Samstag, 31. Dezember 2016

Der literarische Rückblick 2016

Der literarische Rückblick (Klick):


2015 hat es gar keinen literarischen (Blog-)Rückblick gegeben. Zum einen war ich extrem mit Arbeit ausgelastet und zum anderen wusste ich noch nicht, ob es den Blog 2016 noch geben würde. Das hat sich lange Zeit auch im Blog gezeigt, denn ich war reichlich unentschlossen und wankelmütig. Nicht nur, dass ich mit dem Design sehr unzufrieden war, aber kaum dazu kam, das Problem anzugehen, auch fehlte mir die straffe Linie, der rote Faden im Content. Erst gegen Ende des Jahres hatte ich mich dann soweit gefangen, dass ich es nicht mehr nur laufen ließ, sondern wieder aktiv am Blog und dem Leben darum teilnahm.
Nicht zuletzt hat sich auch so viel in meinem Leben getan, dass ich glaubte, ich könnte, ja ich dürfe mich nicht mehr zum Blog äußern, weil ich ja garantiert kein Blogger im Grundtenor sei. Inzwischen weiß ich aber, dass es eine Menge Blogger gibt, die rundherum im Buchgeschäft arbeiten, entweder selbst Lektoren sind oder Buchhändler oder zumindest im Studium, um einmal einen Buchjob zu ergattern. Liegt ja auch irgendwie nahe ...


2016. Die meiste Zeit, das gebe ich offen zu, habe ich vor dem PC gesessen. Ein Brotjob, der das bedingt und ein zweites Riesenprojekt, das sich sogar als größer herausgestellt hat, als ich es zunächst vermutet hatte. Die Freizeit kam da deutlich zu kurz und es hat lange, sehr lange gedauert, das alles unter einen Hut zu bringen. Was ich gelernt habe, ist, dass Rückzugsorte und "Feierabend" enorm wichtig sind und diese freien Zeiten unbedingt in den Tagesplan hineingehören, sonst geht man am Ende kaputt. Sich das aber zu organisieren will gelernt sein, es gab Zeiten, da sah mein Haushalt aus wie "unterm Sofa", die Wäsche stapelte sich und ich hatte nicht mal etwas Essbares im Haus. Familien- oder Freundesfeiern kamen da so extrem kurz, dass ich die ein oder andere Standpauke über mich ergehen lassen musste. Letztendlich waren es aber auch genau diese Leute, die mich in allem unterstützt haben und dafür sorgten, dass ich wieder Land gesehen habe.
Gelesen habe ich in dieser Zeit viel, dafür bin ich schließlich bezahlt worden, nur eigenes Lesen gab es kaum. Selbst wenn ich hier und da mal ein Minütchen fand, in etwa im Wartezimmer beim Arzt, waren es mehr halbe Studien. Anfang 2016 sind vermutlich die vielen Jugendromane aufgefallen, die oft als Bestseller gelten. Nicht alle konnten mich überzeugen, wenn ich auch die Muster verstanden habe, nach denen sie funktionieren. Entsetzt war ich vor allen Dingen vom Frauenbild, das ja so schon in ganz junge Hände gelangt. Auch wie ich diese Zeilen schreibe, lese ich ein Buch, das in einem bekannten Jugendverlag im Januar erscheinen wird und bei dem die Filmrechte bereits verkauft wurden. Ja, die Charaktere sehen alle blendend aus, leiden vor sich hin, rebellieren, und leben derweil in - einem Bordell. Der Prota wird zwar gesagt, sie müsse dort nicht mitarbeiten, aber unterschwellig schwingt immer ein "stell dich nicht so an" mit. Ich weiß noch nicht, ob sie es tun wird, immerhin wird ja eigentlich auch auf Jungfräulichkeit wieder vermehrt Wert gelegt. Ich bin über so einige Bücher gestolpert, bei denen das Geschehen ähnlich angelegt ist.
Ich habe dann versucht gegenzusteuern und einige Romane zu lesen und vorzustellen, in denen es anders ist. Entsetzt musste ich jedoch feststellen, dass diese als "langweilig" und "nicht mein Fall" abgetan wurden, während die anderen weiter gehypt wurden. Noch habe ich den Grund nicht herausgefunden, hoffe aber, dass es nicht daran liegt, dass YA schlicht einfacher aufgebaut ist und mehr Klischees bedient.

Ein wirkliches Jahreshighlight kann ich nicht benennen, aber es gab einige gute Storys und auch solche, bei denen es mal anders funktioniert hat, was bei einem belesenen Menschen und/oder Vielleser ja schon viel ausmachen kann.
Sehr interessant für mich und auch die Besucher des Blogs waren die Posts zu Malbüchern, die mitunter fast fünfstellig angeklickt wurden. Als ich selbst nach ähnlichen Posts suchte, fiel mir auf, dass es nur wenige davon gibt. Malen scheint ja wieder in zu sein und langweilig auf keinen Fall. In den Neuerscheinungen 2017 vieler Verlage sind Malbücher zu Romanen zu finden, dabei einige sehr bekannte Autorennamen des phantastischen Genres. Ist das eigentlich nur was für Mädchen oder trauen sich auch Jungs heran?
Nach Klickzahlen fanden vor allem die Neuerscheinungsposts Interesse, gefolgt von den Ausblicken und, für mich überraschend, alles was mit Science Fiction zu tun hat. Vor allem das russische Magazin Esli fand in seiner Vorstellung viele Leser (die jedoch nicht alle aus Deutschland kamen). Themen zu Büchern, also was einzeln erscheinen wird, welche Serie eingestellt wurde oder neu übersetzt wird, etc. waren ebenfalls von großem Interesse. Oft bin ich selbst ganz zufällig drübergestolpert und immer dankbar dafür, wenn ich auf so etwas hingewiesen werde.

Es gab weniger Autorenpläusche, aber immerhin doch ein paar. Das waren oft Autoren oder Verlage, die sich selbst bei mir gemeldet hatten, denn mir hat einfach die Zeit gefehlt, um da großartig aktiv zu werden. Mir fiel auf, dass es kaum Interesse gab, mich bzw. den entsprechenden Beitrag in den eigenen Social Media Kanälen zu teilen, was bei anderen aber wunderbar funktionierte. Woran das liegt, kann ich leider nicht benennen. Seltsam auch, dass es Anfragen gab, manchmal sogar von Verlegern selbst und ich dann nichts mehr hörte, auch nicht auf eigene Nachfragen. Nun zwinge ich ja sicher keinen, aber erst anfragen und dann nichts mehr? Das erschien mir schon seltsam.
Dahingehend war ich auch deswegen verwirrt, weil ich inzwischen weiß, wie schwer es ist, sich mit eigenen Werken (ob als Autor oder Verleger) an andere zu wenden. Nicht nur, dass man die meiste Zeit nur eine Preisliste unter die Nase gerieben bekommt, oft antworten die Leute gar nicht oder werden gar noch unverschämt. Ich stellte mir irgendwann gar nicht mehr die Frage, ob sich alle Social Media Agenten ein dickes Fell zulegen müssen oder nur die, die in kleineren Verlagen arbeiten und/oder keine zwanzig Euronen plus Printbücher anbieten können, die sich danach noch prima weiterverkaufen lassen.
Zudem mehrten sich dann Posts, in denen Blogger davon sprachen, sie seien ach so genervt und viel zu beansprucht von der Flut an Mails und fänden genau das eine Zumutung. Das ging übrigens einher mit Veranstaltungen, auf denen eben jenen Bloggern eingeredet wurde, dass sie sich nicht umsonst hergeben sollten.
Ich war entsetzt davon! Wer sich bei mir etwas umsieht, wird feststellen, dass ich immer versucht habe, anderen Raum zu geben, sei es durch eine Rezension, einen Autorenplausch oder sonstwie. Warum sollte ich mich gestört fühlen? Warum sollte ich nicht allen die gleichen Chancen einräumen? Ich mag diese Einstellung überhaupt nicht, das ist Ego und leider kein sehr nettes.

Wenn es also einen Vorsatz gibt, den ich mir 2017 setze, dass ich noch mehr in gegenseitige Hilfe investieren möchte. Neuerdings sind ja so viele Menschen ärgerlich aufeinander, Autoren auf Verlage auf Buchhändler und umgedreht, Verlagsautor gegen Selfie und und und. Blogs sitzen meist irgenwo dazwischen. Am Weitesten kommt immer derjenige, der die meisten finanziellen Mittel aufbringen kann und das stört mich schon eine ganze Weile.
Ich werde also nicht nur weiter auf jede Mail antworten, den Leuten vorschlagen sich per Autorenplausch oder einer eigenen Idee zu beteiligen, ich möchte versuchen - auch bei wenig Zeit - gezielt loszugehen und Werke zu entdecken. Ein wenig habe ich das schon gemacht, wenn es um ältere Bücher geht (Altvorderen), aber ich möchte noch mehr auf Kleinverlage zugehen und auch auf Selfpublisher. Was genau ich machen werde, denn leider werde ich es nicht schaffen, jedes einzelne Buch zu lesen, weiß ich noch nicht, aber ein paar lose Ideen sind da schon zusammengekommen. Ich möchte dabei sicher keinen Leser ins Bockshorn jagen, vielmehr möchte ich davon ausgehen, dass wir alle mündige Bürger sind, die wissen, was sie tun. Aber schlicht mal eine Erwähnung, einen öffentlichen Raum und damit Aufmerksamkeit zu erhalten, das ist sauschwer geworden. Was später daraus entsteht, muss jeder selbst entscheiden.
Alle, die dies hier lesen, möchte ich dazu anhalten, es ebenso zu tun. Geht los und schaut Euch an, was auf dem Markt ist. Welche Kleinverlage gibt es und was ist deren Programm? Wie viele Selfpublisher schreiben im Genre Deiner Wahl und warum sollte man das Buch lesen oder nicht?

Die Vorsätze aus den vorherigen Jahren kann ich leider nicht mehr beherzigen. In etwa lese ich keine E-Books mehr, da ich ohnehin den ganzen Tag am Bildschirm hänge und dann einfach mal ein anderes Medium brauche. Wie sich das mit dem neuen Vorsatz vertragen wird, muss ich erst noch sehen. Mehr Graphic Novels/Comics? Man wird sehen, aber vermutlich nicht. Das Geschlecht des Autors soll auch weiterhin keinen Einfluss darauf haben, ob ich ein Buch lese oder nicht. Was mir in die Hände fällt und sich gut anhört, das wird gelesen. Wobei es 2016 reichlich schwer war, starke Frauenfiguren in Werken männlicher Autoren zu finden; aber vielleicht habe ich auch nur nicht gründlich genug gesucht. Deutsche Autoren wird es vermutlich weiterhin nicht bis selten geben, ich lese sie beruflich und um auf dem Laufenden zu bleiben, brauche ich etwas Abwechlung. Nicht snobistisch an Bücher herangehen möchte ich auch weiterhin. Unabhängig bleiben - ein immer noch großes Ziel, man wird sehen, was daraus wird.

Der Ausblick auf 2017 fällt mir schwer. Zum einen möchte ich versuchen wieder aktiver zu sein, wenn es auch nicht mehr drei, sondern zwei anvisierte Beiträge in der Woche sein werden. Mein Leseverhalten wird sicher durch meine eigenen Projekte beeinflusst werden, was ich aber gar nicht so schlimm finde, schon allein, weil ich gern einmal etwas neues erfahre und lese. Vielleicht wird es Zeiten geben, in denen ich keine Zeit und Energie fürs Lesen aufbringen kann, hoffe aber, trotzdem mit hilfreichen Beiträgen gegensteuern zu können. Schon 2016 habe ich überlegt, mehr Filme zu besprechen, denn ich schaue in der Freizeit viele davon, da ich mich nicht nach dem TV und seinen Zeiten richten kann und will. Es werden defintiv weniger Bücher bei mir neu einziehen als je zuvor und ich bin immer noch aktiv dabei, Altbestände auszusortieren.
Insgesamt habe ich das Lesen tatsächlich als wesentlich intensiver erlebt, weil ich nicht mehr nur konsumiert habe, sondern tatsächlich gelesen. So möchte ich es auch zukünftig halten. Mal sehen, ob es mir gelingt.

Ich wünsche uns allen schöne Lesestunden 2017!

Kommentare:

  1. Das sind sehr nachdenklich Worte, wie ich sie momentan in vielen Jahresrückblicken lese.
    Lass Dich nicht unterkriegen und hab ein wundervolles 2017 - mit dem, was DIR gut tut. Manchmal sind Vorsätze auch einfach dafür da, sie über Bord zu werfen. ;)
    LG,
    JED

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    1. Hi, hab gestern auch bei Dir reingelesen :)
      Ein bisschen Reflektion schadet ja nicht und da muss es auch mal nachdenklich werden. Sonst weiß man nicht, was man 2017 anders machen möchte oder gar 2018 *g*
      Wünsch Dir ein bombastisches Jahr!!

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