mann gefesselt waren, den sie nicht liebten und der sie nicht liebte, "freie Wahl des Sexpartners - so oft man will". Dass dies keine wirkliche Freiheit ist, scheinen sie noch nicht verstanden zu haben. Nicht nur Rin, auch ihre zahlreichen Freundinnen und Bekannten suchen sich die Selbstbestätigung, die ansonsten in ihrem Leben fehlt, über "Titten und ihre Möse", was natürlich im Geschlechtsverkehr enden muss, aber von diesen Frauen billigend in Kauf genommen wird. Orientierungslose, unglückliche (junge) Frauen, die nicht wissen, wie sie sich ausleben sollen. Das dies in einer Katastrophe beginnt und (hoffentlich nicht) endet, scheint beinahe klar zu sein. Beim Zwiegespräch zwischen Rin und ihrer Möse, in einer Situation der völligen Verzweiflung, hätte man Möse auch mit "kleines Männchen im Ohr" oder schlicht "Gewissen" übersetzen können. Hitomi Kanehara bringt es eben mehr auf den Punkt. Und mal ehrlich: Ist Rin die erste, die knutscht und fummelt, obwohl sie den Kerl nicht kennt oder leiden mag, nur weil er ihr bewundernd in den Ausschnitt geglotzt hat? Weil sie denkt, das könnte ihre Laune heben oder einfach aus Gründen der Rache? Jedenfalls aus einem Grund, der keiner ist, den man sich später zurechtbiegen und schön reden muss, weil man bereut, was man getan hat.



Der Anfang des Buches las sich für mich zunächst stockend. Es gibt zwar Szenen, die auflockernd wirken, doch mir scheint, die Autorin hat sie bis zum Ende immer mehr "eingeschrieben". Was ich mich frage ist, wieso die Partner Rins es meist so lange mit ihr ausgehalten haben. Dass sie gut aussieht und ihr Busen die richtige (gibt es eine falsche?) Form hat, ist für mich kein Grund. Vielleicht, weil sie auch jeden Schwachsinn der Kerle mitmacht. Das Ende, das eigentlich der Anfang ist, wirkte auf mich verstörend, da mir das Fazit ein bisschen fehlt bzw. vielleicht auch einfach nur das Happy End. Aber klar, so ein Buch kann gar nicht mit einem solchen aufwarten. Ich möchte mir aber trotzdem einbilden, dass Rin nachdem sie ihr autofiktionales Buch geschrieben und ihr Leben überdacht hat, ihre Prioritäten überprüft und es fortan mal ohne Mann versucht. Sich auf sich selbst besinnt, auf das, was sie erreicht und geschaffen hat - was so unansehnlich nicht ist. Immerhin hat sie ein erfolgreiches Buch geschrieben und das nach diesem Werdegang. Das im übrigen, kann ich glauben, so wie ich auch glauben kann, dass sie dieses Buch schreiben wird. Einige Sachen, das gebe ich offen zu, hätte ich weggelassen. Die Freundin, die ausschweifend von ihren Sexerlebnissen erzählt beispielsweise. Oder die Orgie, auf der Rin ihren Shâ kennenlernt. Das war dann doch etwas too mouch. Zu aufgebauscht für meinen Geschmack. Winter/ Sommer kann ich in keinen Zusammenhang bringen und würde mich freuen, wenn mir das jemand erklären könnte. Die Namen der Männer bedeuten bestimmt auch etwas, jedenfalls wirkt das so auf mich. Ansonsten empfand ich "Obsession" als sehr mitreißend und gefühlvoll. Es hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ob ich jetzt allerings wirklich 18 Euro dafür bezahlt hätte, das glaube ich eher weniger. Aber vielleicht gibt es ja irgendwann eine Taschenbuchausgabe.


Dienstag, 20. Januar 2009

Im Reich des Vampirs - Karen M. Moning



Das ist Teil 2 der "Fever Series". Im englischen erschien "Faefever" also Teil 3 laut Homepage der Autorin am 16. September 08. Wann dieser auf deutsch erscheinen wird, konnte ich leider nicht herausfinden.

