Donnerstag, 9. Mai 2013

(Verlagsgeplauder) Hinter dem Verlagsstand – ein paar Tage auf Tuchfühlung mit dem Leser 01


Das neue von Soleil vorgeschlagene Thema klang vielversprechend und einfach: „Schreib doch mal einen Bericht über einen Tag am Stand auf einer Veranstaltung.“
Ich wusste nicht, dass dieses Blogthema anfangs unter so einen schlechten Stern stehen sollte.

Ursprünglich hatte ich mir für diesen Beitrag eine kleine, feine Messe in Dresden im November 2012 herausgesucht – die Schriftgut. Hat auch alles super geklappt. Tolle Bilder, gute Notizen. Als wir nach der Messe wieder zu Hause ankamen, stellte ich fest, dass ich meine Notizen anscheinend verloren hatte. Mist. War leider 2012 die letzte Veranstaltung.
Dann habe ich es mir fest vorgenommen. Letztes Februarwochenende, Wien, Die andere Buchmesse Vol.4. Kurz nach dem Aufbau streikte Tinas Fotoapparat.
Ok, nächster Versuch. 09. und 10.3. DortCon 2013. Wunderschöne Veranstaltung, viel zu erzählen. Wenn nicht die eingeschlagene Fensterscheibe von unserem Lieferwagen und das gestohlene Navi gewesen wäre (mit dem danach folgenden Trouble in Punkto Polizeimeldung, Fenster verkleben und irgendwie mit kaputten Fenster und Kleinkind im Auto heil heimkommen.) Wieder nichts.

Und so handelt dieser Blogbeitrag durch eine Verknüpfung von Zufällen nicht von einer kleinen Messe, nicht von einem von ein paar Autoren organisierten Event und nicht von ambitionierten Aktiven der Phantastikszene auf die Beine gestellten Con, sondern von der wichtigsten Veranstaltung auf dem deutschen Literaturmarkt …

Der Leipziger Buchmesse 2013



Dienstag, 12.03.
Wir haben es geschafft. Tina hat am Mittag unseren Lieferwagen aus der Werkstatt bekommen. Die in Dortmund eingeschlagene Seitenscheibe ist repariert, so dass wir auf die Messe können. Ich komme 19 Uhr nach Hause, musste vor dem Urlaub auf Arbeit noch einige Dinge abschließen. Dann geht das Packen los. Kiste um Kiste, Tasche um Tasche landet im Auto. Verkaufsexemplare, das Reisebett für unsere Tochter Emily, Ansichtsexemplare, der Rucksack mit den Spielsachen, Kisten mit Dekomaterial, das Töpfchen, Rollen mit Plakaten, ein Großpack Pampers.
Dann beginnt das große Suchen. Wo ist denn der Ausstellerparkschein fürs Messegelände und unsere Ausstellerausweise? Wo ist mein Kindle mit den noch zu lesenden Geschichten der Götter-Ausschreibung? Wo der Zeitplan mit den Lesungen?
Das Telefon klingelt. Eine gute Freundin möchte schnell vorbeikommen. Sie und ihr Freund haben von unseren Unglück gehört, haben mitbekommen, dass unser Navi gestohlen wurde, wollen uns helfen. Zufällig haben sie selber zwei. Martina gibt uns das Gerät, umarmt uns und wünscht uns eine gute Messe.
Gegen 21 Uhr ist es soweit. Ich gehe ins Kinderzimmer, nehme Emily aus dem Bettchen, trage sie ins Auto und schnall sie in den Babysitz. Dann wickle ich ihre Füße in die Decke. Sie wird nicht mal wach dabei. Kennt das schon.
Tina geht durchs Haus, schließt alle Fenster, schaltet das Licht aus. Dann springt sie in den Transporter und startet. Der Scheibenwischer arbeitet auf der höchsten Stufe, kämpft gegen die Schneeflocken an. Globale Erwärmung? Dass ich nicht lache. Sieht eher aus, wie eine lokale Eiszeit – zehn Grad Minus und Glatteis.
Nicht einmal neunzig Minuten später stehen wir bei Bayreuth im ersten Stau. Noch harmlos. Nach einer Stunde sind wir durch. Fahrerwechsel.

Mittwoch, 13.03.
Wir sind immer noch unterwegs. Um 1 Uhr morgens fahre ich in den nächsten Stau. Der Staumelder faselt was von fünfzehn Kilometern, 2 LKWs und verlorener Ladung. Nichts geht mehr, alles dicht.
Gegen 3 Uhr liegen die Nerven blank. Emily ist von den Staumeldungen aufgewacht und beginnt ihr Unterhaltungsprogramm: „Alle Vögel sind schon da …“
Um 4:30 Uhr gibt der Staumelder endlich die Auflösung des Staus durch. Nur … es bewegt sich immer noch nichts. Oder doch?
5 Uhr. Da ruckt was. Langsam fahren wir los, schlängeln uns zwischen immer noch stehenden Autos vorbei. Stehende Autos auf allen drei Spuren. Die Fahrer liegen auf dem Lenkrad oder haben sich weit zurückgelehnt, verschlafen die Auflösung des Staus und sorgen damit für den nächsten. Es ist gespenstisch, hat fast was von einer Autobahnfahrt während einer Zombiecalypse.
7 Uhr. Wir sind in Delitzsch bei meinen Eltern angekommen. Frühstück mit viel, viel Kaffee. Danach geht es weiter nach Borsdorf bei Leipzig. Emily ist enttäuscht – sie muss bei den Großeltern bleiben. Normalerweise ist der Wirbelwind immer mit dabei. Opa tröstet sie und verspricht, mit ihr Enten füttern zu gehen.
Gegen 10 treffen wir bei meiner Druckerei in Borsdorf ein. Arne Kutscher von Winterwork wartet bereits mit meiner Ware auf mich. 


Die Erstauflagen von „Tarot“ und „Sanktuarium“ werden zügig ins Auto geladen, danach der Empfang quittiert. 


Die Rechnung verstaue ich in einer Kiste, in der ich in den folgenden Tagen wichtige Visitenkarten, Prospekte und Notizen verstauen werde und die ich mir sofort nach der Messe anschauen möchte. Ich bin mir sicher, dass ich die Rechnung in dieser Kiste nicht vergessen werde. Zwanzig Minuten später sitzen wir wieder im Auto und fahren Richtung Leipziger Messe.
11 Uhr. Am Ausstellertor protokolliert man Namen und Standnummer und gibt uns einen Aufbau-Parkschein. Der Stand ist schnell gefunden. Wir stehen mit unserem Stand direkt gegenüber der Leseinsel Fantasy, bekommen damit quasi das Programm frei Haus geliefert. Und schön groß ist er diesmal. Wir zweifeln für einen Augenblick, ob wir diesen Stand überhaupt vernünftig füllen können.


Dann beginnt das Ausladen und Aufstellen der Ansichtsexemplare. 


Als wir zwei Stunden später fertig sind, ist es Zeit für einen Schluck Sekt. Wir wünschen uns eine gute Messe und stoßen an. 


Beim darauffolgenden Rundgang durch die noch leere Halle treffen wir die Brandts vom Geisterspiegel und schnaken eine Weile.
Gegen 13 Uhr verlassen wir das Messegelände, fahren zu meinen Eltern, werfen uns aufs Sofa und versuchen, nach 32 Stunden auf den Beinen etwas Ruhe zu finden.
Der Abend verläuft normal, 22 Uhr fallen wir endgültig ins Bett und schlafen.


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