Dienstag, 17. Januar 2017

Der Winterkaiser - Katherine Addison

Titel: Der Winterkaiser
Autorin: Katherine Addison
Originaltitel: The Goblin Emperor
Verlag: Fischer Tor
ISBN: 978-3596036189
Euro: 14,99
Veröffentlichungsdatum: Oktober 2016
Seiten: 544
Kein Serientitel
Come in: Geschenk









Inhalt

Der achtzehnjährige Maia ist der ungeliebte vierte Sohn des Kaisers des Elfenreiches und lebt in Verbannung. Als das Luftschiff seines Vaters abstürzt und auch seine Brüder mit in den Tod reißt, ist er von einem Augenblick zum nächsten der neue Thronfolger. Was ihm bevorsteht, ahnt er nur, er weiß jedoch ganz genau, dass niemand einen Elf-Kobold-Mischling als Herrscher über ein großes Reich sehen will. Obwohl er rasch in den Palast reist und sich großzügig verhält, findet er sich inmitten diverser Intrigen und Ränkespiele beinahe verloren. Nicht nur der Kanzler arbeitet gegen ihn, auch seine Schwestern und vor allem die Ehefrau eines Bruders und Mutter dessen vierzehnjährigen Sohnes. Entgegen aller Erwartungen, auch seiner eigenen, bemüht sich Maia mit allen Kräften, seine neue Rolle anzunehmen. Doch er wurde nie auf diese vorbereitet und er kann nicht ändern was er ist.


Meinung

Katherine Addison, die eigentlich Sarah Monette heißt, macht es dem Leser mit diesem Roman nicht leicht. Nicht nur, dass sie ihn vollgepackt hat mit diversen Namen und Begriffen, die auszusprechen ein Mensch vermutlich nicht in der Lage ist, sie setzt auch voraus, dass er belesen und in historischer Geschichte versiert ist. Wer also an epischen Schlachten oder zumindest einem phantastischen Kriminalfall (der Tod der männlichen Linie muss aufgeklärt werden) interessiert ist, sollte sich nach einem anderen Werk umsehen. Addissons Werk richtet sich vor allem an jene, die hinter das Geschriebene blicken und dort noch zwanzig andere Geschichten entdecken können.
Maia ist achtzehn und seit Jahren mit einem Adligen allein in der Wildnis, der ihn spüren lässt, wie verhasst ihm dieser Umstand ist. Dass der Mischling einmal auf dem Thron sitzen könnte, kommt niemandem in den Sinn. Der junge Kaiser muss sich zuallererst mit sich selbst und seiner Vergangenheit auseinandersetzen, es wäre leicht, sich fallen zu lassen und alle zu bestrafen, die ihm oder seiner Mutter je etwas antaten.
Für den Hof ist er schlecht einzuschätzen, schließlich kennt ihn niemand - und mit seiner natürlichen Art, sich nicht auf eine Seite ziehen oder bestechen zu lassen, kennt man sich nicht aus. Obwohl Maia täglich ohne Unterbrechung mit einer Leibwache umgeben ist, darf er dieser menschlich nicht näherkommen, darauf achtet diese sehr. Auch sein Sekretär und vor allem der Kanzler achten streng auf Ettikette. Nicht einmal von der Familie darf sich Maia viel erhoffen, denn die Witwe des alten Kaisers verlangt, die Schwägerin hasst und die Schwester schweigt. Sein Neffe wird angehalten sich gut mit ihm zu stellen, die Nichten ferngehalten. Trotz dass er mit vielen Leuten Umgang pflegt, ist er meist allein. Dabei hat er sich nie mehr gewünscht, als daran etwas ändern zu können, echte Freundschaften zu pflegen und vielleicht eines Tages aus Liebe zu heiraten. Aber das Zeremoniell am Hof ist eisern, eine Ehefrau längst ausgewählt.
Es ist keine leichte Situation, auf die der junge Mann trifft. Zudem ahnt er, dass der Tod seiner Verwandten kein Zufall war und man auch ihm den Thron nicht gönnen wird. Maia ist jung und neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen, das genaue Gegenteil des Rates, den er so unabsichtlich und schnell gegen sich aufbringt. Dabei steht die Krönung erst noch bevor und Maia weiß nicht, was bis dahin alles geschehen wird.
"Der Winterkaiser" durchläuft mehrere Monate, in denen Maias neues Leben mannigfaltig geschildert wird und auch ein paarmal Erinnerungen an sein Davor eingestreut werden. Oft sitzt er in seinem Arbeitszimmer, in dem sich ein Großteil der Handlung abspielt. Trotzdem gelingt es der Autorin wunderbar, das Leben am Hof und diesen im Gesamten hervorragend zu zeigen und Stück für Stück vor Augen des Lesers zu führen. Auch die politischen Verwicklungen, in etwa die Königreiche, werden ausreichend dargestellt.
Im Grunde geht es um einen jungen Mann, der urplötzlich aus einem einfachen, ungeliebten Leben gerissen und in eine für ihn andere Welt katapultiert wird. Wie er sich damit zurechtfindet und dabei lernt, sich und andere zu hinterfragen, seine neue Rolle anzunehmen und trotzdem der zu bleiben, der er ist, davon handelt dieser Roman. Wer etwas anderes erwartet, der wird enttäuscht sein. Das Spektatkuläre geschieht eher hintergründig und Maia bis ins Letzte zu ergründen, erfordert genaues Hinsehen. Wer sich die Mühe macht, wird mit einem Page Turner belohnt, wie man ihn nur selten findet.

Der Winterkaiser

Katherine Addison ist ein Pseudonym von Sarah Monette, die unter ihrem eigentlichen Namen schon länger erfolgreich Fantasy und Science Fiction schreibt. Monette studierte Anglistik. Ihre Dissertation hatte Geister in der englischen Renaissance-Tragödie zum Thema. Monette unterrichtet gegenwärtig einen Literaturkurs und lebt in Wisconsin. ›Der Winterkaiser‹ fand in der Szene große Beachtung und ist einer der bedeutendsten Romane des Jahres 2015. Er wurde für die drei wichtigsten Genrepreise nominiert. Gewonnen hat er den Locus Award als »bester Fantasy Roman des Jahres 2015«.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen