Dienstag, 29. März 2016

(DVD) Candice Renoir (Staffel 1)

Titel: Candice Renoir
Regisseur(e): Nicolas Picard, Christophe Douchand, Etienne Leduc, Stéphane Malhuret, Olivier Barma
Darsteller: Olivier Schwob, Yan Arlaud, Charlotte Betaillole, Brigitte Peskine, Caroline Lassa, Robin Barataud, Christophe Nobileau, Solen Roy-Pagenault, Jean Reynard, Olivier Laneurie
Sprachen: Deutsch, Französisch
Euro: 27,99
Veröffentlichungsdatum: Februar 2016
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Spieldauer: 416 Minuten (3 DVDs)
Serie: Staffel 1
Come in: Agentur





Inhalt

Die ehemalige Polizistin Candice Renoir ist nach zehn Jahren Singapur nach Frankreich zurückgekehrt. Nachdem ihr Mann sie betrogen hat, lebt die Mutter von vier Kindern in Scheidung und steigt überraschend in ihren alten Job wieder ein. Dabei wird ihr als Leiterin ein Team von drei Leuten zugeteilt, das davon wenig begeistert ist. Als die Blondine mit Hang zu Rosa auftaucht, machen sie es ihr alles andere als leicht. Hinzukommt, dass Candice die zehn Jahre Berufsabwesenheit nicht so ohne Weiteres überspielen kann: Computerarbeit, neue Gesetze, Teamprotokolle usw.
Doch Madame la Commissaire boxt sich durch und erobert mit Frauenlogik/weiblicher Intuition und Alltagswissen einer Alleinerziehenden nicht nur ihr Team, sondern löst auch so manchen unlösbar erscheinenden Fall.


Meinung

Die Serie startete 2013 sehr erfolgreich in Frankreich und läuft seit Februar 2016 auch im deutschen TV auf ZDFneo. Die Rolle der Candice Renoir scheint Cécile Bois wie auf den Leib geschneidert zu sein, selten, dass sich das so extrem gut verträgt. Insgesamt musste ich die Serie zweimal anschauen, denn es ist unmöglich alles, was darin steckt gleich beim ersten Mal zu erfassen.
Candice wurde betrogen, kehrt in ihre alte Heimat zurück und hat zunächst alle gegen sich. Ihre Kinder mussten aus der angestammten Heimat fortgehen und alles zurücklassen, ihre Mutter hat zunächst nur sehr wenig Zeit für sie. Aus der Hausfrau ist eine berufstätige alleinerziehende Mutter geworden. Auch das Au Pair kann da nur bedingt helfen.


Candice wird einem Team zugeteilt, dass schon sehr eingeschworen ist. Da wäre zunächst Capitain Antoine Dumas (Raphaël Lenglet), dem eigentlich die Beförderung versprochen worden und der nun nicht begeistert davon ist, dass ein anderer an ihm vorbeizieht und dann noch eine Frau. Die noch junge Chrystelle Da Silva (Gaya Verneuil) ist sehr in sich gekehrt, lacht nie, kann aber verbal schon mal austeilen. Sie kämpft mit ihren eigenen Dämonen, die sich erst nach und nach offenbaren. Und zum Schluss Jean-Baptiste Medjaoui (Mhamed Arezki), der eine sehr interessante Familiengeschichte vorweisen kann und innerhalb der Serie dann selbst zum ersten Mal Papa wird. Sie haben nicht mit einer so charakterstarken Frau wie Candice gerechnet, die sie zunächst abfällig als "Polizei-Barbie" bezeichnen, vor allem Chrystelle. Zusätzlich gibt es eine Chefin, die mit ihrer sehr kühlen Art Candice das Leben noch mehr erschwert.
Bereits beim ersten Fall, dem sich das neu zusammengewürfelte Team stellen muss, wird deutlich, dass hinter dieser Serie mehr steckt, als es zunächst den Anschein hat. Hier wird nicht auf die althergebrachte Weise mit den Rollenklischees gehandelt, sondern auf intelligente Art damit gespielt. Auch Candice ist sich bewusst, wie sie auf andere wirkt; blond, große rosafarbene Tasche. Die Chefin vermutet niemand in ihr, oft muss sie sich auch recht sexistischen Sprüchen stellen, die vermutlich so einige Frauen wiedererkennen werden. Aber sie verfügt über eine einzigartige Beobachtungsgabe und viel Lebenserfahrung. So kann es passieren, dass sie den Kühlschrank oder die Speisekammer eines Mordopfers untersucht oder die Zusammensetzung einer Reinigungslösung aus dem Kopf weiß und auf diese Weise den Fall löst. Dabei muss sie sich anfangs gehörig gegen ihr eigenes Team stellen, die auf die althergebrachte Polizeiarbeit setzen. Leider ist auch die nicht wertfrei. Frankreich hat es in den letzten Jahren nicht leicht gehabt, von "der Krise" ist immer mal wieder die Rede. Wenn eine Hausfrau und Mutter aus Not ihren Körper feilbietet und es dem Rest der Familie verschweigt, muss Candice dann auch mal ihre Kollegen ermahnen: Seltsam, ich dachte sie wäre das Opfer


Überhaupt ist das eine Serie mit einer wirklich starken Frauenfigur, wie man sie im deutschen TV und aus deutscher Machart noch verzweifelt suchen muss. Da werden die jahrzehntealten Konzepte "junge Frau stolpert über eigene Füße während sie Mann fürs Leben sucht" bis zum Erbrechen wiederholt. In letzter Zeit sind Serien dieser Art völlig zu Recht baden gegangen. Frankreich ist da schon einen großen Schritt weiter.
Aber nicht nur die weiblichen Figuren sind sehr durchdacht und in die Moderne gehoben worden. Candice ältester Sohn hat ein großes Faible fürs Kochen entwickelt und probiert die verrücktesten und schmackhaftesten Gerichte aus. Seine Mutter lässt ihn einfach machen, nicht nur weil es ihr den Alltag erleichtert, sondern weil er in dieser Tätigkeit völlig aufgeht. Dem Papa gefällt diese "unmännliche" Tätigkeit weniger, vor allem da der Junge auch "Koch" als Berufswunsch angibt.
In der Serie wird auch mit sehr vielen Details am Rande gedealt: Die beiden zehnjährigen Zwillingsjungen Candices verstellen immer den Klingelton der Mutter, die dann mit Tierlauten (Grunzen, Muhen, Miauen) in aller Öffentlichkeit klarkommen muss. Auch verstecken sie gern mal Dinge, die eigentlich in die Handtasche ihrer Mutter gehören. Die französische Note ist auch bei der sehr gelungenen Übersetzung erhalten geblieben, so sprechen die Kids ihre Mutter eben nicht damit an, sondern mit Maman.
So ganz ohne Mann und Herzklopfen geht es dann aber doch nicht. Candices Nachbar ist sehr attraktiv und charmant und es entwickelt sich eine Beziehung, die Candice zunächst mit ein paar Zweifeln, dann aber sehr stringent angeht. Keine falsche Scheu, kein schlechtes Gewissen, sie ist eine selbstbewusste moderne Frau und nimmt sich, was sie will.
Als die zumindest teilweise berechtigte Kritik überhand nimmt, fängt Candice an zu trainieren, lernt dabei die neuen Gesetze auswendig und schult sich in der PC-Nutzung weiter - nachts, wenn die Kinder schon im Bett sind und sie einen langen Tag hinter sich hat. Sprich: sie boxt sich durch.
Die aufzuklärenden Fälle haben es auch oft in sich und klären sich nach der Zwiebelmethode, eben Stück für Stück. Wer also gerne miträt, ist bestens beraten. Man merkt, ich bin vollends begeistert.
Einziges Manko dieser ersten Staffel ist der Preis für drei DVDs und ganzen acht Folgen, die aber immerhin 416 Minuten laufen. Großartige Extras gibt es nicht, zwei Sprachen, Folgen einzeln wählbar oder automatisch hintereinanderweg abspielbar. Die Bilder sind scharf, kein unnötiges Gewackle, strahlende Farben, kein Rauschen oder Zischen im Ton.
Wer das nötige Kleingeld übrig hat, sollte sich die Serie nicht entgehen lassen. Alle anderen mal im TV reinsehen, wo aber vermutlich derzeit die zweite Staffel läuft.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen