Freitag, 27. Januar 2012

(Kurz gedacht) Seitenvorblätterer


Mit Entsetzen musste ich feststellen, dass die Mehrheit der Frauen meiner Familie und auch einige befreundete LeserInnen Seiten-Vorblätterinnen sind. Sogar die Hardcore Krimi- und Thrillerfans lesen ein bisschen vom Anfang eines Romans und dann erst einmal das Ende, bevor sie sich dem Mittelteil zuwenden.
Meine Cousine meinte zu einem Thriller: "Nachdem ich das Ende gelesen habe, dachte ich, dass es ein ziemlich lahmes Buch ist. Aber nun habe ich am Anfang weitergelesen und es entwickelt sich wohl doch noch zum Pageturner."
Hä? Wie kann man denn nur das Ende zuerst lesen? Aber daran scheiden sich wohl die Geister ...

Donnerstag, 26. Januar 2012

Der Schlüssel zu deinem Herzen - Courtney Milan


Titel: Der Schlüssel zu deinem Herzen
Autorin: Courtney Milan
Originaltitel: Unlocked
Verlag: Von der Autorin als E-Book selbständig verkauft.
ASIN: B005RQB64G
Euro: 1,99
Veröffentlichungsdatum: Oktober 2011
Dateigröße: 275 KB
Serie: Wahrscheinlich ja.
Come in: Gekauft





Inhalt

Hampshire, 1840. Evan Carlton, der neue Earl of Westfeld, kehrt nach vielen Jahren im Ausland zurück in seine Heimat. Und in die Gesellschaft des ton. Doch er ist nicht mehr derselbe und muss schmerzlich daran denken, was er einst Lady Elaine Warren angetan hat. Obwohl sie eine charmante junge Frau gewesen ist, schickanierte er sie maßlos und machte sich öffentlich über sie lustig. Das schadete nicht nur ihrem Image, sondern auch ihrem Selbstbewusstsein.
Elaine ist eine alte Jungfer geworden, die auf Bällen stets in den hinteren Reihen ausharrt, bis sie endlich nach Hause fliehen kann. Ihre wissenschaftlich begabte Mutter macht die Situation nicht leichter.
Als plötzlich der Mann, der ihre erste Saison ruinierte, wieder auftaucht und vorgibt freundlich zu ihr zu sein und sich gar entschuldigt, weiß sie nicht, was sie davon halten soll. Hat er sich wirklich geändert oder ist das ein neuer perfider Plan, sie ins Unglück zu stürzen? Ihre Gefühle für ihn geraten schnell durcheinander.

Cover

Das Cover wurde vom Original übernommen und es ist schade, dass der Kindle nur schwarz/weiß Ansichten bietet. Titel und Bild harmonieren auf einzigartige Weise.
Übersetzt wurde der Roman von Ute-Christine Geiler, die auch die Romane von Tessa Dare ("Zärtliche Schatten") ins Deutsche überträgt. Die Autorinnen sind befreundet und haben beide den Schritt in die eigene Veröffentlichung als E-Book gewagt.

Meinung

Courtney Milan hat mit "Der Schlüssel zu deinem Herzen" einen berührenden Kurzroman geschrieben, der besonders durch die deliakte Situation und die Charaktere besticht.
Elaine steht der Situation, wie in den elf Jahren zuvor, zunächst hilflos gegenüber. Dass es niemanden gibt, dem sie sich anvertrauen kann, verschlimmert ihre Situation noch. Hinzu kommt ihre Mutter, die gern wissenschaftliche Vorträge hält, was in der Gesellschaft und vor allem den jungen Frauen nicht gut ankommt.
Trotzdem ist Elaine eine sehr starke Person, denn es gehört einiges dazu, Mobbing auszuhalten, selbst wenn es nicht möglich ist, etwas dagegen zu unternehmen. Zumindest wird deutlich, dass Elaine kein junges, naives Ding ist, dass sich hilflos hin und her schubsen lässt.
Evan ist inzwischen ein gestandener Mann. Die Wandlung vom einstigen verwöhnten Bürschlein in einen kampferprobten, ehrenwerten Gentleman ist gelungen. Seine Gewissensbisse sind spürbar, stehen jedoch nicht soweit im Vordergrund, dass sie stören könnten. Dass seine Gefühle über Scham hinaus gehen, wird nicht nur durch Worte, sondern auch Gesten und Taten deutlich.
Die Beziehung der beiden geht glaubhaft und nicht ohne Probleme vonstatten. Vertrauen aufzubauen ist nicht einfach, wenn es einst komplett verloren gegangen ist. Die Autorin lässt nicht einfach ein bestimmtes Ereignis ablaufen und schon ist alles wieder gut. Da muss sich Evan nicht nur etwas mehr einfallen lassen, sondern sich auch in Geduld üben.
Eine ans Herz gehende Geschichte voller Tiefe und garantiert kein Einheitsbrei.


Courtney Milan lebt mit ihrem Ehemann, einem mittelgroßen Hund und einer angriffslustigen Katze im äußerten Nordwesten der USA. Sie schrieb ihr erstes Buch, als sie in Deutschland lebte. Damals war sie erst 10 Jahre alt und das Buch war natürlich fürchterlich. Dennoch wird sie Deutschland immer mit dem Beginn ihrer Schriftstellerkarriere in Verbindung bringen.
Wenn sie nicht gerade liest (und das macht sie oft), schreibt (auch oft) oder schläft (viel zu wenig), dann findet man sie irgendwo in einem Unterrichtsraum.

