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Samstag, 16. Juli 2016

(Gastbeitrag) Das Science Fiction Magazin Esli (Если)

Ein Gastartikel von Michael K.

Esli - auf Deutsch übersetzt „Wenn“ – ist ein russischsprachiges Magazin für Science Fiction und Futorologie. Seit der Entstehung im Jahre 1991 erschien das Magazin monatlich und thematisierte in jeder Ausgabe ein ausgewähltes Thema aus zwei Gesichtspunkten – Wissenschaft in Form von Essays und Publikationen und Belletristik in Form von Novellen. Diese „Erforschung“ wurde nach kurzer Zeit immer mehr verwaschen und das Magazin wechselte (ca. 1998) zu allgemeinen Themen und Nachrichten aus dem Bereich. Zu diesem Zeitpunkt verschwand auch der Begriff „Futorologie“ aus dem Namen des Magazins. Diese Form wurde erst mit dem grundlegenden Neustart des Magazins 2015 wieder eingeführt. Neben Publikationen und Kurzgeschichten namhafter russischer und internationaler Autoren bietet das Magazin Buchrezensionen, Vorstellung zukünftiger Buchprojekte sowie eine detailreiche Beleuchtung des Filmbereichs.
Zur Redaktion des Magazins gehört ein sogenannter Kreativrat, der aus mehreren russischen Autoren für SF und Fantasy besteht.

Bis ca. 2011 unterhielt das Magazin zwei öffentliche Ausschreibungen für interessierte Autoren aus der Leserschaft.
1. In der Ausschreibung „Ideenbank“ wurde ein Problem der Futurologie erläutert und die Leser mussten dazu eine Lösung finden. Die Besten Lösungen wurden dann von einer Jury ausgewählt. Am Ende der Ausschreibung wurde eine Novelle eines Autors veröffentlicht, die sich mit dem Problem beschäftigte. So entstand ein Vergleich zwischen Leserschaft und Buchautoren.
2. Etwa zweimal im Jahr konnte jeder Hobbyautor zu einem Thema eine Kurzgeschichte einsenden, von der die Beste im Magazin veröffentlicht wurde.
„Esli“ verlieh bis 2012 einmal Jährlich die Auszeichnung „SIGMA-F“ für verschiedene Formate (Bester In-/Ausländischer Roman, Kurzgeschichte, Übersetzer, Film).

Im Jahre 2012 musste das Magazin wegen verschiedener wirtschaftlicher Probleme schließen. Piraterie, wirtschaftliche Rezessionen, Diktatur der Vertriebskanäle nannte der Chefredakteur Alexander Schalganow in seinem Abschiedsbrief an die Fans (12te Ausgabe 2012) als die Hauptgründe für die Einstellung des Magazins, der die Autoren für Ihre Arbeit angemessen entlohnen wollte. Schon zuvor mussten die Mitarbeiter auf ihren Lohn verzichten. Dazu orientierte sich der Verlag des Magazins thematisch um und setzte einen Punkt hinter die mehrjährige Geschichte des Magazins. Dennoch verabschiedete sich Alexander nicht von seinem Publikum, sondern sagte nur auf Wiedersehen. Denn drei Jahre später startete das Magazin im neuen Gewand (komplett farbiges Format auf Glanzpapier) mit dem ehemaligen Chefredakteur als Berater in Sankt Petersburg durch, wenn diesmal auch nur mit sechs Ausgaben jährlich. Dieses Mal jedoch ausschließlich über Abonnement.

Das Magazin erscheint nun in DIN A5 Format auf ca. 250 farbigen Seiten unterteilt in drei Abschnitte: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Jeder Abschnitt beinhaltet 2-3 Kurzgeschichten und Essays zum aktuellen Thema. Neuerdings wird auch die Kunst aus dem Bereich SF thematisiert. So wurden einige Cover-Künstler mit ihren Werken vorgestellt. Auch Meinungen verschiedener Autoren sind zu finden. Insgesamt nimmt die Belletristik jedoch weiterhin den Großteil der Ausgaben ein.

Persönliche Meinung
Ich persönlich habe das Magazin seit 2007 mit Begeisterung gelesen. Auch wenn das Magazin in schwarz-weiß und auf quasi Zeitungspapier daherkam, so bot es viele interessante Geschichten und Themen aus dem SF Bereich. Damals gab es sogar zweimal im Jahr eine reine Fantasy Ausgabe, so dass ich ein wenig in den Bereich Phantastik hineinschnuppern konnte (auch wenn es nicht unbedingt mein Interessensbereich ist). Vor allem bei der „Ideenbank“ habe ich für mich mit Begeisterung mitgemacht, wenn ich auch nicht daran teilnehmen konnte, weil ich die Ausgaben immer mit 3-4 monatiger Verspätung bekommen habe. Zu der Zeit gab es in meinem Wissensbereich auch keine andere Magazine, die in der Art sich mit dem Thema beschäftigt haben. In Russland zumindest waren SF Kurzgeschichten auch nur in großen Sammlungen - meist sogar Themenfremd – und in Zeitungen vertreten. Meine Begeisterung war so stark, dass ich bei meinem Russlandbesuch sogar persönlich in die Redaktion gekommen bin, um fehlende Ausgaben aus vergangenen Jahren zu besorgen. Das Magazin hatte (und hat) eine begeisterte Redaktion, die Visionen mitbringt und sich voll im Bereich einsetzt. Das spürt man auch bei den Ausgaben, wenn man die in der Hand hält. Auch ausserhalb meines Wahrnehmungsbereichs als Leser tragen die Leute viel bei der SF Entwicklung in Russland bei und setzen Maßstäbe ausserhalb von langweiligem Mainstream für unbedarfte Leser, der die Science Fiction als Genre auf Niveaulose herunterdrückt.
Leider kommt der Publikationsbereich noch viel zu kurz. Hier wünschte ich mir detailliertere Analysen und mehr Inhalt. Einzelne Veröffentlichungen sind noch ziemlich kurz und etwas oberflächlich gehalten. Dieser Punkt ist auch bis dato der einziger Negativpunkt, an dem gearbeitet werden sollte. Abgesehen natürlich von der schwierigen Beschaffung über das Abo-Modell.
An dieser Stelle mein Dank an alle, die für das neue Magazin gekämpft und dieses neu ins Leben gerufen haben. Denn der Abschiedsbrief 2012 wirkte auf mich so enttäuschend wie für jeden eingefleischten Fussball-Fan der das Aus in der Qualifikationsphase miterlebt. Denn damals war es ein Symbol für das Verkommen der seriösen Science Fiction, die sich mit Problemen der heutigen und zukünftigen Welt angemessen beschäftigt.

Links:
ww.esli.ru – Offiziele Webseite des Magazins
https://ru.wikipedia.org/wiki/Если_(журнал) Russischer Wikipedia Artikel
https://new.vk.com/clubesli Esli Seite auf russischer Facebook Klon VKontakte

Dienstag, 10. September 2013

(Gastrezension) Artemis Fowl - Eoin Colfer


Vielen herzlichen Dank an Dschuleila vom Fantasyportal Librimania.

Inhalt

Artemis Fowl der Zweite ist elegant gekleidet, besitzt die noble Blässe eines Adligen, und sein Intelligenzquotient ist weit über dem Normalen. Seine Gegner zittern bei der Nennung seines Namens oder bei Sicht seines hünenhaften Leibwächters namens Butler. Dabei ist Artemis Fowl erst zwölf Jahre alt -- und zugleich das größte Verbrecherhirn diesseits des Äquators. Sein Plan, seiner Familie wieder zu ihrem alten Glanz zu verhelfen, ist ebenso verwegen wie genial: die Entführung eines Fabelwesens aus der Unterwelt im Austausch gegen Gold, unendlich viel Gold. Durch einen Trick gelangt Artemis an das sagenhafte Buch der Elfen, und mittels modernster Computertechnologie gelingt es ihm, das Buch zu übersetzen. Jetzt weiß er, wo und wie er eine Elfe gefangen nehmen kann. Und tatsächlich, die Elfe Holly Short geht ihm in die Falle. Aber Holly hat so gar nichts mit dem herkömmlichen Elfenbild gemein: Sie ist Mitglied einer im Untergrund operierenden Elitepolizeitruppe, die sich durchaus wehren kann -- sei es mit Magie oder mit ihrer nuklearbetriebenen Pistole, die drei Einstellungen hat: "angeschmort, gut durch und komplett verkohlt". Die Pläne des sonst so selbstsicheren Jungen geraten langsam aber sicher ins Wanken, als sich Hollys Polizeikollegen, diverse Kobolde und ein Amok laufender Troll an seine Fersen heften...

