Samstag, 16. Januar 2021

Wenn der Schläfer erwacht - H.G. Wells

Titel: Wenn der Schläfer erwacht
Autorin: H.G. Wells
Originaltitel: When the Sleeper Wakes
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423131285
Euro: 9,90
Veröffentlichungsdatum: April 2003
Seiten: 230
Serie: nein
Come in: Tausch









Inhalt
Graham, ein Engländer des späten neunzehnten Jahrhunderts, fällt nach mehreren schlaflosen Nächten in ein Koma, aus dem er erst zweihundert Jahre später wieder erwacht. In einem London, wie er es kaum wiedererkennt. Und nicht nur das: Graham ist durch geschickte Investitionen zweier Freunde zum Herrscher der Welt aufgestiegen. Sein Vermögen, bislang verwaltet von einem Rat, der damit die Welt kontrolliert hat, sichert ihm uneingeschränkte Macht zu. Doch Grahams Erwachen führt zu einer Revolution, angeführt von dem geheimnisvollen Ostrog, der seine eigenen Ziele zu verfolgen scheint. Und Graham, fest verhaftet in seinen Wertevorstellungen, kann das Elend der Arbeiterschaft nicht mitansehen – und begehrt selbst auf. Das Gefüge der Welt steht auf dem Spiel.


Meinung
Müsste man ein Werk des Autors aufzählen, wäre es vermutlich „Die Zeitmaschine“ oder „Krieg der Welten“, aber leider nicht „Wenn der Schläfer erwacht“, was schade ist, da es sich um ein sehr lesenswertes (aber manchmal etwas holprig zu lesendes), fast prophetisches Werk handelt. Die von Wells beschriebene Welt lässt kaum glauben, dass er sie noch vor dem Jahr 1900 niedergeschrieben hat, dabei gleicht sie der unseren fast vollständig. Zum einen wären da die vielen technischen Errungenschaften, die uns heute wenig spektakulär erscheinen, wie hubschrauberähnliche Fluggeräte, automatische Türen und Straßen und nicht zuletzt auch die große Schwätzmaschine, die einfach überall und allumfassend ist und der besonders die einfachen Leute stetig nachschwätzen (Parolen des Rates, wie dieser es eben gerade braucht).
Zum anderen wären gesellschaftliche Themen zu nennen – die bereits zu Wells’ Zeiten ihren Anfang nahmen. Das Land und die Dörfer sind verlassen, die Menschen drängen sich in den Städten, in denen sie in großen Klötzen beisammen leben. Die Kluft zwischen den gesellschaftlichen Schichten hat sich verbreitert. Die Arbeiter leben düster und eng, arbeiten gefährlich und unterbezahlt. Sie sind die Einzigen, die sich noch viele Kinder anschaffen. Die Mittelschicht(en) bekommen oft nur noch ein Kind und geben dieses dann ab, damit sich technische „Ammen“ um diese kümmern können. Sie selbst versuchen ihrem eintönigen Alltag Schwung zu verleihen, indem sie abends Vergnügungen jeglicher Art nachgehen. Ein privates Leben existiert kaum noch.
Und nicht zuletzt die Politik. Ein bloßer Deckmantel von Demokratie in immer mehr Parteien aufgespalten, die aber längst dem Geld des Rates (und seiner zahlreichen Mitglieder) verpflichtet sind – nicht dem Volk.
In dieser Welt zu erwachen, hält für Graham nichts Gutes bereit. Er erkennt, besser als alle, die ihrer Zeit verpflichtet sind, woran es krankt. Ungläubig verfolgt auch der Leser Erklärungen wie der Statistik rund um die Aufzucht von Kindern. Graham wird erklärt, die Kindersterblichkeit läge dank der Maschinenammen bei unter einem halben Prozent. In Grahams Zeit sei sie um ein Vielfaches höher gewesen. Das hieße also einwandfrei, dass die Betreuung durch die leibliche Mutter das Gefährlichste für ein Kind sei, was es gibt. Statistiken lügen schließlich nicht. Oder?
Natürlich bleibt Wells in vielen Dingen auch seiner Zeit verhaftet, was deutlich herauszulesen ist. Belesene können das allerdings herausfiltern. Themen wie Feminismus (Frauen verdienen ihr eigenes Geld und bekommen kaum noch Kinder) und Rassismus (inkl. eine marodierend durch die Stadt ziehende und sich für die Apartheid rächende "Negerarmee") hat Wells gut getroffen und das nicht auf eine Art, wie man es von einem Mann seiner Zeit erwarten würde.
Einer der ersten dystopischen Romane, zurecht ein Klassiker der SF, der spätere weltbekannte Autoren stark beeinflusst hat, gehört in jedem Fall gelesen.


H(erbert) G(eorge) Wells wurde am 21.9.1866 in Bromley/Kent geboren und starb am 13.8.1946 in London. Nach einer Kaufmannslehre absolvierte er ein naturwissenschaftliches Studium mit Prädikatsexamen; nach nur wenigen Jahren als Dozent lebte er als freier Schriftsteller. Sein Gesamtwerk umfaßt etwa hundert Bände. Zu Weltruhm gelangte er mit seinen Romanen und Erzählungen, die ihn als Begründer der modernen Science-fiction, als genialen phantastischen Utopisten und als kritisch-humorvollen Gesellschaftssatiriker ausweisen.

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