Dienstag, 17. Oktober 2017

Die Stadt der tausend Treppen - Robert Jackson Bennett

Titel: Die Stadt der tausend Treppen
Autorin: Robert Jackson Bennett
Originaltitel: The Divine Cities 01: City of Stairs
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3404208616
Euro: 11,00
Veröffentlichungsdatum: Februar 2017
Seiten: 624
Serie: Die göttlichen Städte 01
Come in: Geschenk









Inhalt

Die einst wunderschöne, göttliche Stadt Bulikov ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, seit das Volk der Saypur sich gegen die Unterdrücker wandte und alle Götter tötete. Mit diesen starb auch deren Magie und all die Gaben, die sie brachten, verschwand - was zahllose Katastrophen auslöste. Heute sind die Saypuri die Herrscher und verbieten jegliche Religion zusätzlich zu harten Regelungen und Maßnahmen; die Stimmung unter den Bewohnern Bulikovs, die sich gut an die Erzählungen aus der Glanzzeit erinnern und die unter großer Armut zwischen den Trümmern der einstigen Paläste leben müssen, ist hochexplosiv.
In dieser Zeit wird ein berühmter Historiker aus Saypur in Bulikov ermordet und seine ehemalige Schülerin Shara Thrivani wird zur Aufklärung in die Stadt geschickt. Sie ist eine Geheimagentin im Auftrag des höchsten Herrschers und selbst mit einer Blutlinie geschlagen, deren Offenbarung ihren Tod bedeuten kann. Als Shara begreift, dass ihr Lehrer die Vergangenheit um das Verschwinden der Götter untersucht hat und dabei auf ein brisantes Detail gestoßen ist, wird ihr klar, dass sie eine Entscheidung treffen muss, die in das Schicksal beider Völker eingreifen wird.


Cover

Das Cover muss unbedingt erwähnt werden, weil es sich hierbei um ein kleines Kunstwerk handelt. Das ist mir zugegeben zunächst völlig entgangen, bis ich glaubte, das Buch sei schon nach kurzer Zeit beschädigt - was allerdings auch daran liegt, dass ich Bücher, über denen eine dünne Folie liegt, nicht mag.
Hier jedoch hat Guter Punkt (München) ein mehrdimensionales Cover geschaffen, das sich sehen lassen kann. Die Darstellung hat mit dem Inhalt viel gemeinsam, denn die meisten Gebäude Bulikovs waren gottgeschaffen und als die Götter starben, verschwanden ganze Gebäude und Gebäudeebenen ins Nichts (mit den darin enthaltenen Menschen). Zurück blieben unfertige Paläste und Wohnstätten, die nicht repariert werden konnten.
Das Buch hat zunächst also ein Bild von Katarzyna Oleska zum Motiv, über das eine Folie gelegt wurde, auf die mit schwarzem Strich die Umrisse der einstigen prachtvollen Bauten zu sehen sind. Beides überlagert sich, wie es auch in der eigentlichen Geschichte der Fall ist.
Allein für die Idee meine volle Hochachtung, gefällt mir sehr, für die Umsetzung ebenfalls.