Fazit

Es gibt tatsächlich Autoren, bei denen selbst die Nacherzählung eines Telefonbuches noch spannend oder amüsant klingen würde. Eoin Colfer ist einer davon. Prinzipiell würde daher ein einziges Wort genügen, dieses Buch zu beschreiben: Genial!!! Es geht hier nicht um einen strahlenden Helden, der die Welt im Alleingang rettet. Nein, es geht um einen kaltschnäuzigen, theoretisch unsympathischen, berechnenden, hyperintelligenten Verbrecher. Einem perfekten Antihelden. Und noch dazu ist dieser, auch wenn sein Sprachgebrauch und seine Verhaltensweisen einen sehr scharfen Kontrast dazu bilden, ein Kind ist (was man nur allzu schnell vergisst). Obwohl man allen Grund dazu hätte, Artemis zu verteufeln, hofft man am Ende des Buches sogar, dass seine Gemeinheiten aufgehen. Obwohl ja eigentlich er der „Böse“ ist… Der mit Abstand größte Pluspunkt dieses Buches ist allerdings sein Humor. Der liegt zum einen im Inhalt (lustig, wie manche Erwachsene auf Artemis reagieren…und Artemis auf sie), zum anderen aber an der meisterhaften Sprachverwendung. Keine Beschreibung klingt langweilig. Man findet eigentlich nie etwas Abgedroschenes wie „er war eben groß“, sondern, ganz auf die prekäre Situation bezogen, in der sich die Angegriffene befindet, ein „Etwas stand neben dem Baum, ungefähr so groß wie ein Berg, aber wesentlich beweglicher“ (Der Versuch, Butlers Kopf hineinzustopfen, war natürlich genauso aussichtslos wie der, eine Kartoffel in einen Fingerhut zu zwängen“). Solche Bilder sind einfach amüsant anschaulich und häufig vorhanden. Witzig sind auch die verbalen Schlagabtausche, für die Foaly, der Techniker der „Guten“ immer zu haben ist. Mit Vorliebe bei Vorgesetzten. Wie sagt er doch? „Roots Blutdruck nach oben zu treiben war einer der wenigen Höhepunkte in seinem Beruf.“ („Foaly, Sie aufgeblasener Zentaur“ (…) „Gibt’s ein Problem, Oberboss?“ (...) „Allerdings, Sie Pfeife! Wann haben Sie das letzte Mal die Daten für Dublin aktualisiert?“ (…) „Dublin, mal sehen... Fünfundsiebzig. Achtzehnhundertfünfundsiebzig.“/ „Wie lange wird das dauern, Foaly?“ – „Äh… zwei Minuten, plus minus.“ – „Plus minus was?“ – „Ungefähr zehn Jahre (…).“) Dies ein Buch, dass sich für jede Altersgruppe eignet. Für Kinder, weil sie von Artemis Abenteuer begeistert sein werden, für Jugendliche, weil es spannend zu lesen ist und vor allem auch für Erwachsene, weil man über die vielen ironischen und sprachlichen Spitzen lachen kann, die man als Kind noch übersieht. Also, ein überraschend intelligent, sprachlich wahnsinnig gutes, erfrischend andersrum Gedachtes, stets erheiterndes Werk, dass nach wie vor zweifellos zu meinen absoluten Lieblingsbüchern gehört. Und das heißt was ^^.

Fazit in einem Satz:

Nur ein Wort: Genial!

Freitag, 19. August 2011

(Autorenplausch) Thomas Elbel: Asylon (Warum Dystopie?)


Titel: Asylon
Autor: Thomas Elbel
Originaltitel, 448 Seiten
ISBN: 3492267920
Euro: 9,95
http://www.asylon.de/












Liebe Leser der Verlorenen Werke,

ich bin Thomas Elbel, der Autor des bei Piper in diesem August erschienenen dystopischen Romans „Asylon“, der zugleich mein Debüt ist. Ich bin 43 Jahre alt und lebe in Berlin. Wenn ich nicht schreibe, nerve ich die Studenten der Hochschule Osnabrück mit öffentlichem Recht oder beschäftige mich mit meiner Familie.

Warum Dystopie? werde ich häufig gefragt. Dystopien sind weniger gut verkäuflich als allgemeine Fantasy oder Science Fiction. Es gibt bis jetzt kaum deutsche Autoren mit erfolgreichen Dystopien. Viele Agenturen und Verlage haben noch bis vor kurzem abgewunken, wenn jemand mit einer dystopischen Idee kam.
Warum also?
Nun, als ich Anfang der achtziger Jahre meine erste Berührung mit dem Genre hatte, kannte ich den Begriff noch gar nicht. Blade Runner, Ridley Scotts Meisterwerk, diese eindringliche Mischung aus Detektivstory im Film Noir Stil à la „Die Spur des Falken“ und Elementen des von William Gibson begründeten Cyberpunk-Genres war für mich die Initialzündung. Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich seitdem damit verbracht habe, den Film wieder und wieder zu sehen, ohne dass er aufhört, mich zu berühren.

Doch was ist es, was mich daran so nachhaltig fasziniert hat, dass ich so viele Jahre später den Drang spürte, mich in demselben Genre zu versuchen?
Nun, zum einen sicherlich das Setting. Eine komplett urbanisierte, technoide Welt in der die Natur zum Randphänomen wird. Die Stadt als hektisch wimmelnder Ameisenhaufen in dem Myriaden von Artgenossen dem Menschen täglich seine eigene Belanglosigkeit und Vereinzelung vor Augen führen, aber die auch ungeahnte Freiräume bietet, für alle Arten von Subkultur und schrägen Exzentrikern. Hört sich für mich ungefähr an, wie das West-Berlin der achtziger Jahre, das für mich immer ein mythischer Ort war. Viele Dystopien bevorzugen den urbanen Dschungel als Hintergrund.

Zweitens die Charaktere. Ich bin kein Fan von Schwarzweißzeichnerei bei der Charakterisierung meines Personals. Dystopien geben da einfach einen hervorragenden Aufenthaltsort für Femmes Fatales, zwielichtige Nebenfiguren und vor allem für gebrochene Helden ab, wie eben den Blade Runner John Deckert oder etwa John Preston, den von Christian Bale gespielten Helden in Equilibrium.
Die Helden in Dystopien machen meistens eine spannende Entwicklung durch. Viele starten als Freund des dystopischen Systems oder stehen ihm zumindest indifferent gegenüber; denkt an Thomas „Neo“ Anderson aus Matrix. Irgendwann kommt dann der Punkt, wo sie sich gegen die Welt, die sie kennen, auflehnen und alle Brücken hinter sich abbrechen müssen („Die blaue oder die rote Pille?“). Ich finde diese Art der psychologischenReifung eines Charakters vom Mitläufer oder Herdenschäfchen zum Rebellen unglaublich attraktiv und spannend.

Zuguterletzt die Moral. Dystopien sind meist hochmoralisch, aber ohne den berüchtigten Zeigefinger. Der Ausgangspunkt einer Dystopie ist zumeist ihr Gegenteil, die Utopie, also der Wunsch nach einer besseren Welt. Häufig kommt es dabei quasi zu einem Überschießen der utopischen Energie. Die herrschende Klasse überdehnt ihre Idee der besseren Welt und verkehrt sie dadurch in einen Alptraum. In „Minority Report“ (dessen literarisches Vorbild übrigens genau wie Blade Runner auf einer Geschichte aus der Feder des genialen Philip K. Dick beruht) besteht die utopische Idee darin, Verbrechen vorherzusagen und sie dadurch zu verhindern, bevor sie passieren. Klingt erst mal gut. Aber was macht man mit dem potentiellen Täter, wenn dieser (noch) gar nichts getan hat? Sind wir Herren unseres Handelns oder ist es uns vorbestimmt? Und wenn alles Handeln vorhersagbar ist, kann man dann überhaupt noch von Schuld sprechen? Spannende Fragen, finde ich. In der Geschichte wird John Anderton vom Jäger zum Gejagten. Selber Polizist der Organisation PreCrime, erhält er eine Voraussage, der zufolge er selbst zum Mörder werden wird. Wer das für Zukunftsmusik hält: Scotland Yard arbeitet an solchen Konzepten. Und außerdem: Seit einige Neuropsychologen die Ansicht vertreten, der Mensch habe eben doch keinen freien Willen, raufen sich die Strafrechtler die Haare über den Schuldbegriff.

Dystopien haben auch – anders als die klassische Science Fiction – die Tendenz in unserer Gegenwart bereits sichtbare Tendenzen aufzugreifen und ins Extreme zu übersteuern, um zu sehen welche Fragen das aufwirft. Was wäre, wenn die Heilkunst fast jede Krankheit heilen könnte, aber wegen der gestiegenen Heilkosten kaum noch ein Mensch eine Krankenversicherung bezahlen kann? Was wäre, wenn man menschliche Hirne irgendwann mit maschineller Intelligenz vernetzen könnte? Es gibt so viele spannende Fragen und Dystopien erlauben mir, sie zu stellen, ohne dass es langweilig oder belehrend wird. Bestimmt werde ich ihnen noch eine Weile treu bleiben.

Ich hoffe, ich konnte Euch ein wenig für mein Lieblingsgenre begeistern.
Berlin im August 2011
Euer Thomas

Freitag, 11. Februar 2011

Dämonenkind - Jennifer Roberson


Rezension von Maja.
Titel: Dämonenkind
Autor: Jennifer Roberson
Originaltitel: Shapechangers (Wolfsmagie)/ The Song of Homana (Das Lied von Homana)
Verlag: Heyne
ISBN: 345352392X
Euro: 9,95
Veröffentlichungsdatum: November 2007
Seiten: 736
Serie: Cheysuli-Zyklus #1
Come in: Geschenk




Einst stand das magische Volk der Cheysuli an der Seite des Königs von Homana. In Gestalt von Wölfen, Falken oder anderen Tiergestalten, den sogenannten Lirs, dienten sie dem König mit ihrer Magie bei der Verteidigung Homanas gegen seine Feinde. Doch in ferner Vergangenheit beging ein Cheysuli einen Treuebruch, indem er die Tochter des Königs entführte und sie ehelichte. Seitdem sind die Cheysuli Gejagte im eigenen Land. Als Dämonen verschrieen werden sie von den Menschen gefürchtet und gehasst.
Erst wenige Jahrzehnte sind vergangen, seit das Qu'mahlin, wie die Cheysulis die Ausrottung ihrer Rasse bezeichnen, begonnen hat. Die junge Alix, die nichts von ihrer schicksalhaften Verbindung zu den Cheysulis ahnt, wird von dem kriegerischen Cheysuli Finn entführt und zu seinem Stamm gebracht. Inmitten des magischen Volkes und ihrer Tiergestalten, den Lirs, muss Alix sich der Wahrheit stellen, dass sowohl Menschen- als auch Cheysuliblut durch ihre Adern fließt. Trotz heftigster Widerstände nimmt sie das Erbe ihres Vaters an und verliebt sich in den Stammesführer Duncan.
Als das benachbarte Volk der Solinder mit dem Magier Tynnstar das hoheitliche Homana angreift, muss Alix erkennen, dass es ihre Bestimmung ist, die Menschen und die Cheysuli zu versöhnen, damit die beiden Völker gemeinsam im Krieg gegen den Feind bestehen können. Und dann ist da noch Prinz Carillon und ein weiterer kriegerischer Cheysuli, die in Alix verliebt sind.


Um das Buch einigermaßen verstehen zu können, muss man wissen, dass der Cheysuli-Zyklus insgesamt 9 Bände umfasst, die allesamt in den 80er/90er Jahren herausgebracht wurden, in der Zeit, wo Marion Zimmer Bradley bekannt wurde. Die Autorin selbst ist mit Zimmer Bradley befreundet.
Die Bände einzeln zu ordnen, stellt den Leser vor eine echte Herausforderung, denn die damaligen Zyklusteile erschienen sowohl unter anderen Titeln, in anderen Verlagen und als ob das nicht schon Schwierigkeiten genug birgt, gab es gänzlich anders ausschauende Buchcover, die stellenweise an Comicdarstellungen erinnern.
Im Jahr 2007 hat sich dann der Heyne Verlag entschieden, den gesamten Zyklus in 4 Bänden herauszubringen. Da dies bei 9 Büchern zu Problemen führt, wurden kurzfristig zwei Bände zu einem Roman zusammengefasst. Dies bewirkt bei dem ersten Teil "Dämonenkind", dass dieses Buch die zwei alten Geschichten, nämlich "Wolfsmagie" und "Das Lied von Homana", enthält. Das hat mich anfangs sehr verwirrt, denn die erste Geschichte wird aus Alix Perspektive in der dritten Person erzählt und die zweite in der Ich-Form von Prinz Carillon.
Wer sich davon nicht abschrecken lässt, wird in "Dämonenkind" einen echten Fantasy-Schmöker finden, und wie das bei Schmökern oftmals der Fall ist, zieht sich die Geschichte in die Länge, was bei 736 Seiten ein echtes Stück Lesearbeit bedeutet.

Ich wollte "Dämonenkind" unbedingt lesen, weil mir die aktuellen Romane der Autorin so gut gefallen haben (Die Karawane und Im Dämonenwald). Allerdings wurde mir nach Lektüre der ersten Seiten schnell klar, dass es sich bei "Dämonenkind" um das Debüt von Jennifer Roberson handeln muss, denn der Roman hat seine Längen und stellt einen Vertreter eher durchschnittlicher romantischer Fantasy dar. Insbesondere der erste Teil beinhaltet viele Schwächen eines Debüts.

Im ersten Teil lernen wir die junge Alix kennen, die auf mich unglaubwürdig und unsympathisch wirkt. Sie handelt unglaublich dumm und benimmt sich wie ein bockiges Gör. Sicher, sie ist jung und naiv, und das habe ich mir beim Lesen diverse Male vor Augen geführt, aber es half nichts: Diese Art von Heldin nervte mich bereits nach kurzer Zeit - egal, was Alix tat, es handelte ihr stets kaum Konsequenzen ein und sie war nicht lernfähig. Ich verspürte bereits nach kurzer Zeit das Bedürfnis, dieser jungen Alix das Buch um die Ohren zu hauen.
Nach Lektüre des ersten Teils von "Dämonenkind" erschien es mir unklar, warum der Cheysuli-Zyklus seinerzeit für solche Furore sorgte.


Der zweite Teil des Romans scheint von einer ganz anderen Autorin geschrieben, denn er ist um Längen besser. Hier wird die Geschichte in der Ich-Form aus der Sicht des Prinzen Carillon beschrieben und lässt das spätere Potenzial der Autorin erahnen. Die Geschichte spielt einige Jahre später und knüpft an die vorhergehende Handlung an. Nach einigen Jahren Krieg und der Flucht mit Finn an seiner Seite, kehrt Prinz Carillon nach Homana zurück, um sich seinen rechtmäßigen Thron vom Feind zurück zu erobern, doch es gilt zuvor die Völker der Menschen und die Cheysuli zu vereinen, damit sie gemeinsam gegen die magischen Truppen des Thronräubers bestehen können.
Eine radikale Kürzung seitens eines Lektors hätte diesem Buch gut getan. Die Geschichte hat ihre Längen - politische Scharmützel, das übliche Geplänkel am Hof und immer und immer wieder das Heraufbeschwören des eigenen Schicksals -, das war mir oftmals zu ermüdend.
Obwohl die Geschichte gut erzählt ist, mit vielen Details und nicht uninteressant, scheinen die wichtigen Ereignisse viel zu oft von unnützen und in die Länge gezogenen Beschreibungen verschüttet, so dass man eine gehörige Portion Geduld an den Tag legen muss, um das Buch nicht das ein und andere Mal in die Ecke zu werfen. Darüber hinaus fühle ich mich etwas betrogen, denn der Klappentext verspricht eine romantische Geschichte mit Liebe. Das habe ich vergeblich gesucht: Wenn es um "Liebe" ging, dann in erster Linie um den nächsten Thronfolger, das Erbe des Blutes und die Verpflichtungen am Hof. Von wahrer Liebe keine Spur, stattdessen immer wieder Kriegsschauplätze und das ewige Herumreiten auf der Prophezeiung, einer Art Blutschwur, die ein Cheysuli entgegen aller Widrigkeiten erfüllen muss.
Weiterhin gibt es Ungereimtheiten. Anfangs ist das Gör Alix dem Cheysuli Duncan noch abgeneigt, dann nennt er sie zweimal "Kleines" und schon ist die naive Kleine in ihn verliebt. Das ging mir dann doch etwas schnell.
Dann wird die Heimat des Magiers Valgaard genannt, in der eingezeichneten Karte im Buchdeckel finde ich jedoch nur ein Algaard.
Eigentlich spüren die Cheysulis durch ihr magisches Blut, wenn jemand der ihren Gewalt angetan wird, doch als Alix vom Magier entführt wird, ist Ehemann Duncan ahnungslos und muss erst spät von anderen über die Entführung seiner Ehefrau aufgeklärt werden. Im Klappentext ist die Rede von einem geheimnisvollen Cheysuli, der ebenfalls in Alix verliebt ist, hier ist die Rede von Finn, der zwar in sie verliebt ist, aber dieses Verliebtsein geschieht nur am Rande und hat keinen wirklichen Einfluss auf die Handlung, was der Klappentext jedoch suggeriert.
Nicht nur die junge Alix benimmt sich naiv und dumm, auch Carillon, der Prinz von Homana, der mich eigentlich über weite Strecken des Buches vollkommen überzeugt hat, handelte schlussendlich willkürlich, indem er die betörende Frau des Feindes ehelichte, und das obwohl ihm von jeder Seite seiner Freunde zugeflüstert wurde, dass die gefährlich ist und mit dem bösen Magier im Bunde steht.
Weiterhin habe ich mich immer wieder im zweiten Teil des Buches gefragt, wann Alix endlich wieder in der Handlung auftaucht - nicht dass ich sie vermisst hätte -, aber im ersten Teil wird ausführlich ihre Geschichte erzählt, nur damit sie im zweiten Teil kaum noch Beachtung findet?
Insgesamt ist "Dämonenkind" ein ganz ordentlicher Fantasy Schmöker, mit einigen Schwächen und leider einige hundert Seiten zu lang. Der Schreibstil hat mich jedoch beeindruckt und erinnerte mich - wie stets bei Jennifer Roberson - an die alte Geschichtenweberei früherer Zeit, der ich immer wieder gerne lausche. Ich fühlte mich die meiste Zeit gut unterhalten. Zur Verteidigung des Buches muss ich sagen, dass ich generell Probleme mit Büchern habe, die sich über mehrere Generationen spannen, was beim ersten Anlesen des Buches nicht ersichtlich war. Darüber hinaus versprach der Klappentext eine romantische Fantasy Saga, was "Dämonenkind" mit seinen kriegerischen Handlungen, der vielen Politik und dem vielen Hofgeplänkel eindeutig nicht ist. Ebenso habe ich meine Probleme mit Geschichten, in denen Menschen sich entgegen aller Vernunft und Herzklopfens mit anderen Menschen liieren und die wahre Liebe dafür verleugnen.
Wer jedoch vor all dem nicht zurückschreckt und eine gehörige Portion Geduld mitbringt, wird in "Dämonenkind" den Auftakt zu einem Zyklus vorfinden, der nicht zu Unrecht als Meisterwerk der Fantasy betitelt wird.


1. Dämonenkind (Shapechangers/ The Song of Homana)
2. Wolfssohn (Legacy of the Sword/ Track of the White Wolf)
3. Die Tochter des Löwen (Daughter of the Lion)
4. Kind des Raben (Flight of the Raven/ A Tapestry of Lions)


http://www.cheysuli.com/
Jennifer Roberson, geboren 1953, ist Autorin von mehr als 20 Romanen, unter anderem von zwei sehr erfolgreichen Fantasy-Zyklen, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Die studierte Historikerin arbeitete zunächst als Journalistin, bevor sie sich 1985 als Schriftstellerin selbstständig machte. Sie war eng mit Marion Zimmer Bradley befreundet und lebt heute in der Nähe von Phoenix, Arizona, wo sie unter anderem Cardigan Welch Corgis züchtet.

