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Samstag, 11. Mai 2013

(Verlagsgeplauder) Hinter dem Verlagsstand – ein paar Tage auf Tuchfühlung mit dem Leser 03


Samstag, 16.03.
Heute ist der wichtigste Tag. Der Tag mit den großen Besucheransturm. Der Tag, an dem die Messe fast aus allen Nähten platzen wird.
Doch bevor das Chaos losgeht, unterhalte ich mich an unserem Stand mit Klaus N. Frick (Chefredakteur bei Perry Rhodan, VPM). 


Kurz nach dem Gong kommt mein Vater vorbeigeschlendert. Er wird heute einen ganzen Tag Messeluft schnuppern und am Abend unser Chauffeur sein. Leipzig ist Umweltzone, unser Lieferwagen hat keine Plakette bekommen und wir haben heute wieder unsere mittlerweile traditionellen Lesungen in der „Absintherie La Petite“ in der Münzgasse.

Freitag, 10. Mai 2013

(Verlagsgeplauder) Hinter dem Verlagsstand – ein paar Tage auf Tuchfühlung mit dem Leser 02


Donnerstag, 14.03.
Um Mitternacht ist die Nacht vorbei. Emily ist aufgewacht, hat Durst und quengelt. Danach will sie nicht mehr ins Kinderbettchen. Tina holt sie mit zu uns rein.
Schlaf?
Nicht mehr dran zu denken. Emily muss uns ausgiebig vom Entenfüttern erzählen und tobt über uns quer durchs Bett. Immer dann, wenn ich gerade wieder am Einschlafen bin, landet mir ein Kinderfuß im Gesicht. Tina geht es ähnlich. Um 2 sind wir frustriert und befördern die Kleine in ihr Bettchen zurück. Zehn Minuten lang schreit sie wie am Spieß. Danach ist Ruhe.
Der Wecker holt uns gegen 6 aus dem Schlaf. Waschen, Anziehen, Frühstücken, von Emily und meinen Eltern verabschieden, rein nach Leipzig.

Donnerstag, 9. Mai 2013

(Verlagsgeplauder) Hinter dem Verlagsstand – ein paar Tage auf Tuchfühlung mit dem Leser 01


Das neue von Soleil vorgeschlagene Thema klang vielversprechend und einfach: „Schreib doch mal einen Bericht über einen Tag am Stand auf einer Veranstaltung.“
Ich wusste nicht, dass dieses Blogthema anfangs unter so einen schlechten Stern stehen sollte.

Ursprünglich hatte ich mir für diesen Beitrag eine kleine, feine Messe in Dresden im November 2012 herausgesucht – die Schriftgut. Hat auch alles super geklappt. Tolle Bilder, gute Notizen. Als wir nach der Messe wieder zu Hause ankamen, stellte ich fest, dass ich meine Notizen anscheinend verloren hatte. Mist. War leider 2012 die letzte Veranstaltung.
Dann habe ich es mir fest vorgenommen. Letztes Februarwochenende, Wien, Die andere Buchmesse Vol.4. Kurz nach dem Aufbau streikte Tinas Fotoapparat.
Ok, nächster Versuch. 09. und 10.3. DortCon 2013. Wunderschöne Veranstaltung, viel zu erzählen. Wenn nicht die eingeschlagene Fensterscheibe von unserem Lieferwagen und das gestohlene Navi gewesen wäre (mit dem danach folgenden Trouble in Punkto Polizeimeldung, Fenster verkleben und irgendwie mit kaputten Fenster und Kleinkind im Auto heil heimkommen.) Wieder nichts.

Und so handelt dieser Blogbeitrag durch eine Verknüpfung von Zufällen nicht von einer kleinen Messe, nicht von einem von ein paar Autoren organisierten Event und nicht von ambitionierten Aktiven der Phantastikszene auf die Beine gestellten Con, sondern von der wichtigsten Veranstaltung auf dem deutschen Literaturmarkt …

Der Leipziger Buchmesse 2013

Mittwoch, 11. April 2012

Verlagsgeplauder - Manuskripte, Manuskripte, Manuskripte ... (2)


Der Verleger Torsten Low plaudert aus dem Nähkästchen. Und das auch noch gern! In regelmäßigen Abständen wird er sich ein Thema wählen und einige Worte dazu aufschreiben. Alle, die sich näher dafür interessieren, sind herzlich eingeladen, sich diese Worte durchzulesen und zu kommentieren. Mehr noch: Interessiert ein Thema besonders? Dann her damit, Torsten antwortet gern.




Manuskripte, Manuskripte, Manuskripte ...

Bei den Manuskripteinsendungen der letzten Monate bin ich über einige Dinge gestolpert, auf die ich hier gerne eingehen möchte.

Was muss ich bezahlen, damit ich Ihre Entscheidung für mein Buch beschleunige?
NICHTS!
Sie können meine Entscheidung für Ihr Buch nicht beschleunigen. Entweder Ihr Buch begeistert mich – dann mache ich es. Und zwar ohne Zuzahlung von Ihnen. Und mit meinem Zeitplan!
Oder es begeistert mich nicht – dann gibt es nichts, was Sie tun könnten, um mich umzustimmen.
Ich möchte an der Stelle noch mal ausdrücklich betonen, dass ich KEINERLEI Autorenzuschüsse annehme. Auch keine freiwilligen.

Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass auf dem Ihnen angebotenen Text mein Urheberrecht liegt und von Ihnen nicht verbreitet werden darf, bevor ich nicht einen Vertrag unterschrieben habe. Zur Sicherheit habe ich eine Kopie des Textes bei meinem Notar hinterlegt.
Soviel vorweg: Das Manuskriptangebot habe ich abgelehnt, ohne mich auch nur eine weitere Minute mit dem Text zu befassen. Ich glaube nicht, dass der Autor und ich zusammenpassen.
Auch wenn ich den Verlag in meiner Freizeit betreibe, weiß ich sehr wohl, welche Rechte der Autor hat. Dass der Autor glaubt, mich darauf hinweisen zu müssen, dass ich mich strafbar mache, wenn ich den Text unberechtigt vervielfältige, zeigt mir, was er von meiner Kompetenz hält.
Auch der Nachsatz, dass er „zur Sicherheit“ eine Kopie beim Notar hinterlegt hat, zeigt mir recht deutlich, was er von mir und meiner Arbeitsweise hält. Er hält mich für unzuverlässig, für ein Sicherheitsrisiko, er misstraut mir.
Für mich bedeutet das, dass die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Seiten des Autors nicht gegeben ist. Darum habe ich nach Absage sein Manuskriptangebot aus Sicherheitsgründen geschreddert.

Ich habe dieses Manuskript gleichzeitig an 20 andere Verlage geschickt. Das erste attraktive Angebot bekommt den Zuschlag.
Auch dieses Manuskript wurde von mir abgelehnt, genauso wie es auf meinen Tisch kam.
Wenn ein Autor meint, er müsse mich unter Zeitdruck setzen, sollte er sich vorher klar machen, dass sein Manuskript für mich in erster Linie eine Investition ist und erst in ein oder zwei oder drei Jahren Gewinn abwirft.
Und eine Investition bin ich nur bereit zu tätigen, wenn ich mich mit dem Projekt beschäftigt habe. In dem Zeitrahmen damit beschäftigt habe, den ICH für notwendig halte. Und ich lasse mich da nicht drücken und ich lasse mich nicht erpressen.

Das Buch hat einen aktuellen Bezug (Mayaprophezeiung 2012) und muss deswegen innerhalb des nächsten halben Jahres erscheinen.
Mag sein. Aber nicht bei mir. Projektzeiten von einem halben Jahr (von Manuskripteinreichung bis Drucklegung) sind bei mir absolut illusorisch.
Und nein, ich kann nicht mal noch ein Buch zusätzlich „zwischenreinschieben“. Sechs Bücher im Jahr ist das absolute Maximum, was ich stemmen kann. Und die sind bereits verplant. Bis 2014. Inklusive. Und beim nächsten Weltuntergang könnte man ja planen, es etwas eher fertiggeschrieben zu haben, damit man noch rechtzeitig auf den Markt kommt. Ich meine, der Mayakalender ist ja nicht erst seit gestern bekannt.
Jedenfalls habe ich den Autor geantwortet, dass ich eine Realisierung innerhalb eines halben Jahres für nicht möglich halte. Ich hoffe, das ist jetzt kein Weltuntergang für den Autor.

Ich hänge ein Expose und eine Leseprobe als *.doc an.
Sehr schön. Nur werde ich sie nicht lesen.
Attachments von Personen, die ich nicht kenne, werden aus Sicherheitsgründen abgehängt. Steht auch auf meiner Webseite.
Das mag man jetzt doof finden, überängstlich oder albern – aber es ist so.

Ich habe für den Titel „xxx“ bereits Titelschutz angemeldet.
Keine Ahnung, warum der Autor auf eigene Faust Titelschutz anmeldet (vor allem, wenn es so ein Allerweltstitel war wie jener, um den es ging). Auf jeden Fall ist das Geld sinnlos rausgepulvert, denn der Titelschutz für ein nichterschienenes Werk ist nur für ein halbes Jahr gültig und verfällt dann.
Zudem stellt sich mir die Frage, ob der Autor einfach nur den Titel hat schützen lassen oder ob er vorher überhaupt eine Titelrecherche durchgeführt hat. Und außerdem ist ja gar nicht klar, ob das Buch überhaupt unter den Titel erscheint, den der Autor sich mal ausgedacht hat.
Titelschutz ist Sache des Verlages. Ein Autor verschwendet damit nur Zeit (und wenn es drauf ankommt, sogar Geld).

Zu dem Buch gehören 15 farbige Illustrationen, die an den entsprechend markierten Stellen einzufügen sind.
An der Stelle muss ich vielleicht noch mal erklären, wer oder was ich eigentlich bin (und was nicht).
Ich bin KEIN Dienstleister. Ich bin keine Person, die vom Autor gesagt bekommt, was sie wie zu tun hat!
Ich bin ein Verleger. Das ist eine Person, die Buchprojekte bezüglich ihrer Vermarktbarkeit überprüft, dass Geld für die Durchführung zur Verfügung stellt und das Projekt zusammen mit dem Autor, sowie anderen Beteiligten (Lektorat, Coverdesigner, etc.) realisiert. Als solchen obliegt mir auch die Entscheidung, ob es Illustrationen geben wird, wie viele und auch ob die farblich sind.
Der Autor darf mir gerne Vorschläge unterbreiten und ich bin sehr offen für vieles. Aber farbige Illustrationen und auch das Cover sind Dinge der Gestaltung. Das sind Dinge des Budgets. Das sind Dinge, die den Verkaufspreis betreffen.
Das ist keine Entscheidung, die dem Autor obliegt.

Ich habe bereits eine Künstlerin für die Covergestaltung gefunden.
Aha. Finde ich ja nett – aber ich arbeite für das Cover meist mit meinen Stammkünstlern zusammen. Mit Leuten, die genau wissen, was ich brauche. Die unser Verlagsprogramm kennen und die Coverumschläge der Neuerscheinungen an den alten Büchern ausrichten. Bei denen ich weiß, was mich das Honorar kostet. Bei denen ich weiß, dass sie schnell und zuverlässig sind und sofort reagieren, wenn es Probleme mit dem Probedruck gibt. Und die bei druckbedingten Nachbesserungen nicht den Künstler raushängen lassen, sondern professionell an der Problemlösung arbeiten.

Und zu guter Letzt ein Schmankerl aus einem Päckchen, welches ich letztes Jahr um die Weihnachtszeit herum erhalten habe.
Es war ein sehr merkwürdiges Manuskriptangebot eines historischen Romans. Dem Päckchen (4,10 Euro) lag ein 42 Jahre altes Buch bei, an welches die Geschichte direkt anschließt und ohne welches das Manuskript wohl nicht zu lesen geht. Sorry, aber so was geht überhaupt nicht.
1.) Informiert euch über das Verlagsprogramm.
Wer sich mein Verlagsprogramm anschaut, sieht dass wir ausschließlich Phantastik bringen.
Ja, ich weiß: Vor 3 Jahren haben wir auch historische Romane bringen wollen - diese Schiene ist aber schon seit Ewigkeiten abgekündigt und nie ein historischer Roman bei uns erschienen.

2.) Informiert euch über den Bedarf.
Ein einziger Blick auf die Webseite hätte es offenbart: [..]haben wir uns entschlossen, bis auf Weiteres keine neuen Manuskript-Angebote mehr anzunehmen.[..]
Und bevor man antiquarische Bücher als Beilage herumschickt, hätte man auch eine EMail schreiben oder ein Telefon zur Hand nehmen können und nachfragen können, ob so etwas überhaupt angebracht ist.
Jetzt habe ich ein Manuskript hier liegen, welches ich sowieso nicht verwerten kann (siehe Punkt 3 und 4) und ein altes Buch, welches ich zeitmäßig auch dann nicht lesen könnte, wenn ich es lesen wollte - und nein, ich werde es garantiert nicht auf eigene Kosten zurückschicken.

3.) Informiert Euch über die rechtliche Lage.
Ich denke, jedem ist klar, dass man keinen Roman von einer Zauberschule schreiben kann, in dem es einen Harry Potter, einer Hermine, einen Ron und einen Bösewicht namens Lord Voldemort gibt.
Nun gut, schreiben darf man ihn schon.
Aber nicht veröffentlichen.
Das trifft auch für nichtauthorisierte Fortsetzungen eines 42 Jahre alten Romans zu, in dem man offene Handlungsstränge sowie die alten Hauptpersonen aufgreift und neue Abenteuer erleben läßt. So etwas DARF man einfach nicht.
Und da gibt es auch keine Diskussionen.
Gegen so etwas gibt es Gesetze - und selbst wenn der Autor wie in dem Falle hier bereits tot ist, haben die Erben 70 Jahre lang ein Anrecht drauf, solches Figurenrecycling zu verhindern.
Meiner Meinung nach ist solch ein Autor ein Leichenfledderer. Nichts anderes, als nach 10 Jahren den Sarg wieder auszubuddeln und dem Toten die goldene Uhr zu stehlen.

4.) Spätestens, wenn ihr ins Anschreiben folgenden Satz reinschreiben müsst:
„Ich habe den Originalroman beigelegt, weil man ihn kennen muss, bevor man in meinen einsteigen kann - er schließt direkt ans letzte Kapitel an.“
Spätestens dann sollten euch Zweifel kommen an dem, was ihr da treibt. Und ihr solltet die nächste große Papiertonne aufsuchen und euer Anschreiben, Expose und Manuskript darinnen versenken.
Kein ernsthafter Verlag kann ein Buch drucken und auf den Klappentext oder ins Vorwort reinschreiben: "Bitte kaufen Sie sich den Roman XYZ - ohne diesen werden Sie keinen Spaß an unserem Roman haben, da Sie kein Wort davon verstehen werden."
Fortsetzungen können Verlage nur dann realisieren, wenn die vorherigen Teile noch lieferbar sind (und nicht etwa nur im Antiquariat zu bekommen sind, wie in diesem Fall) und möglichst sogar nur dann, wenn die vorherigen Teile im eigenen Verlag erschienen sind (aber das ist keine 100%ige Voraussetzung).

5.) Kommt bloß nicht auf dumme Ideen.
Ich habe dem Autor eine entsprechende Absage geschrieben und die auch entsprechend begründet. Ich habe mir sogar die Zeit genommen, die Absage aufs Ausführlichste zu begründen, weil ich nicht will, dass jemand uninformiert in sein Unglück rennt.
Trotzdem kann ja der Autor auf die Idee kommen, so etwas per EBook oder BoD zu veröffentlichen.
TUT ES NICHT.
Ihr tut Euch damit keinen Gefallen. Lasst es auffliegen und Ihr werdet Euch den Rest eures Lebens dumm und dusslig zahlen. Und es wird auffliegen - gerade in Zeiten des Internets.
Wie bei dem "Autor", der tatsächlich meinte über Novum eine Star Trek Geschichte herauszubringen (siehe: http://buch.archinform.net/isbn/3-85251-413-4.htm) und der daraufhin wohl tüchtig Ärger bekommen hat - jedenfalls ist sein Buch nicht mehr im Handel.


Ich hoffe, dieses Verlagsgeplauder beantwortet manche Frage und erklärt vielleicht auch, warum manche Reaktion eines Verlegers oder Lektors so ist, wie sie ist.
Ich wünschen allen Jungautoren viel Spaß am Schreiben und viel Erfolg bei der Verlagsbewerbung.

Mittwoch, 14. März 2012

Verlagsgeplauder - Manuskripte, Manuskripte, Manuskripte ...



Der Verleger Torsten Low plaudert aus dem Nähkästchen. Und das auch noch gern! In regelmäßigen Abständen wird er sich ein Thema wählen und einige Worte dazu aufschreiben. Alle, die sich näher dafür interessieren, sind herzlich eingeladen, sich diese Worte durchzulesen und zu kommentieren. Mehr noch: Interessiert ein Thema besonders? Dann her damit, Torsten antwortet gern.



