Donnerstag, 28. Dezember 2017

(Blogs) Referate von Bloggern auf der Leipziger Buchmesse

"Das Programm der kommenden buchmesse:blogger sessions soll noch interaktiver werden." So steht es HIER auf der Seite der Leipziger Buchmesse geschrieben. Bis zum 06.12.2017 konnten Blogger/Buchinteressierte Themenvorschläge für einen kurzen Vortrag einreichen, von denen später zwanzig ausgewählt wurden, die nun zur Wahl bereitstehen. Bis 03.01.2018 können alle Interessierte ihre Stimme abgeben.
Interessant daran sind vor allem die ausgewählten Themen und die bisher eingegangenen Bewertungen. Die Möglichkeit, über ein Buchblogthema sprechen zu dürfen, hat offenbar mehr Leute angeregt, aktiv zu werden, als zuvor von den Machern gedacht. Leider war nicht herauszufinden, wer das eigentlich ist und damit auch letztendlich die zwanzig Themen ausgewählt hat. Fakt ist nur, dass die Redezeit auf dreißig Minuten gekürzt werden musste, um möglichst vielen Vortragenden die Möglichkeit zu geben, ihre jeweiligen Gedanken vorzustellen.
Zunächst gab es eine freie Runde, in der jeder sein Thema vorstellen und eine Zielgruppe näher definieren konnte. Clever gemacht, denn was interessiert Blogger eigentlich am meisten? Das kann man gut anhand der Zielgruppe, sprich dem Level des jeweiligen Bloggers einteilen. Einige der zwanzig Vorschläge beschäftigen sich mit der Zusammenarbeit Buchmacher (Verlag, Autor, etc.) und Blogger. Einer gezielt mit der Anfrage zwecks Rezensionsexemplaren. Traurigerweise nur ein einziger mit dem Schreiben von Rezensionen. Über diese sind andere offenbar längst hinaus, denn diese seien mittlerweile offenbar zu langweilig, so dass der Blog unbedingt aufgepimpt werden muss. Wie genau das geht und wie man sich ein Alleinstellungsmerkmal erarbeiten kann, ist gleich in mehreren Vorschlägen angegeben. Immerhin ein Themenvorschlag beschäftigt sich mit queerer Literatur. Einige andere fordern ein "Umdenken" und richten sich damit vermutlich an langjährige Blogger. Einer möchte sogar, dass Blogs politisch(er) werden. Nachdem ich mir einige der möglichen Redner näher angeschaut habe, war ich positiv überrascht, allerdings auch ein Mal recht verärgert. Im Vorschlag war die Rede von "positiver Feminismus" und da mir nicht gleich klar war, was damit gemeint sein könnte, schaute ich nach. Allein die Auswahl der Bücher ließ mich schlucken, als dann aber einer der sexistischsten Romane, die ich je gelesen habe, als Positivbeispiel angegeben wurde, musste ich innehalten. Leider passiert es in letzter Zeit öfter, dass ich auf völlig unreflektierte Geschichten treffe, die meist von sehr jungen Autoren niedergeschrieben wurden und jedes frauenfeindliche Muster widergeben, das es derzeit (in Büchern, TV, Kino, Werbung, etc.) gibt. Sehr oft in Märchenform - ein Trend, von dem ich inständig hoffe, dass er bald vorbei sein wird, denn für das Frauenbild tut er leider absolut nichts (im Gegenteil).
Was nun die Referenten anbelangt, so ist es an uns, mitzubestimmen, wer seine Gedanken mit uns teilen darf (auch wenn es nicht alle zur Leipziger Buchmesse schaffen werden, sind die Reden meist hinterher auf youtube zu sehen). Bisher scheint es, als ging es vor allem darum, Blogger anzuhalten, individueller zu werden, mehr aus sich heraus zu kommen und vor allem auch gerne einmal über den eigenen Tellerrand zu schauen. Quasi nicht das zu machen, was alle tun, sondern eigene Ideen zu entwickeln und sich stärker zu informieren, wie das mit den Büchern abseits des bloßen Lesens eigentlich so läuft. Dem möchte ich mich anschließen.
Welcher Themenvorschlag ist Euer Favorit geworden und warum? Welche Gedanken sollte sich jeder Blogger wenigstens ein Mal rund um sein Tun machen?


Kommentare:

  1. Okay, der einzig interessante ist Wolfgang Tischer, aber sich mit dem zu vergleichen, ist jawohl ein Witz! Der ist kein Blogger mehr, schon lange nicht und angefangen hat der 2005, d.h. der ist über 13 Jahre in der Szene unterwegs. Nun, zumindest weiß er worüber er spricht.
    Ich muss lachen, wenn ich sowas lese wie: "Lasst uns unbequemer und stacheliger werden!"
    Das lese ich nun seit geschätzten vier Jahren überall. Es passiert bloß nix. Wenn man die Blogs anschaut, ist es immer das gleiche Geschnulze. Sorry, der harten Worte, aber es ist nunmal so. Oder könnt Ihr mir ein Beispiel nennen? Zumindest eins habe ich nun: https://gondorstattmordor.wordpress.com/ - die stehen aber noch ganz am Anfang. Mal schauen, was daraus wird.
    Zu dem Thema Feminismus lasse ich mich jetzt mal nicht aus, sonst rege ich mich nur auf. :-)
    Bin gespannt, was Frankfurt dieses Jahr bringt.

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    1. Hi Jo,
      ich bin generell (negativ) überrascht gewesen, wie wenige sich an der Abstimmung beteiligt haben und dass die Teilnehmer, die sich im Vorfeld selbst beworben haben, gar nicht wussten, dass es was zum Abstimmen gab. Anders kann ich mir auch nicht erklären, dass z.B. eine Karla Paul mit null Stimmen rausgegangen ist und die hätte wohl auch einiges Nützliche beizutragen gewusst. Auch waren diverse andere tolle Themen dabei, leider lässt sich ja der obige Link nicht mehr aufrufen. Das Programm steht: und ich bin entsetzt. Nicht mal, dass da auch ein Verlag Schleichwerbung machen darf. Aber die Themen sind doch alle reichlich durchwachsen und lassen kein gutes Bild an Blogs - obwohl das keine Überraschung mehr sein sollte. Es wünschen sich ja offenbar viele anders, aber ich frage mich, nach welchem Vorbild sie agieren möchten. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass niemand glaubt, dass diese Themenliste auch nur annähernd die Charakteristika/ das Wesen von Buchbloggern widergibt. Das Aufregen lassen wir für den nächsten Kaffee offen :-)))

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  2. Ja, über den Verlag im Programm habe ich mich auch sehr gewundert. Ich dachte, es ginge darum, dass Buchblogger zu Wort kommen. Da hat mir Frankfurt vor 2 Jahren besser gefallen. Wie gesagt, ich bin mal gespannt, wie es dieses Jahr wird. Ich hoffe sehr, dass ich es hinschaffe.
    Ich frage mich auch langsam, wer all diese Buchblogger sein sollen? Klar, wer das ist, ist schon klar, aber was zeichnet sie aus? Da geht die Schere auch sehr weit auseinander.
    Ja, Aufregen bei nem Kaffee ist eine hervorragende Idee. :-)

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    1. Ich drück Dir die Daumen, dass es klappt. Nicht vergessen, darüber zu berichten :)
      Die Abstimmung lief wie folgt: Man konnte sich selbst mit einem Themenvorschlag und einigen Sätzen dazu bewerben. Dann wählte eine Jury (die nicht näher benannt wurde) die zwanzig besten Vorschläge aus. Diese konnten dann eben gewählt werden (also einer davon). Wer das rechtzeitig mitbekommen hat, konnte einen kleinen Aufruf starten ... alles klar? ;-)

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  3. Man kann sich inzwischen einige der halbstündigen Veranstaltungen inzwischen anhören und zwar hier: https://voicerepublic.com/series/fachforum-1

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