Zwei lesenswerte, tiefgehende Kurzgeschichten
des weltbekannten Autors von „Das letzte Einhorn“.
Titel: Ein Tanz für Emilia
Autor: Peter S. Beagle
Originaltitel: A Dance for Emilia / The Story of Kao Yu
Verlag: Wandler
ISBN: 978-3948825188
Euro: 18,95
Veröffentlichungsdatum: Mai 2025
Seiten: 120
Serie: nein
Come in: Tausch
Inhalt/Klappentext
Inhalt: Ein Tanz für Emilia (A Dance for
Emilia) Womöglich Beagles persönlichste Erzählung! Eine Geschichte über Trauer
und Verlust; zugleich eine Meditation über den Tod und das
"Loslassen" geliebter Menschen und Tiere. Die Geschichte des
gerechten Richters Kao Yu (The Story of Kao Yu) Eine Liebesgeschichte im alten
China: Stets hat Richter Kao Yu Recht gesprochen und die Verbrecher ihrer
gerechten Strafe zugeführt. Eines Tages jedoch passiert es: Der Richter
verliebt sich in die Angeklagte und droht sich selbst zu verlieren. Doch es
gibt da ein mythisches Wesen, welches ihm zu Hilfe kommt ...
Meinung
Auf Hundertzwanzig Seiten sind zwei
Kurzgeschichten des bekannten Autors Peter S. Beagle enthalten. Das Büchlein
ist sehenswert aufgemacht: Geschmackvolle Cover für beide Storys, Innenteil Umschlag
bunt bedruckt, gut zu lesende Schrift. Allein die Klappenbroschur bei so
wenigen Seiten ist weniger geeignet.
„Ein
Tanz für Emilia“: Jacob und Sam sind zusammen auf die
Highschool gegangen und Freunde fürs Leben. Sie haben immer Kontakt gehalten, die
Höhen und Tiefen des Lebens miteinander geteilt. Doch dann stirbt Sam
überraschend – und viel zu früh, noch kaum das Rentenalter erreicht, das beide
schon miteinander geplant hatten. Mit seiner Trauer überlastet und als Nachlassverwalter
eingesetzt, nimmt Jacob Kontakt mit Sams neuer Liebe auf, der viel jüngeren
Emilia. Beide stellen fest, dass Sams uralter Kater plötzlich zu tanzen beginnt
– wie Sam es immer getan hat. Als das Tier anfängt zu sprechen, müssen sich
beide ihrer Trauer stellen.
Eine berührende Geschichte, in der kein
einziges Wort fehlt. Sie erzählt im ersten Teil davon, wie die beiden Freunde
sich kennenlernen, wie sie Kontakt hielten, wie sie kein perfektes Leben lebten
und dennoch immer weitermachten. Sie waren sich nah und halfen sich bei den
Höhen und Tiefen. Als sein bester Freund stirbt, wirbeln die Gefühle in Jacob
durcheinander, was Beagle mit fein nuanciert gesetzten Worten zu unterstreichen
weiß. Kein großes Tamtam, sondern feinfühlig und mittendrin. Emilia und er
halten auch nach der Beerdigung Kontakt, immer vereint im Wissen, dass es so
etwas wie die Wiedergeburt gibt. Aber wo und wie mag Sam wiederauftauchen? Und
was sagt das über das eigene Verarbeiten? Manchmal gibt es gefühlte kleinere
Längen beim Lesen, aber der letzte Teil ist kaum aus der Hand zu legen.
„Die Versuchung des gerechten Richters Kao Yu“ ist eine relativ neue Fantasy-Kurzgeschichte aus dem 2016. Sie ist unter diesem Link im Original zu lesen: The Story of Kao Yu.
Der Autor sagt über sie, dass er seit Jahren
von asiatischen Ländern fasziniert ist, besonders ihrem Mythen- und
Märchenschatz. Diese Story sei eine respektvolle Imitation des Stils einer
vergangenen Zeit.
Der reisende, in die Jahre gekommene Richter
Kao Yu im antiken China, begleitet von drei Dienern, spricht oft harte, aber
immer sehr gerechte Urteile. Sogar ein Quilin, ein chinesisches Einhorn, steht
ihm oft zur Seite und wirkt eigene Gerechtigkeit. Als er eines Tages über eine
junge, sehr hübsche Taschendiebin urteilen soll, ist er von ihr so angetan,
dass er sein inneres Maß verliert. Er kann sie nicht vergessen und seine drei
Diener sorgen dafür, dass sie sich wiedersehen. Doch sie hat keine ehrlichen
Absichten. Kao Yu muss mit sich und seiner Entscheidung hadern – bis er
unerwartet erneut Recht über sie sprechen soll. Aber kann er das überhaupt
noch?
Obwohl die Story wohldurchdacht und gut
geschrieben wurde, wirkt sie ein bisschen austauschbar. Das Setting „China“
kommt leider nicht zur Geltung und so könnte das Geschehen überall in der
antiken Welt spielen. Aber vielleicht ist es auch genau das, was sie so
mitfühlend macht. Nicht außer Acht zu lassen ist, dass ein älterer Herr über
einen älteren Herrn schreibt, was deutlich herauszulesen ist. Wer damit leben
kann, sollte dennoch zugreifen – auch junge (hübsche) Frauen. Allein wegen des
„Einhorns“ zuzugreifen, ist wenig empfehlenswert, es wird nur latent
beschrieben und dient mehr als Mittel zum Zweck.
Beide Kurzgeschichten sind gut und schnell
gelesen, sie besitzen Tiefgang und sollten im gut sortierten (Fantasy-)Regal
nicht fehlen.
Peter
S. Beagle, geboren
1939 in Manhattan, gehört zu den größten Fantasyautoren unserer Zeit. Sein
größter Erfolg war der Roman Das letzte Einhorn, die Grundlage für den
Welterfolg des gleichnamigen Zeichentrickfilms. Für seine Werke wurde er mit
zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hugo Award, dem Nebula
Award und dem World Fantasy Award für sein Lebenswerk. Er lebt in Kalifornien.

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