Manuskripte, Manuskripte, Manuskripte ...

In den letzten Monaten habe ich sehr viele Fragen zum Thema Manuskripte bekommen, auf die ich an dieser Stelle sehr gerne antworten möchte.

Seit einiger Zeit nimmt der Verlag Torsten Low keine Manuskripte mehr entgegen. Warum nicht?
In der kurzen Zeit, in der wir offiziell Manuskriptangebote angenommen haben, sind wir regelrecht mit Angeboten überschwemmt worden. Noch heute (ein Jahr nach Manuskriptannahmestopp) haben wir nicht alle Angebote gelesen.
Gleichzeitig haben wir nur sehr wenige Programmplätze. Wir können derzeit im Jahr sechs Veröffentlichungen stemmen. Mehr ist vorerst nicht angedacht. Die Hälfte davon sind Anthologien, bleiben gerademal drei Programmplätze für Romane. Davon ist einer über die nächsten Jahre hinweg bereits für einen festen Stammautor blockiert, einen weiteren teilen sich zwei weitere Stammautoren. Bleibt somit im Jahr maximal ein Programmplatz übrig. Selbst wenn bei den bisher erhaltenen Einsendungen nur 5 % brauchbare Manuskripte dabei wären, wäre ich für die nächsten 10 – 15 Jahre gut ausgelastet.

Ab wann nehmt ihr wieder Manuskripte entgegen?
Aus den obigen Gründen bleibt die offizielle Manuskriptannahme bis auf Weiteres geschlossen. Wir behalten uns vor, aus dem Pool der bisher eingegangenen Skripte zu schöpfen oder direkt Autoren anzusprechen, mit denen wir in der Vergangenheit bereits erfolgreich zusammengearbeitet haben.

Anscheinend steigt auch ihr jetzt auf Stammautoren um. Hat man bei euch überhaupt noch eine Chance?
Stammautoren sind wichtig für das Überleben eines Verlages. Auch für unseren Verlag. Kein Verlag kann Jahr für Jahr beliebig viele unbekannte Autoren aufbauen. Das ist geld- und zeitmäßig einfach nicht drin – auch wenn es schade ist. Deswegen sind zwei der drei Romanplätze im Jahr bereits mit Stammautoren belegt. Trotzdem werden wir nach wie vor auch Experimente mit unbekannten Autoren wagen, so uns ihr Manuskript überzeugt.

Ich habe euch mein Manuskriptangebot vor einem halben Jahr geschickt und seither nichts von euch gehört.
An der Stelle muss ich einfach um Geduld und um Verständnis bitten: Der Verlag ist kein Hauptjob, sondern ein kleines Nebengewerbe, für dass ich täglich vielleicht 2-3 Stunden investieren kann. In den 2-3 Stunden müssen alle Sachen erledigt werden, die anstehen: Bücher versenden, Werbung machen, Lesungen planen, neue Projekte planen, den Kontakt zu Autoren halten und eben auch Manuskripte lesen.
Dabei wird aber nun einmal das zuerst gemacht, was am dringlichsten ist – und so leid es mir tut: Unsere Programmplanung ist bis 2014 fest. Das Lesen der Manuskripte ist für uns im Moment nicht dringlich. Wichtiger ist es, dass die Werbung kontinuierlich weiterläuft, dass unsere Autoren Lesungen bekommen und dass die Bücher zum Leser kommen. Damit es unseren Verlag auch nach 2014 noch gibt ...

Bei den Manuskripteinsendungen der letzten Monate bin ich über einige Dinge gestolpert, auf die ich hier gerne eingehen möchte.
(Anmerkung Soleil: Diesen Beitrag gibt es am 11.04.2012 zu lesen)

Sonntag, 30. Oktober 2011

Der deutsche Phantastikpreis 2011


Am 15.10.2011 wurde gegen 19 Uhr der Deutsche Phantastikpreis 2011 verliehen.
Die Fotos (die sich mit einem Klick vergrößern) sind leider alle etwas unscharf geworden, was sowohl an meiner Aufregung, als auch an meinem Lachen lag. Denn auch in diesem Jahr ist es ein richtiges Event geworden. Die Moderatoren Mike Hillenbrand und Thomas Höhl hatten in diesem Jahr nämlich Unterstützung von einem Bühnenzombie namens Dirk. Im wirklichen Leben handelt es sich dabei um einen der Hauptverantwortlichen der Veranstaltung, der ins (Bühnen-)Licht gerückt wurde, weil es offenbar immer wieder Kritik daran gegeben hätte, dass eben jene Verantwortliche nie gebührend genannt wurden.
Zunächst gab es die üblichen einleitenden Worte und schließlich schon die erste Kategorie.

Bester Grafiker:
1) Thomas Thiemeyer
2) Mark Freier
3) Christine Schlicht
4) Arndt Drechsler
5) Ernst Wurdack
Thomas Thiemeyer zeigte sich sichtlich erstaunt über seinen Preis, da er in den letzten Jahren fast ausschließlich als Autor in Erscheinung getreten sei. Zwar begann seine Karriere als Gafiker, doch er hat sich schnell aufs schreibende Handwerk verlegt. Gefreut hat er sich trotzdem ob dieser verspäteten Auszeichnung.


Beste Internet-Seite:
Die Redaktion der Phantastik-Couch freute sich über den Preis und die Anerkennung der gemeinsamen Arbeit. Die, wie die sympathische Dame auf der Bühne betonte, nicht nur ihnen allein gebührte, sondern allen, die an der Website beteiligt sind.

Bestes Sekundärwerk:
1) Nautilus – Abenteuer und Phantastik (Abenteuer Medien)
2) Hither Shore – Jahrbuch der Deutschen Tolkien Gesellschaft (Scriptorium Oxoniae)
3) Magira – Jahrbuch zur Fantasy, Hermann Ritter und Michael Scheuch (Fantasy Club e.V.)
4) phantastisch! (Achim Havemann)
5) Fandom Observer
Einer der Redakteure der "Nautilus" war sehr bewegt und dankte mit herzlichen Worten für den Preis, auch im Namen seiner Kollegen.
Auf dem Foto bewundert der Bühnenzombie die Zeitschrift und versucht, besonders hilfsbereit zu sein und Wasser an die Sprechenden zu verteilen. Einer der Moderatoren versucht ihn fortzulocken.
Später am Abend beglückwünschte ich einen Mitarbeiter des Magazins kurz per SMS und dachte, ich überrasche ihn. Weit gefehlt, er wusste schon bescheid. Der Buschfunk nach Berlin war drei Wochen schneller als ich.

Bestes Hörspiel:
1) R. A. Salvatore: Drizzt 13: Das Vermächtnis (Lausch)
2) Gruselkabinett 44/45: H. P. Lovecraft: Berge des Wahnsinns (Lübbe)
3) Ernst Vlcek & Neal Davenport: Dorian Hunter 10: Der Folterknecht (Zaubermond)
4) Mythos & Wahrheit 5: Dracula (Stimmbuch)
5) Gruselkabinett 40/41: Jane Austen: Northanger Abbey (Lübbe)
Hier leisteten die Moderatoren sich einen Fauxpas, denn sie wussten weder, wer Jane Austen ist, noch wie deren Werk ausgesprochen wird. Schade, man sollte meinen, sie hätten sich angesichts der Nominierung informiert.


Beste Serie:
1) Perry Rhodan (VPM)
2) Richard Schwartz: Das Geheimnis von Askir (Piper)
3) Vampir Gothic (Romantruhe)
4) Mark Brandis (Wurdack)
5) Maddrax (Bastei)
Der Gewinner hier, nicht sehr überraschend, Perry Rhodan. Der Hauptverantwortliche, der sich seit vielen Jahrzehnten mit der Serie auseinandersetzt, wirkte äußerst selbstbewusst und versicherte, im nächsten Jahr auch wieder den Preis entgegen zu nehmen. Drücken wir ihm die Daumen.

Bestes deutschsprachiges Romandebüt:
1) Gesa Schwartz: Grim – Das Siegel des Feuers (LYX)
2) Carsten Zehm: Staub-Kristall (Acabus)
3) Ralph Haselberger: Fast tot (Persimplex)
4) Ales Pickar: In den Spiegeln 1 – Die dunkle Stadt (Vedra)
5) Harald A. Weissen: Begegnung mit Skinner (Sieben)
Glückwunsch in dieser Kategorie an Gesa Schwartz, die aufgeregt und bewegt in einem war und eine sehr lange und mitreißende Rede hielt. Sie sprach davon, dass es etwas ganz Besonderes für sie sei, nicht nur am BuCon teilzunehmen, wie die Jahre zuvor, sondern eben auch diesen Preis zu gewinnen.
Nach ihrer Rede waren sogar die wortgewandten Moderatoren sprachlos und meinten, das sei wohl eine der Reden, die selbst die Sprecherin noch einmal auf Video sehen müsste, um sich zu erinnern, was sie eben gesagt habe.

Bester internationaler Roman:
1) Neil Gaiman: Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgard (Arena)
2) Brom: Der Kinderdieb (Pan)
3) Michael Laimo: Dämonenfeuer (Otherworld)
4) Scott Westerfeld: Leviathan – Die geheime Mission (cbj)
5) Iain Banks: Welten (Heyne)
Hier wurde ziemlich gewitzelt, denn leider war niemand der Preisträger persönlich da. Weder Neil Gaiman, noch ein Vertreter des deutschen Verlages Arena. Letzteres fand ich besonders schade.
"Ist hier ein Neil Gaiman? Jemand der Arena heißt? Neil Arena oder Arena Gaiman?"
Weder noch und so ging es weiter im Programm. Die Frage, die ich mir stelle ist, was mit dem Preis geschieht. Wird er an Autor oder Verlag per Post gesendet?

Beste deutschsprachige Kurzgeschichte:
1) Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser: „Das Herz des Jägers“ (aus: Geschichten unter dem Weltenbaum – Low)
2) Sören Steding: „Frederika und der kleine Zombie“ (aus: Das Buch der lebenden Toten – Evolver)
3) Nadine Boos: „Finja-Danielas Totenwache“ (aus: Die Audienz – Wurdack)
4) Michael Zandt: „Nazi Zombie Holocaust“ (aus: Das Buch der lebenden Toten – Evolver)
5) Gunter Arentzen: „Scham“ (aus: Dark Vampire – Geisterspiegel.de)
Hier gab es zunächst einen Spoiler vom Bühnenzombie Dirk, denn er kam mit zwei Preisen hinter dem Vorhang hervor. So war auch dem letzten Zuschauer klar, wer gewonnen haben musste.
Das Autorenduo freute sich sehr und bedanke sich ebenfalls bei seinem Verleger Torsten Low, der mit roten Wangen aufstehen und sich auf Geheiß der Moderatoren dem Saal vorstellen musste.

Beste Original-Anthologie/Kurzgeschichten-Sammlung:
1) Lothar Mischke [Hg]: Geschichten unter dem Weltenbaum (Low)
2) Hans-Stephan Link [Hg]: Weltentor (Noel)
3) Stefan Cernohuby [Hg]: Von Feuer und Dampf (Arcanum)
4) Geisterspiegel.de: Dark Vampire (Romantruhe)
5) Thomas Fröhlich & Peter Hiess [Hg]: Das Buch der lebenden Toten (Evolver)
Und wieder ein Treffer für den Verlag Torsten Low. Obwohl auch Lothar Mischke hocherfreut war und seinem Verleger dankte, war es doch letzterer, der die Aufmerksamkeit auf sich zog, als er von den Moderatoren immer wieder vorgestellt wurde. Zum Ende mit "Wie sah Torsten Low eigentlich nochmal aus? Steh doch mal auf, Torsten!" Wer jetzt nicht weiß, wie er ausschaut, hat nicht hingesehen.

Bester deutschsprachiger Roman:
1) Markus Heitz: Judastöchter (Knaur)
2) Kai Meyer: Arkadien brennt (Carlsen)
3) Ju Honisch: Jenseits des Karussels (Feder & Schwert)
4) Bernd Perplies: Für die Krone (LYX)
5) Christoph Marzi: Grimm (Heyne)
Nicht sehr überraschend der Gewinner in dieser Kategorie, der siebte Preis hintereinander. Treue Fans, würde ich sagen.
In seiner Rede machte er sich mir nicht gerade sympathisch, als er sinngemäß sagte, dass er sich vor allem deswegen über den Preis freue, weil hier echte Fantasy in Form von Vampiren gewählt werde, und keine kitschigen Glitzervampire.
Zwar sollten mich solche Aussagen nicht mehr stören, weil sie vor allem so unfundiert und unhinterfragt sind, sie tun es aber leider doch. Herr Heitz, so sehr, wie Stephenie Meyer für die Paranormals/ LiRos steht, so sehr ist Fantasy Harry Potter.
Wie auch immer, der Saal hat frenetisch applaudiert.

Was ich aber am meisten daran bedauere ist der Umstand, dass es mittlerweile sogar zwei Neugründungen von (deutschen) Phantastikvereinigungen gibt, die das Genre aus seiner Nische herausheben und zu mehr Anerkennung führen sollen. Aber noch im gleichen Atemzug genau das, was sie verteufeln, selbst tun.
Leute, das, was man selbst nicht bereit ist zu geben, ist nicht unbedingt die beste Voraussetzung für einen Kampf gegen Windmühlen.
Wir sind Phantastikbegeisterte und zumindest ich dachte bisher, dass wir damit besonders offen gegenüber Anderem sind. Zu sehen, wie nun auch die Mehrzahl der Genreanhänger mit den gleichen Scheuklappen durch die Welt gehen, wie es die Feuilletonisten tun, tut mir in der Seele weh.
Und so gab es eben auch diesen großen Wermutstropfen für mich an diesem Abend.

Insgesamt eine sehr schöne Veranstaltung, die ich trotz allem gern besucht habe. "Die Buchmesse in Frankfurt ist für die Masse, der BuCon ist für die Familie." (Moderator der Preisverleihung)
Noch während des Cons erkannte ich aber bereits, dass ich mich von der Mehrheit der Teilnehmer entfernt habe und auch die Preisverleihung zeigte mir, dass ich wohl das letzte Mal nach Dreieich gefahren bin.
Die Familie ist zu eng zusammengewachsen, als dass es neue Impulse geben oder diese, in welcher Form auch immer, angenommen würden. Es wird Zeit für einen Wechsel, denn Stillstand bedeutet Tod. Vielleicht liegt auch gerade in diesem Detail der Umstand dessen, dass die Familie nicht wächst, da neue Familienformen nicht angenommen und von vornherein ausgeschlossen werden. Die Definition der Phantastik müsste dabei ebenso neu überdacht werden, wie die (einzelnen) Kriterien der Preisverleihung des Deutschen Phantastikpreises.
Meine Bitte an alle Phantastikfreunde: In die Zukunft schauen, nicht in der Vergangenheit leben.

Fotos mussten aus rechtlichen Gründen leider entfernt werden.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Der Buchmesse Convent in Dreieich 2011


Am 15.10.2011, dem Samstag der Frankfurter Buchmesse, fand zum 26. Mal der Buchmesse Con statt. Der? Ja, obwohl das nur eingefleischte Fans und Besucher verwenden.
Die Erklärung dazu ist ganz einfach und stammt von Roger M. persönlich: "Das ist eine Streitfrage, die das deutsche Fandom seit Jahrzehnten und ganz besonders seit Aufkommen der MediaCons wie FedCon oder RingCon in zwei Hälften spaltet.
Literaturbezogene Con sind schon immer "der", das "die" schwappt durch jüngere Fans von den MediaCons herüber. Dürfte wohl eine Frage des Generationswechsels sein, bis sich das "die" durchgesetzt hat. BuCon, ColoniaCon, GarchingCon, Perry-Rhodan-WeltCon und DreieichCon sind aber schon immer "der" gewesen. Es ist zwar "die" Convention, aber in unserem Falle "der" Buchmesse Convent, wie das Event offiziell ausgeschrieben heisst."

Die Anreise aus Berlin gestaltete sich in diesem Jahr nicht ganz so einfach, da einige Anonyme meinten, Brandanschläge auf die Gleise der Bahn verüben zu müssen. Nach erheblicher Verspätung ging es aber doch unbeschadet Richtung Frankfurt, wo wir in einem Hotel abstiegen, in dem es laut Aussage eines Einheimischen Tradition ist, seinen Leichenschmaus nach einer Beerdigung einzunehmen.
Für das lockere Beisammensein am Abend vor dem Con waren wir aber schließlich zu müde und entschieden uns dagegen.
Gegen 10.30 Uhr am Con-Tag checkten wir ein und bekamen sogleich unsere Con-Tüten ausgehändigt, mit denen wir uns im noch recht leeren Saal hinsetzten und hineinsahen. Außerdem galt es den breit gefächerten Programmplan abzuchecken und gemeinsame Veranstaltungen anzukreuzen. Das stellte sich als gar nicht so einfach heraus, denn mit stündlichen vier zeitgleich stattfindenden Veranstaltungen war die Auswahl enorm.
Aber nur wenige Minuten später gab es die ersten bekannten Gesichter zu entdecken, wie in etwa den Verlag Torsten Low mit eigenem Verlagsmaskottchen, das mit seinen inzwischen fünfzehn Monaten schon ziemlich erwachsen wirkt.
Ebenfalls fiel mir eine junge Frau in Steampunkkostüm auf, die ich meinte, schon einmal gesehen zu haben. Weil sie noch recht allein durch den Raum wanderte, sprach ich sie schließlich an und es stellte sich heraus, dass es sich um Miss Alexia Steampunk handelte.
Meine Begleiterin hatte noch nie etwas von "Steampunk" gehört und war angesichts unseres Gespräches über den selbstgemachten Schmuck und andere Kostümdetails etwas verwundert. Da der Verlag FederundSchwert bereits aufgebaut war, schlenderten wir kurz hinüber und Alexia gab mir einige Tips bezüglich der Bücher von Ju Honisch. Andere des Verlages habe ich nämlich schon (sehr gern) gelesen. Unter anderem auch "Das mechanische Herz", das ich jedem Steampunk-Begeisterten ans Herz legen möchte.

Und dann war es auch schon Zeit zur ersten Lesung zu gehen. Der Verlag Torsten Low stellte sich und einige der neueren Werke um 11 Uhr im Hangardeck vor. Die beiden Autoren Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser lasen aus ihrer Geschichte "Das Herz des Jägers" (aus: Geschichten unter dem Weltenbaum) vor, die später am Abend den Deutschen Phantastikpreis in der Kategorie "Beste deutschsprachige Kurzgeschichte" gewinnen sollte.
Der Verleger ließ sich auch einige Zukunftsdetails entlocken. So wird im nächsten Jahr der Autor Mark Staats einen Fantasyroman bei ihm veröffentlichen, der in der Tradition von Terry Pratchett stehen soll, also voller Humor steckt. Man darf gespannt sein, ob Herr Staats halten kann, was er versprochen hat; Übung hat er jedenfalls schon, denn auch sein Roman "Bettina Müller: Werwölfin mit Sexappeal" ist nicht so ganz ernst zu nehmend zu lesen.
Danach gab es auch schon eine kurze Szene aus dem neuen Roman zu lesen, stilecht mit Schwertern und verstellten Stimmen.

Die zahlreichen Zuhörer waren begeistert. Ebenso von Vanessas toller Lesestimme, die zumindest bei mir viel Eindruck hinterlassen hat.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Verlagsgeplauder - Ebooks – technische Revolution oder teure Sackgasse?


Der Verleger Torsten Low plaudert aus dem Nähkästchen. Und das auch noch gern! In regelmäßigen Abständen wird er sich ein Thema wählen und einige Worte dazu aufschreiben. Alle, die sich näher dafür interessieren, sind herzlich eingeladen, sich diese Worte durchzulesen und zu kommentieren. Mehr noch: Interessiert ein Thema besonders? Dann her damit, Torsten antwortet gern.







E-Books – technische Revolution oder teure Sackgasse?



Als Informatiker ist mir das Thema E-Book schon seit Ewigkeiten ein Begriff. Schon Ende der neunziger Jahre war das PDF für Dokumentationen für mich ein guter Bekannter.
Es muss 1999 gewesen sein, als ich dann das erste mal von einem separaten Reader las. Damals wurde das Rocket Ebook von NuvoMedia auf den Markt gebracht.



Der ewige Hype ...



Ich gebe zu, ich war äußerst begeistert. Und wenn das gute Stück nicht so teuer gewesen wäre, hätte ich mir damals glatt eins zugelegt.
Die Branche überschlug sich in Lobeshymnen. Der Buchmarkt würde, so die allgegenwärtige Meinung, von Grund auf revolutioniert werden. Binnen weniger Jahre würden gedruckte Bücher Seltenheitswert bekommen. Viele gingen davon aus, dass das traditionelle Buch in nur wenigen Jahren verdrängt sein würde. Ich übrigens auch.
Nun, kurze Zeit später wurde die Produktion des Rocket EBooks eingestellt und niemand wagte mehr, von dem Erfolgszug der E-Books zu sprechen.



Es muss 2004 gewesen sein, als der nächste ernst zu nehmende E-Book-Reader auf den Markt kam – diesmal ein Sony. Das Gerät war in Japan wohl ein Renner und einer der Nachfolger wurde 2008 in Deutschland vorgestellt. Ich hatte die Gelegenheit, den Sony Reader eines Bekannten aus den USA zu „befingern“, empfand aber das Preis-Leistungs-Verhältnis als bei weitem zu teuer.
Auch diesmal erging sich die Presse wieder in Hurra-Rufen, die ein baldiges Ende des traditionellen Buches in den nächsten Jahren vorhersagten. Ich war mittlerweile skeptischer, betrachtete die Zahlen mit Zweifel – und behielt Recht. Seinen geplanten Siegeszug trat der Sony Reader in Deutschland und Europa nicht an. Welchen Einfluss die Wahl zum Schlechtesten Produkt des Jahres 2009 bei http://www.besteproduct.nl/  auf das Verkaufsergebnis hat, kann nur spekuliert werden.



Um 2007 herum startete der Amazon Kindle. Und seit 2011 gibt es ihn auch bei uns. Gleichzeitig kommen mit Thalias Oyo und dem Apple IPad weitere E-Book-Lesemöglichkeiten auf den Markt. Der E-Book-Service des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Libreka ging mit mehreren Tausend Titeln online. Und übers Amazon Kindle Publishing kann schon heute jeder Hobbyautor sein eigenes E-Book herausbringen.



Und schon wieder überschlagen sich Reporter und Analysten, kündigen den Untergang des gedruckten Buches an und verkünden bisher nicht veröffentlichten Autoren eine goldene Zukunft. Amerikas E-Book-Bestseller-Autoren machen es ja vor.



... und die Realität



Dabei wird oftmals übersehen, dass wir hier in Deutschland leben. Die Zahlen von Amazon USA zu nehmen und 1:1 auf Deutschland zu übertragen, funktioniert nicht.



Zum Einen steckt in unserer Generation nach wie vor der Gedanke, dass etwas Nichtmaterielles nicht viel Wert sein kann. Damit sinkt die Bereitschaft, viel Geld für etwas auszugeben, was man nicht in die Hand nehmen kann. Der Deutsche hängt halt doch am Papier. Und im letzten Jahr hat die Akzeptanz von E-Books allgemein eher nachgelassen. 
Nicht ganz unschuldig an der zögerlichen Haltung der Deutschen dürften die verschiedenen Formate sein. Wer sich heute für einen Kindle entscheidet, entscheidet sich gegen Thalia E-Books. Und umgekehrt.
Ein weiterer Knackpunkt dürfte der Einsatz von DRM sein. Meiner Meinung nach ein unbrauchbarer Schutzmechanismus. Von Profis leicht zu knacken, für den ehrlichen Anwender ein potenzielles Problem – und damit ein Kaufhindernis.



Dazu kommt die – übrigens falsche – Vorstellung, dass E-Books viel günstiger erhältich sein müssten, schließlich hat ein E-Book ja keine Druck- oder Lagerkosten. Den wenigsten Lesern, die lauthals „Abzocke“ brüllen, ist wohl bewusst, wie sich der Endpreis eines Buches zusammensetzt. Deswegen hier mal einen Schnellkurs in Büchermachen.



• Der größte Posten ist nicht etwa, wie oftmals angenommen, der Druck, sondern der Buchhandelsrabatt. Alleine 50 % bleiben an Barsortiment und Handel hängen. Daran ändert sich nichts – egal, ob das Buch Seiten oder Bytes hat.
• Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Posten sind die Kosten für Lektorat, Korrektorat, Werbung und Marketing. Man kann nicht einfach davon ausgehen, dass diese Kosten ja schon über die Printfassung abgedeckt wären. Im Gegenteil, schließlich geht man davon aus, dass E-Books die Druckfassung kannibalisieren. Neue Leser würden wohl eher nicht gewonnen werden, nur Umsteiger. Damit wäre der „Pro-Stück-Anteil“ für oben genannte Posten bei E-Books und Büchern gleich.
• Ebenfalls nicht vernachlässigbar sind die Autorenhonorare. Auch die müssen und sollen natürlich gezahlt werden.
• Dazu kommt der einzige Posten, der sich wirklich signifikant ändert. Die Mehrwertsteuer. Ja, wir haben in Deutschland den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7% auf Bücher. Der gilt aber nicht für E-Books, digitale Literatur wird mit 19 % besteuert.



Manche der Probleme (wie die Handelsspannen für Barsortimenter oder die Mehrwertsteuer) sind hausgemachte deutsche Probleme. Das Ergebnis sieht katastrophal aus. Während in den USA mittlerweile auf 100 gedruckte Bücher 105 EBooks über den Tisch gehen, hält sich in Deutschland das E-Book wacker bei 1%.
Dazu kommt, dass die Preise für E-Book-Lesegeräte mit mehr als 100 Euro nach wie vor zu teuer sind. Das Ergebnis sind gerademal 450.000 insgesamt in Deutschland verkaufte Lesegeräte. Ein verkauftes Gerät auf 200 Einwohner.
Schwierigkeiten, doch keine unüberwindbaren



Also keine Chance fürs E-Book?

So weit möchte ich dann doch nicht gehen. Ich sehe schon heute ganz tolle Anwendungsmöglichkeiten für das E-Book.
Schon heute kann man digitale Zeitungs- und Zeitschriftenabonnements abschließen und schont die Umwelt.
Gerade im wissenschaftlichen Bereich und beim Sachbuch ist die Möglichkeit der Verlinkung und der Textsuche nicht zu vernachlässigen, genauso wie die „Lesezeichen“-Funktion sehr hilfreich sein kann.
Für Verlagslektoren und Agenten ist der Reader eine gute Alternative zur Loseblattsammlung, die anscheinend auch schon gerne eingesetzt wird.
Und es wäre wünschenswert, wenn unsere Kinder statt Massen an Schulbüchern in Zukunft einfach nur einen E-Book-Reader mit allen benötigten digitalisierten Schulmaterialien tragen müssten – schon alleine, damit Rückenprobleme in der Kindheit der Vergangenheit angehören.



Auch der Belletristikmarkt wird wachsen. Nicht so schnell, wie der Sach- und Fachbuchmarkt. Aber er wird wachsen. Nur sollte man nicht zu viel erwarten. Es wird auch in zehn Jahren noch gedruckte Bücher in Deutschland geben.



Chancen und Risiken



Gerade für Kleinverlage gibt es durch die E-Books viele Chancen, aber auch ebenso viele Risiken. Eine reine E-Book-Publikation kann, so sie ansprechend gemacht ist, wirklich ein Verkaufserfolg werden. Ein Kombipaket (E-Book + Buch im Bundle für 20 % mehr) dürfte für manchen Leser ansprechend sein, der was Schönes für die Schrankwand und was Leichtes für den Urlaub möchte. Und es wird sicher auch nach dem E-Book-Siegeszug nach wie vor die Nachfrage nach feinen Produktionen mit schönen Cover, guten Papier und netten Applikationen geben.



Man darf bei allem Pioniergeist und den sich auftuenden Möglichkeiten nicht vergessen, dass es auch Risiken gibt. Seit einiger Zeit kursiert beispielsweise in diversen Autorenforen der Tipp, man solle als Autor bei den Vertragsverhandlungen versuchen, diverse Rechte – explizit natürlich das Recht auf E-Books-Produktion und -Vermarktung - zu behalten. Dies dürfte meiner Meinung nach für Kleinverlage, die sich darauf einlassen, eine tödliche Falle sein. Das Amazon Kindle Publishing stellt Autoren auf einfachste Weise die Möglichkeit zur Verfügung, E-Books schnell und einfach (und vor allem günstiger, als die Printfassung) anzubieten. Solche E-Books werden recht schnell zum Nutznießer der Printfassung (profitiert an den Seiteneffekten von Werbung und Lektorat) und zum Lohn dafür diese kannibalisieren. Ein Verleger, der da nicht dazulernt, wird dann irgendwann mal aufgeben müssen.
Und man sollte auch daran denken, dass ein schlecht zurechtgezimmertes E-Book kontraproduktiver sein kann, als gar kein E-Book.



Und was ist mit mir?



Derzeit bin ich am Überlegen, ob ich den gesamten Bereich des Verlages, der sich mit dem Manuskripteingang beschäftigt, auf EReader auslagere. Bisher habe ich auf Papier gearbeitet, einfach weil es eben ein anderes Lesen als am Bildschirm ist. Aber über kurz oder lang werde ich da wohl umsteigen.



Und für die Bücher unseres Verlages? Offen gesagt, empfinde ich das reine E-Book zur Zeit als zu uninteressant. Aber ich habe vor einigen Wochen das Multimedia-Book kennengelernt (welches Text, Musik, Soundeffekte, Videos und Links kombiniert und aus einem Leseerlebnis ein multimediales Erlebnis machen soll) und bin derzeit in Gesprächen.
Es wird also irgendwann mal irgendwas bei uns geben, über das ich noch nicht so viel sagen möchte.



Nur – es wird kein einfaches EBook sein. Lasst Euch überraschen.



Verlagshomepage
Das andere Buch

Mittwoch, 23. Februar 2011

Verlagsgeplauder - Der Tag hat 24 Stunden ...


Titel: Gefangen in der Ewigkeit (Blutiger Kuss 01)
Autor: Stephanie März
Originaltitel, 196 Seiten, Taschenbuch
ISBN: 978-3-940036-08-7
Euro: 11,90
Bei Bestellung bis zum 27.02.2011 gilt der ermäßigte Subskriptionspreis von 10,90 Euro. Auslieferung ab dem 28.02.2011


Der Verleger Torsten Low plaudert aus dem Nähkästchen. Und das auch noch gern! In regelmäßigen Abständen wird er sich ein Thema wählen und einige Worte dazu aufschreiben. Alle, die sich näher dafür interessieren, sind herzlich eingeladen, sich diese Worte durchzulesen und zu kommentieren. Mehr noch: Interessiert ein Thema besonders? Dann her damit, Torsten antwortet gern.

Der Tag hat 24 Stunden ...

Immer wieder werde ich gefragt, wie ich all das (Vollzeitjob in der IT-Branche, zwei Stunden Arbeitsweg je Richtung, das Schreiben, den Verlag und seit kurzem ein Kind) schaffen würde.
Oft liegt mir dann ein Spruch auf den Lippen, den ich vor Jahren mal gehört habe:
»Der Tag hat 24 Stunden und wenn das nicht reicht, nehme ich auch die Nacht dazu.«
Natürlich habe ich nicht mehr Zeit, als andere Menschen. Trotzdem scheint es manchem Beobachter so. Deswegen möchte ich an der Stelle einen kleinen Einblick in meine Arbeitsweise geben (außerdem hat Soleil sich das Thema gewünscht ;-) ).

Eine Frage der Zeit
Wie oft habe ich es schon gehört :»Wenn ich Zeit hätte, würde ich auch einen Roman schreiben!«
Blödsinn.
Wir alle haben die gleiche Zeit. Der Tag eines jeden Menschen hat 24 Stunden. Wenn wir uns die Zeit nehmen, etwas zu machen, dann deswegen, weil es uns wichtig ist.
Man geht arbeiten, weil es einem wichtig ist. Man schreibt einen Roman, weil es einem wichtig ist. Man eröffnet einen Verlag, weil es einem wichtig ist.
Wenn jemand sagt, er habe keine Zeit, dieses oder jenes zu tun, dann bedeutet das: »Es ist mir nicht wichtig genug.«
Und wenn jemand sagt, er habe keine Zeit, seinen Roman zu schreiben, dann bedeutet das: »Der Roman ist mir nicht wichtig genug. Mir ist meine Arbeit oder meine Familie, meine Freizeit, mein Sport, meine Freunde, mein Schlaf, meine Zeit vor dem Fernseher oder irgendetwas anderes wichtiger, als diesen Roman zu schreiben.«
Das ist nicht schlecht und auch nicht verkehrt. Im Gegenteil - es muss nicht jeder einen Roman schreiben oder einen Verlag gründen.
Aber es ist Quatsch zu behaupten, dass es nur an der Zeit liegen würde. Denn wenn es demjenigen so wichtig ist, dann findet er die Zeit dazu.

Eine Frage der Entscheidung
Es ist egal, ob ich mich auf einen Job bewerbe, oder einen Roman schreiben möchte. Ob ich gerne ein Kind möchte oder einen Verlag aufbauen möchte. Am Anfang steht immer die Entscheidung. Erst dann, wenn ich mich bewusst für oder gegen etwas entscheide, stelle ich die Weichen für die Zukunft.
Damit ist immer auch ein Verzicht verbunden. Entscheide ich mich für etwas, schließen sich automatisch einige andere Türen.
Vergebene Chancen? Vielleicht. Aber es muss nicht sein. Vor allem dann nicht, wenn diese Entscheidung mein Herzenswunsch ist.
Ich habe mich vor einigen Jahren bewusst für den Verlag entschieden. Das beinhaltete natürlich einen Verzicht. Ich hatte weniger Freizeit, weniger gemeinsame Zeit mit meiner Frau, weniger Zeit mit Freunden, ja sogar weniger Schlaf.
Klingt jetzt für manchen vielleicht wie ein großes Opfer. Ist aber nur eine Frage, wie man mit der Zeit, die einem gegeben ist, umgeht.

Verzichten und trotzdem Gewinnen
Beispielsweise verzichtete ich aufs Fernschauen. Früher ging oft der Fernseher an, sobald ich zu Hause war. Er lief einfach nebenher, bildete eine ständige Geräuschkulisse und lenkte ab. Deswegen beschloss ich mit der steigenden Arbeitslast im Verlag meinen Fernsehkonsum zu kontrollieren und einzuschränken. Später, als wir dann umzogen, verzichteten wir auf einen Antennenanschluss und leben seit mittlerweile drei Jahren ohne das Fernsehprogramm. Nachrichten gibt‘s übers Internet und Radio. Ab und zu schauen wir mal eine DVD, aber ansonsten ist die Flimmerkiste abgeschaltet.
Verzicht?
Wenn gerade ein Sportereignis läuft, schon. Ansonsten definitiv nicht. Stattdessen ein riesiger Zeitgewinn.

Auch meine Frau musste unter dem Verlag »leiden«. Statt jeden Abend vier Stunden gemeinsam zu verbringen, verbrachten wir plötzlich nur noch eine Stunde am Abend zusammen. Wobei, verbrachten wir die Zeit früher wirklich »zusammen«? Oder verbrachten wir sie nicht eher »nebeneinander«, auf dem Sofa sitzend und in die Röhre starrend? Nun redeten wir sehr viel über unsere gemeinsame Zukunft, schmiedeten Pläne, wie sich der Verlag entwickeln sollte. Wir waren nicht länger nur Lebenspartner, sondern Geschäftspartner, ein Team, ein Familienbetrieb. Dieses gemeinsame Ziel hat uns nur noch mehr zusammengeschweißt.
Verzicht?
Klar, wir haben weniger Zeit miteinander. Aber unsere Beziehung hat eindeutig an Qualität und Intensität gewonnen.

Die Zeit mit Freunden und Bekannten ist um einiges knapper geworden. In der Woche habe ich nur selten Zeit, mich mit ihnen zu treffen. Falsch – ich will ehrlich sein. Es ist mir nicht so wichtig, wie der Verlag. Und am Wochenende sind wir oft unterwegs auf Veranstaltungen, verkaufen Bücher und halten Lesungen.
Verzicht?
Eigentlich nicht. Viele gute Freunde verstehen das und haben sich drauf eingestellt. Man trifft sich dann halt mal außerhalb der Lesungs- und Veranstaltungssaison, plant ein Treffen schon ein paar Monate früher und richtet sich irgendwie ein. Für manchen ist es auch sehr spannend, direkt mitzuerleben, was in unserem Hause alles entsteht. Und wir haben so viele neue Bekanntschaften und Freundschaften durch die Veranstaltungen und Lesungen dazugewonnen.

Der ganze Rest
Ich habe mich also entschieden, den Verlag zu eröffnen. Ich habe geschaut, wie ich meine Zeit besser nutzen kann. Habe Fernsehen gestrichen und andere »Zeitfresser« ausfindig gemacht.
Und trotzdem ging es nicht so recht vorwärts.
Dann kam jemand auf mich zu und sagte mir einen wichtigen Satz: »Achte auf deine Gedanken, denn sie beherrschen dein Tun.«
Damit ist nicht gemeint, dass ich mir einen Sechser im Lotto vorstelle und ihn dann auch bekomme (davon abgesehen spiele ich auch kein Lotto). Damit ist gemeint, dass Gedanken das eigene Handeln und das Handeln anderer indirekt beeinflussen.
Sagt jemand »Das schaffe ich niemals«, dann ist die Wahrscheinlichkeit, es nicht zu schaffen, auch sehr groß. Man bringt dann unbewusst schon keine volle Leistung und andere Personen sehen, dass man nicht mit dem Herzen bei der Sache ist. Sagt jemand »Ich versuche es«, dann bleibt es wahrscheinlich auch bei dem Versuch. Im Versuchen liegt bereits das Scheitern. Erst im Tun liegt der Erfolg. Sagt jemand jedoch »Ich packe es an, ich schaffe es«, dann bewirkt dieses positive Denken bereits ein Hochgefühl, welches einen selbst und andere motiviert und vorantreibt.
Man kann zu solchen »Motivationsmantras« stehen, wie man mag, mir haben sie geholfen. Sonst würde ich heute nicht da stehen, wo ich stehe.

Gedanken und Entscheidungen sind nicht alles – bei mir muss das Arbeiten strukturiert sein.
Ich habe schon vor Jahren für mich das Listenprinzip entdeckt und setze alle Arbeiten in Listen um. Es gibt eine ToDo-Liste für nicht-projektgebundene Aufgaben (viel zu lange stand »Neuer Beitrag für's Verlagsgeplauder« darauf) und eine Liste mit Projekten. Zu jedem Projekt gibt es eine Liste, auf welcher ich die einzelnen Schritte aufgeführt habe – vom Lektorat und Korrektorat über die Novitätenmeldung ans VLB und Barsortiment bis hin zur Werbekampagne auf Facebook. Es gibt eine Liste mit Marketingmaßnahmen und eine Liste mit Rezensenten, eine Liste mit Ideen für Folgeprojekte und eine Liste mit zu kaufenden Büromaterial.
Ein zweites wichtiges Hilfsmittel sind selbstgesetzte Termine. Auch wenn ich mich gar nicht so unter Druck setzen müsste - ich stelle mir Termine für's Ende des Lektorats, für den Satz, für den Probedruck, für den Druck der Erstauflage oder für den nächsten Beitrag für's »Verlagsgeplauder«.

Bei aller Strukturiertheit darf man nicht vergessen: Nichts davon funktioniert so richtig, wenn der Ehepartner nicht unterstützend eingreift.
Wenn der Gatte den Wunsch zu Schreiben nicht toleriert, kann das an den Nerven zehren und jede Minute Schreibzeit wird sicher hart erkämpft sein. Wenn die Gattin kein Verständnis für die Idee von der eigenen Firma hat, muss man sich entscheiden (schon wieder).
Ich hatte unwahrscheinliches Glück, dass meine Frau meine Schreibversuche schon gut fand, bevor ich meinen Roman veröffentlicht hatte. Und dass sie nicht nur Verständnis für meine Idee aufbrachte, sondern sich ganz selbstverständlich Aufgaben in meinem – in unserem – Verlag suchte. Meine Frau unterstützt mich nicht nur, sie ergänzt mich.

Alles im Fluss ...
Seit kurzem hat sich einiges geändert. Uns wurde eine kleine Lektorin geschenkt, wir sind zu dritt.
Derzeit nehme ich Elternzeit und schaue zu, dass ich nebenher so viel wie möglich für den Verlag mache. Aber meine Tochter Emily hat erste Priorität.
Und ab August wird es sich wohl erneut ändern. Meine Elternzeit wird dann abgelaufen sein. Was dann kommt und welche Auswirkungen das auf den Verlag hat, bleibt abzuwarten.
Sollte ich dann jedoch weniger Zeit für den Verlag haben, wisst ihr, woran es liegt. Es bedeutet: »Meine Tochter ist mir wichtiger!«


Donnerstag, 4. November 2010

Geschichten unter dem Weltenbaum - Lothar Mischke (Hrsg.)


Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich beim Verlag Torsten Low für die Bereitstellung des Leseexemplars bedanken!



Klappentext/ Inhalt:
Er ist das Zentrum der Welt. Seine Äste stützen das Himmelsgewölbe, tragen die Heimat der Götter und Lichtelfen. Seine Wurzeln umarmen das Reich des Todes und behüten die Geschöpfe der Nacht. Sein Stamm durchzieht die Welt der Menschen, Riesen und Zwerge, nährt sie und gibt ihnen Lebenskraft. Er ist nicht einfach nur ein Baum. Er ist der Weltenbaum.



