Mittwoch, 31. August 2011

Das gefrorene Lachen - Susanne Gerdom


Titel: Das gefrorene Lachen
Autorin: Susanne Gerdom
Originaltitel
Verlag: Ueberreuter
ISBN: 3800056364
Euro: 14,95
Veröffentlichungsdatum: Juli 2011
Seiten: 415
Kein Serientitel
Come in: Vom Autor





Inhalt

Philippa Saffronia, die Tochter des Hofzauberers und sein Lehrling, und Prinz Augustin sind zusammen aufgewachsen. Das junge Mädchen ist schon eine Weile in ihren einstigen Spielgefährten verliebt, was sie ihm jedoch verschweigt.
Als der Geburtstag des Prinzen naht, an dem er auch als offizieller Erbe eingesetzt werden soll, beschließt sein Vater ein buntes Programm mit Zauberkünstlern, munteren Gesellen und Akrobaten zu bieten.
Unerkannt schleicht sich so ein gefährlicher Feind ein: der eisige Ostwind. Auf dem Höhepunkt des Festes, als zudem die Verlobung des Prinzen mit einem adligen Mädchen verkündet wird, gibt er sich zu erkennen. Eine alte Feindschaft mit Pippas Vater und die Hilfe eines Dschinns lösen einen mächtigen Zauber aus.
Das Schloß verschwindet und der Ostwind übernimmt die Herrschaft über das Königreich. Wer aufbegehrt wird gefangen genommen und kehrt als Tick-Tack, eine fremdgesteuerte halbe Maschine mit einem Schlüssel im Rücken, zurück.
Pippa und der Hofstaat erinnern sich an nichts und leben fortan in Maestro Spinellis Fliegendem Theater. Doch nur, wenn es dem Mädchen gelingt das Geheimnis des wahren Zaubers zu lösen, kann der Ostwind besiegt werden. August versucht alles, um ihr zu helfen und gemeinsam kämpfen sie gegen einen schier unbesiegbaren Feind.

Cover

Die Umschlaggestaltung stammt von der ZERO Werbeagentur.
Zum einen ein klarer Hingucker, der sicher den ein oder anderen Leser zum Zugreifen animieren wird. Aber das allumfassende Thema ist ein anderes und es ist ein bisschen schade, dass nichts Zirkusartiges abgebildet wurde.

Meinung

Susanne Gerdom hat sich selbst an Pantomime und Clownerie versucht, war überdies als Schauspielerin und Regisseurin tätig. Das ist ihr bei diesem Roman sicher zugute gekommen, der wie ein klassisches Bühnenstück aufgebaut wurde.
Schon der Prolog deutet ein eher düsteres Thema an, das zunächst am Beginn der Geschichte erst einmal zurücktreten muss. Die beiden Hauptfiguren Philippa und Augustin werden eingeführt und in ihrem Umfeld näher beleuchtet. Die klassische Konstellation wird beibehalten; den Prinzen gilt es zu erobern, auch wenn in den eigenen Adern gewöhnliches Blut fließt.
Philippa ist ein sympathisches Mädchen, das ihrem Vater bei einigen Zaubern helfen darf und sich schließlich als begabte Magierin herausstellt. Ihre Gefühle für Augustin sind aufrichtig, auch wenn die ein oder andere Enttäuschung auf sie wartet. Außerdem ist das Mädchen jemand, der für seine Ziele im Leben und die Gerechtigkeit im allgemeinen kämpft.
Augustin scheint zunächst etwas blass. Sieht gut aus, wird einmal König und langsam ernster. Erst, als der Zauber des Ostwinds wirkt, wird aus ihm ein Charakter zum mitfühlen, ein Mensch, der sich nicht scheut, Ängste und Nöte einzugestehen und auszuhalten.
Die anfängliche helle, fröhlichen Atmosphäre läuft auf einen spannenden Höhepunkt zu, der im Prolog seinen Anfang genommen hat. Danach ändert sich einfach alles und es ist, als hätte eine völlig neue Geschichte begonnen. Hier ist auch das einzige Manko zu finden, denn zunächst ist nicht klar, was eigentlich geschehen ist. Wo die Helden sich befinden und warum sie tun, was sie eben tun, scheint ebenfalls ungeklärt. Philippa und Augustin und ebenfalls der halbe Hofstaat mit ihnen werden in ihren Alltäglichkeiten beim Zirkus neu eingeführt, was zwar unterhaltsam zu lesen ist, allerdings auch stockend wirkt, so dass der Mittelteil sich doch etwas zieht.
Doch schon kurz darauf ist der rote Faden wieder ersichtlich und ein ums andere Geheimnis muss von der mutigen Gehilfin des Zauberers gelöst werden. Ungünstig für sie, dass sich alle Menschen ins Gegenteil verkehrt haben, als seien sie alle durch einen Spiegel gegangen. Nur Pippa scheint verschont geblieben zu sein.
Dem Volk des Königreiches ging es nie schlechter. Wer aufmuckt, wird fortgebracht und kehrt mit einem tickenden Schlüssel im Rücken zurück. Kein neuer Einfall, aber gut in die fortlaufende Handlung eingebaut.
Sprachlich ragt der Roman aus der Masse der (deutschen) Jugendliteratur deutlich heraus. Einfach, aber sehr bildhaft passt sie sich der märchenhaften Grundstimmung an und unterstützt sowohl schillernde, als auch düster-grausame Storyelemente.
Susanne Gerdom schreibt im Autorenplausch, das alle ihre Geschichten ein Happy End besitzen, wer also Bedenken diesbezüglich hegt, kann getrost zugreifen. Absolut grandios das Ende des Endes, denn wie bei Neil Gaimans "Sternenwanderer" oder auch Tolkiens "Der Herr der Ringe" gibt es eine Art Abspann, der ausgesprochen vergnüglich zu lesen ist.
"Das gefrorene Lachen" ist nicht nur ein Roman für Kinder und Teens, sondern auch für jung Gebliebene, die Zirkus, Theater und Märchen lieben.


http://susannegerdom.de/
Die Fantasy- und Science Fiction-Autorin Susanne Gerdom wurde 1958 in Düsseldorf geboren. Sie wuchs in Rheinhausen am Niederrhein auf. Sie absolvierte eine Lehre als Buchhändlerin in Düsseldorf, versuchte sich an Pantomime und Clownerie und war als Schauspielerin und Regisseurin tätig. Sie hat einige Zeit ein kleines Kellertheater betrieben und in der Deutschen Oper am Rhein gearbeitet. Danach begann sie mit dem Schreiben und veröffentlichte 2000 ihren ersten Roman "Ellorans Traum". Susanne Gerdom lebt heute in Düsseldorf.
Susanne Gerdom im Autorenplausch zu diesem Roman, HIER.

Samstag, 27. August 2011

Die Heilerin - Janice Hardy


Titel: Die Heilerin
Autorin: Janice Hardy
Originaltitel: The Shifter
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 3404285433
Euro: 12,00
Veröffentlichungsdatum: Juni 2010
Seiten: 286
Serie: Die Heilerkriege 01
Come in: Tausch






Inhalt

Die Menschen im Inselreich Geveg versuchen nach einem verlorenen Krieg das Leben unter den Ursupatoren wieder aufzunehmen. Mit all den Auflagen und Grausamkeiten ist dies jedoch nicht einfach.
Dem Volk wohnt eine Besonderheit inne, sie können Schmerz, der aus Krankheiten oder Unfällen resultiert, in sich aufnehmen und an ein Metall namens Pynvium abgeben, aus dem später Waffen gebaut werden.
Die Schwestern Nya und Tari, Nachkommen des einstigen Adels, versuchen sich mehr schlecht als recht durchzuschlagen. Tari ist in der großen Burg als Heilerin untergekommen und versorgt. Doch Nya hat eine ganz besondere Fähigkeit, denn sie kann den aufgenommenen Schmerz an andere Menschen ableiten. Damit wird sie zur Gejagten. Unterstützung findet sie in ihrer Freundin Aylin und dem jungen Mann Danello, der einen kranken Vater und drei kleine Geschwister durchbringen muss.
Gleichzeitig mehren sich die Gerüchte, dass Heilerlehrlinge spurlos verschwinden und angeblich die Stadt verlassen haben. Als Tari sich nicht mehr bei ihrer großen Schwester meldet, forscht Nya nach, denn sie weiß, Tari würde niemals ohne sie irgendwohin gehen. Dabei stößt Nya auf ein Geheimnis, das alles verändern könnte ...

