Dienstag, 8. Januar 2019

KA - Das Reich der Krähen - John Crowley


Titel: KA - Das Reich der Krähen
Autorin: John Crowley
Originaltitel: Ka: Dar Oakley in the Ruin of Ymr
Verlag: Golkonda
ISBN: 978-3946503453
Euro: 24,90
Veröffentlichungsdatum: Oktober 2018
Seiten: 576
Kein Serientitel
Come in: vorablesen










Inhalt
In einer dystopisch anmutenden, zukünftigen Welt findet ein alter Mann eine verletzte Krähe, nimmt sie mit und pflegt sie gesund. Als sie sich aneinander gewöhnt haben, erzählt sie ihm ihre Geschichte – und er schreibt sie auf. Hier beginnt die Erzählung um Dar Eichling, der ersten Krähe, die einen Namen erhielt. Sie beginnt vor unendlich langen Zeiten, als die Menschen gerade erst anfingen, sesshaft zu werden, berichtet von Eichling, der sich mit einigen Menschen anfreundet, da er merkt, dass sie ihn verstehen können. Er stiehlt unabsichtlich das höchst kostbare Ding und wird unsterblich – etwas, das ihn nicht glücklich machen wird. Die Zeit fließt fortan an ihm vorbei. Er schließt sich den verschiedensten Menschen an, versucht, ihr Wesen und ihr Wirken zu begreifen, was ihn von seiner eigenen Art immer weiter entfernt. Schließlich trägt es ihn sogar nach Amerika, bis er beschließt, seinem Leben ein Ende zu bereiten.


Meinung
Es ist schwierig, den fast sechshundert Seiten starken Roman angemessen zu beschreiben, man muss es tatsächlich selbst gelesen haben. Die eigentliche Geschichte um Eichling ist in eine Rahmenhandlung eingebettet, die sich beide gut ergänzen, wenn letztere vielleicht auch ein wenig vorhersehbar ist. Crowley ist es gelungen, ein in jeder Hinsicht starkes Werk vorzulegen, das jedoch leider nicht nur einen äußerst aufmerksamen Leser verlangt, sondern auch einen historisch sehr versierten. Die Geschichte wird zwar von dem alten Mann aufgeschrieben, aber immer aus der Krähenperspektive geschildert, die ihre eigene Sicht auf die Dinge mitbringt. Das führt dazu, dass diese nicht immer klar benannt, sondern oft ein wenig schablonenhaft geschildert werden, was nicht das Problem wäre, wenn die historische Zeit oder die dargestellten Personen bekannt wären. „Der Mönch“ und andere könnten so besser verstanden, die Grundaussage besser verinnerlicht werden. Selbst historische Personen, die namentlich genannt werden, sind in unseren Breitengraden leider nicht sehr populär, was den Zugang zu ihnen und damit der gesamten Erzählung sehr stark erschwert. So lässt es sich leider nicht umgehen, dass der Roman starke und weite Längen ausprägt, die sich nicht überlesen lassen und ein Querlesen begünstigen. Es scheint eine sehr starke Aussage in Crowleys Werk zu stecken, die ich neben der Idee für etwas ganz Besonderes halte. Allein, es ist nicht an diese heranzukommen, die Schilderung bleibt zu fremd und begünstigt den Zugang zu ihr durch die Vogelperspektive – von hoch oben zurück – nicht.
Crowley hat sehr viel Recherche in seinen Roman gesteckt, die Krähensicht ist glaubhaft und konstant, nicht nur, wenn Eichling „schnabelwärts“ (nach Norden) fliegt. Vieles ist durch ein sehr aufmerksames Autorenauge und genaue Beobachtung dieser Vogelart entstanden. Dabei greift er jedoch nicht nur auf die Biologie und Lebensweise der Tiere zurück, sondern auch stark auf deren mythologische Bedeutung. Überhaupt spielt der Tod, das Leben nach ihm und das „ewige Leben“ (und die Faszination aus allem auf die Menschheit) eine große Rolle. Mir ist es leider nicht gelungen, die innere Aussage der Geschichte zu erfassen, aber es steckt eine ganz spezielle darin, das ist zumindest zu spüren. Positiv zu erwähnen ist im Übrigen auch die sehr gelungene Arbeit der Übersetzung. Nicht nur die Ausdruckseigenarten der Krähe waren vermutlich eine kleine Herausforderung, Crowley schreibt insgesamt anspruchsvoller, bildhaft.
Ebenfalls legt der Verlag ein hochwertiges Hardcover mit goldenem Lesebändchen, stabilem Umschlag und einigen Illustrationen im Inneren vor.
„KA - Das Reich der Krähen“ als reinen Fantasyroman zu klassifizieren, fällt schwer, es steckt weit mehr darin. Darum kann er auch nicht für den Schnellleser aus dem Mainstream geeignet sein. Trotzdem gehört er, nicht nur aufgrund der ansprechenden Verpackung, ins Buchregal.


John Crowley ist Science-Fiction- und Fantasy-Autor, Produzent und Drehbuchautor für Dokumentarfilme, sowie Dozent an der Yale University. Er studierte an der Indiana University. Sein bekanntestes Werk ist der Roman »Little, Big oder das Parlament der Feen.« 2006 erhielt er für sein Lebenswerk den World Fantasy Award.

Kommentare:

  1. Aloha, Daniela.
    Ein Roman als Gesamtblick auf menschliches Handeln & Fühlen - aus der Sicht eines nie wirklich dazu Gehörenden. Der ewige Wanderer, der erkennen muss, dass Enttäuschung die einzige Konstante der Geschichte (Historie) scheint. Ein komplexer Ansatz für einen Roman.
    Spontan denke ich ein wenig an Leo Perutz & sein Buch "Nachts unter der steinernen Brücke. Allerlei Einzelgeschichte, über die Zeit verteilt, die mit der letzen Geschichte allerdings zu einem Ganzen verbunden werden.

    bonté

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    1. Komplex ist er wohl und zu lesen hat man auch eine Menge. Was aber wieder gut ist, denn ganz preiswert ist das Buch leider nicht. Hochwertig aber in jedem Fall!

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Es ändert sich nichts am Kommentieren, nur muss jetzt dieser lange untere Absatz dabeistehen. Ich danke allen, die mir einen Gruß dalassen!

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