Dienstag, 6. Dezember 2016

Das Schwert der Dämmerung - Saladin Ahmed

Titel: Das Schwert der Dämmerung
Autorin: Saladin Ahmed
Originaltitel: Throne of the Crescent Moon
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453315891
Euro: 12,99
Veröffentlichungsdatum: Februar 2016
Seiten: 432
Serie: The Crescent Moon Kingdoms 01
Come in: Tausch









Klappentext

Dhamsawaat ist die Stadt aller Städte: Prachtvoll, einzigartig und alles überragend, ist sie seit Jahrhunderten Zentrum der Macht und Magie der vereinten Königreiche. Hier lebt auch der alternde Adoullah, der letzte große Ghul-Jäger. Eigentlich will Adoullah nur seine Ruhe, doch als immer mehr Menschen Opfer besonders grausamer Ghule werden, begibt er sich noch einmal auf die Jagd. Und macht gemeinsam mit seinem jungen Assistenten und einer geheimnisvollen Nomadin eine unglaubliche Entdeckung ...


Meinung

Ich habe das Buch nach knapp 200 Seiten (von 426) abgebrochen. Glücklicherweise ist es mir auf einer Tauschplattform über den Weg gelaufen, sonst hätte ich es vermutlich gekauft, denn Fantasy, die keinen europäischen mittelalterlichen Hintergrund besitzt, ist rar gesäht.
An dieser Stelle ist bereits das Cover auffällig, denn leider verrät nichts daran das Morgenland, mit dem es der Leser zu tun bekommt. Nicht nur ist die Farbe scheußlich, die Schrift hätte in arabisch wirkenden Buchstaben gesetzt werden können. Der Titel an sich ist auch so 08/15 und die Figur kaum zu erkennen. Dabei bewegen sich die Charaktere sowohl in einer größeren orientalischen Stadt, als auch außerhalb, sie tragen außer den traditionellen Gewändern auch ebensolche Kopfbedeckungen. Daraus hätte sich etwas zaubern lassen.
Was dem Roman innen fehlt ist eine kleine Auflistung von Begriffen mit dazugehörender Erklärung. Zwar sind Dschinns und Ghule noch relativ bekannt, aber beim Derwisch wird es dann schon komplizierter. Leider wird das alles auch nicht in der Geschichte selbst erklärt, diese Dinge und Lebewesen sind einfach da und handeln, wer sie sind und warum sie sind, wird nicht erklärt.
Zunächst lässt sich die Handlung gut an. Adoullah ist bereits ein alter Mann und sein Berufsstand im Aussterben begriffen: Ghuljäger. Daran wird auch sein Lehrling Rasid nicht viel ändern. Eines Tages bringt man einen kleinen Jungen zu ihm, noch blutbefleckt und der Neffe von Adoullahs einstiger großer Liebe. Die Eltern sind kurz zuvor von Ghulen getötet worden, was den alten Mann und Gelehrten hinaus aus Dhamsawaat treibt, um die gefährlichen Wesen zur Strecke zu bringen. Vor Ort treffen er und Rasid auf Samia, die sich in einen Löwen verwandeln kann, deren ganzer Stamm von Ghulen getötet worden ist und die nun nach Rache sinnt. Die beiden Männer nehmen das Mädchen mit, das bei ihnen von einer geheimnisvollen Kreatur angegriffen wird.
Mehr geschieht auf den ersten Seiten tatsächlich nicht - und leider wird das auch noch nicht einmal besonders anschaulich erzählt. Es ist zäh mitzuverfolgen, was als nächstes passieren wird. Die Charaktere haben zwar eine glaubhafte Hintergrundgeschichte erhalten, bleiben aber reichlich farblos und langweilig. Schon nach dem ersten Blick wird eine sehr konstruiert wirkende Liebesgeschichte zwischen Rasid und Samia gesponnen, die zunächst nur Adoullah bemerkt. Zwischenzeitlich wird von einem Gefangenen berichtet, der offenbar gefoltert wird, von den nicht leicht zu überschauenden politischen Verwicklungen und von den Gefühlen des alten Mannes. Dabei ist es beinahe aufdringlich, wie oft verschiedene Details wiederholt werden; diese Kraft wäre besser in die Ausarbeitung der Figuren gelegt worden. Wirklich vorwärts geht es mit der Handlung ebenfalls nicht und Zeit für Charme und Details am Rande scheint ohnehin nie zu sein. Die Auflösung ist vermutlich vorprogrammiert - allerdings werde ich es nie erfahren und spüre auch nicht den Wunsch danach.
Das Potential zu einer sehr gelungenen Story im arabisch-morgenländlichen Umfeld ist auf jeden Fall vorhanden, die Umsetzung jedoch leider nicht ganz gelungen. Die zahlreichen Nominierungen und der gewonnene Preis sind vermutlich Setting und Autorenname geschuldet, ansonsten nicht nachzuvollziehen.


The Crescent Moon Kingdoms:
1. Throne of the Crescent Moon (Das Schwert der Dämmerung)
2. The Thousand and One


Saladin Ahmed wurde in Detroit geboren und ist in Derborn, Michigan, aufgewachsen. Er studierte Englisch an der Rutgers University und hat einen Masterabschluss in Poesie. Sein erster Roman Das Schwert der Dämmerung wurde mit dem Locus Award für das beste Debüt ausgezeichnet und war für zahlreiche weitere Preise nomminiert, u.a. für den Hugo Award, den Nebula Award, den Gemmell Award und den BFSA Award. Saladin Ahmed lebt mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern in Detroit.

Kommentare:

  1. Oje das hört sich gar nicht gut an :/ Ich hatte das Buch auch mal im Auge, aber dann haben mich die eher gemischten Reviews auf Goodreads abgehalten. Wenn ich mir deinen Eindruck anschaue, dann war es eine gute Entscheidung. Wenn du das Buch nach 200 Seiten abgebrochen hast, weil es unter anderem so langweilig war, würde es mir sicher ähnlich gehen. Echt schade. In letzter Zeit waren die High Fantasy Bücher, die ich gelesen habe, auch nicht so toll. Gut, man kann nicht jeden Tag einen neuen Rothfuss oder Scott Lynch entdecken, aber ein richtig gutes "reines" High Fantasy Buch habe ich diess Jahr noch nicht gelesen. Höchstens "Hope and Red", aber das ist eher "normale" Fantasy. Fällt dir da ein Buch ein, das dieses Jahr besonders heraussticht?

    Liebe Grüße
    Tina

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    1. Dabei habe ich noch nicht einmal etwas dagegen, wenn "nichts" passiert. Aber es muss gut und anschaulich erzählt sein. Das ist hier leider nicht der Fall.
      Nein, ich glaube, dieses Jahr war ziemlich mau. Allerdings habe ich auch noch nie privat so wenig gelesen und wenn dann auch um mal zu schauen wie es bei anderen so ist. Darum auch die vielen Jugendbücher.
      Ich denke, es ist anzunehmen, dass es ohnehin nicht besser werden wird. Dazu müssen Bücher zu oft mit zu vielen anderen konkurieren, sie müssen zu schnell gefertigt werden und bekommen zu oft Schemata verpasst, die oft gar nicht vom Autor gewünscht wurden, aber dafür etwas enthalten, was schon einmal irgendwo erfolgreich war.

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    2. Ich will jetzt nichts verallgemeinern, da es natürlich immer auch Ausnahmen gibt, aber ich habe den Eindruck, dass man bei High Fantasy fast besser beraten ist, auf etwas ältere Bücher zurückzugreifen.
      Ansonsten ist dieses Jahr ein neuer Roman von Guy Gavriel Kay erschienen, der für mich ein Garant für tolle Fantasy ist, aber ich weiß, dass der Autor nicht jedermanns Sache ist. Sein Schreibstil ist recht speziell und man muss politische Intrigen und einen gewissen tragischen Pathos mögen.

      An orientalischen Settings hat mir "The Assassin's Curse" von Cassandra Rose Clarke sehr gut gefallen, das zwar zunächst nach sehr klischeehafter Romantik-Jugend-Fantasy klingt, aber meiner Meinung nach richtig schön umgesetzt wurde. Es gibt eine tolle weibliche Heldin, eine rasante kurzweilige Handlung und im Folgeband einen für ein Jugendbuch erfrischend offenen Umgang mit Sexualität.

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