Samstag, 17. März 2012

(Autorenplausch) Chris Schlicht: Maschinengeist


Titel: Maschinengeist
Autor: Chris Schlicht
Originaltitel, 440 Seiten
ISBN: 3867621209
Euro: 13,99













© Chris Schlicht: Peter Langendorf

Schreiben war früher eigentlich nie mein Ding. Ich habe meiner Kreativität lieber mit dem Zeichenstift freien Lauf gelassen. So habe ich beispielsweise alle Personen aus dem „Herr der Ringe“ gezeichnet, der während meiner Schulzeit in den 70/80er Jahren der absolute Renner war. Auch eine „Literarische Arbeit“ habe ich über jenes Monumentalwerk geschrieben, ich glaube, das war meine erste Eins in einem Deutschaufsatz überhaupt. Aber selbst schreiben, das wäre mir nie in den Sinn gekommen. Bis ... ja, bis ich wegen diverser Operationen dazu verdammt war, untätig auf dem Sofa zu liegen und nur mit dem Laptop arbeiten zu können, der zeichnerische Arbeit nur bedingt möglich macht.

Ich habe schon vorher ein paar Kurzgeschichten geschrieben, die auch in diversen Anthologien veröffentlicht wurden. Aber erst, als ich mit der Kurzgeschichte „Dunkle Schwingen“ den „Marburg Award“ 2009 gewann, fand ich den Mut, mich auch an längeren Sachen zu probieren. Heraus kam nun der Steampunk-Roman „Maschinengeist“.

Warum Steampunk, und – vor allem – warum habe ich meinen Steampunk-Krimi ausgerechnet ins Rhein-Main-Gebiet Verlegt? Im Jahr vor dem Sieg mit „Dunkle Schwingen“ hatte ich schon einmal beim Marburg-Award teilgenommen, da war das Thema „Steampunk“ und ich belegte den 3. Platz mit meiner Kurzgeschichte „Deus Ex Machina“. Ich wusste vorher nicht mal, was Steampunk überhaupt ist, als ich an die Kurzgeschichte heran ging und obwohl ich später mit einer reinen Fantasy-Geschichte den 1. Platz gewann, ließ mich das Thema Steampunk einfach nicht mehr los. Die Faszination war größer als für monumentale Fantasy, da hat der Ingenieur in mir die Oberhand gewonnen.

Die meisten Steampunk-Stories spielen im England der viktorianischen Zeit oder speziell in London. Wenn sie mal in Deutschland spielen, dann in Berlin. Doch ich kenne weder den einen noch den anderen Ort gut genug, um ihn eingehend zu beschreiben oder mir eine andere alternative Entwicklung für ihn vorzustellen. Ich wurde in Frankfurt geboren, bin im Umland aufgewachsen, habe im Rheingau studiert und arbeite für die Stadt Wiesbaden in der Stadtplanung als Landespflege-Ingenieur. Dort habe ich auch viel mit dem Denkmalschutz zu tun. Von daher kenne ich das Rhein-Main-Gebiet gut und speziell Wiesbaden auch von der Historie, mit der Entwicklung in der Wilhelminischen Zeit und der Industrie an Rhein und Main.

Der Hintergrund war geschaffen, die Personen standen mir noch aus der Kurzgeschichte „Deus Ex Machina“ bildlich vor Augen, sie mussten nur von ihrer Herkunft und ihren Eigenarten an den Hintergrund angepasst werden. Gänzlich ohne zeichnerische Vorarbeit ging das nicht und so habe ich ein paar meiner Figuren erst einmal bildlich in Szene gesetzt. Vor allem den Protagonisten Peter Langendorf. Ein Bild vor Augen zu haben hilft mir ungemein bei der Charaktererschaffung. Danach entstand ein kompletter Stammbaum, der familiäre Hintergrund usw.

Ich hatte das Gerüst und wusste wie die Geschichte enden würde – ich musste nur noch darauf hin schreiben. So entstand dann die dystopische, alternative Historie für Wiesbaden und Umgebung, in der die arme Bevölkerung unterdrückt und als Verfügungsmasse für die Reichen und Industriellen betrachtet wird. Massen an Menschen, die darunter zu leiden haben, dass die Fabriken immer mehr ihren Lebensraum vergiften, wodurch sich eine gefährliche Spezies von Ratten und neue Krankheiten entwickeln. Dabei werden auch reale historische Ereignisse mit Fiktion verknüpft und in einen neuen Kontext gesetzt.

Eine Historie, die – zum Glück – nie stattgefunden hat. Aber sie sollte erklärbar sein. Von daher habe ich auf die auch häufig in Steampunk-Romanen vorkommenden Elemente der klassischen Fantasy, also Magie oder fremdartige Wesen, völlig verzichtet. Es ist technischer Steampunk geworden, bei dem ich aber ein größeres Augenmerk darauf gerichtet habe, wie es den Menschen in einer solchen Welt ergeht, als dass ich immer neue Maschinen entwickele.

Die Charaktere, besonders die Hure Katharina, weil sie eine so starke Frau ist, sind mir inzwischen so sehr ans Herz gewachsen, als wären es gute Freunde. Von daher kann man noch ein wenig mehr als dieses eine Buch erwarten. Es wird von mir keine Fortsetzungsromane oder so was geben, „Maschinengeist“ ist daher in sich geschlossen und kann für sich stehen. Aber mein Ermittler ist schon wieder unterwegs, ein zweiter Fall bereits in Arbeit und ziemlich weit fortgeschritten.
Ich hoffe, dass „Maschinengeist“ so gut ankommen wird, dass auch der Nachfolger eine geneigte Leserschaft finden wird.

© Chris Schlicht: Elisabeth Wallenfels


Kommentare:

  1. Antworten
    1. Anonym10.1.13

      Erstaunlich, wie sich die Schilderungen im Laufe der Zeit verändern.

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