Cover

Die Titelillustration stammt von Marta Dahlig und wurde, wie bei neueren deutschen Romanen üblich, vom Guten Punkt für den Umschlag gestaltet.
Ein Glücksgriff, denn das Cover ist gelungen, auch wenn die Art der Heilungen nicht korrekt getroffen wurde.

Meinung

Janice Hardy hat es geschafft, auf vergleichsweise geringer Seitenanzahl einen in sich stimmigen und sehr spannenden Roman zu schreiben, der zudem noch die ein oder andere neue Note enthält.
Zunächst lässt sich die Geschichte langsam an. Es wird in die Welt und ihre Gegebenheiten eingeführt und die ersten Figuren werden in ihren Besonderheiten vorgestellt. Nya, die die Geschichte in der Ich-Form erzählt, muss in einer Nachkriegszeit zurecht kommen. Das bedeutet nicht nur, dramatische Erlebnisse zu verarbeiten, den Tod von geliebten Menschen zu verkraften, sondern auch den täglichen Überlebenskampf. Nicht immer ist ein Platz zum Schlafen oder etwas für den Magen gefunden. Dabei sitzt ihr die Angst im Nacken, weil sie eine äußerst seltene Fähigkeit besitzt, die es gar nicht geben dürfte.
Ihre Schwester Tari, die in der Gilde der Heiler untergekommen ist, versucht ihr zu helfen, muss sich jedoch ebenfalls den Gegebenheiten anpassen. Die Schwestern werden gut charakterisiert und in ihren Eigenheiten vorgestellt.
Interessant, wenn auch nicht ganz ausgereift ist das vorherrschende Magiesystem. Die Heiler können Schmerzen von Unfallopfern oder Todkranken nehmen und in ein Metall ableiten. Dabei verbleibt der Schmerz jedoch erst in ihrem eigenen Körper, der des Opfers ist dann geheilt. Eine große Fähigkeit, die mehr oder weniger stark im jeweiligen Heiler ausgeprägt ist. Zunächst wirkt es merkwürdig, dass dies die einzige Ausprägung der Magie sein soll, aber es wird offen gelassen, ob da nicht noch was geht.
In Zusammenhang mit den Heilkräften, ganz besonders denen von Nya, wird oft die Frage nach Richtig und Falsch gestellt. Ist es richtig, den einen Menschen zu heilen und den Schmerz in einen anderen abzuleiten, der zwar die Verletzung oder Krankheit nicht gehabt hat, aber den die Schmerzen dennoch umbringen können? Wie viel ist ein Menschenleben wert? Nya muss sich diese Frage ein ums andere Mal stellen, vor allem als sie um das Leben ihrer eigenen Schwester fürchten muss.
Nya wurden einige interessante Nebencharaktere zur Seite gestellt, die leider etwas blass bleiben und von denen hoffentlich im zweiten Teil noch mehr zu erfahren ist. Auch hier gelingt es der Autorin jedoch bei allem Klischee auch einige neue Noten hinzuzufügen.
Der sich stetig aufbauende und sich schließlich zuspitzende Spannungsbogen resultiert nicht in erster Linie aus Kämpfen und einer Menge Action. Zuerst geht es um die Charaktere und wie sie in einer solchen Welt und unter solchen Umständen zurecht kommen müssen. Trotzdem sorgt Janice Hardy neben allen (politischen) Intrigen auch für kleinere Kämpfe und sehr gewagte Aktionen, bei denen gerade Nya eine ganze Menge riskiert.
Das Ende läuft in einem großen Showdown aus, der auch den letzten Leser zufriedenstellen dürfte. Der Cliffhanger zur Fortsetzung ist nur gering, so dass man "Die Heilerin" als in sich stimmig abgeschlossen betrachten kann.
Eine eher leise Stimme der Fantasy, die deswegen aber nicht weniger begeistert und sicher noch viel zu bieten hat.

Die Heilerkriege:
1. Die Heilerin (The Shifter)
2. Das blaue Feuer (Blue Fire)
3. Krieg der Heiler (Darkfall)


http://www.janicehardy.com/
http://healingwars.blog.janicehardy.com/
For my debut fantasy novel, The Shifter, I tapped into my dark side to create a world where healing was dangerous, and those with the best intentions often made the worst choices. I live in Georgia with my husband, three cats and one nervous freshwater eel.

Freitag, 26. August 2011

Schwestern des Mondes #11 im Februar 2012


Protagonistin im 11. Teil der "Schwestern des Mondes" Reihe ist Delilah, die mittlere der drei Schwestern. Im 8. Teil, der Anfang November unter dem Titel "Katzenjagd" auch bei uns erscheint, soll sich Delilah die Haare abschneiden lassen, was auch schon am Cover zu sehen ist.
Im elften Teil scheint sie immer noch gut mit ihrer Kurzhaarfrisur klarzukommen, denn auch hier ist die flippige Haarpracht zu sehen. Ein wenig provozierend sieht das Model ja aus, das wahrscheinlich auch das deutsche Cover zieren wird, sofern wir Fans der Serie so lange die Treue halten sollten. Laut Originalklappentext gibt es auch handlungstechnisch jede Menge spannende Neuigkeiten.

We're the D'Artigo sisters: sexy, savvy ex-operatives for the Otherworld Intelligence Agency. But being half-human, half-Fae means our powers could go haywire any time-mostly the wrong times. My sister Camille is a wicked-good witch with three sexy husbands. My sister Menolly is a vampire who's dating a werepuma. And me? I'm Delilah, a two-faced werecat and Death Maiden. I watch over things in the Supe Community, where trouble is about to go down hard...
It's Valentine's Day and we're preparing our friend Iris's wedding. But when we get word that the Supe Community Center has been bombed, things get really ugly. The evil coyote shifters-the Koyami-are back and Newkirk, their new leader has joined forces with a group of rogue sorcerers. Then, just as we think things can't get worse, the demon lord Shadow Wing sends in a new front man, and life really goes to hell...


Edit: Gerade lese ich auf der Homepage der Autorin, dass sie erst kürzlich die Verträge für die Bände 13-15 bei ihrem Herausgeber unterschrieben hat. Es geht also weiter! Allerdings erwartet sie nicht, dass es nach #15 weiter gehen wird. Entscheiden soll das allein der Leser.
Andererseits wäre es ja vielleicht auch nicht schlecht, wenn die drei Schwestern ihren Feind endlich besiegen und die Siegel finden und ihr Liebesleben auf die Reihe bekommen. Oder?