MacKayla Lane reiht sich ein in die zahlreichen anderen "Heldinnen", die es mit (wortwörtlich) unmenschlichen Gegnern zu tun bekommen. Noch vor dem Prolog weist die Autorin darauf hin, dass es im hinteren Teil des Buches ein Glossar mit Namen und Begriffen gibt und das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Allerdings machte ich nach der Lektüre dessen ein doch recht langes Gesicht. 'Meine Güte', dachte ich. 'Hat sie etwa abgeschrieben?' Wer "Schattenkuss" (Hamilton) kennt, dem werden die meisten der genannten Begriffe: Seelie, Unseelie etc. nicht fremd sein. Teil 1, das sollte ich vielleicht noch erwähnen, habe ich nicht gelesen, was aber auch nicht wirklich notwendig ist.

MacKayla Lane hat es (noch) nicht geschafft, den Mörder ihrer Schwester zu finden und die furchtbare Rache, die ihr so vorschwebt an ihm zu vollziehen. Sie lebt im Buchladen bei Jericho Barrons und lässt erst einmal einiges auf sich wirken. Zunächst ihre Gefühle Barrons gegenüber, den sie glaubt zu hassen, mit dem sie aber doch einige erotische Momente verbindet. Dann taucht plötzlich der Feenprinz V'lane bei ihr auf und möchte sich mit ihr "anfreunden". Schließlich kommt sie mit der geheimnisvollen Schwesternschaft der Sidhe-Seherinnen - getarnt als Post Hast Inc. - in Berührung. Alle haben scheinbar nur das Ziel, sie auf die eigene Seite zu ziehen, die angeblich gute. Warum diese drei Guten dann dennoch auch gegeneinander kämpfen ist weder Mac noch mir so richtig klar. Macs Vater taucht auf und möchte sie heim bringen, reist dann aber, nach Barrons Trick mit der allmächtigen Stimme, wieder ab. Mallucè ist, wie bei seiner ersten Erwähnung im Buch erwartet, nicht wirklich tot und es gibt den ebenfalls erwarteten Endkampf. Bei allem bleibt das Hauptziel aber immer noch die Suche nach Feenobjekten, die nur MacKayla spüren kann, allem voran natürlich das Sinsar Dubh, das dunkle Heiligtum (ein Buch) der Tuatha Dè Danaan.



Es ist eben ein Teil 2. Zunächst wird doch recht straff die Handlung aus Teil 1 mit zahlreichen Erklärungen wiedergegeben, was zunächst wenig Laune aufs weiterlesen macht. Aber sobald die eigentliche Handlung einsetzt, ist man drin. Die Liebesgeschichte zwischen Mac und Barrons hat Karen M. Moning, wie nicht anders zu erwarten, wunderbar hinbekommen. Darin nämlich hat sie Übung, schreibt sie doch schon länger Highlandromane, in denen das Gefühl nie zu kurz kommt. Diese Beziehung steht auch bei jeglicher anderen Handlung stets im Vordergrund. Wo die Vampire sind, die laut Titel doch massenweise auftreten müssten, ist mir nicht so recht klar. Ich vermute, dass der Lord Master ein Vampir ist oder wenigstens so tut, denn immerhin beansprucht er das Gebiet, in dem sich Mac nun befindet als sein Machtzentrum. Was immer er aber ist, Barrons muss ihm mindestens ebenbürtig oder mächtiger sein, da er, fast im vorbeigehen, Mac für sich beanspruchen kann und das in einer Situation, in der der Lord Master weit überlegen gewesen sein dürfte. Mir hat das Lesen Spaß gemacht, aber dennoch reicht Moning für mich nicht an namhafte Autoren des Vampir/ Feen/ Übersinnliche-Wesen Genres heran. Sie probiert sich eben aus und das merkt man. Natürlich ist Mac ein It-Girl, das nun gezwungen ist, völlig anders zu leben und dadurch wohl wirklich kuhl (cool) sein soll. Und natürlich wird sie von allen Männern begehrt. Aber hier schien es mir alles eine Spur zu viel des Guten. An einigen Stellen des Buches wurde ich einfach nicht mit Mac warm, wenn ich allerdings ihre Situation nachfühlen und ihre Handlungen nachvollziehen kann. Dass sie sich unbedingt retten lassen muss, war mir irgendwie von Anfang an klar. Ist Geschmackssache. Ihre erfunden Bezeichnungen für die Wesen, die es offenbar nur in Schottland/ Irland gibt (Haben die keine Lust, sich nach 240.000 Jahren mal die weite Welt anzusehen?), da Mac sie dort das erste Mal sieht, sind zunächst erst einmal befremdlich. Aber wenn man so darüber nachdenkt eigentlich doch sehr treffend. Tod-durch-Sex-Feenwesen passt doch und liefert gleich eine Erklärung (und Warnung) mit. Was ich mir allerdings unter Rhino-Boys vorzustellen habe und wie sie auf diesen Namen gekommen ist, das weiß ich nicht genau. Was Karen M. Moning aber geschafft hat, ist, dass ich gern auch Teil 3 lesen würde. Im englischen ist dieser am 16.September erschienen, wann man ihn auf deutsch zu lesen bekommt, konnte ich leider nicht herausfinden. Vielleicht hilft da auch Ullstein ein wenig weiter? Ich würde mich freuen. Das Kuriose daran ist aber, dass ich Teil 1 nicht anschaffen werde. Mir sind nach "Im Reich des Vampirs" kaum Fragen offen geblieben und mich interessiert im Grunde auch nur, wie es mit Mac und Barrons weitergeht. Dass sie den Mörder ihrer Schwester schnappen und töten wird, scheint ohnehin klar zu sein.


Dienstag, 6. Januar 2009

Meister der Stürme - Pierre Bottero



Jugendfantasy a là Hohlbein Teil 2

Jalaab, die Kraft des ANDEREN ist besiegt, aber es existieren noch Onjü - das Herz und Eqkter - die Seele; beide noch viel gefährlicher. Onjü versteht es meisterhaft die Herzen der Menschen zu beeinflussen, zudem ist er auch ein Meister der Stürme und überzieht die Welt mit Chaos. Frankreich, in dessen Inneren das Geschehen größtenteils spielt, versinkt in Schnee und Eis.
Auf der Insel Réunion grassiert eine geheimnissvolle Seuche, die nicht geheilt werden kann. Nathan und Shaé stellen sich der Herausforderung, doch sie stehen allein. Nur Rafi, ihr geheimnisvoller Führer, taucht von Zeit zu Zeit auf, um ihnen mit Ratschlägen zu helfen. Er empfiehlt Nathan mit seiner Familie Frieden zu schließen und diese in den Kampf mit dem ANDEREN einzubeziehen. Doch er warnt sie auch, denn es gibt einen Verräter, der die restlichen Familienmitglieder aufwiegelt.
Sie treffen ebenfalls auf den geheimnisvollen Emiliano, der sie in eine Falle lockt und niemand anderer ist als Onjü selbst. Jalaab, die Kraft wurde durch Kraft geschlagen. Aber wie besiegt man ein Herz?

Es geht rasant weiter. Die Lage spitzt sich dramatisch zu. Die Welt versinkt in Chaos und die Menschen müssen sich entscheiden, ob sie ihre beste oder ihre schlechteste Seite zeigen. Nathan liebt Shaé noch immer und umgekehrt, doch nach wie vor lässt sie sich von ihm nicht berühren, was ihre Beziehung auf eine harte Zerreißprobe stellt. Übrigens auch den Leser, der davon schon bald genug hat. Gerade an dem Punkt, als das Fass überlaufen will, kommt Spannung in die Sache, da Shaé auf Emiliano trifft und mit ihm keine Schwierigkeiten zu haben scheint. Wie wird Nathan darauf reagieren?
Da es sich um einen Jugendroman handelt, ist schnell klar, wer der Verräter in der Familie ist und auch viel anschließende Handlung ist recht vorhersehbar. Dennoch gelingt es Bottero die Spannung bis zum Schluß zu halten und die ein oder andere Wendung einzubauen, die man in dieser Form nicht erwartet hätte. Neben der Liebesgeschichte kommt in Teil 2 wesentlich mehr Action hinein. Onjü bringt mystische und sehr gefährliche Wesen auf die Erde, die Nathan mehr als einmal angreifen. Und das Gift Onjüs sitzt im Herzen, so leicht wird man es nicht los, wie Shaé erkennen muss, als sie infiziert wird.
Noch immer wurde ich an Hohlbein erinnert, was durchaus als Kompliment verstanden werden kann. Es gibt im Prinzip alles, was Jugendliche ansprechen dürfte. Charaktere zum identifizieren oder bewundern, Spannung, Action, die Behauptung gegen Erwachsene und genug Klischeebilder. Wieder geht nichts wirklich in die Tiefe und bleibt relativ oberflächlich, doch gelingt es dem Leser diese kleinen Lücken schnell zu schließen. Für Fantasyliebhaber ist das Buch auf jeden Fall zu empfehlen.


Das achte Tor - Pierre Bottero




Jugendfantasy a là Hohlbein
Der französische Autor hat hier ein Werk geschaffen, dass jungen Lesern sicher gut gefallen wird. Es ist nicht besonders tiefgreifend und doch eher oberflächlich, trotzdem macht es viel Spaß.

Im Prolog begleitet der Leser eine Expedition in den Dschungel. In einer Pyramide entdeckt das Team einen schwarzen Steinwürfel, der in der Luft hängt, ohne an etwas befestigt zu sein. Neugierig untersuchen sie ihn weiter und lassen damit unabsichtlich den ANDEREN frei.
Nathan ist auf den ersten Blick ein normaler sechzehnjähriger Junge. Doch er beherrscht einige Dinge, die andere nicht können. So hat er unglaublich viel Kraft und Körperbeherrschung. Das führte aber auch dazu, dass seine Eltern oft mit ihm umgezogen sind, er spricht nicht weniger als fünf Sprachen fließend. Eines Tages bemerkt er zwei in schwarze Anzüge gekleidete Männer, bei denen er sich zunächst aber nichts denkt. In der gleichen Nacht explodiert das Haus, in dem er mit seinen Eltern lebt und beide sterben. Nur er ist durch einen Zufall entkommen und muss fliehen.
Der Leser lernt ebenso Shaé kennen, die seit ihrem sechsten Lebensjahr bei Pflegeeltern lebt und gegen ein Etwas in ihrem Inneren kämpft, vor dem sie sich sehr fürchtet. Ein geheimnisvoller Mann, Rafi, bringt beide zusammen und sie fliehen nach Frankreich. Dort lernen sie Nathans Familie kennen, vor der sich sein Vater einst zurückgezogen hat, da er eine Frau heiratete, mit der die Familie nicht einverstanden gewesen ist. Sein Onkel nimmt ihn mit in den Keller seiner Villa und lässt ihn dort eine verborgene Tür suchen, die Nathan auch findet. Sie gelangen durch sie hindurch in ein geheimnisvolles Haus, das in einer Art anderen Dimension liegt. Sie nennen es "das Haus im Irgendwo". Es ist umgeben von einem grünen Teppich aus Gras, aus dem sich aber Tentakel erheben und alles verschlingen, was den Rasen betritt.
Wieder zurück wird ihm eröffnet, dass es in der sumerischen Zeit (also viele tausend Jahre vor Christi) sieben Familien gegeben hat, die jeweils eine besondere Fähigkeit besaßen. Die Heiler zum Beispiel oder die Metamorphosen (zu denen Shaè zählen wird.). Sie haben vereint das Haus im Irgendwo geschaffen und die Baumeister verschenkten die Türen an die anderen Familien. Einst schworen sie sich Zugehörigkeit und Frieden, aber das wandelte sich im Laufe der Zeit und einige der Familien gelten als ausgestorben. So war Nathans Mutter die letzte ihrer Familie. Shaè scheint die letze Metamorphose zu sein und Rafi gibt sich als Führer zu erkennen.
Natürlich vereinen sowohl Nathan, als auch Shaè jeweils drei Familien(-fähigkeiten) in sich. Durch eine Intrige hält man Nathan und Shaè für die Mörder an Nathans Eltern und auch für die Feinde, die die restliche Familie angreifen. Sie müssen erneut fliehen. Dabei stoßen sie auf Jalaab, die Kraft des ANDEREN (und ein Mitglied der Expedition). Sie schaffen es ihn zu verwunden und folgen ihm in seine "andere Welt". Dann beginnt ein Kampf. Denn das sie ihn vernichten müssen ist ihnen klar, er ist personifizierte Böse. Leider sind sie im Haus im Irgendwo eingeschlossen und kommen nicht mehr heraus, als das Buch endet. Wie es weitergeht, erfährt man dann im zweiten Teil.

Mich erinnerte die Schreibweise ziemlich stark an Wolfgang Hohlbein, den ich mit sechzehn geradezu verschlungen habe. Darum kann ich mir gut vorstellen, dass das Buch gut für diese Zielgruppe geeignet ist. Nicht nur, dass beide Protagonisten sechzehn Jahre alt sind, sie verlieben sich auch ineinander und müssen jede Menge Gefahren auf sich nehmen. Daneben verfügen sie jeweils über besondere Fähigkeiten. Wenn Shaè sich in einen schwarzen Panther verwandelt, dann macht das schon was her. Als Kinofilm später auf jeden Fall.
Allerdings geht nichts wirklich in die Tiefe. Die Charaktere sind zwar da, aber reihen sich zwischen tief und lau ein. Durch ihre Übermacht wirken sie schnell langweilig. Nathan ist nicht nur super stark und schnell, die Fähigkeit seiner Mutter lässt ihn auch buchstäblich alles wissen. Ein Weltmeister im Schach und Boxen also, wie es in einem Lied so schön heißt.
Die Gefühle, die sich zwischen den beiden entwickeln (warum eigentlich?) muss man sich größtenteils denken. Was aber wiederum nicht so schwer ist und dadurch kalt wirkt. Im Gegenteil. Trotzdem konnte ich mich ab und an des Gefühles nicht erwehren, dass es ziemlich aufgesetzt war. Zumal Shaè sich nicht berühren lassen will und Nathan sie ohne Ende anschmachtet. Auf Teil 2 bin ich trotzdem gespannt, der Autor hat nämlich nicht nur bewiesen, dass er etwas von der Zielgruppe versteht, er schreibt auch nicht nur flüssig und spannend, er hat auch einen relativ großen Fundus an Phantasie und Ideen.


Sonntag, 4. Januar 2009

Gegen das Sommerlicht - Melissa Marr




"Gegen das Sommerlicht" ist ein unterhaltsamer Roman, der nicht nur Jugendliche ansprechen dürfte.

Ashlyn kann Elfen sehen. Nicht diese kleinen geflügelten Wesen, sondern erwachsene, menschengroße Geschöpfe. Natürlich sehen diese nicht immer menschlich aus. Sie gleichen oft Tieren oder es schlängeln sich Blätterranken über ihre Haut wie ein lebendes Tattoo. Ash bringt Tag für Tag große Konzentration auf, denn die Elfen dürfen nicht erfahren, dass sie die Sehergabe besitzt und auch die Menschen nicht. Ihre Großmutter, bei der sie aufgewachsen ist, hat ihr dies beigebracht.
Seth lebt in einem Eisenbahnwagon und ist Ashlyns bester Freund, von dem sie gern hätte, das er mehr ist. Eisen übrigens ist etwas, das Elfen fern hält, warum sie sehr oft bei Seth ist. Eines Tages wird Ash von zwei Elfen verfolgt, einer männlichen und einer weiblichen. Es handelt sich dabei um Keenan, den zukünftigen Sommerkönig und Donia sein derzeitiges Wintermädchen. Ash ist ausersehen, die neue Sommerkönigin zu werden. Versagt sie bei der Prüfung, wird sie das neue Wintermädchen und leidet, so wie Doria.
Und Keenans Mutter, die Winterkönigin, will mit aller Macht verhindern, dass ihr Sohn durch seine Königin zu seiner vollen Macht findet und schreckt vor nichts zurück. Ashlyn widersteht allen Versuchungen Keenans, denn ihr Herz gehört bereits Seth. Doch sie ist auserkoren und niemand kann seinem Schicksal entgehen.


Ich glaube nicht, dass ich mir das Buch von allein gekauft hätte. Der Klappentext (in den Innenseiten) und auch das Cover sprachen mich überhaupt nicht an. Aber ich muss sagen, dass ich sehr froh bin, den Roman gewonnen zu haben, denn er gefiel mir wirklich gut. Natürlich ist er an junge Mädchen gerichtet, was man auch sehr stark an den herrschenden Klischees spürt. Alle sehen gut aus, beispielsweise. Die "Szene" in der sich Seth bewegt, seine Tattoos und Piercings. Die Freundinnen Ashs. Aber ich fand das nicht so vordergründig und aufdringlich, wie in manch anderen Büchern.
Die Handlung geht konstant vorwärts und Teile des Buches liest man mit rasanter Geschwindigkeit; entweder ist es so spannend, das man das Ende erfahren möchte oder die Gefühle der Personen springen auf den Leser über. Leider gibt es auch die ein oder andere Stelle, die sich etwas in die Länge zieht, aber das hält sich in Grenzen.
Das Ende gefiel mir, anders hätte man die Angelegenheit nicht regeln können. Es lässt außerdem Raum für eine Fortsetzung, was mir - das muss ich gestehen - gut gefallen würde. Alles in allem ein sehr empfehlenswerte Buch, wenngleich auch ein wenig teuer. Vielleicht kommt doch bald die Taschenbuchausgabe heraus, dann kann man auf jeden Fall nichts falsch machen!


Samstag, 3. Januar 2009

Sehnsucht nach Elena - Joel Haathela




Elena ist keine zentrale Figur des Buches. Sie spielt genau genommen nicht wirklich eine Rolle, man erfährt nichts über sie, keine Vergangenheit, keine Zukunft, nur ein bisschen Jetzt. Das ist aber im Grunde alles auch nicht wichtig, denn eigentlich ist sie nur ein Symbol, eine Erinnerung eines alten Mannes, der von Sehnsucht und Trauer heimgesucht wird. Er begegnet der jungen Elena zu einem Zeitpunkt, an dem er an einem Scheideweg steht. Getrieben von Neugier folgt er ihr und stiehlt sich so ein Stück in ihr Leben, ohne von ihr bemerkt zu werden. Tag für Tag sitzt er in einem Park, der genau wie Stadt, Küste und Insel nicht namentlich benannt werden, da dies überall auf der Welt sein könnte, unbestimmt und fast zeitlos. Sie geht an ihm vorüber, sieht ihn nicht, er grüßt sie nicht, niemand lächelt. Durch ein von ihr liegengelassenes Buch kennt er ihren Namen. Im Sommer taucht sie plötzlich nicht mehr auf und er macht sich auf die Suche nach ihr und kann dadurch ein wenig von der (Schutz-)Mauer, die sein Herz umgibt, abbauen. Schließlich hat er sogar den Mut sie anzusprechen und dann erfährt auch der Leser, was diesen alten Mann dazu getrieben hat, einer jungen schönen Frau auf Schritt und Tritt zu folgen.

Ich stand schon der Leseprobe zwiespältig gegenüber und hatte das Buch eigentlich nicht haben wollen. Aber ich glaube, ich bereue nicht, es gelesen zu haben. Mittlerweile sind mir Autoren der skandinavischen Länder nicht mehr so fremd, wie noch vor einem halben Jahr und es scheint ihnen eigen zu sein (wo ich allerdings auch irren kann) nicht viele, aber dafür sehr ausdrucksstarke Worte zu machen.
Der Anfang des Romans zieht sich für meinen Geschmack entsetzlich in die Länge. Mir fehlt einfach das Motiv, keine klare Erinnerung wird genannt, kein Name wie am Ende, kein Duft. Nur die Kleidung wird genau inspiziert und Elena scheint der Frau von damals zumindest in dieser Sache zu gleichen. Würde man als Leser nicht wenigstens dies erahnen, dass nämlich der Mann eine andere Frau in ihr sieht, die er verloren hat, wäre alles einfach nur fad. Ich gestehe, dass ich es nicht ausgehalten hätte, wenn ich das Ende nicht schon mittig des Buches vorgezogen hätte und das mache ich aus Prinzip sonst eher nie.
Nach dem Besuch des Freundes verdichtet sich die Handlung, des Rätsels Lösung rückt näher. Mir gefiel, wie Haahtela sich der Problematik angenommen hat, sehr feinfühlig und doch auch sehr genau. Es steht nicht da "Er fühlte dies und jenes.", alles bleibt subtil, der Sinn ist zwischen den Zeilen zu finden. Erst im letzte Drittel ist mir klar geworden, dass wir es hier mit einem alten Mann zu tun haben und das nur, weil sein einundachtziger Geburtstag naht. Hätte das nicht auf dem Klappentext gestanden, mir wäre das völlig entgangen. Allerdings könnte ich jetzt nicht sagen, ob das Absicht des Autors war.
Was das Buch, das sich in einer Stunde locker runterlesen lässt, bei mir hinterließ war sehr viel Atmosphäre und Gefühl und davon war ich schon tief beeindruckt. Den Tränen nahe, fiel es mir schwer in den Schlaf zu finden. Ich könnte jetzt ewig so weitermachen, Punkt für Punkt abhaken, aber zu einem Ergebnis würde ich doch nie finden. Das Buch ist sehr gut gemacht, aber so recht konnte ich am Anfang nichts damit anfangen. Daher ist das mal wieder einer der Momente, wo ich nur sagen kann: Es muss jeder selbst entscheiden, ob er das mag oder nicht.