Erstes Highlight in diesem Jahr. Ein
historisch-chinesischer Fantasyroman mit starker weiblicher Hauptfigur.
Titel: The Poet Empress: Eine Ballade von Liebe und Tod
Autorin: Shen Tao
Originaltitel: The Poet Empress
Verlag: Ullstein Jugendbuch
ISBN: 978-3690860062
Euro: 21,99
Veröffentlichungsdatum: Januar 2026
Seiten: 496
Serie: nein
Come in: vorablesen.de
Inhalt
Yin Wei, Tochter eines Reisbauern will alles
tun, um ihren kleinen Bruder vor dem Hungertod zu bewahren. Als einer der
Prinzen, Terren, gerade zum Nachfolger des Kaisers gekürt, nach einer Gemahlin
sucht, bewirbt auch sie sich. Mit einem Trick gelangt sie in den Palast und
wird gegen alle Erwartungen als Kaiserin von Terren auserwählt. Dahinter steckt
Kalkül: Der grausame Prinz misshandelt die junge Frau, die niemandem davon
erzählen kann. Und das Leben am Hofe ist riskant: konkurrierende Konkubinen,
ein Erbfolgekrieg, eine eifersüchtige Kaiserin. Nur eines kann Yin Wei erlösen:
ein magisches Herzseelengedicht. Doch Frauen ist es verboten, lesen und
schreiben zu lernen.
Meinung
Wer sich für die Lektüre dieser überaus
spannenden und emotionalen Story begeistern kann, sollte sich vor dem Lesen
klarmachen, dass es sich nicht um eine Romance handelt, sondern um einen
historisch-chinesischen Fantasyroman. Ein Happy End im klassischen Sinne gibt
es also nicht. Und dennoch wird es gerade dieses Ende sein, dass niemand so
schnell vergessen wird.
Zunächst beginnt die Geschichte mit Yin Wei,
die ihre kleine, neugeborene Schwester zu Grabe tragen muss. Eine Hungersnot
legt praktisch das ganze Land lahm, wofür die königliche Familie wenig
Verständnis aufbringt, ja, sie scheint nicht einmal davon zu wissen. Vielmehr
müssen sich die einzelnen Mitglieder damit auseinandersetzen, dass das Land
seine einstigen Gebiete verloren hat und zudem von Feinden von außerhalb
bedroht wird. Die Staatskasse ist leer und Ruhm und Ehre sind auch für einen
Kaiser nur schwerlich zu erreichen. Wer sich ein wenig in der chinesischen
Historie, besonders alles rund um den Verbotenen Palast, ein wenig auskennt,
ist klar im Vorteil. Der Kaiser hat neben seiner Kaiserin, die als gesetzliche
Ehefrau gilt, auch jede Menge Konkubinen, die ihm Söhne gebären können. Hier
gibt es insgesamt fünf, von denen der Jüngste noch ein Baby ist. Alle Prinzen
sind mit einer ihnen ganz eigenen Magie ausgestattet, die sich in ihrem neunten
Lebensjahr manifestiert. Der dritte Prinz kann Segen sprechen und Pflanzen
wachsen lassen, der erste kann Straßen und Brücken bauen. Und Terren, als
Zweitgeborener, kann über Waffen und Krieg und Kampf gebieten. Er und sein zwei
Jahre älterer Bruder standen sich einst nahe, sind sich nun aber durch das
harte Regiment des Palastes spinnefeind. Ein Bruderzwist, der durch
Erbfolgeregeln noch verschärft wurde.
Als Yin Wei nun als mögliche Konkubine mit
anderen zusammen vorgestellt wird, verübt auch prompt jemand einen Anschlag auf
Terren, dem er geschickt kontern kann. Aber es wird sofort deutlich, auf welch
gefährliches Terrain sie sich begeben hat. Auch auf sie wird es Anschläge
geben. Am gefährlichsten aber ist Terren selbst. Er misshandelt sie von erster
Stunde an. Das wird nur anfangs kurz erwähnt, auch was er sich da so ausdenkt.
Aber es geht nie ins Detail und wird später nur mit „auch an diesem Abend
quälte er mich“ zusammengefasst. Sie beschließt beinahe von Beginn an, ihn zu
töten. Denn dann, so rechnet sich die Sechzehnjährige aus, könne sie mit einem
Brautgeld zurück zu ihrer Familie gelangen. Aber wie tötet man einen so
mächtigen Mann? Sie beschließt das Unmögliche: lesen und schreiben lernen.
Durch einen Eunuchen, der sich ihre (zukünftige) Macht sicher will, ist ihr das
möglich. Er lehrt sie auch die Fallstricke des Palastes. Nichtsdestotrotz ging
das alles oft sehr schnell vonstatten. Die Zeitspanne, in der das junge Mädchen
lernt, erscheint kurz, auch wenn sie ihre Tage und damit ihre Zeit komplett für
sich verbringen kann. Da sie aber bisher keine Bildung erhalten haben dürfte, erscheinen
auch manch andere Taten und Ideen und vor allem das Durchschauen von Finten der
anderen ein wenig unglaubhaft. Allerdings würde man einer starken Figur wie ihr
durchaus zutrauen, sehr schnell zu lernen. Denn etwas anderes bleibt ihr auch
nicht übrig, ja, ihr Leben hängt davon ab.
Um das Herzseelengedicht schreiben zu können,
muss sie zudem mehr über Terren erfahren, wie er als Kind gelebt hat, was ihn prägte
und wie es zum Bruch der Brüder kam. Das eröffnet sehr schön die Lage im
Palast, die strenge Hierarchie, das ewige Lernen, die großen Erwartungen, die
an die Prinzen gekoppelt waren und sind. Es sind stets andere, die etwas über
Terren zu erzählen wissen, aber eben weil sie so individuell auf ihn blicken,
wird seine Figur so äußerst lebendig. Trügt der Schein etwa, hat er doch ein
Herz? Trotz allem, was der geneigte Leser so erfährt, habe ich stetig gehofft,
dass sie kein „Liebespaar“ werden. Der eher vernachlässigte Umgang mit den
Quälereien hat mir nicht gefallen. Er hat sie oft körperlich stark mit Messern
und anderem verletzt, sie im Schmerz liegenlassen und dann am Morgen geheilt.
Trotzdem wachsen sie irgendwie zusammen. Yin Wei beißt sich durch und widmet
sich hart dem Erreichen ihres Zieles. Am Ende kommt es Schlag auf Schlag, es
geschehen eine Menge Dinge, die ich für sehr gut gelöst halte. Es ist kaum
möglich, das Buch länger zur Seite zu legen. Einmal zugeschlagen, wird es nicht
so schnell vergessen sein.
„The Poet Empress: Eine Ballade von Liebe und
Tod“ ist kein actionreicher Roman, taucht zwar tief in menschliche Abgründe
hinein, beschreibt sie jedoch nicht detailreich. Eine starke weibliche
Protagonistin weiß ihren Weg zu gehen und wird immer wieder vor schwere
Entscheidungen gestellt. Die Handlung ist sehr auf das Innere ausgerichtet und
für Leser, die eher seichtere Stoffe suchen, sind weder sie noch der lebendige
Schreibstil geeignet. Wer in emotionale Spannung eintauchen möchte, ist jedoch
bestens beraten, einmal ins Buch hineinzusehen.
Die
chinesisch-kanadische Autorin Shen
Tao träumt seit ihrem
siebten Lebensjahr davon, Fantasy-Geschichten zu veröffentlichen. Ihre Wurzeln
liegen in Nanchang und Toronto, später zog sie nach Seattle, nahe Bergen und
Meer. Dort lebt sie mit ihrem Partner, ihrem Klavier und einer Menagerie
ausgestopfter Tiere. Wenn sie nicht als Ingenieurin arbeitet, wandert sie,
macht lange Stadtspaziergänge oder füttert die örtlichen Parkgänse.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Es ändert sich nichts am Kommentieren, nur muss jetzt dieser lange untere Absatz dabeistehen. Ich danke allen, die mir einen Gruß dalassen!
Um die Übersicht über Kommentare zu behalten und Missbrauch zu verhindern, speichert diese Webseite Name, E-Mail, Kommentar, IP-Adresse und Zeitstempel Ihres Kommentars. Sie können Ihre Kommentare später jederzeit wieder löschen. Detaillierte Informationen finden Sie unter "Datenschutz" oben unter dem Header. Wer keine Datenübertragung wünscht, hat die Möglichkeit, einen anonymisierten Kommentar zu hinterlassen. Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden.