Montag, 9. Januar 2012

Die Stunde des Fauns - Megan Lindholm


Titel: Die Stunde des Fauns
Autorin: Megan Lindholm
Originaltitel: Cloven Hooves
Verlag: Heyne
ISBN: 3453079957
Euro: Nicht mehr im Handel erhältlich.
Veröffentlichungsdatum: 1994
Seiten: 494
Kein Serientitel
Come in: Tausch











Inhalt

Evelyn ist in der rauen, weiten Natur von Fairbanks in Alaska aufgewachsen, wo Pan, der Gott der Wälder, ihr Spielgefährte war.
Im Frühjahr 1976 ist sie mit ihrem Ehemann Tom und ihrem kleinen Sohn Teddy auf dem Weg nach Seattle-Tacoma in Washington. Sie weiß, dass die dort lebende, moderne Schwiegerfamilie sie für eine halbe Wilde hält und zweifelt daran, dass sie dort hineinpassen wird. Doch Tom will nur einen Sommer bleiben, um dem verletzten Vater auf der Farm zu helfen.
Aus den wenigen Wochen werden jedoch Monate, ohne dass es Evelyn gelingt, sich anzupassen. So muss sie schließlich hilflos dabei zusehen, wie die Schwiegereltern ihr ganzes Leben an sich reißen und fremdbestimmen und sich ihr geliebter Mann in einen anderen Menschen verwandelt.
Evelyn droht an der Situation zu zerbrechen, doch unerwartet taucht ihr Kinderfreund Pan wieder auf und sie verbringen viel Zeit miteinander. Als eine schreckliche Katastrophe über Evelyns Leben hereinbricht, ist Pan der einzige, dem sie vertrauen kann. Gemeinsam machen sie sich auf den weiten Weg zurück nach Hause.

Meinung

Es gibt keinen angemessenen Weg diesen grandiosen Roman zu beschreiben oder zu reflektieren. Megan Lindholm, das Pseudonym für zeitgenössische Fantasy-Geschichten der Autorin Robin Hobb, hat ein intelligentes und sehr emotionales Werk geschaffen, das auch nach vielen Jahren nicht an Bedeutung verloren hat.
Lindholm/Hobb wuchs selbst einige Jahre in Fairbanks, Alaska auf und beschreibt daher wohl nicht ohne Grund in der Figur der Ich-erzählenden Evelyn sehr bildhaft das Leben der mehrköpfigen Familie. Die Jahre der Kindheit in Fairbanks und vor allem mit Pan werden als Erinnerungen in den tatsächlichen Handlungsablauf eingestreut. Dies niemals störend, sondern in den Erzählfluss eingebettet, ihn bereichernd und nicht, wie zunächst befürchtet, behindernd.
Sämtliche Figuren werden eingehend charakterisiert. Das, was sie tun oder gerade nicht, ist dabei oft bezeichnender als das, was klar gesagt wird. Hier wackelt nichts, jede Figur bleibt, wie es ihr bestimmt ist und durchläuft glaubhaft mit viel Tiefe die Entwicklung, die die Autorin für sie vorgesehen hat. Dabei gibt es jede Menge Ecken und Kanten, wer (halb-)perfekte Helden sucht, ist hier falsch. Lindholm schreibt von echten Menschen, die echte Dinge tun und dabei nicht unfehlbar sind. Die fühlen und fühlbar sind. Die so tatsächlich existiert haben mögen.
Auf die Frage, ob ihre Charaktere auf realen Menschen basieren, antwortete die Autorin in einem Interview jedoch: "Not intentionally and not consciously. I never take a person from my acquaintance and say, “She’d make a great heroine,” or “I’m going to model a villain on him.” It just would not work. Characters have to be a product of the story they are in. They have been molded by their cultures and shaped by their circumstance. To take a person I know and try to write him into one of my stories would feel false. The flip side of that coin is, of course, that all the characters in my stories are a product of my experience combined with my imagination. So, undoubtedly some of my characters share traits with people I know. But I never transplant any whole person into a book."
Einzig der Eintritt der Katastrophe wirkt ein wenig zu krass und die Ereignisse, die sich direkt daran anschließen, etwas unglaubhaft. Das stört jedoch nicht ernsthaft, zum einen, da die Geschehnisse an sich absolut gefangen nehmen und zum anderen, weil die Autorin eine unglaublich intensive Schreibe ausübt, die beide an kaum etwas anderes denken lassen.
Es handelt sich bei "Die Stunde des Fauns" nur bedingt um einen phantastischen Roman. Die mythische Figur des Pans trägt zwar einen Teil der Handlung und bildet einen großen Innen-Teil Evelyns, er steht jedoch nie im Vordergrund oder tut "magische" Dinge. Beinahe möchte man glauben, dass es sich bei ihm "nur" um eine Art Metapher handelt, die erstklassig zum Leben erweckt wurde. Der Roman ist also mehr eine zeitgenössische Geschichte mit leichtem phantastischen Einschlag.
Es sollten während des Lesens Taschentücher bereit gehalten werden, denn Megan Lindholm schafft es, so bewegend zu schreiben, dass der Leser förmlich mitgerissen wird und sich dem Sog nicht entziehen kann.
Schlussendlich gibt es nichts weiter zu sagen, als dass man dieses Werk gelesen haben sollte. Unbedingte Leseempfehlung!


Megan Lindholm/ Robin Hobb, eigentlich Margaret Astrid Lindholm Ogden, ist eine US-amerikanische Schriftstellerin.
Mit neun Jahren zog Hobb mit ihrer Familie nach Fairbanks, Alaska. Nach ihrem High-School-Abschluss und einem einjährigen Besuch der Universität in Denver heiratete sie im Alter von 18 Jahren. Sie zog mit ihrem Mann nach Kodiak, einer kleinen Insel an der Küste Alaskas. Im selben Jahr veröffentlichte sie ihre erste Kurzgeschichte und begann ihre Karriere mit dem Schreiben einiger Kurzgeschichten für ein Kindermagazin.
Seit 1971 schreibt Megan Lindholm zeitgenössische Fantasy-Geschichten. Im Jahr 1995 begann sie mit dem Namen Robin Hobb, einem weiteren Pseudonym, epische Fantasy-Geschichten zu schreiben.
Sie hat vier Kinder und lebt in Tacoma im US-Bundesstaat Washington.

Kommentare:

  1. Wow, das klingt ja nach einem interessanten und ungewöhnlichen Roman. Scheint leider nicht mehr so einfach zu bekommen zu sein. Aber nach dem muss ich unbedingt mal Ausschau halten. :-)

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  2. Danke für den tollen Lesetipp! =)
    Lb.Grüße, Mary

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  3. Im Marketplace ;-) Oder auf Flohmärkten, in Tauschbörsen, vielleicht in einer Bibliothek? Es lohnt sich aber bestimmt!

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