Donnerstag, 12. März 2026

Ein Tanz für Emilia - Peter S. Beagle

 

Zwei lesenswerte, tiefgehende Kurzgeschichten des weltbekannten Autors von „Das letzte Einhorn“.


Titel: Ein Tanz für Emilia
Autor: Peter S. Beagle
Originaltitel: A Dance for Emilia / The Story of Kao Yu
Verlag: ‎Wandler
ISBN: 978-3948825188
Euro: 18,95
Veröffentlichungsdatum: Mai 2025
Seiten: 120
Serie: nein
Come in: Tausch

 

 

 

Inhalt/Klappentext
Inhalt: Ein Tanz für Emilia (A Dance for Emilia) Womöglich Beagles persönlichste Erzählung! Eine Geschichte über Trauer und Verlust; zugleich eine Meditation über den Tod und das "Loslassen" geliebter Menschen und Tiere. Die Geschichte des gerechten Richters Kao Yu (The Story of Kao Yu) Eine Liebesgeschichte im alten China: Stets hat Richter Kao Yu Recht gesprochen und die Verbrecher ihrer gerechten Strafe zugeführt. Eines Tages jedoch passiert es: Der Richter verliebt sich in die Angeklagte und droht sich selbst zu verlieren. Doch es gibt da ein mythisches Wesen, welches ihm zu Hilfe kommt ...

  

Meinung
Auf Hundertzwanzig Seiten sind zwei Kurzgeschichten des bekannten Autors Peter S. Beagle enthalten. Das Büchlein ist sehenswert aufgemacht: Geschmackvolle Cover für beide Storys, Innenteil Umschlag bunt bedruckt, gut zu lesende Schrift. Allein die Klappenbroschur bei so wenigen Seiten ist weniger geeignet.

„Ein Tanz für Emilia“: Jacob und Sam sind zusammen auf die Highschool gegangen und Freunde fürs Leben. Sie haben immer Kontakt gehalten, die Höhen und Tiefen des Lebens miteinander geteilt. Doch dann stirbt Sam überraschend – und viel zu früh, noch kaum das Rentenalter erreicht, das beide schon miteinander geplant hatten. Mit seiner Trauer überlastet und als Nachlassverwalter eingesetzt, nimmt Jacob Kontakt mit Sams neuer Liebe auf, der viel jüngeren Emilia. Beide stellen fest, dass Sams uralter Kater plötzlich zu tanzen beginnt – wie Sam es immer getan hat. Als das Tier anfängt zu sprechen, müssen sich beide ihrer Trauer stellen.

Eine berührende Geschichte, in der kein einziges Wort fehlt. Sie erzählt im ersten Teil davon, wie die beiden Freunde sich kennenlernen, wie sie Kontakt hielten, wie sie kein perfektes Leben lebten und dennoch immer weitermachten. Sie waren sich nah und halfen sich bei den Höhen und Tiefen. Als sein bester Freund stirbt, wirbeln die Gefühle in Jacob durcheinander, was Beagle mit fein nuanciert gesetzten Worten zu unterstreichen weiß. Kein großes Tamtam, sondern feinfühlig und mittendrin. Emilia und er halten auch nach der Beerdigung Kontakt, immer vereint im Wissen, dass es so etwas wie die Wiedergeburt gibt. Aber wo und wie mag Sam wiederauftauchen? Und was sagt das über das eigene Verarbeiten? Manchmal gibt es gefühlte kleinere Längen beim Lesen, aber der letzte Teil ist kaum aus der Hand zu legen.

„Die Versuchung des gerechten Richters Kao Yu“ ist eine relativ neue Fantasy-Kurzgeschichte aus dem 2016. Sie ist unter diesem Link im Original zu lesen: The Story of Kao Yu.

Der Autor sagt über sie, dass er seit Jahren von asiatischen Ländern fasziniert ist, besonders ihrem Mythen- und Märchenschatz. Diese Story sei eine respektvolle Imitation des Stils einer vergangenen Zeit.

Der reisende, in die Jahre gekommene Richter Kao Yu im antiken China, begleitet von drei Dienern, spricht oft harte, aber immer sehr gerechte Urteile. Sogar ein Quilin, ein chinesisches Einhorn, steht ihm oft zur Seite und wirkt eigene Gerechtigkeit. Als er eines Tages über eine junge, sehr hübsche Taschendiebin urteilen soll, ist er von ihr so angetan, dass er sein inneres Maß verliert. Er kann sie nicht vergessen und seine drei Diener sorgen dafür, dass sie sich wiedersehen. Doch sie hat keine ehrlichen Absichten. Kao Yu muss mit sich und seiner Entscheidung hadern – bis er unerwartet erneut Recht über sie sprechen soll. Aber kann er das überhaupt noch?

Obwohl die Story wohldurchdacht und gut geschrieben wurde, wirkt sie ein bisschen austauschbar. Das Setting „China“ kommt leider nicht zur Geltung und so könnte das Geschehen überall in der antiken Welt spielen. Aber vielleicht ist es auch genau das, was sie so mitfühlend macht. Nicht außer Acht zu lassen ist, dass ein älterer Herr über einen älteren Herrn schreibt, was deutlich herauszulesen ist. Wer damit leben kann, sollte dennoch zugreifen – auch junge (hübsche) Frauen. Allein wegen des „Einhorns“ zuzugreifen, ist wenig empfehlenswert, es wird nur latent beschrieben und dient mehr als Mittel zum Zweck.

Beide Kurzgeschichten sind gut und schnell gelesen, sie besitzen Tiefgang und sollten im gut sortierten (Fantasy-)Regal nicht fehlen.

 

 

Peter S. Beagle, geboren 1939 in Manhattan, gehört zu den größten Fantasyautoren unserer Zeit. Sein größter Erfolg war der Roman Das letzte Einhorn, die Grundlage für den Welterfolg des gleichnamigen Zeichentrickfilms. Für seine Werke wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hugo Award, dem Nebula Award und dem World Fantasy Award für sein Lebenswerk. Er lebt in Kalifornien.

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