Samstag, 21. Januar 2012

(Interview) Nerdpol-Verlag


Ole Johan Christiansen und sein Kollege Oliver Dierssen sind mit der Zeit gegangen und haben sich einen kleinen Traum erfüllt. Fasziniert vom Medium "E-Book" und traurig über den fehlenden Platz für Kurzgeschichten haben sie beschlossen, selbst Abhilfe zu schaffen. Gleich neben "Actionville, Horrortown, dem Fantasyforest und der Raumstation Sci-Fi" gibt es seit wenigen Wochen den NERDPOL, einen Verlag für digitale Kurzgeschichten von bekannten deutschen Autoren.


Wann und aus welchem Impuls heraus wurde der Nerdpol-Verlag gegründet?
Der Nerdpol-Verlag war ein eher spontaner Einfall, der vor allem aus zwei Überlegungen heraus entstand. Die eine war: "Viele Autoren haben Lust auf Kurzgeschichten, aber bei Publikumsverlagen gibt es dafür leider kaum Platz."
Die andere lautete: "Im Internet und beim E-Book passieren spannende Dinge. Wie könnte man da was beitragen?"
Und schon hatten wir die Grundidee für einen Verlag und für ein Verlagsprogramm.

Sind deutsche Autoren so unzufrieden mit der deutschen Verlagslandschaft, dass sie eigene Verlage erschaffen müssen?
*lach* Nein, absolut nicht, sonst würden wir ja alle in unsere alten Berufe zurückkehren oder uns neue suchen müssen. Mit dem Nerdpol-Verlag wollen wir sicher nicht reich werden. Wir sind bei unseren Verlagen sehr zufrieden. Nur beim Absatz von Kurzgeschichten gibt es in Publikumsverlagen eben ein leichtes Defizit.
Zwar kümmern sich viele kleinere Verlage um den Druck von Anthologien, aber im E-Book-Bereich passiert da relativ wenig. Also haben wir uns einfach überlegt, dass wir weder den Publikumsverlagen auf dem Massenmarkt noch den kleineren Verlagen in ihrer Printnische Konkurrenz machen wollen: Bücher vom Nerdpol gibt es daher nur als E-Books, und nur dafür holen wir bei Autoren die Rechte ein.
Die Autoren sind sicher auch der Hauptausschlag für die Gründung des Verlags gewesen: Die deutsche Fantasy-Szene ist ja gar nicht so groß, und wenn man etwas aktiver in ihr ist, dann kennt man rasch den Großteil der bekannteren Autoren. Gerade diese freundschaftlichen Beziehungen sind uns bei den Veröffentlichungen auch immens wichtig: Die Bücher vom Nerdpol kommen aus der Phantastik-Szene und sind für die Phantastik-Szene.

Donnerstag, 19. Januar 2012

Traumwächter - Alexis Morgan


Titel: Traumwächter
Autorin: Alexis Morgan
Originaltitel: Dark Protector
Verlag: Heyne
ISBN: 3453772652
Euro: 7,99
Veröffentlichungsdatum: August 2011
Seiten: 400
Serie: Paladin 01
Come in: Kauf







Inhalt

Devlin Bane ist ein Paladin und schützt die Welt vor den Anderen, die durch eine unsichtbare Barriere abgetrennt sind. Bei Erdbeben oder Vulkanausbrüchen kann es jedoch passieren, dass die Barriere beschädigt wird und die Paladine drängen dann die gefährlichen Anderen in deren eigene Welt zurück.
Stirbt ein Paladin, kann er wiederbelebt werden. Doch jedes Mal, wenn das geschieht, verliert er ein Stück seiner Menschlichkeit und verwandelt sich in einen Anderen.
Dr. Laurel Young betreut Devlin und seine Mitstreiter schon seit einer Weile. Als er wiedererweckt wird, kommen sich die beiden näher. Doch Devlin weiß, dass seine Lebensaufgabe keine langfristige Beziehung zulässt und scheut sich so vor seinen Gefühlen. Laurel hat zudem Angst, dass sie ihn eines Tages endgültig töten muss, um die Welt zu beschützen.

Cover

Das Cover stammt von Nele Schütz Design, unter Verwendung von Stockphoto.
Es drückt leider nichts aus und passt nicht zum Inhalt. Die Fledermäuse im Hintergrund suggerieren etwas, das es im Inhalt nicht gibt - ebenso wie der Titel.
Das Paar jedoch ist auch in der Geschichte Programm.