Autoren/Geschichten:
Die silberne Rose - Johannes Harstick
Schabernack - Kira Licht
Orúthirs Pfad - Tilmann Wederich
Der Herr der Verzweiflung - Wassilios Dimtsos
Das Herz des Jägers - Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser
Die Wurzel allen Übels - Mark Stefan Tänzer
Mimirs Haupt - Bettina Ferbus
Das Elixier des Lebens - Christiane Gref
Ein Tropfen Weisheit - Ruth M. Fuchs
Marimba - Marlies Aurig
Schwalbensommer - Miriam Kraft
Heldengarten - Nathalie Gnann
Der mieseste Job der Welt - Thomas Matterne
Von toten und lebenden Helden - Mark Stefan Tänzer
Unaussprechliche Freuden - Karl Plepelits
Des Himmels Chronisten - Moira Frank
Dunkle Asche - Heike Pauckner
Das Wintermädchen - Franziska Kopka
Wiedergänger - Astrid Rauner


Titelbild von Katja Metzen
19 phantastische Geschichten in einer Anthologie des Fantasy-Forums.
Mit einem Vorwort von Christoph Hardebusch

Ein sehr handliches und stabildes Format, das vor allem auch mit der Knickkante überzeugt, so dass das Glanzcover nicht beschädigt wird. Schönes dunkles Braun im Gewand einer Baumrinde und ein Bildnis von Yggdrasil, wie er hätte aussehen können.
Die Rückseite gefällt mir jedoch ein wenig besser, auch wenn es so aussieht, als hätte jemand Nägel in den Stamm geschlagen, um seine Botschaft zu verkünden.

Dank der Ausschreibung, die dieser Anthologie vorausging, weiß ich noch immer bestens über Yggdrasil die Weltenesche bescheid. Und was ich vergessen habe, kann ich nachlesen. Leider hat mein eng gestecktes Zeitmanagement es nicht zugelassen, dass ich schließlich teilnehmen konnte. Die fertige Geschichtensammlung aber habe ich mit viel Spannung erwartet, denn ich wollte unbedingt wissen, was andere aus dem Thema gemacht haben.
Letztendlich ist eine wirklich bunte Mischung draus geworden, in der jeder seine zu ihm passende Nuss finden kann. Vielleicht mag nicht jeder Rosinen und verzieht das Gesicht, wenn er draufbeißt, aber so ist nun einmal das Leben.
Meine Favoriten habe ich aufgelistet und kurz bewertet.


Die Wurzel

Schabernack - Kira Licht
Der Ork Trenon will allen beweisen, dass er es Wert ist, Schmiedelehrling zu werden und seinem Volk Ehre zu machen. Dazu bricht er zu einer kleinen Abenteuerreise auf. Während zunächst alles gut zu gehen scheint, macht es ihm die Dunkelelfin Linn mit ihrem Auftauchen nicht gerade einfacher ...
Eine charmante, kleine Geschichte. Trenon ist sympathisch, da er ein eher untypischer Ork ist und als menschlicher Dörfling vielleicht einen Tick glaubhafter, wenn aber vielleicht nicht so liebenswert, gewesen wäre. Seine Schlagabtäusche mit Linn sind witzig und sehr unterhaltsam geschildert.


Die Wurzel allen Übels - Mark Stefan Tänzer
Abahal Tarzam, ehemals siebenundzwanzigster Autokrat von Nabusabel, ist für seine Verbrechen bestraft worden und wurde an die Wurzel des Baumes gekettet. Nach endlos scheinender Zeit taucht der junge Jülländer Jörge Lütwacker, dessen Familie niedergemetzelt wurde, auf und befreit ihn. Beide dürsten nach Rache.
Eine sehr ausgereifte Geschichte, die nicht nur sprachlich einiges zu bieten hat. Kurzweilig und mit viel Selbstironie denkt Abahal an seine Vergangenheit, so dass der Leser auf keine Information verzichten muss und gleichzeitig großartig unterhalten wird. Zugerechnet die lebensechten Charaktere lassen beide über das etwas zu zackige Ende hinwegsehen, das wahrscheinlich nur deswegen störend wirkt, weil man gern noch mehr gelesen hätte.


Das Elixier des Lebens - Christiane Gref
Faena verlässt ihr Volk und ihre Plattform, um zu ihrem Liebsten, den sie bisher nur aus ihren Träumen kennt, zu gehen. Bevor man sie ziehen lässt, tätowieren die Priester ihr ein Mal auf die Stirn, das sie als Verbannte kennzeichnet. Die Tinte ist aus dem Saft des Baumes gemacht ...
Eine Liebesgeschichte darf nicht fehlen, auch wenn diese hier leider kein Happy End hat. Gewandt und ohne Längen, obwohl sich Faenas Abstieg über einige Tage hinzieht, schafft es die Autorin eine ansprechende Story zu erzählen. Trotz komplexer Gesellschaftsstrukturen fiel es leicht, den Geschehnissen zu folgen. Zwar war der Ausgang der Geschichte schon früh so zu erwarten, das tut dem Lesespaß aber kaum einen Abbruch.

Der Stamm

Schwalbensommer - Miriam Kraft
Ein Druidenlehrling trifft an einem uralten Baum auf die junge Frau Sanja, deren innere Sehnsucht sie zum Meer treibt. Dorfbewohner beschwören ihn, sich nicht mit ihr abzugeben, denn es heißt, sie sei nicht menschlich. Er beschließt, ihr zu helfen, das zu werden, was sie einst war.
Eine rundherum überzeugende Geschichte mit viel Atmosphäre und sprachlicher Dichte. Beide Charaktere sind sympathisch und lebensecht gestaltet, wenn es auch etwas schade ist, dass der Leser nur einen Namen erfährt. Wer "Das letzte Einhorn" mochte, wird an dieser Geschichte ebenso viel Freude finden.


Der mieseste Job der Welt - Thomas Matterne
Horst ist von einem Zwerg eingestellt worden, um einen Baum in einem Hinterhof zu bewachen. Acht Stunden täglich starrt er auf den Stamm und macht sich seine Gedanken.
Eine Geschichte, die eigentlich nicht unbedingt innovativ oder spritzig ist, die es aber geschafft hat, einen so enormen Spannungsbogen aufzubauen, dass es unmöglich war, das Lesen zu unterbrechen. Das Ende, muss ich gestehen, habe ich nicht verstanden, aber dennoch bin ich von der Story fasziniert.

Die Krone

Von toten und lebenden Helden - Mark Stefan Tänzer
Ulfgar Ignarson hat genug von Asgard. All das köstliche Essen, der Met, die Wettkämpfe öden ihn an, also beschließt er, den Stamm Yggdrasils hinabzuklettern und Midgard einen Besuch abzustatten. Die Walküre Katla kann und darf das nicht zulassen, doch Ulfgar lässt sich nicht beirren.
Eine zweite Geschichte des Autors, die völlig zu Recht Eingang in die Anthologie gefunden hat. Wer, wie ich, bisher die Zeit von Odin und seiner Gang vermisst hat, wird doppelt entschädigt. Durchdachte Handlung, die amüsant und spannend ihren Lauf bis zum Ende nimmt, das ein Augenzwinkern bereithält. Gern würde ich mehr Abenteuer um Ulfgar und Katla lesen.


Des Himmels Chronisten - Moira Frank
Die Brüder Aedan und Amit sind Chronisten und erhalten ihren Wunschauftrag, den Mythos des Weltenbaumes niederzuschreiben. Dazu sendet man ihnen einen blinden Seher, der allerdings seine eigenen Geheimnisse hütet und die nichtsahnenden Brüder damit in Lebensgefahr bringt.
Zwei ungleiche Brüder, die zwar mit ihren ähnlichen Namen etwas für Verwirrung sorgen, aber dennoch eine unterhaltsame Geschichte bestreiten. Interessantes Setting und ein Spannungsbogen, der über Kleinigkeiten hinwegsehen lässt und für viel Lesespaß sorgt.


Das Wintermädchen - Franziska Kopka
Zwei Wochen nach Ians und Saphiennas Hochzeit wiederholt sich ein uralter Ritus. Die Götter holen das Wintermädchen zu sich, aber wer wird es sein? Ian hat keine Angst, denn sie holen nie eines, das an jemanden gebunden ist. Doch diesmal ist vieles anders ...
Noch eine Liebesgeschichte, die aber leider wieder kein Happy End bereithält. Das macht aber nichts, denn sie ist emotional und spannend. Eine kleine Unlogik gibt es am Ende, doch das überliest man wegen der ergreifenden Gefühle schnell.




Das einzige, das ich schade finde ist, dass die Kurzinformationen zu den Autoren nicht im Buch enthalten sind. Jemand, der keinen Internetzugang hat - denn nur dort sind sie auf der Verlagshomepage nachzulesen - kann sich so nicht über seine Favoriten informieren.
Ansonsten ist eine feine, lesenswerte Anthologie zusammengekommen, die sich vor allem für die Leser anbietet, die nur wenig Zeit zum lesen haben oder solche, die die Abwechslung lieben.