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Freitag, 23. Juni 2023

Wolfsjagd - Jim Butcher

 

Harry Dresden (Band 2) erkennt den Mörder mehrerer Toten als Werwolf. Ein besonderer Kampf entbrennt.

 

 


Titel: Wolfsjagd
Autor: Jim Butcher
Originaltitel: Fool Moon
Verlag: Feder&Schwert
ISBN: 978-3867621120‎
Euro: Nicht mehr im Handel erhältlich.
Veröffentlichungsdatum: August 2012
Seiten: 448
Serie: Die dunklen Fälle des Harry Dresden 02
Come in: Leihgabe

 

 

 

Inhalt
Der Detektiv und Magier Harry (Blackstone Copperfield) Dresden wird zu einem Tatort gerufen. Eine Mordserie geschieht und Harry erkennt an den Leichen, dass der Täter ein Werwolf sein muss. Nur wenig später sieht er sich mit einem ganzen Rudel konfrontiert, das ihm nicht wohlgesonnen ist. Drei Frauen formieren sich um Harry: Detective Murphy, die nicht besonders gut auf ihn zu sprechen ist, Journalistin Susan, die ihm Avancen macht und die Werwölfin Tera, die sich nichts gefallen lässt. Und dann stellt sich heraus, dass nicht alle Werwölfe gleich sind –, aber alle eigene Interesse hegen.

 

 

Dienstag, 25. April 2023

Sturmnacht - Jim Butcher

 

Harry Dresden, Detektiv und Magier, wird an einen Tatort gerufen, an dem zwei bizarre Leichen per Magie getötet wurden. Zeitgleich soll er einen verschwundenen Ehemann finden. Ein Mafiaboss und eine dunkle Präsenz sind auch dabei.

 




Titel: Sturmnacht
Autor: Jim Butcher
Originaltitel: Storm Front
Verlag: Feder&Schwert
ISBN: 978-3867621113‎
Euro: Nicht mehr im Handel erhältlich.
Veröffentlichungsdatum: April 2012
Seiten: 320
Serie: Die dunklen Fälle des Harry Dresden 01
Come in: Leihgabe

 

 

 

Inhalt
Chicago: Harry (Blackstone Copperfield) Dresden arbeitet als Detektiv und Magier, wenn auch bisher nicht sehr erfolgreich. Als sich eine Ehefrau wegen ihres vermissten Mannes meldet, greift er zu, obwohl der Fall zunächst nichts Magisches an sich zu haben scheint. Zeitgleich bittet ihn Detective Karrin Murphy, die um seine echten Fähigkeiten weiß, an einen Tatort, an dem zwei bizarr angeordnete Leichen auf ihn warten. Harry sieht sofort, dass sie mittels Magie getötet worden sind. Der örtliche Mafiaboss bittet ihn nachdrücklich, sich aus dem Fall herauszuhalten und irgendeine dunkle Macht mischt sich im Hintergrund beständig ein. Nicht einfach zu händeln.

 

 

Samstag, 14. Juli 2018

Karriere: Superheldin - Marion G. Harmon

Titel: Karriere: Superheldin
Autor: Marion G. Harmon
Originaltitel: Wearing the Cape
Verlag: Feder & Schwert
ISBN: 978-3867622950
Euro: 12,95
Veröffentlichungsdatum: Dezember 2017
Seiten: 368
Serie: Wearing the Cape 01
Come in: Tausch









Inhalt

Seit Hope ein kleines Mädchen ist, wünscht sie sich, ein Superheld zu sein. Die besonderen Fährigkeiten treten nicht bei allen Menschen auf, werden aber oft durch eine lebensbedrohliche Situation ausgelöst. Als Hope studiert und im morgentlichen Verkehr feststeckt, wird in ihrer Nähe ein Anschlag verübt, dem sie nur knapp entkommt, der jedoch ihre Superheldenkräfte freisetzt.
Sie wird in die Zentrale gebracht und dem bekanntesten Superhelden, Atlas, zur Seite gestellt. Ab sofort gibt es viel für die junge Frau zu lernen, vor allem, dass ihr Leben nicht einfacher geworden ist. Dann nimmt jemand Kontakt zu ihr auf, der ihr Unfassbares offenbart. Hope muss sich entscheiden ...

Dienstag, 14. Februar 2017

Das mechanische Herz - Dru Pagliassotti

Titel: Das mechanische Herz
Autorin: Dru Pagliassotti
Originaltitel: Clockwork Heart
Verlag: Feder&Schwert
ISBN: 978-3867620673
Euro: 14,95
Veröffentlichungsdatum: Januar 2010
Seiten: 510
Serie:Clockwork Heart 01
Come in: Vom Verlag









Inhalt

Ondinium ist ein großer Stadtstaat, dessen gesellschaftliches Leben durch ein ausgeklügeltes Kastensystem der großen Maschine geregelt ist. Taya Ikara gehört zu den geflügelten Kurieren, die sich nicht nur frei bewegen, sondern auch mit allen Kasten Umgang pflegen dürfen. Als sie eines Tages eine Erhabene und ihren Sohn aus einer Luftfähre vor dem Tod rettet, wird sie in die geheimen Aktivitäten der Brüder Forlore hineingezogen. Alister ist ein Erhabener und Programmierer, außerdem gutaussehend und sehr charmant. Cristof dagegen hat seiner Kaste den Rücken gekehrt und lebt als Uhrmacher im ärmsten Viertel der Stadt. Mit seiner schroffen, aber scharfzüngigen Art erweckt er schnell Tayas Misstrauen, die bald selbst Opfer eines Attentates wird. Bei ihren Nachforschungen kommt sie einem Geheimnis auf die Spur, das Ondinium für immer verändern könnte. Und die Forlore-Brüder stecken mittendrin ...


Meinung

Obwohl in der Steampunk-Reihe des Verlages erschienen, erinnert Dru Pagliassottis Geschichte mehr an eine mittelalterliche Welt, enthält aber in Wahrheit viel mehr. Es entfaltet sich eine komplizierte Mischung aus verschiedenen Genres, die sich zu einem fantastischen großen Ganzen verbinden: Kriminalfall, Romantik, Terrorismus, Intrigen ...
Der Name "Ondinium" ist eine verkleidete Version von "Londinium", dem römischen Namen für London. Die Beschreibungen der fiktiven Stadt beruhen auf wahren Fakten, dem echten Rauch, der einst über dem industrialisierten London hing. Der Stadtstaat beruht auf einem Kastensystem, bei dem der persönliche Besitz und der Ort der Ansiedlung am entscheidensten sind. Eine "große Maschine", die stets gewartet werden muss, regelt alles.
Der Einstieg ins Geschehen beginnt rasant und enthält mehrere teilweise überraschende Höhepunkte. Stück für Stück entfaltet sich eine sehr ausgearbeitete und durchdachte Welt, die fassbarer nicht sein könnte. Die Schilderung der Stadt und wie sie funktioniert ist auch eindeutig die größte Stärke des Romans. Jede Figur, auch wenn sie noch so nebensächlich auftritt, ist fein gezeichnet und beinahe lebensecht.
Taya ist ein wenig eigensinnig, was ihr jedoch gut steht, ihr aber hier und da ein paar Schwierigkeiten bereitet; sie muss tatkräftig so einiges durchmachen, ehe sie zu ihrem Happy End finden darf. Die beiden Brüder, die ihren Weg kreuzen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Cristof Forlore, "inspired by all those “glasses guys” in anime and manga" ist dann jedoch der Idealheld für einen Roman wie diesen, genau, was man erwarten würde - und doch wieder nicht. Sein Bruder Alister ist zu glatt und charmant, als dass man ihn als Leser ins Herz schließen könnte.
Am Ende ist es bedauerlich, dass die großartig unterhaltende Story schon aus ist.
Im Mai 2014 fragte ich beim deutschen Verlag nach, ob auch die Fortsetzungen erscheinen würden. Damals war man der Sache noch recht positiv eingestellt, leider kam es jedoch nie dazu. Mit dem Verkauf des Verlages wird es wohl auch dabei bleiben. Das sollte jedoch nicht von der Lektüre dieses Romans abhalten, denn er ist in sich abgeschlossen.


Clockwork Heart:
1. Clockwork Heart (Das mechanische Herz)
2. Clockwork Lies: Iron Wind
3. Clockwork Secrets: Heavy Fire


Dr. Dru Pagliassotti unterrichtet Kommunikationswissenschaften an der California Lutheran University in Thousand Oaks und unterhält seit über 11 Jahren das Webzine The Harrow. Zu ihren Lieblingsthemen zählen hartgesottene Belletristik, verrückte Fantasy, Kostümpartys, Horror, Raymond Chandler, Power-metal, Mac-Computer, Manga, Anime, Tischrollenspiele, einfaches Leben und große Schiffe. Sie liebt Reisen, Leguane und das Herumwerkeln an jeder ihrer vier kaputten Taschenuhren. Besuchen Sie Dr. Pagliassotti unter drupagliassotti.com. Ihren ersten Roman Das mechanische Herz (Clockwork Heart) bezeichnet Dru selbst als steampunk romance und somit ist das romantische Action-Abenteuer genau richtig in Feder&Schwerts neuer Reihe Steampunk.

Donnerstag, 18. September 2014

Morbus Konstantin - T. Aaron Payton


Titel: Morbus Konstantin
Autor: T. Aaron Payton
Originaltitel: The Constantine Affliction
Verlag: Feder&Schwert
ISBN: 978-3867621885
Euro: 12,99
Veröffentlichungsdatum: August 2013
Seiten: 400
Kein Serientitel
Come in: Kauf









Inhalt

London, 1864. Im Zeitalter der Moderne und der Wissenschaft ist eine neue Krankheit aufgetaucht: Nach einem schweren Fieber stirbt man entweder oder erwacht in einem anderen Geschlecht, Männer werden zu Frauen und umgekehrt. Das führt zu mannigfaltigen Problemen, die aber zumeist ignoriert werden. Nur die Prostitution ist weitgehend abgeschafft worden, da man sich durch Geschlechtsverkehr infizieren kann. Um den Bedürfnissen dennoch Herr zu werden, hat ein Wissenschaftler mechanische Frauen erfunden, die wie echte aussehen, nur eben programmierbar sind.
Als ein Serienmörder die wenigen echten Dirnen der Straße ermordet und vor die Etablissements der Mechanik ablegt, verpflichtet deren Besitzer Sir Pembroke Halliday, den zweiten Sohn eines Earls, damit, die Verbrechen aufzuklären.
Während seiner Recherchen stösst dieser immer wieder mit der Journalistin Ellie Skyler zusammen, die einen Artikel über mechanische Huren schreiben will.
Doch der Mörder hat ganz andere Pläne - mit London, der Königin und der ganzen Welt.

Meinung

Schon Anfang 2011 war auf der Homepage von T.A. Pratt/ Tim Pratt nachzulesen, dass er einen Buchvertrag unter einem Pseudonym unterschrieben hat, das er damals noch nicht offenbaren wollte. Nun ist klar, dass es sich um T. Aaron Payton handelte und er damit zumindest seinen Initialen treu geblieben ist.
Von der Urban Fantasy und diversen Spiele-Büchern ist Pratt so ins Genre des Steampunks abgetaucht, das er damals als "spielen in fremden Sandkästen" bezeichnete. Dass ihm das Schreiben am Roman Spaß bereitet hat, ist zu spüren, denn so liest er sich auch. Mit einer interessanten Ausgangssituation und diversen daraus resultierenden Problemen, schafft es Pratt, den Leser bei der Stange zu halten und alles in einem großen Showdown am Ende auslaufen zu lassen. Dennoch werden viele Aspekte nur berührt und hätten durchaus wesentlich tiefer gehen dürfen. Sie sind da und es liest sich gut, aber "Morbus Konstantin" ist trotzdem kein Roman, der lange im Gedächtnis haften bleiben wird.
Der Geschlechteraspekt, von vornherein schwierig, ist vom Autor recht verträglich abgehandelt worden, wobei er sich aber, wie erwähnt, an den größten Problemen vorbeigemogelt hat. Das wirkt sich natürlich auch auf die Figuren, nicht zuletzt Hallidays "Ehefrau" Winifred (die einst ein Mann war), aus. Ellie hätte hier durchaus den Karren aus dem Dreck ziehen können, aber leider ist sie eine recht blasse Figur geblieben, die leider mitunter auch ein wenig zu naiv rüberkommt. Es ist, was diesen (geschlechtlichen) Aspekt der Geschichte betrifft, dann doch sehr schade, weil man daraus wesentlich mehr hätte machen können (und vermutlich auch sollen).
Der aufmerksame Leser wird eine Fülle an bekannten Anleihen finden, die vom gern zum Alkohol greifenden Ermittler, seinem erfindungsreichen Kompagnon hin zu Frankensteins Monster (und vielen anderen) führen. Dabei bleibt es jedoch nicht bei einer bloßen Detektivgeschichte, sie wächst und erhält neue Dimensionen. Nur der Steampunk tritt oft weitestgehend in den Hintergrund. Und obwohl die Mischung nun gelungen ist und der Roman für Zwischendurch so einigen Lesespaß verspricht, scheint am Ende dann doch etwas zu fehlen. Dennoch handelt es sich bei "Morbus Konstantin" um einen Roman, bei dem man nicht viel falsch machen kann; wer für Thema und Genre etwas übrig hat, sollte zugreifen.

http://www.timpratt.org/

Ein Pseudonym des Autors T.A. Pratt/Tim Pratt.
Der 1976 geborene T.A. Pratt ist ein amerikanischer SF und Fantasyautor und Herausgeber. Er lebt mit Frau und Sohn in Oakland, Kalifornien.

Montag, 19. Mai 2014

Dru Pagliassottis "Clockwork"-Serie wird fortgesetzt


Im Januar 2010 erschien bei Feder&Schwert ein Steampunkroman mit deutlichen Anteilen einer ans Herz gehenden Liebesgeschichte. "Das mechanische Herz" (Clockwork Heart) von Dru Pagliassotti ist aber irgendwie eine Mischung aus allem. Dampfkraft gibt es, viktorianisches Zeitalter eher nicht, vielmehr erinnert Pagliassottis Geschichte oft an mittelalterliche Fantasy. Gesellschaftssystem und Charaktere sind genau und nachfühlbar aufgebaut, glaubhaft verpackt in jede Menge Intrigen und Action. Die Story beginnt bereits rasant und kann diverse, teils überraschende Höhepunkte für sich verbuchen.

Taya schwebt auf metallenen Schwingen über Ondinium. Sie ist eine Ikarierin eine Kurierin, die sich frei in allen Sektoren der Stadt bewegen und ungehindert mit all ihren Kasten Umgang haben darf. Doch selbst sie kann dem Netz aus Terrorismus, Mord und Intrigen nicht entrinnen, in das sie sich nach einer kühnen Luftrettungsaktion verstrickt. Taya bekommt es mit den Brüdern Forlore zu tun, Sprößlingen einer Oberschichtfamilie: dem gutaussehenden, brillanten Alister, der im Regierungsrat sitzt und Programme für die große Maschine schreibt und dem linkischen, aber scharfzüngigen Cristof, der seiner Kaste den Rücken gekehrt hat und im ärmsten Viertel Ondiniums Chronometer repariert. Beide hüten gefährliche Geheimnisse in dieser Stadt mit dem mechanischen Herzen ...

Tayas Erlebnisse können am Ende durchaus als abgeschlossen betrachtet werden und enden nicht in einem riesigen Cliffhanger.
Nun ist im März 2014 ein weiteres Buch der Serie unter dem Titel "Clockwork Lies" im Original erschienen. Zeit, beim deutschen Verlag nachzufragen, ob auch dieses für eine Übersetzung infrage kommt. Die erfreuliche Antwort: "der Folgetitel liegt uns derzeit zur Prüfung vor. Wir werden wohlwollend darüber befinden, allerdings kann ich Ihnen schon jetzt sagen, dass der Titel nicht in diesem Jahr erscheinen wird."
Ein bisschen Warten gehört also leider dazu, aber dafür wird die Freude im nächsten Jahr umso größer sein. "Das mechanische Herz" hat irgendwie von allem etwas und ist daher gerne empfohlen.

Freitag, 22. November 2013

(Gastrezension) Der Hexenladen - Tanya Huff


Vielen herzlichen Dank an Melanie von Biblio Fantastica

Tanya Huff
Der Hexenladen
Verlag: Feder & Schwert
512 Seiten
ISBN-10: 3867621055
ISBN-13: 978-3867621052
13,99 €













Schon das Cover des Buches ist etwas Besonders: Es wird vollständig von einer einfachen Holztür eingenommen. Über querliegende Bretter – durch die die Tür fast zugenagelt wird – sind Buchtitel und Autorin aufgedruckt. In der Mitte der Tür prangt ein großes Schlüsselloch, umgeben wird die Tür von diversen, vermutlich magischen Zeichen. Das auffälligste ist aber wohl der fast golden wirkende Jojo auf der Mitte des Covers. Der Betrachter mag sich vielleicht fragen, was ein Jojo mit einer Hexengeschichte zu tun hat – wenn er sie liest, wird er es erfahren.

Alysha Gale gehört zu der Familie Gale, einer großen und mächtigen Hexenfamilie, mit der sich so gut wie niemand anlegen möchte. Alysha selbst fühlt sich durch ihre stets präsenten Tanten eingeengt und nutzt daher die Gelegenheit, die ihr der vermeintliche Tod – zumindest ihre Tanten glauben nicht daran – ihrer Großmutter bietet: Sie hat Alysha ihren Laden in Calgary (weitab der Verwandtschaft aus Ontario) vermacht. Eine Erbschaft, die weit mehr als nur verstaubte Antiquitäten bietet: Inmitten des Trödelladens ihrer Großmutter versteckt sich das ein oder andere magische Artefakt – und ihre Kunden sind beileibe nicht nur Antiquitätenliebhaber. Und dann gilt es schließlich noch, das Geheimnis um das Verschwinden ihrer Großmutter aufzuklären.

Auch wenn das plötzliche Verschwinden einer Großmutter anderes vermuten lässt: Ein Krimi ist “Der Hexenladen” definitiv nicht. Abgesehen von Fantasy fällt mir allerdings auch keine Schublade ein, in der man “Der Hexenladen” einsortieren könne. Das Buch ist eben einfach erfrischend anders.

Die Hauptperson wirkt auf dem ersten Blick bemitleidenswert: Alysha ist nach der plötzlichen Arbeitslosigkeit wieder zu ihren Eltern gezogen – und damit direkt in das Raster ihrer Tanten gerückt. In der Familie Gale hat man keine Privatsphäre und damit sind Alyshas Probleme für jedermann das aktuelle Gesprächsthema. Kein Wunder, dass Alysha die Fluchtmöglichkeit, die ihr das Testament ihrer Großmutter bietet, nutzt – und kein Wunder, dass das ihren Tanten nicht gefällt (über irgendetwas oder jemanden muss man ja reden). Einmal in Calgary angekommen entdeckt man als Leser jedoch weitere Facetten an Alysha: Sie nimmt einen heimatlosen Leprechaun bei sich auf und beschließt, die calgarischen Probleme alleine zu lösen – fast zumindest: Denn ihr Bruder und ihre Cousine lassen sich nicht davon abbringen, Alysha zu helfen und dank der modernen Kommunikationsmöglichkeiten sind die Tanten (ob gewollt oder ungewollt) nur ein Handyklingeln weit entfernt – als Gale ist man eben nie ganz allein. Und auch wenn es manchmal anders klingt hat dies durchaus auch seine Vorteile.

Das Buch hat allerdings noch deutlich mehr zu bieten als einen merkwürdigen Hexenclan und dessen weitgerühmte Obstkuchen (von dem ich jetzt durchaus auch ein Stück vertragen könnte) – auch wenn ein Buch über diese allein schon ziemlich lesenswert wäre. Calgary hat einige magische Probleme zu bieten – und die wenigsten davon befinden sich in dem Hexenladen von Alyshas Großmutter. Probleme, die zu brennenden Häusern und magischen Kämpfen führen – und damit für den spannenden Teil des Buches sorgen. Der Hexenladen selbst hat, neben ein paar kleinen Problemen, außerdem noch einige interessante Artefakte zu bieten: Mein Favorit war der ziemlich freidenkende Spiegel, der in der Darstellung der zu spiegelnden Personen wirklich völlig frei unterwegs ist. Zudem kann man als aufmerksamer oder magisch beeinflusster Kunde noch den ein oder Schatz unter den Antiquitäten entdecken. Und für wen das noch nicht genug ist hat das Buch noch ein paar romantische Verwicklungen zu bieten.

Tanya Huff hat für “Der Hexenladen” wirklich aus dem vollen geschöpft: Figuren aus den verschiedensten magischen Bereichen und ganz normale Menschen zum Einsatz gebracht; magische Artefakte neben Jojos platziert, die – soweit ich das beurteilen kann – völlig normal sind; eine riesige, eng miteinander verwobene Familie von Hexen um die Hauptperson positioniert; Frauenliteratur, Liebesroman, Krimi und Fantasy zu einem in sich völlig schlüssigen Buch zusammengefügt. Damit ist Tanya Huff wahrlich eine Meisterleistung gelungen.

“Der Hexenladen” hat mich völlig überzeugt und ist aufgrund der weitreichenden Mischung eigentlich für jedermann empfehlenswert. Vielleicht bringt es den ein oder anderen sogar dazu, es mit weiteren Fantasyromanen zu versuchen. Ich jedenfalls denke gerade darüber nach, mir ein weiteres Buch aus ihrer Feder zu besorgen (und das, obwohl es als Krimi eigentlich überhaupt nicht in mein normales Beuteschema passt).

Eine deutsche Leseprobe habe ich leider nicht gefunden, aber hier könnt in die englischsprachige und originale Ausgabe hineinschmökern.

Freitag, 7. Juni 2013

Echte Morde - Charlaine Harris


Titel: Echte Morde
Autorin: Charlaine Harris
Originaltitel: Real Murders
Verlag: Feder & Schwert
ISBN: 3867620962
Euro: 11,95
Veröffentlichungsdatum: Februar 2011
Seiten: 320
Serie: Aurora Teagarden 1
Come in: Kauf







Inhalt

Die achtundzwanzigjährige Bibliothekarin Aurora - Roe - Teagarden lebt ein eher langweiliges Leben, in dem kaum Neues passiert. Ihr Kleidungsstil ist bieder, ihre Mutter kontrolliert sie gern, der Vater hat neu geheiratet und ihr letztes Date ist ewig her.
Um sich ein wenig Abwechslung zu verschaffen, ist sie dem Club "Echte Morde" beigetreten, in dem die zwölf Mitglieder über echte historische und meist unaufgeklärte Morde diskutieren. Als Roe eines Tages zu früh am Treffpunkt ankommt, findet sie die blutige Leiche eines Mitglieds, das nach dem Vorbild eines Jahre zurückliegendes Falles getötet und arrangiert worden ist.
Die Polizei tappt im Dunkeln, als auch auf Roe und ihre Mutter ein Anschlag verübt wird. Mithilfe ihres neues findigen Nachbarn Robin Crusoe, einem Krimiautor, macht sich Roe daran, die Sache selbst aufzuklären. Auch der Polizist Arthur Smith möchte Roe behilflich sein.


Meinung

In Roes Ich-Erzählform hineinzufinden gelingt leicht, ins Geschehen selbst erst nach einigen Seiten. Harris hält sich nicht mit langen Vorreden auf, nachdem die Hauptfigur vorgestellt ist, geht es schon gleich zur Sache. Dabei liebt die Autorin es aber augenscheinlich, sämtliche Nebenfiguren in aller Ausführlichkeit vorzustellen, was sich schon recht zäh liest, wenn auch nicht uninteressant. Später dann stellt sich das als kluger Schachzug heraus, denn lange ist nicht klar, wer nun der eigentlich Schuldige ist. Wären die Figuren nur angerührt, aber nicht angefasst worden, wäre es wohl gleich aus gewesen.
Nach dem ersten Mord geht es recht geradlinig weiter, oft nur mit ein bisschen Abwechslung versehen, wenn sich die beiden Herren in Roes Leben um ihre Gunst bemühen. Sie selbst ist symphatisch und wohl am meisten überrascht, dass sie sich vom Typ graue Maus in den einer normalen jungen Frau entwickeln kann. Trotzdem muss sie hier und da doch schon ziemlich gelockt werden, hat stets ihre eigene Meinung und vertritt diese auch. Eine Liebesgeschichte entwickelt sich in diesem Roman noch nicht und außer diversen Dates, bei denen es oft um den Fall geht, passiert auch nichts weiter.
Es wird später noch recht blutig, wer das nicht verträgt, sollte nicht erst mit dem Lesen anfangen.
Eine solide Geschichte, die für Unterhaltung und einiges Rätselraten sorgt, aber sonst eher unspektakulär daherkommt, so dass sich kaum Nennenswertes sagen lässt.


Aurora Teagarden:
1. Real Murders (Echte Morde)
2. A Bone to Pick (Knocherbe)
3. Three Bedrooms, One Corpse (Drei Zimmer, Leiche, Bad)
4. The Julius House
5. Dead Over Heels
6. A Fool And His Honey
7. Last Scene Alive
8. Poppy Done to Death


http://www.charlaineharris.com/
Charlaine Harris begann bereits als Teenager mit dem Schreiben von Gedichten über Geister. Während ihres Studiums am Rhode College in Memphis verfasste sie Theaterstücke und Kurzgeschichten. Nach ihrer ersten Ehe arbeitete sie für verschiedene Tageszeitungen als Schriftsetzerin. Kurz nach ihrer zweiten Hochzeit begann sie mit dem ersten Teil ihrer Aurora Teagarden-Serie und erhielt eine Nominierung für den Agatha Award. Nebenbei war sie aktive Gewichtheberin und Karatekämpferin.

Donnerstag, 13. September 2012

Tote Paten küssen besser - Casey Daniels


Titel: Tote Paten küssen besser
Autorin: Casey Daniels
Originaltitel: Don of the Dead
Verlag: Feder und Schwert
ISBN: 3867620466
Euro: 10,95
Veröffentlichungsdatum: April 2009
Seiten: 316
Serie: Ein Fall für Pepper Martin 01
Come in: Tausch







Inhalt

Penelope, Pepper, Martin muss nach einem Betrugsversuch ihres Vaters nicht nur ohne dessen großzügige Unterstützung auskommen, sondern wird auch von ihrem Verlobten fallen gelassen. Mit einem mauen Studienabschluss in Kunstgeschichte jobbt Pepper als Fremdenführerin auf einem Friedhof. Dabei begegnet sie dem Mafioso Gus Scarpetti, der seit dreißig Jahren versucht herauszufinden, wer ihn einst umgebracht hat. Geschockt davon, nach dem Treppensturz einige Tage zuvor plötzlich Geister sehen zu können, lässt Pepper sich im Krankenhaus untersuchen und trifft dabei auf den etwas schussligen, aber süßen Dr. Dan Callahan - der aber leider nur an ihrem Gehirn interessiert ist.
Gus lässt der jungen Frau jedoch keine Gelegenheit, um das zu ändern, denn er drängt sie dazu, ihm bei der Aufklärung seines Todes zu helfen - ein Angebot, das sie nicht ausschlagen kann. Und das sie in große Gefahr bringt ...
Dann begegnet Pepper auch noch dem smarten Polizisten Quinn Harrison, der ihr mehr als deutlich macht, dass er mehr will.

Cover

Die Umschlagillustration stammt von Oliver Graute.
Mädchen mögen Rosa, aber Pepper wird eindeutig mit BH-Größe 85D beschrieben und dürfte so dem Covermodell nicht entsprechen - ein Detail, das kaum ein Verlag umzusetzen weiß.
Interessante Idee, Thema gut und ansprechend verpackt. Nur der Titel wirkt nach dem Lesen etwas irritierend, da hier niemand Paten küssen will und schon gar keine toten.

Meinung

Pepper Martin hat es in ihrem ersten Fall und Buch nicht leicht. Und das nicht nur, weil sie ohne elterliche (finanzielle) Unterstützung auskommen muss und ihr Liebesleben eine Katastrophe ist. Sie kann neuerdings auch Geister sehen und ist gar nicht glücklich darüber.
Was sich hier aber zunächst nach entspannter Frauenlektüre mit einem Schuss Übersinnlichem anhört, entpuppt sich schnell als waschechter Krimi - mit Zusatz. Dafür sollte der Leser also ein zumindest kleines Faible haben. Ich muss gestehen, mir fehlt es. Darum wäre es hilfreich gewesen, wenn der Klappentext ein wenig genauer darauf eingegangen wäre, statt das, was eigentlich keine Rolle spielt, so ausführlich darzulegen und den eigentlichen Kern in nur einem Satz abzuhandeln.
Abgesehen von diesen Kritteleien, die sich schnell überlesen lassen wenn Pepper erst einmal loslegt, bietet "Tote Paten küssen besser" gefällige Unterhaltung für zwischendurch.
Die Protagonistin ist eine durchweg sympathische Person, manchmal etwas naiv, auf jeden Fall aber mit einer gesunden Portion Sarkasmus (den sie in den Folgebände gern noch ausbauen darf) und ganz sicher nicht auf den Mund gefallen. Sie steckt die Geschehnisse ihrer jüngsten Vergangenheit ein wenig zu locker weg, wird aber andererseits (noch?) nicht wirklich mit ihnen konfrontiert. Ein bisschen Verletztheit sollte aber doch dazu gehören, wenn der Verlobte aufgrund einer Tatsache einfach verschwindet, die nichts mit ihrer Liebe zu tun haben sollte. Was genau es ist, wird nicht gesagt. Aber Peppers Vor-den-Geistern-Leben wird ohnehin nur selten thematisiert, denn Casey Daniels konzentriert sich deutlich mehr auf das, was vor ihrer Heldin in der Zukunft liegt.
Neben einem ziemlich anhänglichen toten Paten und seiner gefährlichen Familie sind das auch zwei potentielle neue Liebhaber, mit denen aber noch nichts so recht in Gang kommt, außer einem ziemlich heißen Kuss. Der eine Mann ist klug und muss ein bisschen aus sich heraus gekitzelt werden, der andere ist forsch und Pepper hat eher Mühe, ihn auf Abstand zu halten. Auf jeden Fall eine gelungene Mischung.
Die Krimihandlung steht deutlich im Vordergrund und ist bei genauem Hinsehen schnell gelöst, was aber wegen der lockeren Schreibe und diversen humorigen Einlagen nur wenig stört.
Casey Daniels erster Roman in ihrer Pepper-Martin-Serie kann so zwar nicht auf voller Linie überzeugen, bietet aber einen interessanten Einstieg in die Welt eines vollbusigen Rotschopfes, der wohl eher weiblichen Lesern unterhaltsame Lektüre bereiten dürfte. Es ist anzunehmen, dass das Potential, das sich hier bietet, in den Folgebänden noch ausgebaut wird, so dass Teil 2 bereit liegen sollte.


Ein Fall für Pepper Martin:
1. Don Of The Dead (Tote Paten küssen besser)
2. The Chick And The Death (Schicker als der Tod)
3. Tomb Of Endearment (Sex und Tod und Rock'n'Roll)
4. Night Of The Loving Death (Die Nacht der liebenden Toten)
5. Dead Man Talking (TV tot)
6. Tomb With A View (Grab mit Aussicht)
7. A Hard Days Fright
8. Wild, Wild Death


Vor einigen Jahren bewarb sich Casey Daniels auf einem historischen Friedhof in der Nähe ihres Wohnortes als Fremdenführerin. Den Job bekam sie zwar nicht, dafür aber die Idee zu ihrer Pepper-Martin-Reihe. Dank ihres Vaters, eines Clevelander Polizisten, der Sherlock-Holmes-Geschichten mochte und seine freien Tage, oftmals in Begleitung Caseys, damit verbrachte, nach gestohlenen Autos zu suchen, lernte sie Krimis schon früh lieben. Später las sie nahezu alle Kriminalromane derer sie habhaft werden konnte, und nach wie vor gehören Agatha Christie und Arthur Conan Doyle zu ihren Lieblingsautoren. Casey Daniels studierte Englisch und arbeitete früher als Journalistin und Lehrerin. Die Zeit, in der sie nicht schreibt, verbringt sie mit ihrer Familie. Sie strickt gerne, liebt Gartenarbeit und natürlich Spaziergänge über Friedhöfe, um Inspiration und Ideen für neue Geschichten zu finden. Casey Daniels lebt im Nordosten Ohios.

Samstag, 17. März 2012

(Autorenplausch) Chris Schlicht: Maschinengeist


Titel: Maschinengeist
Autor: Chris Schlicht
Originaltitel, 440 Seiten
ISBN: 3867621209
Euro: 13,99
http://www.dreamspiral.de/













© Chris Schlicht: Peter Langendorf

Schreiben war früher eigentlich nie mein Ding. Ich habe meiner Kreativität lieber mit dem Zeichenstift freien Lauf gelassen. So habe ich beispielsweise alle Personen aus dem „Herr der Ringe“ gezeichnet, der während meiner Schulzeit in den 70/80er Jahren der absolute Renner war. Auch eine „Literarische Arbeit“ habe ich über jenes Monumentalwerk geschrieben, ich glaube, das war meine erste Eins in einem Deutschaufsatz überhaupt. Aber selbst schreiben, das wäre mir nie in den Sinn gekommen. Bis ... ja, bis ich wegen diverser Operationen dazu verdammt war, untätig auf dem Sofa zu liegen und nur mit dem Laptop arbeiten zu können, der zeichnerische Arbeit nur bedingt möglich macht.

Ich habe schon vorher ein paar Kurzgeschichten geschrieben, die auch in diversen Anthologien veröffentlicht wurden. Aber erst, als ich mit der Kurzgeschichte „Dunkle Schwingen“ den „Marburg Award“ 2009 gewann, fand ich den Mut, mich auch an längeren Sachen zu probieren. Heraus kam nun der Steampunk-Roman „Maschinengeist“.

Warum Steampunk, und – vor allem – warum habe ich meinen Steampunk-Krimi ausgerechnet ins Rhein-Main-Gebiet Verlegt? Im Jahr vor dem Sieg mit „Dunkle Schwingen“ hatte ich schon einmal beim Marburg-Award teilgenommen, da war das Thema „Steampunk“ und ich belegte den 3. Platz mit meiner Kurzgeschichte „Deus Ex Machina“. Ich wusste vorher nicht mal, was Steampunk überhaupt ist, als ich an die Kurzgeschichte heran ging und obwohl ich später mit einer reinen Fantasy-Geschichte den 1. Platz gewann, ließ mich das Thema Steampunk einfach nicht mehr los. Die Faszination war größer als für monumentale Fantasy, da hat der Ingenieur in mir die Oberhand gewonnen.

Die meisten Steampunk-Stories spielen im England der viktorianischen Zeit oder speziell in London. Wenn sie mal in Deutschland spielen, dann in Berlin. Doch ich kenne weder den einen noch den anderen Ort gut genug, um ihn eingehend zu beschreiben oder mir eine andere alternative Entwicklung für ihn vorzustellen. Ich wurde in Frankfurt geboren, bin im Umland aufgewachsen, habe im Rheingau studiert und arbeite für die Stadt Wiesbaden in der Stadtplanung als Landespflege-Ingenieur. Dort habe ich auch viel mit dem Denkmalschutz zu tun. Von daher kenne ich das Rhein-Main-Gebiet gut und speziell Wiesbaden auch von der Historie, mit der Entwicklung in der Wilhelminischen Zeit und der Industrie an Rhein und Main.

Der Hintergrund war geschaffen, die Personen standen mir noch aus der Kurzgeschichte „Deus Ex Machina“ bildlich vor Augen, sie mussten nur von ihrer Herkunft und ihren Eigenarten an den Hintergrund angepasst werden. Gänzlich ohne zeichnerische Vorarbeit ging das nicht und so habe ich ein paar meiner Figuren erst einmal bildlich in Szene gesetzt. Vor allem den Protagonisten Peter Langendorf. Ein Bild vor Augen zu haben hilft mir ungemein bei der Charaktererschaffung. Danach entstand ein kompletter Stammbaum, der familiäre Hintergrund usw.

Ich hatte das Gerüst und wusste wie die Geschichte enden würde – ich musste nur noch darauf hin schreiben. So entstand dann die dystopische, alternative Historie für Wiesbaden und Umgebung, in der die arme Bevölkerung unterdrückt und als Verfügungsmasse für die Reichen und Industriellen betrachtet wird. Massen an Menschen, die darunter zu leiden haben, dass die Fabriken immer mehr ihren Lebensraum vergiften, wodurch sich eine gefährliche Spezies von Ratten und neue Krankheiten entwickeln. Dabei werden auch reale historische Ereignisse mit Fiktion verknüpft und in einen neuen Kontext gesetzt.

Eine Historie, die – zum Glück – nie stattgefunden hat. Aber sie sollte erklärbar sein. Von daher habe ich auf die auch häufig in Steampunk-Romanen vorkommenden Elemente der klassischen Fantasy, also Magie oder fremdartige Wesen, völlig verzichtet. Es ist technischer Steampunk geworden, bei dem ich aber ein größeres Augenmerk darauf gerichtet habe, wie es den Menschen in einer solchen Welt ergeht, als dass ich immer neue Maschinen entwickele.

Die Charaktere, besonders die Hure Katharina, weil sie eine so starke Frau ist, sind mir inzwischen so sehr ans Herz gewachsen, als wären es gute Freunde. Von daher kann man noch ein wenig mehr als dieses eine Buch erwarten. Es wird von mir keine Fortsetzungsromane oder so was geben, „Maschinengeist“ ist daher in sich geschlossen und kann für sich stehen. Aber mein Ermittler ist schon wieder unterwegs, ein zweiter Fall bereits in Arbeit und ziemlich weit fortgeschritten.
Ich hoffe, dass „Maschinengeist“ so gut ankommen wird, dass auch der Nachfolger eine geneigte Leserschaft finden wird.

© Chris Schlicht: Elisabeth Wallenfels


Donnerstag, 30. Juni 2011

Die Frauen von Nell Gwynne's - Kage Baker


Titel: Die Frauen von Nell Gwynne's
Autorin: Kage Baker
Originaltitel: The Woman of Nell Gwynne's
Verlag: Feder u. Schwert
ISBN: 9783867620741
Euro: 9,95
Veröffentlichungsdatum: Mai 2010
Seiten: 160
Serie: Abseits des Hauptplots.
Come in: Tausch





Inhalt

Lady Beatrice lebt mit ihrem Vater in Indien, während die Mutter mit den jüngeren Schwestern nach England zurückgekehrt ist. Als die Revolution ausbricht, wird ihr Vater getötet und sie selbst verschleppt und misshandelt. Es gelingt ihr jedoch, sich 1844 nach England durchzuschlagen, wo sich ihre Familie von ihr lossagt. Ohne jedwede Unterstützung bleibt der jungen Frau nur eine Möglichkeit: sie schlägt sich als Hure durch.
Durch einen Freund ihres Vaters lernt sie Mrs. Corvey kennen, die ihre eigenen Geheimnisse hütet und Beatrice überredet, zu ihr ins Haus am Birdcage Walk in London zu ziehen. Nach außen ein anständiges Haus, wird dort ein Edelbordell betrieben. Doch außerdem gehören die meisten Huren einem Geheimbund an, der Schwesterorganisation zur Spekulativen Gesellschaft der Gentlemen. Ihr Zweck: Spionage und Schutz des Vaterlandes.
Zusammen mit den Schwestern Devere, Jane und Dora un Maude, machen sich Mrs. Corvey und Beatrice schon bald auf zu einem Einsatz. Im Hause eines genialen Wissenschaftlers wird nach den besten Huren verlangt, denn neben einer Auktion für eine gefährliche Maschinerie soll es auch Unterhaltung geben.

Cover/ Format

Leider keine näheren Informationen zum Cover auffindbar. Sehr ansprechend und dazu noch hervorragend zum Inhalt passend. Farblich etwas zu dunkel.
Von Umfang und Größe des Buches war ich überrascht, denn es ist wesentlich kleiner als vermutet. Die großen Buchstaben und die Handlung an sich lassen ein nur kurzes Lesevergnügen zu. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist allein in dieser Hinsicht grenzwertig.



Meinung



Bei den knapp 160 Seiten von "Die Frauen von Nell Gwynne's" handelt es sich um eine typische Novelle. Die wie eine Nacherzählung wirkende Kurzgeschichte bleibt leider oberflächlich und geht selten in die Tiefe. Dafür jedoch ist das Geschehen genau durchdacht und verdichtet sich an den entscheidenden Stellen.
Über Lady Beatrices Vergangenheit wird nur kurz erzählt, es muss gesagt, jedoch nicht überemotionalisiert werden. Gefühle und Gedanken bleiben dabei vollkommen auf der Strecke und viele Monate fliegen beinahe ereignislos vorbei, obwohl die junge Frau einiges durchzumachen hat.
Die Vorfälle zu intensivieren ist indes nicht nötig, sie stärken einfach durch ihre kurze Schilderung Beatrices Charakter. Es wird auch ohne intensive Emotionen deutlich, dass ihr Schlimmes widerfahren ist und sie sich trotzdem durchgekämpft hat. Leider begegnen solche Literaturgattungen dem Leser heutzutage aber so selten, dass es einige Gewöhnung braucht, um sich in den Roman einzufinden. Ich selbst ertappte mich dabei, mir hier und da zu wünschen, die Autorin hätte eine längere Erzählung mit diversen detaillierten Beschreibungen daraus gemacht.
Erst, als Beatrice von Mrs. Corvey angesprochen wird und so ihre Einsamkeit überwunden hat, geht die Erzählung in die Tiefe.
Obwohl es sich bei Beatrices neuem Domizil um ein Edelbordell handelt, gibt es keine erotische Grundhandlung, auch wenn unterschiedliche Vorlieben einiger Kunden genannt werden. Hier wird der Phantasie jedoch viel Raum gegeben.
Die gesamte Handlung besteht aus einem einzigen Strang, der sich allein um Beatrice dreht, auch wenn ein paar Charaktere ihre Vergangenheit kurz skizzieren dürfen. Unwichtigkeiten werden gestrafft, bedeutende Szenen bekommen wesentlich mehr Raum zugestanden und vermögen es durchaus, bildhafte Szenen entstehen zu lassen.
Das Ende findet einen würdigen und spannenden Abschluss, befriedigt leider aber nicht komplett.
Kage Bakers Werk ist dem Untergenre des Steampunk zugeordnet, die entsprechenden Elemente sind aber nur sehr vereinzelt, dafür umso deutlicher in die Handlung eingeflochten. Auch hier wird dem Leser viel Raum für Phantasie gelassen und ab und zu kann es vorkommen, dass eine Textstelle noch einmal gelesen werden will, damit alles verständlich ist. Die Ideen jedoch - nicht zuletzt Mrs. Corveys künstliche Maschinenaugen (siehe Cover) - sind phänomenal und trotz ihrer Abnormität absolut glaubwürdig.
Der Roman ist einem Hauptwerk, den Zeitstürme-Romanen, zuzuordnen. Abseits dieser Haupterzählung schuf die Autorin die Frauen am Birdcage Walk und es heißt, dass sie vor ihrem Tod noch an einer Fortsetzung gearbeitet hat, diese jedoch nie beenden konnte.
Eine tolle, wunderbar duchkonzeptionierte Erzählung, die aufgrund ihrer Länge oberflächlich bleibt, aber trotzdem zu unterhalten weiß.





http://www.kagebaker.com/
Kage Baker wurde 1952 in Los Angeles geboren. Sie arbeitete lange Jahre als Theater-Regisseurin und Englischlehrerin, bevor sie mit ihrer Zeitstürme-Serie einen Bestseller-Erfolg landete.
Die Autorin verstarb im Januar 2010.