Meinung

Der erste Teil der Paladin-Serie lässt sich in der Idee zunächst gut an, versagt jedoch mit jeder weiteren Seite mehr, bis nichts als ein liebloses, undurchdachtes, naives und völlig unlogisches Werk übrig bleibt. Unnötig zu sagen, dass sich dafür kein Geldausgeben lohnt.
Was genau Paladine sind, wird leider nicht erwähnt. Die übermächtigen Krieger werden anscheinend geboren, nicht "gezüchtet", wie auch immer aus der Bevölkerung selektiert und ausgebildet. Devlin schützt seine Bettgefährtin mit einem Kondom, so dass anzunehmen ist, dass sich Paladine auf normalem Weg fortpflanzen können. Wenn sich jedoch deren Reihen immer weiter lichten, warum werden dann keine kleinen Paladine gemacht?
Paladine erwachen nach einiger Zeit aus ihrem Kampfestod wieder zum Leben. Wenn sie sich in einen Anderen verwandelt haben, werden sie von den Ärzten endgültig getötet. Wie das aber möglich sein soll, wo sie doch zuvor stets neu lebten, wird verschwiegen.
Das sind nur einige der zahlreichen Ungereimtheiten mit denen sich der Leser von "Traumwächter" herumschlagen muss. Ähnlich unausgegoren ist die gesamte Handlung und leider auch die recht platten Charaktere.
Was Laurel, die relativ häufig auch Laura geschrieben wird, und Devlin letztendlich zueinander treibt und dann so plötzlich, bleibt unklar. Sie haben am Beginn des Romans bereits drei Jahre Zusammenarbeit hinter sich. Die Paladine in Devlins kleiner Armee finden sie alle unheimlich sexy, genau wie er. Als er nach einem Tod erwacht, scheint alles anders.
Wer nach zahllosen Seiten Liebesgeplänkel denkt, man müsse nur durchhalten und die Handlung nehme noch Fahrt auf, der irrt. Zwar gibt es Kämpfe mit Anderen, doch werden diese nie beschrieben. Paladine kämpfen im übrigen mit Schwertern, während normale Soldaten Schusswaffen benutzen - was die "Übermacht" der Paladine schnell im Keim erstickt. Während Paladine in der Militärbasis ständig bewacht werden müssen (Warum?), ist es ihnen gestattet, diese auch zu verlassen. So treffen sich Devlin und Laurel außerhalb in einem Cafe und natürlich kommt es zu einigen erotischen Stelldicheins in ihrem Appartment.
Es gibt einige Versuche, Schlagabtäusche zwischen dem Paar zu generieren, die jedoch ziemlich fehlschlagen. Laurel, die studierte Genwissenschaftlerin, ist recht kindlichen Gemüts und wie es sich gehört, ist die zwar vorhande Box mit Verhüterlis im Nachtschrank noch original verschlossen. Gut, dass Devlin weiß, wie man eine Lady am besten zu retten hat, Laurel hat das bitter nötig.
Sinnliche Momente gibt es beinahe von der ersten Seite an, die sich jedoch nur stoisch auf den Akt konzentrieren und keine Atmosphäre kreieren.
Sowohl Handlung und Erotik, als auch die Fähigkeiten der und die Figuren selbst wirken zusammengewürfelt und ergeben leider kein großes Ganzes. Unverständlich, wie es dieser Roman in die deutsche Übersetzung geschafft hat. Hände weg!


Paladin-Serie:
1. Dark Protector (Traumwächter)
2. Dark Defender (Schattenwächter)
3. In Darkness Reborn
4. Redeemed in Darkness
5. Darkness Unknown
6. Defeat the Darkness
7. Bound by Darkness
8. The Darkness Beyond
9. Darkness on Fire


Alexis Morgan konnte schon als Jugendliche nicht genug bekommen von düster-romantischen Liebesgeschichten und - Western. Diese ganz spezielle Mischung prägte sie und ihr Schreiben. Ihre Geschichten sind temporeich und spannend, ihre Helden sind tapfere Kämpfer, die sich nur eine kleine Schwäche erlauben: die Liebe und die Leidenschaft, für die sie alles andere hintanstellen. Alexis Morgan lebt mit ihrem Mann in der Nähe von Seattle.

Samstag, 14. Januar 2012

(queergelesen) Ash – über die Erwartungen an das etwas 'andere' Märchen


Die Autorin Juliette Bensch ("Last minute Liebe") liest und schreibt über queere (Literatur-)Themen.


Ash – über die Erwartungen an das etwas 'andere' Märchen

Weihnachtszeit ist Märchenzeit. Vielleicht, weil fallender Schnee so bezaubernd wirkt und Stille einkehren lässt. In dieser Stille geht man in sich und erinnert sich der Geschichten aus der Vergangenheit. Das waren meist Märchen, im Idealfall von einem Großelternteil aus dem Grimm'schen Sammelband vorgelesen, vielleicht aber auch nur als Defa- oder Disney-Adaption wahrgenommen.

Nun hat es um Weihnachten 2011 in Deutschland (abgesehen von höheren Lagen) nicht wirklich geschneit, aber Tradition bleibt Tradition. Das alljährliche Märchen ist Pflicht. Dieses Mal entdeckte ich eine etwas andere Abwandlung für mich. Ich hatte mir die Cinderella-Adaption „Ash“ von der Amerikanerin Malinda Lo vorgenommen. Das Buch bescherte mir genüssliche Stunden. Dabei spielt es eine nicht ganz nebensächliche Rolle, dass mir von vornherein bewusst war, dass es eine lesbische Variation des Originals ist. Ich erinnere mich nicht bewusst daran, überhaupt je ein zeitgenössisches Märchen gelesen zu haben, aber „Ash“ hat meine Erwartungen nicht enttäuscht. Mystische Wälder, eine gemeine Stiefmutter, ein armes Waisenkind, das Ganze besprenkelt mit einigen Spritzern Fantasy, verpackt für die Zielgruppe jugendlicher Leser.

Im Anschluss an meine Lektüre las ich einige Buchbesprechungen dazu. Da ich gern in der Originalsprache lese, hatte ich mich für die englische Version entschieden. Bei den Lesermeinungen auf Amazon fiel mir dann etwas Entscheidendes auf: die Bewertungen der verschiedenen Ausgaben variieren. 4 ½ Sterne (bei 6 Bewertungen) für die englische Originalausgabe, aber nur 3 Sterne (bei 47 Bewertungen!) für die deutsche Ausgabe (Stand Januar 2012).

Da frage ich mich, ob der Unterschied damit begründbar ist, dass die zwei Ausgaben verschieden sind oder ob es an der Mentalität der Leserschaft liegt. Sind die Deutschen gar kritischer (oder überhaupt erst einmal bewertungsfreudiger)?

So ganz pauschal kann man dazu natürlich nichts sagen, ohne tiefgründig Marketingcampagnen vergleichen zu müssen. Wenn man jedoch die Bewertungen auf Amazon anklickt, die nur einen oder zwei Sterne vergeben, wird klar, dass viele deutsche Leser schlichtweg enttäuscht waren. Sie erwarteten ein neuerzähltes Aschenputtel – inklusive dem Prinzen, bekamen aber eine Lesbe, mit der sie sich so rein gar nicht identifizieren konnten.
Ganz klar, ein Blick auf die Vermarktungstexte lässt erahnen, dass der PAN-Verlag, der den Text als deutschsprachige Übersetzung der Leserschaft zugänglich gemacht hat, eine andere Marketingstrategie als die Amerikaner fährt. Im deutschen Klappentext wird Kaisa, die königliche Jägerin, in die sich Ash im Verlauf des Romans verliebt, mit keiner Silbe erwähnt. Stattdessen wird sogar der Prinz angesprochen, obwohl seine Rolle im Buch marginal ist. Der englische Klappentext hingegen spielt mit offenen Karten und deutet sogar an, dass die Begegnung mit Kaisa eine Veränderung in Ash hervorruft.
Das Ende vom Lied sind vermutlich gute Verkaufszahlen im deutschsprachigen Raum, jedoch auch etliche enttäuschte Leser.
Der Schritt, dieser Enttäuschung mithilfe einer Rezension dann Luft zu machen, ist ein kleiner. Wird man als LeserIn überrascht, fehlen einem hingegen oft die Worte. Das muss jedoch nicht das Schlechteste sein.

Wir alle haben Erwartungen. Manchmal sind sie uns nicht bewusst, weil wir nicht in uns hineinhören und sie suchen, aber wir spüren sie anhand der Freude oder der Enttäuschung bei der Entwicklung der Geschehnisse. Aber mal ehrlich, sind nicht die Geschichten, die uns überraschen, auch die, die uns im Kopf bleiben?

Freitag, 13. Januar 2012

Rob Thurman leider nicht mehr in deutscher Sprache


Rob Thurman hat eine recht erfolgreiche Serie um die Leandros Brüder Cal und Niko geschrieben, von der bisher zwei Teile auf Deutsch erschienen sind.
Teil Teil 3 war fest für September 2011 eingeplant, besaß nicht nur ein Cover, sondern auch einen Klappentext. Diese Quelle wusste sogar, dass Barbara Röhl den Roman bereits übersetzt hatte.
Man munkelte, nachdem der Roman zunächst verschoben wurde und schließlich ganz ausblieb, dass es an der verzwickten Rechtslage liegen könnte. Auf erneute Nachfrage beim Verlag, ob denn zukünftig noch mit der Fortsetzung zu rechnen sei, erhielt ich folgende niederschmetternde Antwort: "Der dritte Teil "Schattengeister" wird nicht mehr erscheinen. Der Titel ist leider endgültig gesperrt."
Ein Blick auf die Figurenliste zeigt, dass uns nun eine Menge entgehen wird, sofern wir der englischen Sprache nicht mächtig sind und im Original weiterlesen.

1. "Nachtgeister" (Nightlife)

Caliban und Niko Leandros sind Halbbrüder, sie haben die gleiche Mutter, aber nicht den gleichen Vater. Für Niko ist das in Ordnung, doch Cal hat Schwierigkeiten damit - zu Recht. Denn sein Vater ist kein Mensch, sondern ein Dämon von der übelsten Sorte.
Obwohl sein Dämonen-Vater regelmäßig nach ihm sieht, bleibt er doch stets auf Distanz. Als Cal in die Pubertät kommt, entführen ihn die Dämonen, die von den Brüdern Grendels genannt werden. In der Parallelwelt in die Cal gezogen wird, vergehen zwei Jahre, ehe er sich befreien kann. Was in dieser Zeit mit ihm geschehen ist, das weiß Cal nicht mehr. Nur eines ist sicher: die Grendels dürfen ihn nie wieder in die Finger bekommen. Leichter gesagt als getan, denn Cal ist nur zu einem Zweck gezeugt worden: Er soll die Menschheit vernichten.

Der Roman wird in der Ich-Form aus der Sicht von Cal erzählt. Ein Clou, wie sich herausstellen wird, denn er ist eine unheimlich sympathische Figur. Trotz seiner Kindheit und Herkunft kein übertrieben weinerlicher oder "harter" Typ, sondern eine gesunde Mischung aus beidem.
Dass sich die Brüder nahe stehen, wird in beinahe jeder Zeile deutlich. Aber dennoch sind sie auch sehr unterschiedlich. Cal liebt ungesundes Essen, er schläft gern lange und achtet nicht so genau auf seine Kleidung. Niko ist sein genaues Gegenteil. Er ist stolz, aufrecht, pünktlich und übergenau. Er isst nur ausgewählte und sehr gesunde Nahrung, er trinkt nicht, er raucht nicht. Er lernt viel, vor allem Mythologie, er beherrscht verschiedene Kampfsportarten. Aber vor allem treibt er seinen Bruder dazu an, sich um sich selbst zu kümmern und sich nicht seinen Gefühlen hinzugeben. Aufgeben? Nicht mit Niko!
In erster Linie ist "Nachtgeister" ein Spannungsroman mit sehr, sehr viel Action. Wer das mag, sollte auf jeden Fall zugreifen. Hinzu kommt ein überaus durchdachter Plot, mit diversen liebeswerten Einfällen, zuweilen skurilen Figuren und viel Gefühl. Die auf dem deutschen Klappentext angedeutete Liebesgeschichte gibt es nicht.

2. "Mondgeister" (Moonshine)

Die Brüder Niko und Cal Leandros haben nach der Vernichtung ihrer Feinde eine eigene Agentur gegründet und schlagen sich als übernatürliche Detektive in New York durch. Cal hat sich mit Hilfe seines Bruders und dessen Freundin der Vampirin Promise vom Schock dessen erholt, was ihm durch sein halbes Dämonen-Erbe während des Kampfes geschehen ist.
Eines Tages tritt der Boss eines Werwolf-Mafiaclans an sie heran und beauftragt die Jungs damit, herauszufinden, wer ihm nach dem Leben trachtet. Als sie kurz vor dem Ziel stehen, wird plötzlich die junge Hellseherin Georgina King entführt, in die Cal schon lange heimlich verliebt ist. Der Täter verlangt für ihre Freiheit eine kostbare magische Krone, die sich in den Händen von Wesen befindet, denen auch die Brüder kaum gewachsen sind. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt.

