Samstag, 11. Mai 2013

(Verlagsgeplauder) Hinter dem Verlagsstand – ein paar Tage auf Tuchfühlung mit dem Leser 03


Samstag, 16.03.
Heute ist der wichtigste Tag. Der Tag mit den großen Besucheransturm. Der Tag, an dem die Messe fast aus allen Nähten platzen wird.
Doch bevor das Chaos losgeht, unterhalte ich mich an unserem Stand mit Klaus N. Frick (Chefredakteur bei Perry Rhodan, VPM). 


Kurz nach dem Gong kommt mein Vater vorbeigeschlendert. Er wird heute einen ganzen Tag Messeluft schnuppern und am Abend unser Chauffeur sein. Leipzig ist Umweltzone, unser Lieferwagen hat keine Plakette bekommen und wir haben heute wieder unsere mittlerweile traditionellen Lesungen in der „Absintherie La Petite“ in der Münzgasse.

Wenig später trifft Verstärkung für den Stand ein. Mark Staats („Aufstieg einer Heldin“) taucht mit seiner Freundin auf, übernimmt für eine Weile Standwache und will uns rigoros rauswerfen. 


„Ihr müsst auch mal was von der Messe sehen“, meint er.
Tina nimmt das Angebot nur zu gern wahr. Mir selbst ist unwohl bei der Sache – ich fühle mich, als würde ich meinen Stand in Stich lassen. Dabei weiß ich, dass er in guten Händen ist. Aber trotzdem passt es. So kann ich in Ruhe ein Einzelgespräch mit Alfred Wallon über unsere Zusammenarbeit an „Dark Worlds“ führen, ohne mich nebenher um Kunden kümmern zu müssen.


Meine Autorin Mara Laue (Ashton-Ryder-Trilogie) taucht auf und posiert mit Alfred und mir für ein möglichst seriöses Messefoto. 


Wenig später taucht auch Vincent Voss auf. Er wird sofort wegen unserer Absinth-Lesung von Carolin Gmyrek in Beschlag genommen (Bild 24).


Gegen 13:40 verlasse ich den Stand Richtung Halle 3. Ich habe ein Interview mit Oda Plein von den Mindcrusher Studios. Dummerweise habe ich die Rechnung ohne die ziemlich kopflosen Security-Leute von der Messe gemacht, die selektiv die Übergänge zwischen den einzelnen Hallen in Einbahnstraßen umwandeln und Massen an Besuchern weiträumig umleiten … über die Halle 5.
Mit 5 Minuten Verspätung tauche ich zum Interview auf und muss feststellen, dass Oda ebenfalls noch irgendwo festhängt. In Gedanken notiere ich mir, in Zukunft keine Termine am Samstag außerhalb meines Standes auszumachen.
Das Interview macht Spaß und nimmt nicht viel Zeit in Anspruch. Trotzdem bleibe ich am Stand hängen, unterhalte mich lange mit Oda über die Möglichkeiten einer gemeinsamen Zusammenarbeit und finde es schön, dass man immer wieder auf solche Idealisten stößt, für die Geld erst an zweiter oder dritter Stelle steht.
16 Uhr. Ich bin endlich am eigenen Stand zurück, schwätze kurz noch mit meiner Herausgeberin Fabienne Siegmund und Tarot-Autor Thilo Corzilius (beide Bild 25 Mitte), posiere ein bisschen mit den Kriegern (Bild 26 mit Tom Daut und Mike Krzywik-Groß), verkaufe ein paar Bücher und bereite mich seelisch und moralisch auf die Ankündigung der Faulfleisch-Lesung vor.

Bild 25
Bild 26
Vincent Voss startet auch gleich mit einem Brüller, der die Messehalle 2 vibrieren lässt. Dann beginnt er sofort damit, Leichenteile auszukochen – zumindest verbal. 


Ein schockiertes Elternpaar zieht sein Kind weg. Tut mir leid, liebe Eltern – auch das ist Phantastik.
Trotz der fortgeschrittenen Stunde ist immer noch ziemlich viel los auf der Leseinsel.


Nach der Signierstunde geht’s dann auch schon ans Zusammenpacken für die Lesung.


18 Uhr. Der Gong erschallt, die Hallen leeren sich. Wir schließen unsere Schubladen ab und räumen die Kisten für die Lesung ins Auto und fahren mit unserem Auto vom Messeparkplatz, der die Nacht über zu ist.
Unser Plan: auf dem Globus-Parkplatz abparken, die Kisten ins Auto meines Vaters umladen und in die Stadt fahren.
Die Realität: an einem Samstag Abend 18 Uhr im Dunkeln auf einem Großmarkt-Parkplatz zu parken und ein Auto zu finden ist gar nicht so einfach und kostet mehr Zeit als erwartet.
Aber gut – Aufgabe gelöst. Wir sitzen zu fünft im Auto, neben meinem Vater (unser Fahrer) und meiner Frau sitzen auch noch Carolin Gmyrek und Angelika Barth (die Coverzeichnerin der „Geheimnisvollen Bibliotheken“) im Wagen.
Nächste Aufgabe: Schnell in die Stadt reinfahren, etwas essen und rechtzeitig zu meiner Lesung zu kommen.
Die Realität: Stau, Baustelle, miese Parkplatzsituation vor Ort. Wir brauchen über eine Stunde, um da zu sein. Aber alles noch kein Problem, wir haben ja über eine Stunde noch Zeit. Aufgabe gelöst.
Nächste Aufgabe: Schnell mal eben etwas zu essen reinspachteln, gesättigt zur Lesung zu gehen und dort eine gute Show bieten.
Die Realität: In der Suppenbar, in der Mark Staats und Vincent Voss einen Platz gefunden haben, ist komplett voll. Also lassen wir uns um 19:40 in der Pizzeria, die direkt neben der Absintherie liegt, nieder und bestellen zügig.
20:25 nach mehrfachen Nachfragen verlassen Carolin und ich die Pizzeria ohne Essen und gehen zu unserer Lesung. Tina bringt die Pizzen 5 Minuten später nach. Zu spät, um sie noch vor der Lesung zu vertilgen.
Die Lesung wird eine wirklich tolle Veranstaltung. Die Absintherie ist mit 28 Besuchern mehr als gut besucht, so dass bereits Gäste vor dem Notausgang Platz nehmen müssen während ich den normalen Ausgang blockiere. 


Vincent und ich lesen abwechselnd aus unseren Büchern und oftmals unterstützen wir den anderen in Dialogpassagen.
Direkt am Tisch vor mir sitzt ein kleiner Störenfried, der zu allem und jeden was zu kommentieren hat. Na warte, denk ich mir. Dich kauf ich mir noch. Während der Lesung aus der „Theraphiestunde“ stehe ich plötzlich hinter ihm, lasse meine Pranke schwer auf seine Schulter fallen und nähere mich mit meinem Mund an seinen Hals, wie ein Vampir seinem Opfer. Ich fühle, wie er sich unter meinen Griff versteift, während die anderen Zuschauer johlen. Für den Rest der Lesung ist er um einiges ruhiger.
Den krönenden Abschluss bietet eine lustige Drei-Personen-lesen-fünf-Rollen-Lesung, bei der fünf phantastische Wesen versuchen, einen "Schatz von unermesslichem Wert" zu finden.
Die Lesung die relativ überraschend, weil zumindest Vincent und ich uns erst an dem Tag darauf vorbereitet haben und auch nicht wissen, was uns im Detail erwartet.
Vincent sucht verzweifelt seinen Text und plauzt mitten in der Lesung heraus: „Mir fehlt ne Seite.“
Carolin: „Umdrehen. Rückseite.“
Vincent: „Oh, was für eine moderne Schatzkarte. Beidseitig bedruckt.“
An manchen Stellen bin ich so fasziniert wie meine Mitleser, die Rollen ausfüllen, das ich fast meinen Einsatz verpasse. Vincents Stimme bekommt tatsächlich etwas entenhaft quakendes, wenn er den Owen liest. Und auch wenn das eine oder andere schief geht, das Publikum hat seinen Spaß dran.
Hier ein kleiner Mitschnitt: http://www.youtube.com/watch?v=3N7eNEcVd5M
Nach der Lesung vertilge ich die Pizza und kurz vor Mitternacht verlassen wir den Lesungsort. Irgendwann um 1 sind wir daheim, fallen todmüde ins Bett und schlafen sofort ein.


Sonntag, 17.03.
Nach der gestrigen Nacht sind wir heute nun erst gegen 9 auf dem Gelände und lassen es ruhig angehen. Der große Kundenansturm am letzten Tag bleibt aus.
Mara Laue stellt um 12 Uhr „Sanktuarium“, den Abschlussband der Ashton-Ryder-Trilogie vor. 


Bei der anschließenden Signierstunde ist zum letzten Mal an diesem Wochenende richtig viel an unserem Stand los. 


Mit Boris Koch mache ich den letzten Schluck Portwein nieder und diskutiere die Möglichkeit … aber wirklich nur die Möglichkeit …


Die Zeit vergeht wie im Fluge und ehe wir uns versehen, ist es 18 Uhr. Abbauzeit. Nach nur einer Stunde ist alles im Auto untergebracht. 


Auch WERKZEUGS hat mittlerweile zugemacht und nachdem es keinen Kaffee mehr gibt, ist für mich die Messe endgültig vorbei. Denn ohne Kaffee hat der Spaß auf der Messe ein Loch. 


Demonstrativ reiße ich das VIP-Bandl für die Autoren-Lounge ab. Die Messe ist vorbei.



Montag, 18.03.
Nach dem Mittagessen bei meinen Eltern springen Tina, Emily und ich ins Auto. Wir wollen so zeitig wie möglich zu Hause in Erlingen sein, damit wir noch das Auto ausladen können. Die Fahrt verläuft ohne Zwischenfälle.
Zu Hause landen alle Bücherkisten erstmal im Flur. In den nächsten Tagen muss ich die beiden Neuerscheinungen versenden, da wird einiges an Kisten weggehen. Und dann steht ja auch die nächste Messe an.
Aber erstmal will ich nicht mehr an die Messe denken. Zur Abwechslung arbeite ich abends mal nicht für den Verlag sondern schaue mit Tina einen Film.

Mittwoch, 10.04.
Ich schreibe den Nachbericht für das Verlagsgeplauder. Ja richtig, der Nachbericht, der schon nach der Dresdner Schriftgut geschrieben sein sollte.
Ich blättere durch meine Aufzeichnungen, schaue mir Fotos an, schreibe, stelle zusammen, wühle in der Kiste mit den Messeunterlagen durch Visitenkarten, versuche mich an Namen zu erinnern.
Dann fallen mir zwei gefaltete Zettel in die Hand. Mir wird heiß und kalt. Da war doch was. Ich falte die Zettel auseinander und fluche.
Scheiße, nun habe ich die Rechnung von der Druckerei doch wieder vergessen …

Kommentare:

  1. Vielen Dank - das waren drei sehr interessante Berichte! Und mir hat es eigentlich recht gut gefallen, das es um die Leipziger Messe ging (auch wenn erst viel Pech im Spiel war), weil es eine der wenigen Messen ist, die ich auch mal besucht habe.

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    1. Ich war ja selbst hin und weg, als ich gesehen habe, worüber Torsten berichtet! Und für die vielen Fotos müssen wir der guten Seele hinter dem Verlag (die nicht bissig ist!) danke: Tina!
      Vielen lieben Dank an Euch beide.

      PS: Welchen Film habt Ihr denn geschaut und wie war er?

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  2. karin13.5.13

    Hallo Soleil,

    war sicherlich eine coole Sache so!

    Schöne Bilder, die mir auch eine gewissen Eindruck vermitteln.

    Danke dafür und LG..Karin...

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