Meinung

Der erste Band der "Die göttlichen Städte"-Reihe ist in sich abgeschlossen, in den Fortsetzungen werden andere Figuren, denen hier bereits zu begegnen ist, die Geschichte weiterspinnen. Diesen Page Turner aus der Feder Robert Jackson Bennetts aus der Hand zu legen, fällt nicht leicht. Er ist großartig umgesetzt worden, allerdings nicht für alle Leser geeignet. Es empfiehlt sich, bereits ein wenig belesen zu sein und sich auch grundsätzlich auf Neues einlassen zu können.
Sehr glaubhaft und realitätsnah präsentiert Bennett eine Welt, in der es einst sechs tatsächlich existierende Götter und Göttinnen gab, die ihren jeweiligen Anhängern neben oft scharfen Regeln, ebenfalls diverse göttliche Gaben schenkten. Dazu zählten auch Dinge des Alltags, die magische Kräfte enthielten. Nicht immer waren die Götter miteinander im Einklang und oft auch wenig zufrieden mit ihren Anhängern, das Zusammenleben funktionierte aber recht gut. Doch dann revoltierten die Saypuri, jahrhundertelang unterdrückt, gegen eben diese sechs und Bulikov. Ein tapferer Heerführer vermochte dann das Unmögliche: Er tötete einen Gott - und schließlich noch weitere.
Die eigentliche Handlung setzt mit der Ankunft Sharas ein, einer kleinen, bebrillten und sehr intelligenten Agentin Saypurs. Sie benötigt einige Zeit, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden, kann aber schnell herausfinden, was genau die Lage in der Stadt so prekär macht. Einer Stadt, deren Gebäude (teilweise) verschwunden, zerstoben oder verfallen sind und die Shara sich aus dem Fenster eines Autos anschaut. Es ist also keine klassische Fantasywelt mit der der Leser hier konfrontiert wird, auch wenn Bennett diese Details sehr zaghaft einsetzt. Vergleichbar wäre das frühe 19. Jahrhundert (40er?) unserer Welt.
Bennett flechtet all diese Informationen über die Vergangenheit und die neue Gegenwart sehr gekonnt in seine Geschichte ein, ohne dass etwas davon an einen Lexikoneintrag erinnert. Geschlechterfragen werden gar nicht thematisiert, jedoch ist es selbstverständlich, dass Frauen hohe Posten einnehmen oder generell berufstätig sind. Die Existenz anderer Länder, denen in den Nachfolgebüchern sicher mehr Raum gegeben wird, offenbart sich vor allem durch diverse Nebenfiguren. In etwa wird Shara von einem Dreyling namens Sigurd begleitet, der ein schreckliches Geheimnis mit sich herumträgt und mehr ist, als es scheint. Was abgedroschen klingt, wird äußerst überzeugend ohne ohne Übertreibung gezeigt.
Die Handlung geht konstant ihrem Höhepunkt entgegen, während Shara einen Kriminalfall zu lösen hat und nebenbei auf einen alten Bekannten trifft. Leider gibt es auch mal eine etwas zähere Phase so kurz nach mittig, aber die ist schnell überlesen und das Ende entschädigt allemal.
"Die Stadt der tausend Treppen" besticht bereits durch eine grandiose Ausgangslage, den Genremix, einen überzeugenden Aufbau und eine spannende, unterhaltsame Erzählweise.


Die göttlichen Städte:
1. City of Stairs (Die Stadt der tausend Treppen)
2. City of Blades (Die Stadt der toten Klingen)
3. City of Miracles (Die Stadt der träumenden Kinder, März 2018)


Robert Jackson Bennett wurde 1984 in Baton Rouge, Louisiana, geboren und wuchs in Texas auf. Er studierte an der University of Texas in Austin, wo er auch heute noch mit seiner Frau und seinem Sohn lebt. Für seine Romane hat er bereits zahlreiche Preise gewonnen, darunter zweimal den begehrten Shirley Jackson Awards in der Kategorie 'Bester Roman' sowie eine Philip K. Dick Award Citation of Excellence.

Kommentare:

  1. Das Buch hat mich gleich interessiert, als es mir mal in einer Vorschau untergekommen ist. Dann habe ich in der Bücherei hineingelesen und mochte den Schreibstil nicht besonders, daher habe ich es wieder von meiner Leseliste genommen. Nun bin ich unschlüssig, ob ich es nicht doch wieder draufsetzen soll - zumal ich es ja ausleihen könnte.

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    1. Ich hatte mit den ersten Seiten auch meine Probleme, aber das ist nur, weil es eben etwas merkwürdig beginnt. Es löst sich aber schnell auf und dann nimmt es richtig Fahrt auf. Mich haben Setting und Idee so fasziniert, dass ich auch über leichte Längen hinweggelesen habe. Freue mich defintiv auf die Fortsetzung.

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