Die Leandros-Serie sollte unbedingt in Folge gelesen werden, um ein besseres Verständnis der Figuren und der Welt zu erlangen. Auch im zweiten Teil geht es wieder Hoch her. Die beiden kampferprobten Brüder müssen ihr Können ein ums andere Mal unter Beweis stellen und Cal lässt den Leser in seiner gewohnt lässigen Sprache daran teilhaben.
Ganz so rasant wie im vorherigen Band geht es aber nicht zu, denn die beiden Dämonenjäger werden durch Promise und Georgina daran erinnert, dass sie neben einem gestählten Körper und jeder Menge Feinde auch ein fühlendes Herz besitzen. Große Romantik gibt es aber auch diesmal nicht. Mit der Einführung neuer Wesen und Ereignisse wird das auch nicht vermisst. Hinzu kommt Thurmans ganz eigener Humor, außerdem schafft die Autorin eine sehr dichte Atmosphäre. Darum sind mit dieser temporeichen und spannungsgeladenen Geschichte sicher nicht nur Actionfreunde zu begeistern.

3. "Schattengeister" (Madhouse)

Klapentext: Die Geschäfte der Dämonenjäger Cal und Niko laufen schlecht. New Yorks übersinnliche Gegner scheinen besiegt. Doch das ist nur die Ruhe vor dem Sturm: Ein uralter und längst tot geglaubter Serienkiller kehrt in die Stadt zurück. Cal und Niko müssen ein Blutbad in den Straßen New Yorks verhindern. Und ihr Freund und seines Zeichens Puck Robin Good fellow steckt in der Klemme: Im Lauf seines Lebens hat er einfach zu viele Kreaturen verärgert. Als ihm eine an den Kragen will, ist die Liste der Verdächtigen lang, und Cal und Niko haben alle Hände voll zu tun.







Cal Leandros Series:
1. Nightlife
2. Moonshine
3. Madhouse
4. Deathwish
5. Roadkill
6. Blackout
7. Doubletake

Montag, 9. Januar 2012

Die Stunde des Fauns - Megan Lindholm


Titel: Die Stunde des Fauns
Autorin: Megan Lindholm
Originaltitel: Cloven Hooves
Verlag: Heyne
ISBN: 3453079957
Euro: Nicht mehr im Handel erhältlich.
Veröffentlichungsdatum: 1994
Seiten: 494
Kein Serientitel
Come in: Tausch











Inhalt

Evelyn ist in der rauen, weiten Natur von Fairbanks in Alaska aufgewachsen, wo Pan, der Gott der Wälder, ihr Spielgefährte war.
Im Frühjahr 1976 ist sie mit ihrem Ehemann Tom und ihrem kleinen Sohn Teddy auf dem Weg nach Seattle-Tacoma in Washington. Sie weiß, dass die dort lebende, moderne Schwiegerfamilie sie für eine halbe Wilde hält und zweifelt daran, dass sie dort hineinpassen wird. Doch Tom will nur einen Sommer bleiben, um dem verletzten Vater auf der Farm zu helfen.
Aus den wenigen Wochen werden jedoch Monate, ohne dass es Evelyn gelingt, sich anzupassen. So muss sie schließlich hilflos dabei zusehen, wie die Schwiegereltern ihr ganzes Leben an sich reißen und fremdbestimmen und sich ihr geliebter Mann in einen anderen Menschen verwandelt.
Evelyn droht an der Situation zu zerbrechen, doch unerwartet taucht ihr Kinderfreund Pan wieder auf und sie verbringen viel Zeit miteinander. Als eine schreckliche Katastrophe über Evelyns Leben hereinbricht, ist Pan der einzige, dem sie vertrauen kann. Gemeinsam machen sie sich auf den weiten Weg zurück nach Hause.