Mittwoch, 4. November 2009

Warum Fantasy? von Ann-Kathrin Karschnick



Viele glauben, dass Fantasy eine einfache Möglichkeit ist, um mit dem Schreiben zu beginnen. Ganz im Gegenteil. Klassische Fantasy zu schreiben ist in einigen Fällen vermutlich schwerer, als in anderen Genres zu schreiben. Nehmen wir den Unterschied zwischen Geschichten, die in unserer Welt spielen, und einem klassischen Fantasyroman: In einem auf der Erde spielenden Roman muss man nicht viel recherchieren. Man braucht nur eine Idee, zu der man die Recherche beginnt. Die Rahmenbedingungen des Lebens sind fest vorgegeben. Egal in welcher Stadt es spielt, es gibt die Stadt schon. Man muss nur gut recherchieren, wenn man nicht zufällig in der Stadt lebt.
Bei einem Fantasybuch braucht man zuallererst ebenfalls eine Idee. Doch da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Die Welt, in der die Geschichte spielt, muss neu erfunden werden.
Nehmen wir zum Beispiel das Land Teinemaa, die Welt zu „Die Feuerritter – Kampf um Teinemaa“. Dort gibt es nicht nur einfache Städte und Ansiedlungen, sondern auch ungewöhnliche Städte. Die Stadt Kiehnshecken entstand vor hunderten von Jahren, als das Blut von Giganten auf guten Nährboden traf. Es wuchs eine gewaltige Hecke, in der die Menschen jetzt leben. Um das ganze realistisch wirken zu lassen, musste es eine Hintergrundgeschichte zur Entstehung der Stadt geben. Somit brauchte man eine Vergangenheit, die auch wieder überzeugen musste. Die Vergangenheit der Stadt ist in dem Roman auch gleichzeitig wichtig für unseren Hauptprotagonisten Tulurin. So schließt sich der Kreis in der Gegenwart und findet einen runden Abschluss.
Leider herrscht immer noch das Vorurteil vor, für Fantasyromane nicht recherchieren zu müssen. Der Autor schreibt einfach alles auf und was keine Erklärung findet, wird mit Magie erklärt.
Falsch! Heutzutage gibt sich der Leser nicht mehr damit zufrieden, wenn man alles mit Zauberei beschreibt. Jedes Details muss genau stimmen, jede neue Rasse muss in sich stimmig sein und jede neue Welt muss realistisch und gut erzählt sein, um den Leser darin eintauchen zu lassen.
Alles in allem ist Fantasy nicht gerade das einfachste Genre, wenn man es richtig angeht.

Dennoch oder gerade deswegen habe ich mich damals dafür entschieden im Fantasygenre zu schreiben. Im wahren Leben sitze ich 8 Stunden am Tag an einem Schreibtisch und kümmere mich um trockenes Zahlenwerk. Dabei bleibt die Fantasie ziemlich auf der Strecke. Das ist bei meiner ausgeprägten Gedankenwelt aber mehr als ungünstig und würde schlussendlich mit einer Zwangseinweisung enden, wenn ich kein Ventil für diese Ideen hätte.
Auf dem Weg nach Hause in der S-Bahn, kann es schon mal passieren, dass die Person auf dem Sitz gegenüber plötzlich dem Bösen in meiner Geschichte ein Gesicht verleiht und schon startet das allseits beliebte Kopfkino. Meine Romane und Kurzgeschichten handeln meist von dem Kampf um etwas oder jemanden. Fast immer haben meine Figuren einen Hang zum Guten oder ein ausgeprägtes Helfersyndrom. Da ich in meiner Freizeit im Deutschen Roten Kreuz tätig bin und auf Sanitätsdiensten oft verletzten Menschen helfe, bin ich wohl nicht ganz unschuldig an dem Helferkomplex meiner Figuren.
In mir, und vermutlich noch vielen anderen, steckt ein verborgener Feuerritter, der seinen Weg durch die alltägliche Welt mit viel Herz und ein klein wenig Zauberei findet.

Mehr zum Roman "Die Feuerritter - Kampf um Teinemaa" und der Autorin ist auf ihrer Homepage zu finden.