1. Witchling - Die Hexe
2. Changeling - Die Katze
3. Darkling - Die Vampirin
4. Dragon Wytch - Hexenküsse
5. Night Huntress - Katzenkrallen
6. Demon Mistress - Vampirliebe
7. Bone Magic - Hexenzorn
8. Harvest Hunting - Katzenjagd
9. Bloodwyne - Vampirblut
10. Courting Darkness (Okt 2011)
11. Shaded Vision (Feb. 2012)
12. Shadow Rising (Okt 2012)


Weitere Beiträge zur Serie:

Montag, 22. August 2011

Angel Eyes. Zwischen Himmel und Hölle - Lisa Desrochers


Titel: Angel Eyes. Zwischen Himmel und Hölle
Autorin: Lisa Desrochers
Originaltitel: Personal Demon
Verlag: Rowohlt Polaris
ISBN: 3862520064
Euro: 14,95
Veröffentlichungsdatum: August 2011
Seiten: 464
Serie: Personal Demons 01
Come in: Vom Verlag





Inhalt

Auf die Schule von Mary Francis - Frannie - Cavanaugh kommt mitten im Schuljahr ein neuer Schüler. Luc(ifer) Cain ist wenig begeistert von seinem neuen Umfeld, doch sein höllischer Auftrag muss erledigt werden. Und da er einer der Besten im Gewerbe ist, wurde er auserwählt die eine Seele zu erobern und in die Tiefen der Hölle zu bringen.
Zwei Dinge, mit denen er nicht rechnet, machen ihm das Leben schwer. Zum einen ist Frannie, die Auserwählte, anders als gedacht und übt eine ungewohnte Anziehungskraft auf ihn aus. Zum anderen bekommt er himmlische Konkurenz in Form von Gab(riel), der Frannie vor weiterem Schaden - und ihm - bewahren soll.

Cover

Das Cover ist nicht besonders spektakulär und zieht dennoch Blicke auf sich. Als Softcover liegt der Roman gut in der Hand.

Meinung

Ich habe den Roman auf Seite 139 (von 464) abgebrochen.
Die Handlung wird wechselseitig von Frannie und Luc in einzelnen, ihnen zugedachten Kapiteln erzählt. Den Anfang macht Luc. Er ist frei heraus mit seinen Gedanken und es wird deutlich, dass er viel Macht besitzt, so viel, dass er alle, die ihm über den Weg laufen, mit nur einem Fingerzeig ins Verderben stürzen könnte. Aber so einfach ist das nicht, denn er muss ihnen die richtigen Worte und Gedanken ins Ohr legen, damit sie nicht nur einmal fehlen, sondern ihr Leben lang dafür sorgen, nach ihrem Tod in die Hölle zu kommen.
Frannie offenbart sich nicht ganz so schnell. Ihre Familie ist nicht nur ungewöhnlich gottesfürchtig, sie blickt auch auf einen schmerzlichen Werdegang zurück. Von Luc ist sie sogleich fasziniert, das Bad-Boy-Image, seine düstere Ausstrahlung ziehen sie beinahe magisch an. Auf einer Party lernt sie Gab kennen, der ebenfalls sogleich eine gewisse Anziehungskraft auf sie ausübt. Davon ist Luc natürlich wenig begeistert.
Diese eigentlich spannende Ausgangslage wird jedoch nur mäßig emotional dagestellt. Hinzu kommt, dass ein nichtssagendes Ereignis das nächste jagt und so im gesamten Geschehen absolut gar nichts passiert. Ein roter Faden ist nicht erkennbar, so dass leider nicht klar ist, wohin alles führen wird bzw. was die eigentliche Motivation hinter allem ist.
Auch die beiden Männer in Frannies Leben geben Rätsel auf. Ihre Namen sind sehr eindeutig, aber es existieren Namensvettern, die zumindest Luc Anweisungen geben. Aber selbst wenn sie sein sollten, was ihre Namen offenbaren, erschließt sich mir nicht, wieso diese selbst auf Seelenfang, und dann auch noch auf diese Art und Weise, gehen sollten.
Es gibt einige Nebenideen, die alles ein wenig aufpeppen. So können Dämonen in etwa die Gefühle von Menschen als bestimmte Gerüche wahrnehmen. Blöd nur, dass man sich als Leser diese merken muss, da man sich sonst ständig fragt, was z.B. gleich noch mal Ingwer ausdrücken sollte.
Für mich war dieses Buch leider nichts, ich kann mir aber vorstellen, dass es seine Liebhaber finden wird. Es ist eben Geschmackssache.


Personal Demons:
1. Personal Demon (Angel Eyes. Zwischen Himmel und Hölle)
2. Original Sin
3. Hellbent (May 2012)


http://www.lisadwrites.com/
http://lisadesrochers.blogspot.com/
Lisa Desrochers lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern in Kalifornien. Sie betreibt eine Praxis für Physiotherapie. Als Gesundheitsreferentin ist sie regelmäßig innerhalb und außerhalb der USA unterwegs. Mit «Angel Eyes» hat sich für die begeisterte Leserin von Fantasyromanen ein großer Traum erfüllt. Zur Zeit arbeitet sie an dem Folgeband.

Freitag, 19. August 2011

(Autorenplausch) Thomas Elbel: Asylon (Warum Dystopie?)


Titel: Asylon
Autor: Thomas Elbel
Originaltitel, 448 Seiten
ISBN: 3492267920
Euro: 9,95
http://www.asylon.de/












Liebe Leser der Verlorenen Werke,

ich bin Thomas Elbel, der Autor des bei Piper in diesem August erschienenen dystopischen Romans „Asylon“, der zugleich mein Debüt ist. Ich bin 43 Jahre alt und lebe in Berlin. Wenn ich nicht schreibe, nerve ich die Studenten der Hochschule Osnabrück mit öffentlichem Recht oder beschäftige mich mit meiner Familie.

Warum Dystopie? werde ich häufig gefragt. Dystopien sind weniger gut verkäuflich als allgemeine Fantasy oder Science Fiction. Es gibt bis jetzt kaum deutsche Autoren mit erfolgreichen Dystopien. Viele Agenturen und Verlage haben noch bis vor kurzem abgewunken, wenn jemand mit einer dystopischen Idee kam.
Warum also?
Nun, als ich Anfang der achtziger Jahre meine erste Berührung mit dem Genre hatte, kannte ich den Begriff noch gar nicht. Blade Runner, Ridley Scotts Meisterwerk, diese eindringliche Mischung aus Detektivstory im Film Noir Stil à la „Die Spur des Falken“ und Elementen des von William Gibson begründeten Cyberpunk-Genres war für mich die Initialzündung. Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich seitdem damit verbracht habe, den Film wieder und wieder zu sehen, ohne dass er aufhört, mich zu berühren.

Doch was ist es, was mich daran so nachhaltig fasziniert hat, dass ich so viele Jahre später den Drang spürte, mich in demselben Genre zu versuchen?
Nun, zum einen sicherlich das Setting. Eine komplett urbanisierte, technoide Welt in der die Natur zum Randphänomen wird. Die Stadt als hektisch wimmelnder Ameisenhaufen in dem Myriaden von Artgenossen dem Menschen täglich seine eigene Belanglosigkeit und Vereinzelung vor Augen führen, aber die auch ungeahnte Freiräume bietet, für alle Arten von Subkultur und schrägen Exzentrikern. Hört sich für mich ungefähr an, wie das West-Berlin der achtziger Jahre, das für mich immer ein mythischer Ort war. Viele Dystopien bevorzugen den urbanen Dschungel als Hintergrund.

Zweitens die Charaktere. Ich bin kein Fan von Schwarzweißzeichnerei bei der Charakterisierung meines Personals. Dystopien geben da einfach einen hervorragenden Aufenthaltsort für Femmes Fatales, zwielichtige Nebenfiguren und vor allem für gebrochene Helden ab, wie eben den Blade Runner John Deckert oder etwa John Preston, den von Christian Bale gespielten Helden in Equilibrium.
Die Helden in Dystopien machen meistens eine spannende Entwicklung durch. Viele starten als Freund des dystopischen Systems oder stehen ihm zumindest indifferent gegenüber; denkt an Thomas „Neo“ Anderson aus Matrix. Irgendwann kommt dann der Punkt, wo sie sich gegen die Welt, die sie kennen, auflehnen und alle Brücken hinter sich abbrechen müssen („Die blaue oder die rote Pille?“). Ich finde diese Art der psychologischenReifung eines Charakters vom Mitläufer oder Herdenschäfchen zum Rebellen unglaublich attraktiv und spannend.

Zuguterletzt die Moral. Dystopien sind meist hochmoralisch, aber ohne den berüchtigten Zeigefinger. Der Ausgangspunkt einer Dystopie ist zumeist ihr Gegenteil, die Utopie, also der Wunsch nach einer besseren Welt. Häufig kommt es dabei quasi zu einem Überschießen der utopischen Energie. Die herrschende Klasse überdehnt ihre Idee der besseren Welt und verkehrt sie dadurch in einen Alptraum. In „Minority Report“ (dessen literarisches Vorbild übrigens genau wie Blade Runner auf einer Geschichte aus der Feder des genialen Philip K. Dick beruht) besteht die utopische Idee darin, Verbrechen vorherzusagen und sie dadurch zu verhindern, bevor sie passieren. Klingt erst mal gut. Aber was macht man mit dem potentiellen Täter, wenn dieser (noch) gar nichts getan hat? Sind wir Herren unseres Handelns oder ist es uns vorbestimmt? Und wenn alles Handeln vorhersagbar ist, kann man dann überhaupt noch von Schuld sprechen? Spannende Fragen, finde ich. In der Geschichte wird John Anderton vom Jäger zum Gejagten. Selber Polizist der Organisation PreCrime, erhält er eine Voraussage, der zufolge er selbst zum Mörder werden wird. Wer das für Zukunftsmusik hält: Scotland Yard arbeitet an solchen Konzepten. Und außerdem: Seit einige Neuropsychologen die Ansicht vertreten, der Mensch habe eben doch keinen freien Willen, raufen sich die Strafrechtler die Haare über den Schuldbegriff.

Dystopien haben auch – anders als die klassische Science Fiction – die Tendenz in unserer Gegenwart bereits sichtbare Tendenzen aufzugreifen und ins Extreme zu übersteuern, um zu sehen welche Fragen das aufwirft. Was wäre, wenn die Heilkunst fast jede Krankheit heilen könnte, aber wegen der gestiegenen Heilkosten kaum noch ein Mensch eine Krankenversicherung bezahlen kann? Was wäre, wenn man menschliche Hirne irgendwann mit maschineller Intelligenz vernetzen könnte? Es gibt so viele spannende Fragen und Dystopien erlauben mir, sie zu stellen, ohne dass es langweilig oder belehrend wird. Bestimmt werde ich ihnen noch eine Weile treu bleiben.

Ich hoffe, ich konnte Euch ein wenig für mein Lieblingsgenre begeistern.
Berlin im August 2011
Euer Thomas

Mittwoch, 17. August 2011

Pirat der Liebe - Maren Frank


Titel: Pirat der Liebe
Autorin: Maren Frank
Originaltitel
Verlag: Fantasy Welt Zone
ISBN: 3942539039
Euro: 8,95
Veröffentlichungsdatum: Januar 2011
Seiten: 92
Kein Serientitel
Come in: Vom Autor





Inhalt

Karibik 1684: Lucian Whitecomb, Kapitän eines Piratenschiffes, entdeckt auf einem vom Sturm zerstörten Schiff die junge Abigail, Lady of Pembroke Forest. Sie ist stark geschwächt und die einzige Überlebende.
Er bringt sie auf sein Schiff und stellt sie unter seinen persönlichen Schutz. Eingepfercht in seine kleine Kajüte kommen sich die beiden schnell näher. Doch Abigail weiß nicht, ob sie dem Pirat, der wie ein gebildeter Mann spricht und handelt, vertrauen kann.

Cover

Zum Lachen gebracht hat mich der Hinweis, dass das dargestellte Model nichts mit den Inhalten des Romans zu tun hat.
Ansonsten ist das Cover stimmig und passt zum Inhalt.

Meinung

In den zweiundneunzig Seiten wird eine zwar recht knappe, aber dennoch für das Genre sehr typische Geschichte erzählt.
Abigail ist eine junge, naive aber dennoch sympathische Heldin, die mächtig Glück gehabt hat. Sie schafft es, eine glaubhafte Wandlung durchzumachen und ihr Leben schließlich selbst in den Griff zu nehmen.
Lucian ist ein typischer Held, der genau weiß, was er will und sich auch mal an seinem Ziel festbeißt. Der Drang, die Heldin vor allen Widrigkeiten zu beschützen, ist stark ausgeprägt und wird nicht sofort als echtes Gefühl erkannt.
Etwas eigenartig wirkt es zunächst, dass beide sich sofort Duzen und Abigail nicht auch durch das "Ihr" versucht, sich den attraktiven Kapitän vom Leib zu halten.
Die geringe Länge des Romans bedingt eine gewisse Vorhersehbarkeit und auch das Fehlen eines wirklichen Problems, einer Sache, an der die zarte Liebe zunächst zu scheitern droht.
Ansonsten ist es unglaublich, wie eine Geschichte, die für gewöhnlich auf mindestens dreihundertfünfzig Seiten erzählt wird in genau zweiundneunzig hineinpasst, ohne dass etwas zu fehlen scheint.
Maren Frank hat beim 2. Geschichtenwettbewerb des Fantasy Welt Zone-Autoren-Board den 2. Platz belegt, bei dem gewisse Vorgaben ausschlaggebend (z.B. Umfang) gewesen sind. Wer jedoch trotzdem eine gute, lesenswerte Geschichte abliefern kann, von dem gibt es hoffentlich bald auch etwas Längeres auf dem Markt.


http://buecher-lesen.blog.de/
Die Autorin wurde am 29. Oktober 1977 in Wanne-Eickel geboren. Schreiben ist ihre ganz große Leidenschaft, so dass es schon zu mehreren Veröffentlichungen in verschiedenen Verlagen kam. Unter Pseudonym schreibt sie Liebesromane für den CORA-Verlag. Zu ihren Hobbys gehört das Lesen, und auch dort bevorzugt sie Liebesromane.

Montag, 15. August 2011

Home Improvement: Undead Edition


Im August ist eine neue (englische) Anthologie erschienen, die eine Menge toller Autoren zu bieten hat.

The editors of the New York Times bestselling Death's Excellent Vacation bring home a new collection ... with a never-before- published Sookie Stackhouse story!

There's nothing like home renovation for finding skeletons in the closet or otherwordly portals in the attic. Now, for any homeowner who's ever wondered, "What's that creaking sound?" or fans of "how to" television who'd like a little unreality mixed in with their reality shows, editors Charlaine Harris and Toni L. P. Kelner return with an all-new collection of the paranormal perils of Do-It-Yourself.

Sookie Stackhouse resides in these pages, in a never-before-published story by #1 New York Times bestselling author Charlaine Harris. And New York Times bestselling authors Patricia Briggs, James Grady, Heather Graham, Melissa Marr, and nine other outstanding writers have constructed more frightening and funny fixer-upper tales guaranteed to shake foundations and rattle readers' pipes.

Stacia Kane hat eine Geschichte beigesteuert und schreibt: "I’m really excited about this one, and I hope you all are too; it’s the first new Downside material released since CITY OF GHOSTS (I’m not counting MADDIE CARVER, because although it was set in this world it wasn’t technically a Downside story, and although we caught a glimpse of Elder Griffin in it, it doesn’t have any of the regular characters, really)."

Auch Seanan MacGuire ist dabei. "Through This House," an October Daye short story, has cropped up in the anthology Home Improvement: Undead Edition, ready for your reading pleasure." (Quelle siehe Homepage)

Auch Melissa Marr hat eine Geschichte für die Antho geschrieben. "This is a story about dealing with the Home Owners Association ... which results in some complications for my protagonists." (Quelle: Newsletter)

Auf dem Cover sind noch Charlaine Harries, Patricia Briggs, James Grady und Heather Graham namentlich genannt. Insgesamt sollen vierzehn hochwertige Geschichten zusammen gekommen sein.
Mich würde dabei noch interessieren, wie ausgelost wird, welche Namen es aufs Cover schaffen und welche nicht. Und natürlich, ob es diese Anthologie in die deutsche Übersetzung schaffen wird.


Sonntag, 14. August 2011

Brennendes Herz - Ilsa J. Bick


Titel: Brennendes Herz
Autorin: Ilsa J. Bick
Originaltitel: Ashes
Verlag: INK
ISBN: 386396005X
Euro: 19,99
Veröffentlichungsdatum: August 2011
Seiten: 576
Serie: Ashes 01
Come in: Vom Verlag





Inhalt

Alexandra - Alex - Adair lebt nach dem Unfalltod ihrer Eltern bei ihrer Tante. Sie ist krank, denn ein Tumor frisst sich durch ihr Gehirn. Darum nutzt sie die Gelegenheit, als es ihr gesundheitlich etwas besser geht, und fährt ins Naturschutzgebiet Waucamaw, um dort das letzte, an dem ihr etwas liegt, zu erledigen. Bei ihrer Wanderung trifft Alex den alten Jack Cranford und seine achtjährige Enkelin Ellie.
Völlig unvorbereitet werden alle von einer Druckwelle zu Boden geworfen, die Tiere spielen verrückt und Alex glaubt, das sei das Ende der Welt. Tatsächlich ist etwas Unvorstellbares geschehen, das alle Erwachsenen bis etwa zum sechzigsten Lebensjahr getötet und die meisten Jugendliche verändert hat.
Alex macht sich mit Ellie, die um ihren Großvater trauert, auf den Weg hinab ins Tal, nicht ahnend, was eigentlich geschehen ist. Dabei treffen sie auf einige veränderte Jugendliche, die sich wie willenlose Zombies benehmen. Im letzten Moment rettet der geheimnisvolle Tom Eden, ein junger Ex-Soldat aus Afghanistan, ihnen das Leben. Gemeinsam versuchen sie zu ergründen, was passiert ist und wie es fortan mit der Menschheit und ihnen weitergehen soll.

Cover

Das Covermotiv stammt von Peter Karasev und wurde von Hanna Hörl Designbüro in Szene gesetzt.
Hanna Hörl hat Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Mainz studiert und war im Bereich Buchgestaltung und Cover-Design sowie als Art Director tätig. Für Oetinger hat sie die Cover der Roman-Trilogie "Die Tribute von Panem" von Suzanne Collins kreiert sowie der Reihen "Göttlich verdammt" von Josephine Angelini und "Gods of Manhattan" von Scott Mebus. Hanna Hörl starb im Juni 2011.

Meinung

Ilsa J. Bick hat einen sehr lesenwerten Roman geschaffen, der nicht nur Spannung aufzubauen weiß, sondern auch zum Nachdenken anregt. Leider gibt es jedoch auch Passagen, die sich recht zäh lesen.
Das erste Drittel schildert im Wesentlichen das, was passiert ist, von dem später aber niemand genau sagen kann, was es nun eigentlich war. Die verschiedenen Erklärungsversuche verwirren mitunter, da es im Grunde jedoch nicht so wichtig ist, lässt sich leicht darüber hinweglesen. Die Mitte dient dem Kennenlernen und zarte Bande knüpfen - wenn man das so nennen möchte - und als Vorbereitung auf das letzte Drittel, das die Hauptlast der Geschichte trägt und sicher auch in der Fortsetzung thematisiert wird.
Die Autorin steigt in ihrer Geschichte sofort ein und lässt die Katastrophe über ihre Figuren hereinbrechen. Anschaulich und bildhaft wird das Geschehen geschildert, bei dem die Figuren stets im Vordergrund stehen. Manchmal sind einige Aspekte etwas vorhersehbar, weil sie so oft erwähnt werden, dass es kaum noch eine Überraschung ist, wenn sie schließlich passieren.
Die junge Alex ist ein taffes Mädchen, das sich nicht nur allein in der Natur zu behaupten weiß. Ihre Willensstärke treibt sie und andere stets vorwärts, wobei nie sicher ist, ob sie ihr eigenes Tempo und ihre eigene Zuversicht halten kann. Sie wurde als liebeswerter Charakter angelegt, mit dem es leicht ist, mitzufühlen. Ein kleiner Touch Superheldin musste wohl sein, sonst könnte sie in so einer Welt nicht überleben.
Toms Denkweise und Taten lassen ihn älter wirken, als er in Wirklichkeit ist. Seine Ruhe und sein klares Überlegen trotz dessen, was er erlebt hat, sind seine Stärke. Manchmal tritt er stark in den Hintergrund, so dass man sich unwillkürlich fragt, ob es ihn noch gibt. Zwischen den beiden jungen Leuten gibt es keine Romantik, aber trotzdem eine ganz leichte Liebesgeschichte. Diese ist eigentlich so unerheblich, dass es ein wenig unglaubhaft wirkt, wenn eben diese Alex' Handlungsweisen zum Ende des Romans so stark beherrscht.
Abenteuer- und Actionfreunde dürfen sich ab der Hälfte des Romans auf einiges freuen. Zunächst wirkt die Handlung vergleichsweise harmlos, erst, als sich die Helden aus dem Naturschutzgebiet wagen, wird die Atmosphäre düsterer. Daher ist der Roman ab sechzehn Jahren zu empfehlen, weil Gewalt und Blut im hinteren Geschichten teil eine wahrnehmbare Rolle einnehmen.
Obwohl ich "Brennendes Herz" für eine unterhaltsame Geschichte halte, komme ich nicht umhin es mit dem kürzlich von mir gelesenen "Nach dem Ende" zu vergleichen. Beide Heldinnen sind etwa im gleichen Alter und müssen mit einem Leben nach der Katastrophe zurecht kommen. Alden Bells Roman ist aber nicht für die gleiche Zielgruppe geschrieben worden, was an Cover und Preis schnell zu merken ist. Dennoch hat mich dieser Roman so begeistert, dass es das Lesevergnügen von Ilsa J. Bicks Werk geschmälert hat, da es hier bereits erwähnte Passagen gibt, die sich recht in die Länge ziehen und diverse Erklärungsversuche dafür, was nun eigentlich passiert ist, die oft keinen rechten Sinn ergeben. Würde das Buch nicht gar so viel kosten, würde es wahrscheinlich gar keine so große Rolle spielen, da das Gesamtbild insgesamt sehr stimmig und kurzweilig ist. So jedoch möchte ich eher eine zögerliche Leseempfehlung aussprechen.


Ashes-Trilogie:
1. Ashes (Brennendes Herz)
2. Shadows
3. Monsters


http://www.ilsajbick.com/
Ilsa J. Bick, Kinderpsychologin und mehrfach ausgezeichnete Autorin, lebt in Wisconsin. Sie hat einen Abschluss in Literatur und Film.


Freitag, 12. August 2011

Rotkäppchens Rache - Jim C. Hines


Titel: Rotkäppchens Rache
Autor: Jim C. Hines
Originaltitel: Red Hood's Revenge
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 3404200055
Euro: 8,99
Veröffentlichungsdatum: Juni 2011
Seiten: 432
Serie: Princess Novels 03
Come in: Vom Verlag






Inhalt

Obwohl nun schon einige Zeit verheiratet und Mutter eines kleinen Sohnes, denkt Danielle (aka Aschenputtel) nicht daran, fortan das brave Hausmütterchen zu mimen. Noch immer herrscht Aufruhr in den Märchenlanden. Ihr zur Seite stehen die Prinzessinnen Talia (Dornröschen) und Schnee(wittchen).
Als die drei einen gefährlichen Kinderräuber (Rumpelstilzchen) gefangen setzen und ihn zu seiner gerechten Strafe überführen wollen, wird sein Transport überfallen. Alles, was übrig bleibt, ist eine geheimnisvolle Nachricht von der Lady mit der roten Kapuze, einer Assassine, die stets für den Meistbietenden arbeitet. Doch nun hat es Roudette (Rotkäppchen) auf ihr privates Vergnügen abgesehen, sie will diejenige töten, die sich ihr einstmals in den Weg gestellt und gewonnen hat.
Doch die hat zwei gute Freundinnen, die ihr zur Seite stehen. Dabei verschlägt es Talia jedoch in ihre Heimat, wo ein noch größerer Feind auf sie wartet ...


Meinung

"Rotkäppchens Rache" ist der dritte Teil der Princess-Romane (dt. Die Todesengel) von Jim C. Hines und sollte am besten in Folge gelesen werden. Obwohl die Handlung jedes Romans in sich abgeschlossen ist und zu einem meist befriedigenden (Happy) Ende geführt wird, läuft das Gesamtgeschehen konstant über viele Jahre lang hintereinander ab.
Vom ersten Teil noch eher mäßig begeistert, reißt's der dritte raus. Dabei schafft es Herr Hines jedoch leider immer noch nicht recht, den Leser an jede Zeile zu binden, so dass doch wieder hier und da einige Längen entstehen. Das liegt vor allem daran, dass er sich gern in Details verliert und mit Actionszenen und manchmal recht konstruierten Hintergrundgeschichten versucht über fehlende Emotionalität und Tiefe hinwegzutäuschen.
Im Vordergrund steht nicht, wie bei Titel und Klappentext anzunehmen, Roudette, sondern Talia (Dornröschen). Die junge Frau mit dem roten Kapuzenumhang wird jedoch ebenfalls näher beleuchtet und mit einer neu erzählten Vergangenheit ausgerüstet. Die wichtigsten Elemente sind da, wirklich glaubhaft ist es leider nicht gelungen.
Talia erscheint im dritten Teil menschlicher, weil ihre Geschichte erzählt wird. Ihre kriegerische und manchmal auch negative Grundeinstellung wird dadurch glaubhaft und nachvollziehbar. Am Beginn des Romans entwickelt sich eine kleine lesbische Liebesgeschichte, die dann über weite Teile nicht mehr erwähnt wird, bis sie schließlich ganz am Ende noch einmal auftaucht. Ihre Gefühle für ihre Mitstreiterin zeichnen die harten Konturen um die Figur Talia jedoch weicher.
Aufgrund der unterschiedlichen Ausgangssituationen bauen sich auch mehrere Spannungsbögen auf. Actionfreunde werden auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen, denn daran spart hier niemand.
Die Grundatmosphäre ist zumeist recht düster und spitzt die Lage zusätzlich zu.
Neben den Einzelschicksalen und -geschichten der Prinzessinnen gibt es eine übergreifende Handlung über einen gemeinsamen, beinahe übermächtigen Feind, den es zu besiegen gilt. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Aufdeckung eines Geheimnisses. Ob dies ausreicht, um im vierten und bisher letzten Serienteil zu einem Abschluss zu gelangen, bleibt abzuwarten.
Insgesamt etwas schade an den Romanen ist, dass der Autor ziemlich außer Acht lässt, warum einst Frauen bzw. junge Mädchen in den Mittelpunkt dieser Geschichten gestellt worden sind. Damit geht natürlich auch viel Grundaussage, ebenso wie Moral und ein bisschen Zeigefinger verloren.
Hoher Unterhaltungswert, mit bekannten Märchenelementen neu in Szene gesetzt, dabei eine etwas ausgedünnte Handlung, aber viel Action und Abenteuer. Durch neue und genauer erzählte Hintergrundgeschichten mehr Einsichten in Motivation und Wünsche, Ziele und Träume der Heldinnen.


Princess Novels:
1. The Stepsister Scheme (Drei Engel für Armand)
2. The Mermaid's Madness (Die fiese Meerjungfrau)
3. Red Hood's Revenge (Rotkäppchens Rache)
4. The Snow Queen's Shadow (Juli 2011)


http://www.jimchines.com/
Jim C. Hines wurde 1974 geboren. Er hat Psychologie und Anglistik an der Michigan State University studiert. Er schreibt seit den frühen neunziger Jahren, inzwischen als Vollzeit-Autor. Jim C. Hines lebt heute mit seiner Familie und vielen Haustieren in Michigan.

Mittwoch, 10. August 2011

Der Engel mit dem Schwert - C.J. Cherryh


Titel: Der Engel mit dem Schwert
Autorin: C.J. Cherryh
Originaltitel: Angel with the Sword
Verlag: Heyne
ISBN: 3453027892
Euro: Nicht mehr im Handel erhältlich.
Veröffentlichungsdatum: 1988
Seiten: 403
Serie: Merovingen Nights
Come in: Gekauft (Antiquariat)








Inhalt

Auf einem Planeten außerhalb des Sonnensystems: Die siebzehnjährige Altair Jones verdient sich ihren Lebensunterhalt auf dem Boot ihrer Mutter in den Wasserstraßen ihrer Heimatstadt Merovingen. Der Schnapsschmuggel ist nicht lukrativ, aber sie kann davon leben und über ihr eigenes Leben bestimmen.
Eines Tages sieht sie mit an, wie ein junger Mann von den Brücken der Oberschicht geworfen wird. Sie fischt ihn unfreiwillig aus dem Wasser und pflegt ihn gesund. Von Anfang an merkt sie, dass er besseres, als das Leben einer Kanalratte, den Ärmsten der Armen, gewöhnt ist. Aber dass Thomas - Tom - Mondragon zur Oberschicht gehört und zudem in ein gefährliches politisches Intrigenspiel verwickelt ist, hätte sie nicht gedacht.
Ihr Verstand rät ihr, ihn einfach ziehen zu lassen, doch als es ihm gut genug dafür geht, hat sie sich längst in ihn verliebt. Obwohl er ihre Gefühle erwidert, versucht er ihr aus dem Weg zu gehen, um ihr Leben zu schützen. Aber Altair hat schon früh gelernt zu kämpfen und dieser Preis ist es ihr mehr als Wert.


Cover/Anhang


Das Cover stammt vom Atelier Ingrid Schütz, über das sich leider keine Informationen mehr finden lassen. Aber was auf jeden Fall erwähnt werden muss ist, dass es nicht das Originalcover darstellt und eigens für die deutsche Übersetzung angefertigt worden sein muss. Endlich ein Cover, das wie die Faust auf's Auge zum Inhalt eines Romans passt! Danke, könnte ich mir immer wieder ansehen.
Weiterhin ist das Buch mit eigenen Szene-Bildern versehen. Ich kannte dies bisher nur von Robert Jordans "Das Rad der Zeit". Sie sind stimmig, schön anzusehen und bereichern den Text.


Der Anhang, der etwa ein Drittel des Buches ausmacht, zum Verständnis jedoch nicht gelesen werden muss, enthält einige Karten, die nicht immer ganz leicht zu lesen sind. Jedoch wurden sie spektakulär und mit sehr viel Detailliebe in Szene gesetzt.
Weiterhin gibt es jede Menge Text, in dem die Geschichte des Planeten und seiner (nicht nur menschlichen) Bewohner dargelegt wird. Unterschiedliche Städte und Personengruppen werden näher beleuchtet und überhaupt gibt es jede Menge Zusatzmaterial. Hier zeigt sich, wie viel Zeit die Autorin in die Ausarbeitung der Welt und der gesamten Geschichte gesteckt hat.
Das Potential für viele weitere Geschichten in diesem Umfeld ist gegeben.

Meinung

"Der Engel mit dem Schwert" bildet den Auftakt der "Merovingen Nights", einer Serie von sieben Anthologien, die von C. J. Cherryh herausgegeben worden sind. Die Erzählungen stammen unter anderem von Lynn Abbey, Nancy Asire, Robert Lynn Asprin, Leslie Fish, Mercedes Lackey, Chris Morris, Janet Morris, Roberta Rogow und Bradley H. Sinor.
Cherryh gibt in den Romanen eine thematische Einleitung und verbindet die Erzählungen mit kurzen Textpassagen.
Merovingen Nights:
Festival Moon (1987)
Fever Season (1987)
Troubled Waters (1988)
Smuggler's Gold (1988)
Divine Right (1989)
Flood Tide (1990)
Endgame (1991)
Leider hat es keine davon in die deutsche Übersetzung geschafft.

Trotz der jungen Heldin handelt es sich bei diesem Roman um keine Geschichte für jugendliche Leser (Young Adult).
Zunächst wird, für die Enstehungszeit noch typisch, eine kurze Einleitung gegeben, die sehr geschickt auf die Heldin und ihren Alltag überleitet. Schon nach diesen wenigen Seiten wird deutlich, dass hier auf sehr hohem Niveau geschrieben wird. Es werden Bilder gezeigt, viel Atmosphäre aufgebaut und Nebensätze gebildet. Endlich wieder Details der Marke "Staub in den Ecken" ohne dabei jedoch langatmig zu werden. Etwas, das ich schon seit geraumer Zeit vermisse, als ginge es nur noch darum, schnell zum Punkt zu kommen und das in möglichst einfachen Worten, damit auch wirklich kein Leser Verständnisprobleme hat. Einige Phasen der Rechtschreibreform(en) haben sich des Phänomens ja ebenfalls angenommen - "Der Engel mit dem Schwert" stammt aus der Zeit davor.
Altair ist eine Frau mit Format. Sie trägt ihr Haar kurz, verzichtet auch mal auf Körperhygiene und kleidet sich praktisch, was allerdings auch eine Kostenfrage darstellt. Sie ist es von klein auf gewohnt, auf einem Boot zu leben, man denke nur an Flüsse in China, wo ganze Familien nie an Land gewesen sind. Ebenfalls hieß es, sich von Kindesbeinen an durchzubeißen, das Leben als Kanalratte schenkt nichts, nimmt dafür umso schneller. Mit zwölf Jahren steht sie allein und obwohl es ihr niemand zutraut, schlägt sie sich recht gut durch.
In ihren Alltag platzt nun ein junger, gutaussehender Mann, der ihr völliges Gegenteil zu sein scheint. Wo sie dunkel ist, ist er hell, wo sie keine Manieren besitzt, hat er umso mehr. Ihn an das Leben auf dem Boot zu gewöhnen, gelingt Altair nicht. Dafür macht sie ihm ein unschlagbares Angebot: Er darf ihr Liebhaber werden. Auf den Mund gefallen ist sie also auch nicht und nimmt sich, was ihr gefällt, ungeachtet, was andere dazu sagen könnten.
Obwohl sie nie eine Schule besucht hat, ist sie nicht auf den Kopf gefallen und rettet so einige Male anderen Personen das Leben. Nur die Politik und deren Intrigen will nicht in ihren Kopf. Kurz und gut: Eine Heldin, wie sie Ecken-und-Kantiger nicht sein könnte, dabei liebeswert und sehr sympathisch.
Tom bleibt zunächst etwas blass, obwohl auch er schnell ins Herz geschlossen ist. Er kann nicht viel von sich preis geben, ohne auch Altair in Gefahr zu bringen; der Leser weiß nie mehr, als das Heldenpaar.
Obwohl sie ganz anders ist, als alle Frauen, die er bisher so kannte und zudem auch eine Ecke jünger, fühlt er sich schnell zu ihr hingezogen. Das mag das einzige Manko des Romanes sein, denn es geschieht nach meinem Empfinden einfach zu zackig. Die Misstöne halten jedoch nur kurz an und verlieren sich in der spannenden Story.
Die Liebesgeschichte steht niemals im Vordergrund und läuft mehr nebenbei ab, bildet aber die Motivation, die die Handlung bedingt. Es gibt keine rosa Herzchen oder zarte Küsse. Die Gefühle werden durch Blicke und Gesten, ausgefeilte Dialoge und natürlich diverse Rettungsmanöver ausgedrückt. Sich während einer Verfolgungsjagd oder in einem Versteck nach dreckiger Flucht auch körperlich näher zu kommen, ist nicht ganz einfach. Aber Tom bringt Altair nach und nach bei, was eine Badewanne ist.
Die Handlung konzentriert sich vordergründig auf Altair, Tom ist mehr wie die Karotte vor der Nase des Pferdes. Seine Geheimnisse bringen beide in Gefahr. Der Spannungsbogen baut sich gemächlich auf, läuft aber mehr als zufriedenstellend aus. Dabei muss das, was sich alle Parteien gegenseitig verschweigen aufgedeckt werden, es gibt aber auch Kämpfe und Scharmützel am laufenden Band, so dass Actionfreunde auf ihre Kosten kommen werden. Dabei macht jedoch die Ausgewogenheit der Geschichte einen großen Reiz aus.
Obwohl der Roman als Science Fiction bezeichnet wird, wirkt das Geschehen mehr wie eine historische Geschichte in einem fiktiven Umfeld. Sowohl der Planet in seiner Historie, als auch die Gründungsgeschichte der Stadt spielen keine Rolle.
"Der Engel mit dem Schwert" (damit ist übrigens nicht Altair gemeint) stellt rundherum zufrieden, gibt eine ausgewogene, spannende Story zum Besten, eine überaus genau konzipierte Welt und in sich stimmige Charaktere, die absolut lebensecht wirken. Sehr empfehlenswert.


http://www.cherryh.com/
Caroline Janice Cherry, 1942 in St. Louis geboren, ist eine amerikanische Schriftstellerin. Sie hat seit Mitte der 1970er Jahren mehr als 50 Science-Fiction- und Fantasy-Romane sowie diverse Erzählungen geschrieben, einschließlich der Hugo-Award-Gewinner Kassandra (1979), Pells Stern (1982) und Cyteen (1989). Sie lebt im Staat Washington.

Montag, 8. August 2011

Covergleichheit: Die (kalte) Schulter zeigen


Als ich das Cover zu "Das verbotene Eden. David und Juna" von Thomas Thiemeyer
das erste Mal sah, wusste ich, dass ich das junge Mädchen darauf schon einmal gesehen hatte. Nur wo, das wusste ich nicht mehr. Ein Wort schwirrte dazu in meinem Kopf herum: Eule. Aber soll eine solche mit abgebildet sein? Kommt das Wort im Titel vor? Ich weiß es nicht mehr. Schließlich stieß ich auf "Magische Töchter" von Justine Larbalestier und es ist das gleiche Mädchen zu sehen.
U-n-g-l-a-u-b-l-i-c-h, was Farbe und Kleidung ausmachen können!

Männer und Frauen. Feuer und Wasser. David und Juna. Die Menschheit steht kurz vor ihrem Ende. Seit den »dunklen Jahren« leben Männer und Frauen in erbitterter Feindschaft. Die Zivilisation ist untergegangen: Während die Männer in den Ruinen der alten Städte hausen, haben die Frauen in der wilden Natur ein neues Leben angefangen. Nichts scheint undenkbarer und gefährlicher in dieser Welt als die Liebe zwischen der 17-jährigen Kriegerin Juna und dem jungen Mönch David. Und doch ist sie der letzte Hoffnungsschimmer ...





Seit die vierzehnjährige Reason Cansino denken kann, ist sie auf der Flucht vor den dunklen Ritualen, die in ihrer Familie praktiziert werden. Als sie in Sydney im Haus ihrer Großmutter Esmeralda heimlich eine magische Hintertür öffnet, steht sie plötzlich mitten im tief verschneiten New York. Dort erfährt Reason eine schicksalhafte Wahrheit: Magie gibt es. Sie ist gefährlich. Und sie kann töten. Denn ein gewisser Jason Blake ist hinter ihr her, um ihre unverbrauchten Magiereserven anzuzapfen ...




Das Model gibt es übrigens auch noch aus anderen Positionen zu bestaunen:



Vielen lieben Dank an Anette für den Hinweis! Auch Mary Stantons vierten Teil ziert das gleiche Mädchen.

Freitag, 5. August 2011

Paris - Stadt der Sünde - Anne Stuart


Titel: Paris - Stadt der Sünde
Autorin: Anne Stuart
Originaltitel: Ruthless
Verlag: Cora
ISBN: 4194735305502
Euro: 5,50
Veröffentlichungsdatum: Mai 2011
Seiten: 320
Serie: The House of Rohan 01
Come in: Gekauft







Inhalt

Paris 1765: Das Exil hat die Lebensumstände der Familie Harriman nicht verbessert, was vor allem an der Spiel- und Trunksucht der Mutter liegt. Die ältere Tochter Elinor versucht, die Lage in den Griff zu bekommen, scheitert jedoch oft. Obwohl sie am Existenzminimum dahinvegetieren, entwendet die schwerkranke Mutter das letzte Geld und den letzten Schmuck und macht sich auf zum Wohnsitz des Comte de Giverney, Viscount Rohan.
Francis Alistair Rohan veranstaltet dort wüste Orgien, bei denen alles erlaubt ist und er selbst als selbsternannter Fürst der Finsternis regiert.
Um die Familienehre und das letzte bisschen Hab und Gut zu retten, folgt Elinor ihrer Mutter dorthin und wird vor Rohan gebracht. Er ist erfreut, ein wenig Ablenkung seiner üblichen Sinnesfreuden zu bekommen und hilft ihr. Weil er hingerissen von ihrer Unschuld und ihrem starken Willen ist, beschließt er, dass sie als nächstes sein Bett mit ihm teilen soll. Hartnäckig macht er sich daran, sie zu verführen. Doch Elinor blickt auf freudlose und erschreckende Erinnerungen zurück und hat geschworen, sich nie wieder einem Manne hinzugeben.
Rohan jedoch ist es nicht gewohnt, zu verlieren und setzt auf seine eigenen Methoden.

Cover

Das Cover und vor allem der Titel wecken leider Erwartungen, die der Roman nicht erfüllen kann, noch will. Es werden keine wüsten Gelage, noch nicht einmal sinnliche, ausschweifende erotischen Szenen (es gibt gegen Ende einige wenige) beschrieben. Im Gegenteil, statt sexy Romantik gibt es den rohen Alltag einer verarmten jungen Frau, die sich den Annäherungsversuchen eines sehr reichen Mannes nicht erwehren kann.

Meinung

Anne Stuart hat in diesem Roman augenscheinlich ein kleines Faible dafür, ihre Figuren leiden zu lassen, ausgelebt. Sehr realistisch und ungeschönt geht es im gesamten Roman zu. Die Lebensumstände, unter denen die Harrimans leben müssen sind hart und kaum auszuhalten. An dieser Situation ist Elinor gewachsen, wenn auch oft fast gescheitert. Die Liebe zu ihrer Schwester, die mitunter aufgrund beider Vergangenheit etwas unglaubwürdig wirkt, hält sie aufrecht.
Rohan ist nun kein Held, der zu ihrer Rettung eilt. Zwar gibt er ihr Dinge, die der Familie das Dasein erleichtern sollen, doch macht er von Anfang an deutlich, dass er dafür auch etwas erwartet. Obwohl Elinor seine Avancen nicht wünscht, drängt er sich ihr mehr und mehr auf, ohne dass sie etwas dagegen unternehmen könnte. Es ist nicht immer einfach als Leser dabei zuzusehen, wie er schließlich Dinge verlangt, gegen die sie sich absolut nicht wehren kann und gefangen in einem unsichtbaren Käfig sitzt.
Doch Rohan, der selbst ein einsamer und gequälter Held ist, nutzt die Situationen nie vollends aus. Der Mann weiß, was er will und auch wie es zu bekommen ist. Unter seiner äußeren Teufelsmaske sitzt von Anfang an ein ehrbarer Mann mit Prinzipien, die sich zwar hier und da von derer der Allgemeinheit abheben, aber trotzdem nach rechter Gesinnung riechen.
Die Beziehung ist von wenig Romantik geprägt. Da heißt es genau hinsehen, um die vielen kleinen Gesten und Mimiken zu entschlüsseln, die daraufhindeuten, dass sich Liebe ankündigt. Hier liegt neben der Charakterisierung der Helden auch der größte Reiz. Es muss nichts ausgesprochen oder explizit dargelgt werden. Rohans wachsende Faszination ist in jeder seiner Taten deutlich erkennbar.
Elinor musste über viele Jahre lang stark sein, doch wie bei Rohan, wenn auch aus anderen Gründen, ist das stets nur eine Maske gewesen. Es ist schwer zu entscheiden, ob man sie bemitleiden oder mit ihr fühlen soll. Manchmal ist der Drang ihr etwas zuzuschreien, über alle Buchstaben und Zeiten hinweg, sehr groß. Obwohl sie es versucht, ist sie nicht in der Lage, sich gegen den Helden zu wehren. Ihre Gründe sind nachvollziehbar im Schutz der Familie zu finden, aber sicher auch darin, dass sie sonst absolut nichts hat. Keinen Platz, kein Geld, keine Arbeit, kein Ziel. Schließlich jedoch auch Gefühle, die sie nie wieder erleben wollte, die echt sind, tief in sie gehen, sie ergreifen und fortschwemmen. Die Frage ist nur, werden sie sie ertränken und ins Unglück stürzen?
Bei dieser Handlung und diesen Charakteren kann sich der Leser über absolut nichts sicher sein und garantiert nicht über das Happy End. Damit wächst die Spannung von Seite zu Seite und sollte sich nicht durchs vorblättern verdorben werden.
Ein lesenswerter, nicht ganz typischer, Roman, der leider durch seinen Titel etwas irreführend ist und daher nicht alle Erwartungen erfüllen kann. Sieht man darüber jedoch hinweg und kann sich zudem noch mit realistischen Bildern und einem groben Helden abfinden, wird man schnell mitgerissen.


The House of Rohan:
1. Ruthless (Paris-Stadt der Sünde)
2. Reckless
3. Breathless
4. Shameless
The Wicked House of Rohan (Prequel; eBook)