Meinung

Es gibt keinen angemessenen Weg diesen grandiosen Roman zu beschreiben oder zu reflektieren. Megan Lindholm, das Pseudonym für zeitgenössische Fantasy-Geschichten der Autorin Robin Hobb, hat ein intelligentes und sehr emotionales Werk geschaffen, das auch nach vielen Jahren nicht an Bedeutung verloren hat.
Lindholm/Hobb wuchs selbst einige Jahre in Fairbanks, Alaska auf und beschreibt daher wohl nicht ohne Grund in der Figur der Ich-erzählenden Evelyn sehr bildhaft das Leben der mehrköpfigen Familie. Die Jahre der Kindheit in Fairbanks und vor allem mit Pan werden als Erinnerungen in den tatsächlichen Handlungsablauf eingestreut. Dies niemals störend, sondern in den Erzählfluss eingebettet, ihn bereichernd und nicht, wie zunächst befürchtet, behindernd.
Sämtliche Figuren werden eingehend charakterisiert. Das, was sie tun oder gerade nicht, ist dabei oft bezeichnender als das, was klar gesagt wird. Hier wackelt nichts, jede Figur bleibt, wie es ihr bestimmt ist und durchläuft glaubhaft mit viel Tiefe die Entwicklung, die die Autorin für sie vorgesehen hat. Dabei gibt es jede Menge Ecken und Kanten, wer (halb-)perfekte Helden sucht, ist hier falsch. Lindholm schreibt von echten Menschen, die echte Dinge tun und dabei nicht unfehlbar sind. Die fühlen und fühlbar sind. Die so tatsächlich existiert haben mögen.
Auf die Frage, ob ihre Charaktere auf realen Menschen basieren, antwortete die Autorin in einem Interview jedoch: "Not intentionally and not consciously. I never take a person from my acquaintance and say, “She’d make a great heroine,” or “I’m going to model a villain on him.” It just would not work. Characters have to be a product of the story they are in. They have been molded by their cultures and shaped by their circumstance. To take a person I know and try to write him into one of my stories would feel false. The flip side of that coin is, of course, that all the characters in my stories are a product of my experience combined with my imagination. So, undoubtedly some of my characters share traits with people I know. But I never transplant any whole person into a book."
Einzig der Eintritt der Katastrophe wirkt ein wenig zu krass und die Ereignisse, die sich direkt daran anschließen, etwas unglaubhaft. Das stört jedoch nicht ernsthaft, zum einen, da die Geschehnisse an sich absolut gefangen nehmen und zum anderen, weil die Autorin eine unglaublich intensive Schreibe ausübt, die beide an kaum etwas anderes denken lassen.
Es handelt sich bei "Die Stunde des Fauns" nur bedingt um einen phantastischen Roman. Die mythische Figur des Pans trägt zwar einen Teil der Handlung und bildet einen großen Innen-Teil Evelyns, er steht jedoch nie im Vordergrund oder tut "magische" Dinge. Beinahe möchte man glauben, dass es sich bei ihm "nur" um eine Art Metapher handelt, die erstklassig zum Leben erweckt wurde. Der Roman ist also mehr eine zeitgenössische Geschichte mit leichtem phantastischen Einschlag.
Es sollten während des Lesens Taschentücher bereit gehalten werden, denn Megan Lindholm schafft es, so bewegend zu schreiben, dass der Leser förmlich mitgerissen wird und sich dem Sog nicht entziehen kann.
Schlussendlich gibt es nichts weiter zu sagen, als dass man dieses Werk gelesen haben sollte. Unbedingte Leseempfehlung!


Megan Lindholm/ Robin Hobb, eigentlich Margaret Astrid Lindholm Ogden, ist eine US-amerikanische Schriftstellerin.
Mit neun Jahren zog Hobb mit ihrer Familie nach Fairbanks, Alaska. Nach ihrem High-School-Abschluss und einem einjährigen Besuch der Universität in Denver heiratete sie im Alter von 18 Jahren. Sie zog mit ihrem Mann nach Kodiak, einer kleinen Insel an der Küste Alaskas. Im selben Jahr veröffentlichte sie ihre erste Kurzgeschichte und begann ihre Karriere mit dem Schreiben einiger Kurzgeschichten für ein Kindermagazin.
Seit 1971 schreibt Megan Lindholm zeitgenössische Fantasy-Geschichten. Im Jahr 1995 begann sie mit dem Namen Robin Hobb, einem weiteren Pseudonym, epische Fantasy-Geschichten zu schreiben.
Sie hat vier Kinder und lebt in Tacoma im US-Bundesstaat Washington.

Samstag, 7. Januar 2012

Die Leidenschaft der Wölfe - Noelle Mack


Titel: Die Leidenschaft der Wölfe
Autorin: Noelle Mack
Originaltitel: Wicked
Verlag: rororo
ISBN: 3499257777
Euro: 8,99
Veröffentlichungsdatum: Januar 2012
Seiten: 304
Serie: Pack of St. James 03
Come in: Vom Verlag










Inhalt

Semjon Taruskin, der jüngste Bruder eines Werwolfclans mit russischen Wurzeln, ist als grandioser Liebhaber bekannt und kann sich daher vor offenherzigen Angeboten kaum retten. Als er einen Ball vorzeitig verlassen will, stößt er auf die Dienerin Angelica Harrow. Und es ist um ihn geschehen.
Angelica ist seit drei Jahren auf der Flucht vor ihrem Stiefbruder Victor, der sich nicht mit dem alleinigen Erbe der Eltern zufrieden geben, sondern auch seine wunderschöne Schwester demütigen und an einen Zuhälter verkaufen will.
Tatsächlich gelingt es Victor endlich, Angelica aufzuspüren und zu entführen. Doch Semjon hat bereits ihre Spur aufgenommen und holt sie zu sich. Im gemeinsamen Versteck kommen sich beide schnell näher. Victor gibt sich aber nicht so leicht geschlagen ...

Meinung

Dass es sich bei "Die Leidenschaft der Wölfe" um den dritten Teil der Pack of St.James-Reihe handelt, wird schon am Beginn des Romans deutlich. Semjon bezieht sich auf Ereignisse, die schon vergangen, aber offenbar nicht ganz unwichtig gewesen sind. Auch begegnet der Leser beständig Personen des Rudels, die zu kennen von deutlichem Vorteil gewesen wäre. Warum also nicht die Vorgänger zuerst übersetzt wurden, bleibt fraglich, denn kurzzeitige Verwirrung ist vorprogrammiert.
Wer meint, zu einem erotischen Roman zu greifen, wird schwer enttäuscht sein. Das ist nämlich die Komponente, an der es deutlich fehlt. Neben einer sehr ausführlichen erotischen Szene gleich zu Beginn - die nebenbei erwähnt wie von einem anderen Autoren geschrieben wirkt - und einer weniger ausführlichen später im Buch, gibt es nur eine Handlungssequenz am Ende der Geschehnisse, die in etwa zum Genre hinzu zu zählen ist und sich leider deutlich am Rande der Lächerlichkeit bewegt. Am ehesten mag es sich beim Buch um eine historisch ummantelte Story mit leichten paranormalen Akzenten handeln.
Angelica macht es dem Leser nicht leicht, sie ins Herz zu schließen. Sie ist dermaßen unbeholfen und leichtgläubig, dass es schwer zu glauben ist, dass sie sich drei Jahre allein hat durchschlagen können. Von jemandem, der dies auch einen Großteil seines Lebens tun musste, sollte wesentlich mehr zu erwarten sein.
Semjon ist ein gestandener, handfester Mann, der jedoch ohne das Rudel kaum einen Schritt wagt und sich stets an die Vorbilder seiner beiden älteren Brüder (die der Leser nicht kennt!) klammert. Wieso es gerade Angelica ist, der er sein Herz schenkt, wo er doch fortwährend von den talentiertesten und schönsten Frauen umgeben ist, ist unklar.
So beginnt die Beziehung schon wenig realistisch und setzt sich leider auch so fort.
Die Handlung dreht sich schnell im Kreis und bewegt sich auf einer Stelle, so dass es auch keine Höhepunkte gibt (egal in welcher Hinsicht). Gut, dass der Roman nur auf wenige Seiten blickt. Leider vermögen es auch die platten Nebencharaktere und der klischeehafte Ablauf nicht, das Lesevergnügen zu vergrößern. Die paranormale Komponente, in Form der Werwölfe, zu denen auch Semjon zählt, spielt kaum eine Rolle. Ohne den Klappentext wäre es wahrscheinlich gar nicht zu verstehen gewesen.
Nach einem erleichterten Zuklappen des hinteren Covers kann von diesem Roman nur deutlich abgeraten werden.


Pack Of St James:
1. Wild
2. Wanton
3. Wicked (Die Leidenschaft der Wölfe)


Noelle Mack is a designer for a major California entertainment company, and the author of several romances.

Donnerstag, 5. Januar 2012

Stein der Träume - C.J. Cherryh


Titel: Stein der Träume
Autorin: C. J. Cherryh
Originaltitel: The Dreamstone
Verlag: Heyne
ISBN: 3453312120
Euro: Nicht mehr im Handel erhältlich.
Veröffentlichungsdatum: 1985
Seiten: 238
Serie: Eald-Zyklus #1
Come in: Kauf











Inhalt

Der Ealdwald ist uralt, doch von den zahlreichen Daoine Sidhe, die einst in ihm und seiner Umgebung lebten, ist nur noch Arafel übrig. Zu stolz um wie ihre Artgenossen zu entschwinden, wacht sie über ihre Heimat.
Doch die Menschen haben das Land an sich gerissen, es begradigt und ihr kaltes Eisen hineingetrieben. Zunächst interessiert sich Arafel nur wenig für sie und vertreibt sie, wenn sich einer zu nahe heranwagt. Doch dann wird sie in die Geschehnisse hingezogen, als sie zum Schutz für einen Harfner, der ein Instrument ihres Volkes spielt, den grünen Stein gibt, den sie um den Hals trägt. Nun ist sie mit dem neuen Träger verbunden und träumt mit ihm.
Über drei Generationen beobachtet sie das Geschehen in der Festung Caer Wiell nahe ihres Waldes, bis der junge Ciaran zu ihr vordringt und sie das Blut ihres Volkes in seinen Adern spürt. Sie führt ihn zum Baum der Schwerter und Steine all jener, die entschwunden sind ...

Cover

Das Coverbild stammt von Boris Vallejo und wurde vom Atelier Ingrid Schütz für den Umschlag gestaltet. Es muss wohl nicht betont werden, dass es grottenhässlich ist und mit dem Inhalt des Romans absolut nichts zu tun hat. Leider hat es auch eine gewisse abschreckende Wirkung - und das gleich aus mehreren Gründen heraus.
Die Illustrationen im Buch stammen von John Stewart und sind wohl eigens für die erzählte Geschichte angefertigt worden, passen somit hervorragend dazu. Manchmal ein wenig zu abstrakt, gehören sie dennoch zu Recht dazu.

Meinung

"Der Stein der Träume" (The Dreamstone) entstand aus einer gleichnamigen Kurzgeschichte, die C.J. Cherryh einige Jahre zuvor für eine Anthologie geschrieben hatte. Nach ihrem Schreibstil befragt, beschrieb sie diesen als "very tight limited third person, intense third person, intense internal voice." Diese eingeschränkte Erzählung in der dritten Person findet sich auch im ersten Teil des Eald-Zyklus. Und obwohl dadurch eine gewisse Ferne entsteht, gewinnt die Handlung Authentizität und seltsamerweise auch Intensität. Eine recht bedrückende, wehmütige Grundstimmung entsteht, wenn es um Arafel geht, deren Wald schrumpft und die beinahe vergeblich den "Seelenbaum" ihres Volkes bewacht. Auch ihre Suche nach Nähe und die immer wiederkehrende Zurückweisung - teils aus Unwissenheit, teils aus Angst - nehmen nicht nur sie mit.
Der Kampf der Ewiglebenden geht seinem Ende zu, denn jene, die noch geblieben sind, bekämpfen sich auch untereinander. So hat auch Arafel ihre dunklen Feinde. Diese Situation spitzt sich während des Verlaufes stetig zu und wird wohl im zweiten Teil in einem, wie auch immer gearteten, Höhepunkt auslaufen.
Menschlich gesehen ist es die Geschichte von drei Personen, aus deren Sicht in der dritten Person geschrieben wird und die miteinander verwandt sind. Sie verbindet der Wald und die Bekanntschaft mit uralten Wesen, die jedoch schwächer werden und zu verschwinden drohen. Dabei geht es hoch her. Denn auch der neue König verbindet diese Familie. Der Großvater, Niall Cearbhallain, war Vertrauter des alten Königs und auf dem Schlachtfeld bei ihm, als er starb. Der Königssohn nur fünf Jahre alt blieb fern und mysteriös, ein Kindkönig, der Bürgerkrieg versprach, wenn er einst alt genug wäre. Doch das trifft den Vater, Evald, über die Mutter ein Vetter des neuen Königs. Die Enkelin, Branwyn, erlebt die große Schlacht ihrer Zeit mit und die Belagerung Caer Wiells. Und auch das, was die Daoine Sidhe bringt.
Viele Jahre in wenigen Seiten und trotzdem ist alles da, was in so eine beinahe epische Geschichte hineingehört, ohne dass etwas zu fehlen scheint.
Die Sidhe sind hier übrigens keine wunderschönen Elfenwesen, denen alle zu Füßen liegen und die engelsgleich umherwandeln, sondern das, was sie in den alten Sagen einst gewesen sind. Arafel erscheint den Menschen so, wie diese glauben, sie zu sehen. Ansehnlich findet sie niemand, wenn sie distelgleich und in abgetragener Kleidung (und mit einem Schwert) zu ihnen kommt.
Keltische Namen und Begriffe gibt es mannigfaltig im Buch, dazu jedoch am Ende eine Aussprachehilfe. Sie sind trotz ihrer Anzahl nicht störend oder verwirrend.
Eine mitreißende, spannende Geschichte, die jedoch aufgrund ihres Alters und der damit verbundenen Schreibweise unter Umständen nicht allen Leser gefallen könnte. Empfehlenswert ist sie dennoch.


Eald-Zyklus
1. Stein der Träume (The Dreamstone)
2. Der Baum der Schwerter und Juwelen (The Tree of Swords and Jewels)

Weitere Werke
Der Engel mit dem Schwert (Angel with the Sword)


Caroline Janice Cherry, 1942 in St. Louis geboren, ist eine amerikanische Schriftstellerin. Sie hat seit Mitte der 1970er Jahren mehr als 50 Science-Fiction- und Fantasy-Romane sowie diverse Erzählungen geschrieben, einschließlich der Hugo-Award-Gewinner Kassandra (1979), Pells Stern (1982) und Cyteen (1989). Sie lebt im Staat Washington.

Montag, 2. Januar 2012

Covergleichheit: Elfenkrieger in grau


Es ist immer wieder schön, alte Bekannte zu treffen - sogar, wenn sie ein blank gezogenes Schwert bei sich tragen.
Leider musste sich der spitzohrige Krieger von seiner nicht weniger kampferprobten Gefährtin trennen und sich auf dem neuen Cover (Heyne) allein dem überraschenden Zusammentreffen stellen. Sie jedoch wollte keine Dienerin des neuen Königs werden und folgt anderen Aufgaben.
Nach diesem kurzen und etwas hastigen Informationsaustausch ging jeder von uns seiner Wege - nicht ohne uns Glück im neuen Jahr zu wünschen. Wer das wohl nötiger haben wird?


Midwinter - Matthew Sturges
Mauritane ist Hauptmann in der Elbenarmee der Seelie. Einst als Kriegsheld gefeiert, sitzt er nun wegen Verrats im Kerker, zu lebenslanger Haft verurteilt. Trotz seiner Unschuld sind seine Tage gezählt. Doch dann unterbreitet die Königin ihm ein einmaliges Angebot: Mauritane soll eine Elitetruppe zusammenstellen und einen geheimen Auftrag für sie erledigen. Hat er Erfolg, will sie ihn und seine Gefährten begnadigen. Doch die Sache hat einen Haken. Der Auftrag ist ein Himmelfahrtskommando.



Das Schwert des Königs - Alex Bledsoe
Für den Schwertkämpfer und Privatermittler Eddie LaCrosse sah alles nach einem ganz normalen Fall aus: Der Mord an dem jungen Prinzen des Nachbarlandes muss aufgeklärt werden. Doch der König ist LaCrosses Jugendfreund, und je mehr er nachbohrt, desto rätselhafter wird die Geschichte – bis der Ermittler in einem Netz aus uralten Geheimnissen, tödlichen Racheintrigen und falschen Informationen gefangen ist und Wahr heit und Lüge einander gefährlich nahe kommen. Denn auch Eddie LaCrosse hat eine dunkle Vergangenheit ...

Sonntag, 1. Januar 2012

Ausblick auf den Blog im Januar


Das war der Dezember
Mein englisches Lieblingswort im Dezember war "sizzle" (brutzeln) und das gleich aus mehreren Gründen heraus; Stichwort Weihnachten und unerfüllte Liebe.
Das Wort, das die englischsprachigen Bücher, die ich in den letzten Wochen gelesen habe am besten charakterisiert, wäre "protect" (schützen). Wer weiß, was ich gern lese, wird wissen, womit ich mir die Zeit vertrieben habe.
Der Dezember hatte zwei Hauptthemen: das Weihnachtsfest und die Ankündigung diverser Neuerscheinungen im neuen Jahr.
Und so wurden Plätzchen gebacken, Covergleichheiten bestaunt und der jeweilige Buchtrailer der Woche stand im Zeichen der Engel. Der Autorenplausch wurde von der jungen Autoren Juliette Bensch bestritten, die sich für lesbische Literatur stark gemacht hat.
Der erste Trailer zur Verfilmung des kleinen Hobbits war ebenfalls zu bestaunen. Dabei kristallisierte sich schnell eine Vorliebe für das Lied des Zwerges heraus. Ich finde ja, das er in dieser Szene einem Klingonen zum Verwechseln ähnlich sieht.
Von verschiedenen Seiten gab es Anfragen nach kleinen Jahresend-Interviews. Da hieß es in mich gehen und überlegen, was, literarisch gesehen, mein Highlight des Jahres 2011 gewesen ist. Ein herzlicher Dank an alle, die an meiner Meinung diesbezüglich interessiert waren.