Samstag, 7. April 2018

Vaughan/Guerras "Y - The Last Man" als TV-Serie

Stell Dir vor, alle Lebewesen mit einem Y-Chromosom sterben von einer Sekunde zur anderen. 48% der Erdbevölkerung der Menschen sind dahin, ebenfalls alle männlichen Tiere - alle bis auf einen: Yorick Brown und sein Kapuzineräffchen Ampersand überleben.
Nach dem ersten Schock machen sich die beiden auf, um zu Yoricks Mutter zu gelangen, die im Weißen Haus arbeitet und schließlich zusammen mit einer Agentin und einer Wissenschaftlerin, um zu klären, woher die Seuche kam und ob das wirklich das Ende der Menschheit ist. Leider sind ihnen nicht alle der überlebenden Frauen gewogen, denn ein paar, die sich die "Amazonen" nennen, sehen ein Zeichen in den Vorkommnissen - und machen Jagd auf Yorick.

Was nach einer irren und genialen Geschichte klingt, ist genau das. "Ein eher ungewöhnliches Endzeitszenario, denn die Welt geht nur zur knapp der Hälfte unter, Ressourcen sind alle noch vorhanden und keine Gebäude sind eingestürzt. Die Überlebenden müssen sich zusammenraufen, das immerhin ist gleich geblieben. Und siehe da, Frauen sind auch nur Menschen, genauso korrupt, schwach oder gewaltätig wie andere eben auch", schrieb ich hier (Link) zum ersten Band der Comic-Reihe.

Bereits seit einigen Jahren ist eine TV-Serie in Planung, die bisher leider noch nicht umgesetzt werden konnte. Nun jedoch erhält das Projekt schärfere Konturen, denn FX gab einen Piloten in Auftrag, wie hier (Link) nachzulesen ist.

Y-Autor Brian K. Vaughan ist einer der kreativen Köpfe hinter den derzeit beliebtesten Serien: Saga in etwa oder Paper Girls. In der Riege darf Y-The last Man nicht fehlen. Auch von den TV-Serien Lost und Under the Dome hat man sicher bereits gehört. An dem Projekt, das sich intensiv mit dem besonderem Blick(winkel) Weiblichkeit/Frau befasst sind auch Frauen beteiligt (z.B. Melina Matsoukas als Regisseurin) - etwas, das leider nach wie vor betont werden muss.

In Deutschland ist die Comic-Serie, die von Zeichnerin Pia Guerra (Harvey und Eisner Award) bildlich umgesetzt wurde, leider ein wenig untergegangen. Dabei ist das Gedankenexperiment so unwichtig nicht: "Geschäftsführer von 495 der 500 größten Wirtschaftsunternehmen sind tot. Genauso wie 99% aller Landbesitzer der Welt. Allein in den Vereinigten Staaten von Amerika starben 95% aller Piloten, Lastwagenfahrer und Schiffskapitäne. Desgleichen 92% aller Gewaltverbrecher. 85% der Regierungsmitglieder der ganzen Welt sind tot. Ebenso 100% aller katholischen Priester, muslimischen Imame und jüdisch-orthodoxen Rabbies", heißt es im Klappentext von Band 1.
Und das ist erst der Anfang.

Es war 2015, als die Autorin Lauren Beukes in einem Interview (Link) sagte: "Ich möchte das Phantastische als eine Art Linse nutzen, um uns eine bessere Sicht auf reale Probleme zu geben, über die wir es leid sind zu reden, weil sie sich unerträglich anfühlen; es sei denn, sie werden mit einer Art verzerrendem Abstand betrachtet."
Nachdem in der letzten Zeit immer mehr Stimmen laut werden, die sich mit der (Un-)Gleichheit der Geschlechter befassen, kommt die Serie sicher genau zur richtigen Zeit. Es bleibt zu hoffen, dass sie nicht nur auf explosive Bilder oder klischeehafte Beziehungsformen (oder Sex) setzt, sondern sich auch tatsächlich aktueller Probleme annimmt.


Y - The Last Man:
1. Entmannt
2. Tage wie dieser
3. Ein kleiner Schritt
4. Offenbarungen
5. Ring der Wahrheit
6. Girl on Girl
7. Extrablatt
8. Japanische Nächte
9. Mutterland
10. Warum und weshalb


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