Dienstag, 13. Februar 2018

Wonder Woman - Kriegerin der Amazonen - Leigh Bardugo

Titel: Wonder Woman - Kriegerin der Amazonen
Autorin: Leigh Bardugo
Originaltitel: Wonder Woman: Warbringer
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423761970
Euro: 18,95
Veröffentlichungsdatum: Februar 2018
Seiten: 448
Keine Serie
Come in: Vom Verlag






Inhalt

Diana, Tochter der Amazonenkönigin, hadert mit ihrer Herkunft; kein heldenhafter Kriegerinnentod hat sie zur Amazone gemacht, sie wurde aus Ton geformt und von Zeus zum Leben erweckt. Das junge Mädchen versucht, sich ihres Platzes in der Amazonengesellschaft würdig zu erweisen. Als sie bei einem Wettlauf ein sinkendes Schiff vor der Küste der Insel entdeckt, rettet sie gegen das Gesetz das Leben der jungen Alia. Diese stammt aus dem New York der aktuellen Zeit und bringt alle durch ihre Anwesenheit in Gefahr. Diana erfährt vom Orakel, dass Alia zudem eine Kriegsbringerin ist, da in ihren Adern das Blut von Helena von Troja fließt. Nur wenn sie in der heiligen Quelle badet, kann ihre schreckliche Macht für alle Generationen gebrochen werden. Doch die Zeit läuft und es gibt jene, die sich den beiden entgegenstellen.



Meinung

Der Roman ist für junge Leser zwischen zehn und dreizehn Jahren gedacht, aber auch mit diesem Wissen kann er leider nur als plump bezeichnet werden. Dabei sind alle Anlagen vorhanden, eine spannende, abwechslungsreiche und auf vielfältige Weise emotionale Story zu garantieren, bei der sogar noch eine Botschaft zwischen den Zeilen erzählt werden könnte. Leider ist die Umsetzung reichlich oberflächlich und irgendwie hölzern ausgefallen, so dass es überdies einiges Stehvermögen braucht, um durch die vielen Seiten zu kommen.
Schon zu Beginn fehlen Erklärungen, es werden Dinge genannt, aber nicht näher ausgeführt. Nicht nur in Anbetracht der jüngeren Zielgruppe macht das wenig Sinn, wer nämlich nicht in Mythologie und Historie bewandert ist und/oder auch nicht die Verfilmung von 2017 kennt, muss sich ein bisschen durchraten. Wie genau die Amazonengesellschaft funktioniert, wird leider nicht gezeigt, es folgen auch keine weiteren Ausführungen. Da Diana aber schnell mit Alia entschwindet, war das vermutlich auch so gedacht. Bereits hier wird deutlich, dass die Atmosphäre der Geschichte leidet, denn es gibt kaum Beschreibungen und Emotionen fehlen leider komplett. Alias Schiff ist gesunken, sie nennt mehrere der Ertrunkenen mit Namen, kennt diese offensichtlich schon eine Weile. Eindruck macht es indes nicht auf sie. Auch als die Amazonen aufgrund Alias Anwesenheit auf der Insel erkranken und Diana herausfindet weshalb, bleibt völlig undurchsichtig, was sie fühlt. Erdbeben und Weissagungen hinterlassen keinen Eindruck, das Geschehen spitzt sich leider nicht spürbar zu.
In New York angekommen, erleidet Diana erst einmal etwas wie einen Kulturschock. Zwar hat sie über viele moderne Dinge gelesen, sie aber nie zuvor zu Gesicht bekommen. Steckt sie unbeeindruckt weg. Nachdem Alias Bruder Jason beide aufgestöbert hat und sich herausstellt, dass sie aus einer sehr vermögenden Familie stammen, beginnt der Teil der Geschichte, den ich bereits befürchtet hatte. Obwohl die beiden Mädchen eine wichtige Angelegenheit zu regeln haben, setzen sie sich mit dieser nicht weiter auseinander. Es wird vielmehr ein weiteres Mädchen dazugeholt, das beide für eine wichtige Party der Familie ausstaffiert und zurechtmacht. Auch wenn es einige Bemühungen gegeben hat, das anders darzustellen, werden beide auf ihr Aussehen reduziert, erhalten allein dafür stetig Komplimente. Die Autorin hat versucht dies ein wenig zu relativieren, indem Alia große naturwissenschaftliche Kenntnisse mit auf den Weg bekommen hat. Allein, es ändert nichts.
Es vergeht so ein Großteil der Story, weit über die Hälfte hinaus, bis sich Diana und Alia überhaupt erst auf den Weg zu ihrem wahren Ziel machen, im Hintergrund immer "in Zeitnot". Alias Bruder und zwei Freunde sind mit dabei. Es folgt der nächste Schwall Banalitäten, bei denen es darum geht, wer wen anziehend findet und warum.
Erst das Ende vermag es, mit dem langen uninteressanten Vorgeplänkel auszusöhnen, aber es erfolgt nun zu rasant und läuft auch zu schnell ab.
Leider ist es der Autorin nicht gelungen, die Figuren wirklich lebendig zu gestalten, gerade Diana kommt deutlich zu kurz. Bis auf ihre Sorge, niemals eine richtige Amazone zu werden, erhält sie keine weiteren Charakteristika, die sie etwas lebensechter gestaltet hätten. Sie tritt sogar sehr oft unverdient in den Hintergrund. Ihre kleinen Slapstickeinlagen in Dialogform, wenn sie etwas an der modernen Welt missversteht, erwähne ich hier schon gar nicht mehr.
An "Wonder Woman - Kriegerin der Amazonen" ist leider alles zu kurz gekommen und ich möchte davon abraten, solche Geschichten (auch siehe "Grisha") heranwachsenden Mädchen (und Jungen) in die Hand zu drücken.


Leigh Bardugo wurde 1975 in Jerusalem geboren und wuchs in Los Angeles auf. Sie studierte an der Yale University. Wenn sie nicht schreibt, arbeitet sie als Make-up-Artist. Ihre Grischa-Trilogie schaffte es sofort auf die Bestsellerlisten und wurde in zwanzig Länder verkauft.

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