Mittwoch, 10. August 2011

Der Engel mit dem Schwert - C.J. Cherryh


Titel: Der Engel mit dem Schwert
Autorin: C.J. Cherryh
Originaltitel: Angel with the Sword
Verlag: Heyne
ISBN: 3453027892
Euro: Nicht mehr im Handel erhältlich.
Veröffentlichungsdatum: 1988
Seiten: 403
Serie: Merovingen Nights
Come in: Gekauft (Antiquariat)









Inhalt

Auf einem Planeten außerhalb des Sonnensystems: Die siebzehnjährige Altair Jones verdient sich ihren Lebensunterhalt auf dem Boot ihrer Mutter in den Wasserstraßen ihrer Heimatstadt Merovingen. Der Schnapsschmuggel ist nicht lukrativ, aber sie kann davon leben und über ihr eigenes Leben bestimmen.
Eines Tages sieht sie mit an, wie ein junger Mann von den Brücken der Oberschicht geworfen wird. Sie fischt ihn unfreiwillig aus dem Wasser und pflegt ihn gesund. Von Anfang an merkt sie, dass er besseres, als das Leben einer Kanalratte, den Ärmsten der Armen, gewöhnt ist. Aber dass Thomas - Tom - Mondragon zur Oberschicht gehört und zudem in ein gefährliches politisches Intrigenspiel verwickelt ist, hätte sie nicht gedacht.
Ihr Verstand rät ihr, ihn einfach ziehen zu lassen, doch als es ihm gut genug dafür geht, hat sie sich längst in ihn verliebt. Obwohl er ihre Gefühle erwidert, versucht er ihr aus dem Weg zu gehen, um ihr Leben zu schützen. Aber Altair hat schon früh gelernt zu kämpfen und dieser Preis ist es ihr mehr als Wert.


Cover/Anhang


Das Cover stammt vom Atelier Ingrid Schütz, über das sich leider keine Informationen mehr finden lassen. Aber was auf jeden Fall erwähnt werden muss ist, dass es nicht das Originalcover darstellt und eigens für die deutsche Übersetzung angefertigt worden sein muss. Endlich ein Cover, das wie die Faust auf's Auge zum Inhalt eines Romans passt! Danke, könnte ich mir immer wieder ansehen.
Weiterhin ist das Buch mit eigenen Szene-Bildern versehen. Ich kannte dies bisher nur von Robert Jordans "Das Rad der Zeit". Sie sind stimmig, schön anzusehen und bereichern den Text.


Der Anhang, der etwa ein Drittel des Buches ausmacht, zum Verständnis jedoch nicht gelesen werden muss, enthält einige Karten, die nicht immer ganz leicht zu lesen sind. Jedoch wurden sie spektakulär und mit sehr viel Detailliebe in Szene gesetzt.
Weiterhin gibt es jede Menge Text, in dem die Geschichte des Planeten und seiner (nicht nur menschlichen) Bewohner dargelegt wird. Unterschiedliche Städte und Personengruppen werden näher beleuchtet und überhaupt gibt es jede Menge Zusatzmaterial. Hier zeigt sich, wie viel Zeit die Autorin in die Ausarbeitung der Welt und der gesamten Geschichte gesteckt hat.
Das Potential für viele weitere Geschichten in diesem Umfeld ist gegeben.

Meinung

"Der Engel mit dem Schwert" bildet den Auftakt der "Merovingen Nights", einer Serie von sieben Anthologien, die von C. J. Cherryh herausgegeben worden sind. Die Erzählungen stammen unter anderem von Lynn Abbey, Nancy Asire, Robert Lynn Asprin, Leslie Fish, Mercedes Lackey, Chris Morris, Janet Morris, Roberta Rogow und Bradley H. Sinor.
Cherryh gibt in den Romanen eine thematische Einleitung und verbindet die Erzählungen mit kurzen Textpassagen.
Merovingen Nights:
Festival Moon (1987)
Fever Season (1987)
Troubled Waters (1988)
Smuggler's Gold (1988)
Divine Right (1989)
Flood Tide (1990)
Endgame (1991)
Leider hat es keine davon in die deutsche Übersetzung geschafft.

Trotz der jungen Heldin handelt es sich bei diesem Roman um keine Geschichte für jugendliche Leser (Young Adult).
Zunächst wird, für die Enstehungszeit noch typisch, eine kurze Einleitung gegeben, die sehr geschickt auf die Heldin und ihren Alltag überleitet. Schon nach diesen wenigen Seiten wird deutlich, dass hier auf sehr hohem Niveau geschrieben wird. Es werden Bilder gezeigt, viel Atmosphäre aufgebaut und Nebensätze gebildet. Endlich wieder Details der Marke "Staub in den Ecken" ohne dabei jedoch langatmig zu werden. Etwas, das ich schon seit geraumer Zeit vermisse, als ginge es nur noch darum, schnell zum Punkt zu kommen und das in möglichst einfachen Worten, damit auch wirklich kein Leser Verständnisprobleme hat. Einige Phasen der Rechtschreibreform(en) haben sich des Phänomens ja ebenfalls angenommen - "Der Engel mit dem Schwert" stammt aus der Zeit davor.
Altair ist eine Frau mit Format. Sie trägt ihr Haar kurz, verzichtet auch mal auf Körperhygiene und kleidet sich praktisch, was allerdings auch eine Kostenfrage darstellt. Sie ist es von klein auf gewohnt, auf einem Boot zu leben, man denke nur an Flüsse in China, wo ganze Familien nie an Land gewesen sind. Ebenfalls hieß es, sich von Kindesbeinen an durchzubeißen, das Leben als Kanalratte schenkt nichts, nimmt dafür umso schneller. Mit zwölf Jahren steht sie allein und obwohl es ihr niemand zutraut, schlägt sie sich recht gut durch.
In ihren Alltag platzt nun ein junger, gutaussehender Mann, der ihr völliges Gegenteil zu sein scheint. Wo sie dunkel ist, ist er hell, wo sie keine Manieren besitzt, hat er umso mehr. Ihn an das Leben auf dem Boot zu gewöhnen, gelingt Altair nicht. Dafür macht sie ihm ein unschlagbares Angebot: Er darf ihr Liebhaber werden. Auf den Mund gefallen ist sie also auch nicht und nimmt sich, was ihr gefällt, ungeachtet, was andere dazu sagen könnten.
Obwohl sie nie eine Schule besucht hat, ist sie nicht auf den Kopf gefallen und rettet so einige Male anderen Personen das Leben. Nur die Politik und deren Intrigen will nicht in ihren Kopf. Kurz und gut: Eine Heldin, wie sie Ecken-und-Kantiger nicht sein könnte, dabei liebeswert und sehr sympathisch.
Tom bleibt zunächst etwas blass, obwohl auch er schnell ins Herz geschlossen ist. Er kann nicht viel von sich preis geben, ohne auch Altair in Gefahr zu bringen; der Leser weiß nie mehr, als das Heldenpaar.
Obwohl sie ganz anders ist, als alle Frauen, die er bisher so kannte und zudem auch eine Ecke jünger, fühlt er sich schnell zu ihr hingezogen. Das mag das einzige Manko des Romanes sein, denn es geschieht nach meinem Empfinden einfach zu zackig. Die Misstöne halten jedoch nur kurz an und verlieren sich in der spannenden Story.
Die Liebesgeschichte steht niemals im Vordergrund und läuft mehr nebenbei ab, bildet aber die Motivation, die die Handlung bedingt. Es gibt keine rosa Herzchen oder zarte Küsse. Die Gefühle werden durch Blicke und Gesten, ausgefeilte Dialoge und natürlich diverse Rettungsmanöver ausgedrückt. Sich während einer Verfolgungsjagd oder in einem Versteck nach dreckiger Flucht auch körperlich näher zu kommen, ist nicht ganz einfach. Aber Tom bringt Altair nach und nach bei, was eine Badewanne ist.
Die Handlung konzentriert sich vordergründig auf Altair, Tom ist mehr wie die Karotte vor der Nase des Pferdes. Seine Geheimnisse bringen beide in Gefahr. Der Spannungsbogen baut sich gemächlich auf, läuft aber mehr als zufriedenstellend aus. Dabei muss das, was sich alle Parteien gegenseitig verschweigen aufgedeckt werden, es gibt aber auch Kämpfe und Scharmützel am laufenden Band, so dass Actionfreunde auf ihre Kosten kommen werden. Dabei macht jedoch die Ausgewogenheit der Geschichte einen großen Reiz aus.
Obwohl der Roman als Science Fiction bezeichnet wird, wirkt das Geschehen mehr wie eine historische Geschichte in einem fiktiven Umfeld. Sowohl der Planet in seiner Historie, als auch die Gründungsgeschichte der Stadt spielen keine Rolle.
"Der Engel mit dem Schwert" (damit ist übrigens nicht Altair gemeint) stellt rundherum zufrieden, gibt eine ausgewogene, spannende Story zum Besten, eine überaus genau konzipierte Welt und in sich stimmige Charaktere, die absolut lebensecht wirken. Sehr empfehlenswert.


Caroline Janice Cherry, 1942 in St. Louis geboren, ist eine amerikanische Schriftstellerin. Sie hat seit Mitte der 1970er Jahren mehr als 50 Science-Fiction- und Fantasy-Romane sowie diverse Erzählungen geschrieben, einschließlich der Hugo-Award-Gewinner Kassandra (1979), Pells Stern (1982) und Cyteen (1989). Sie lebt im Staat Washington.

Kommentare:

  1. Mhm, das klingt echt interessant! Ich lese gern mal so ältere Bücher.
    Ich werde mal in der Bücherei danach Ausschau halten.

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  2. Oh, das klingt ja interessant. Und die Illustrationen sehen toll aus!
    Da werde ich auch mal in der Bücherei Ausschau halten. :-)

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  3. @Neptun:
    Geht mir ganz genauso. Von dieser Autorin habe ich noch mehr deutsche Bücher aufgetrieben und werde sie hoffentlich schon bald lesen können.

    @Neyasha:
    Ich mag Illustrationen in Büchern. Das Besondere hier ist, dass es trotzdem ein TB ist und nicht der Preis ins Unermessliche gestiegen ist.

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