Dienstag, 5. Dezember 2017

Goldene Flammen (Grisha 01) - Leigh Bardugo

Titel: Goldene Flammen
Autorin: Leigh Bardugo
Originaltitel: Shadow and Bone
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3551313263
Euro: 7,99
Veröffentlichungsdatum: Juli 2014
Seiten: 352
Serie: Grisha 01
Come in: Kauf









Inhalt

Alina Starkowa ist eine Waise, die das Glück hat, an einem Hof mit anderen Waisen aufgezogen zu werden. Dabei ist Maljen ihr bester Freund. Als eines Tages die Grisha kommen, eine mächtige Magierkaste, um beide zu testen, werden die Kinder als Normalos zurückgelassen. Jahre später ist Alina eine Kartografin und zieht mit einem Heer herum, in dem sich auch Maljen, ein begabter Fährtenleser, befindet. Zu einem attraktiven Mann herangewachsen, weiß Maljen nicht, dass seine Jugenfreundin Alina heimlich in ihn verliebt ist.
Als die beiden mit der Armee in der düsteren Ödsee von noch düsteren Wesen angegriffen werden, rettet Alina auf seltsame Art und Weise ihrer beider Leben und zieht so die Aufmerksamkeit der Grisha auf sich. Es stellt sich heraus, dass auch sie eine Grisha, die Sonnenkriegerin, ist und man zwingt sie an den Zarenpalast. Der Dunkle, der Führer der Grisha, nimmt sich ihrer an und lässt sie ihrer Bestimmung gemäß ausbilden. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse und Alina muss fliehen, um die Welt zu retten.


Meinung

Nachdem Leigh Bardugos Werk und dessen Nachfolger in vieler Lesermunde ist und zudem aufgrund des russischen Flairs "mal etwas anderes sei", war ich so neugierig, dass ich zugriff. Allerdings ist die Geschichte so trivial und vorhersehbar, dass sie leider nicht empfehlenswert ist.
Bereits in der Danksagung wird deutlich, dass der geneigte Leser nicht zu viel erwarten sollte, denn die Autorin gibt preis, dass sich ihr Wissen über die russische Kultur aus ganzen drei Büchern speist, die sie gelesen hat. Die Umsetzung ist dementsprechend ausgefallen. Würden Namen und Begriffe gegen deutsch oder englisch klingende ausgetauscht, würde absolut gar nichts übrig bleiben. Ärgerlich ist zudem, dass die Autorin zwar Dinge benennt, diese aber nicht erklärt. In etwa kleiden sich die Grisha in Keftas, die je nach Zugehörigkeit farblich gestaltet wurden. Aber was genau eine Kefta ist, erfährt man bis zum Ende nicht. Sicher, es ist ein Kleidungsstück, aber ist es ein Hemd, eine Weste, eine Art Jacke? Wer das nicht weiß, hat leider Pech gehabt. Bardugo hält sich leider generell nicht lange mit Beschreibungen auf, die eventuell anderweitig noch für Atmosphäre oder Flair gesorgt hätten. Das meiste wird namentlich erwähnt und dann schlicht übergangen.
Vorgetäuscht sind darüber hinaus auch Ortsnamen wie "Nowokribirsk", die so konstruiert sind, dass sich nur noch mit den Augen rollen lässt.
Alina ist eine graue Maus ohne nennenswerte Fähigkeiten, wie sie auch selbst zugibt. Die gesamte Handlung über tut sie nie etwas aus eigenem Antrieb, sondern wird wie ein Fähnchen im Wind hin und her getrieben - je nach Lage fügt sie sich auch brav ein. Dabei hat sie auch jedes Mal sehr viel Glück, denn sie trifft immer jene, die ihr Gutes tun, auch über eigentliche Befehle hinaus. So kommt es leider, dass Alina nie vor eine wirkliche Herausforderung gestellt wird, an der sie wie auch immer wachsen könnte.
Die Ausbildung wirkt verkrampft wie alles andere, denn wirklich beschrieben wird nichts, es wird nur benannt, aber nie richtig gezeigt. Wie die gesamte Welt ist es so leider ebenfalls unmöglich, die Grishas, in deren Mitte Alina nun lebt, näher kennenzulernen, sie einfach fassbarer zu machen.
Der Dunkle wird bereits bei seinem ersten körperlichen Auftreten als junger Mann, kaum älter als Alina, vorgestellt, ist aber wohlgemerkt an Jahren sehr viel älter. So aufgesetzt wie der Rest ist auch bereits dieser Satz, denn was kommt, ist nicht schwer zu erraten. Der Kuss erfolgt dann aber so plötzlich, dass sich kaum erschließen lässt, weshalb es ihn überhaupt gibt, keine Mimik oder Gestik hat je daraufhingewiesen. Das ist überhaupt etwas, das erwähnenswert ist, denn die Charaktere sind so klischeehaft in ihrer ebenfalls klischeehaften Umgebung angelegt, dass sie keine Möglichkeit haben, aus sich selbst hervorzutreten. Bereits "der Dunkle" verrät es, ebenso wie die (wahrscheinliche) Bedeutung des Namens "Maljen". Das hat eine sehr hervorsehbare Handlung zur folge, die es kaum vermag, Überraschungen oder Spannung zu bieten. Es braucht mitunter sogar einiges Stehvermögen, um bei der Sache zu bleiben.
Am Hof nun, an dem Alina ausgebildet werden soll, bekommt sie eine Helferin zur Seite gestellt, mit der sie sich oberflächlich ein wenig anfreundet. Diese ist für die äußere Gestaltung der Zarin verantwortlich, denn mithilfe der magischen Fähigkeiten kann auch das Äußere eines Menschen verändert werden. Das ist auch gleich das erste, was an Alina bewerkstelligt wird, schließlich kann niemand mit ihren Kräften so normal aussehen, wie sie es nun einmal tut. Ihr Haar wird glänzender und die "Make-up-Artist"-Grisha verändert auch hier so einiges, was in mehr Seiten ausgebreitet wird, als nötig. Ab diesem Zeitpunkt beginnen eben auch die jungen Männer auf sie aufmerksam zu werden. Der Dunkle natürlich auch wegen ihren Fähigkeiten, aber Maljen, der berüchtigte Schürzenjäger, entdeckt, dass er Alina schon immer geliebt hat ... just, als diese von einem anderen geküsst wird.
Die Einfachheit der Story ist mehr als nur ärgerlich, die Umsetzung noch viel mehr. Kein Tiefgang, leblose Charaktere durchweg, unlogische Handlungsweisen der Klischeefiguren, ein Frauenbild zum weglaufen ... Fazit: Vertraue nie einem Coverkäufer. Ach und: Finger weg!

Grisha
1. Shadow and Bone (Goldene Flammen)
2. Siege an Storm (Eisige Wellen)
3. Ruin and Rising (Lodernde Schwingen)


Leigh Bardugo wurde 1975 in Jerusalem geboren und wuchs in Los Angeles auf. Sie studierte an der Yale University. Wenn sie nicht schreibt, arbeitet sie als Make-up-Artist. Ihre Grischa-Trilogie schaffte es sofort auf die Bestsellerlisten und wurde in zwanzig Länder verkauft.

Kommentare:

  1. Ging mir mit GRISHA 1 genau so wie dir --- aber ich muss sagen, DAS LIED DER KRÄHEN ist Hammergut und stilistisch und inhaltlich und Charakterdevelopment-technisch kein Vergleich zu Bardugos Debüt. Absolut ein Highlight. Also die Autorin nicht aufgeben!

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    1. Hi, schön, dass Du mal wieder reinschaust.
      Sieh an :) Aber nein, ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich jemand so sehr um 180 Grad dreht. Zumal das Krähenlied ja auch wieder so ein Hypebuch und zudem nicht ganz preiswert ist. Bin bei ihr also raus. Aber es gibt ja noch genug anderen Lesestoff ;-)

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    2. Ich schaue sehr oft bei dir rein (und hab auch den Feed im Abo), aber kommentier nicht so oft.
      Vertehe, dass du mit den KRÄHEN vorsichtig bist und es nicht eilig hast, aber ich hoffe dennoch sehr, dass du irgendwann mal reinliest, weil a) es wirklich gut ist und b) ich gespannt bin, ob du das mit der immensen Verbesserung auch so siehst wie ich. Und a, für mich hat sie sich um 180 Grad gedreht. Aber sowas von.

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    3. Geht mir anders herum leider genauso, aber vielleicht lässt sich das ja ändern :)
      Ich habe über die Feiertage Wonderwoman gelesen und nein, ich denke nicht, dass ich mich geirrt habe, das gefiel mir nämlich auch nicht. Um noch ein drittes Buch von ihr zu lesen, braucht es dann schon einige Überredungskunst ;-)

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  2. Leigh Bardugo ist ja derzeit wirklich in aller Munde, da "Six of Crows" von allen so bejubelt wird. Ich war mir bislang nicht sicher, ob der Roman was für mich wäre, da mich die Thematik nicht so anspricht (und ich auch immer wieder Vergleiche mit "The Lies of Locke Lamora" gelesen habe, das mir ja gar nicht gefallen hat). Deine Rezension bestärkt mich jetzt eher in der Annahme, dass ich von der Autorin nicht unbedingt was lesen muss.

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    1. Das neue Buch soll ja in der gleichen Welt spielen... wirklich etwas dazu sagen kann ich aber leider nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das keine innere Einstellung des Autors ist ... erst neulich habe ich erschrocken gesehen, dass die Autorin auch dieses "Wonder Woman" Buch geschrieben hat, das demnächst erscheinen wird. Da wäre ich nie drauf gekommen - und es ist schon unterwegs zu mir. Ich gebe ihr also unabsichtlich noch eine Chance. Hoffentlich wird das was, denn es ist zusätzlich für Kinderhände gedacht ... Vom obigen TB ist übrigens nie Teil 3 erschienen.

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    2. Also, den Vergleich mit den LIES OF LOCKE LAMORA finde ich nicht ganz angebracht, weil stilistisch ganz anders. Die LIES waren auch nicht meins, leider.

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    3. Die Lies liegen hier noch ungelesen herum, es klingt interessant, dass es Leser gibt, die beide Bücher vergleichen. Ein Grund, es mal etwas nach oben zu holen und vielleicht schon bald zu lesen. Vermutlich nur anlesen, aber das wird man dann sehen. :)

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  3. PS: Sorry, vergessen. Ich habe gestern den zweiten Teil von Amani ausgelesen und war wirklich angetan davon, besser als der Vorgänger und den mochte ich bereits sehr. Wenn es also ein Jugendbuch sein soll und Du Dich mit Wüste anfreuden kannst, schau doch mal in die Leseprobe. ;-)

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