Dienstag, 23. Februar 2016

(Kurz gedacht) Immer ein Happy End?

In letzter Zeit beschäftige ich mich immer häufiger mit alten Legenden, Mythen und Märchen. Lange vor Hollywood war es eher unüblich jeder Geschichte ein Happy End (für alle Figuren) zu verschaffen, vielmehr wurde es als Lehre für den Leser (oder Hörenden, falls Geschichten mündlich weitergegeben wurden) angesehen, wenn der Schluss düster oder auch schlicht offen war.
Also begann ich nachzudenken über jede Story, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Auch wenn im Plot oft Missgeschicke passierten, die Figuren gefordert oder auch getötet wurden, am Ende gab es nicht nur genau das, nämlich ein absolutes Ende, sondern auch die Entlassung des Lesers in ein (mehr oder weniger) Happy End.
Viele Geschichten, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, basieren auf alten Legenden (oft regional) und die meisten davon haben kein Wohlfühlfinale. Aber ist das wirklich etwas Schlechtes? Manchmal sind die Liebenden im Tod vereint, wenn es ihnen schon im Leben nicht vergönnt war. Oder man verlässt seine angestammte Heimat, um in der Fremde das Glück zu suchen (was nicht immer etwas Schlechtes bedeuten musste, wenn man gewisse historische Lebensumstände bedenkt).
Auch offene Enden sind mir hier und da untergekommen und bei ihnen kann ich ebenfalls keine Nachteile erkennen. Diese für heutige Leser vermutlich eher untypischen Showdowns wirken völlig anders und oft sind es genau diese Geschichten, die im Gedächtnis verhaftet bleiben.
Darum wüsste ich gern, welche Geschichten Euch einfallen, die kein Happy End besitzen und die Ihr trotzdem mochtet. Mir selbst fällt da übrigens zuerst "Vom Winde verweht" ein.

Kommentare:

  1. Mir fällt spontan "Der Name der Rose" ein, vielleicht weil Umberto Eco vor Kurzem gestorben ist. Hier gibt es auch kein richtiges Happy End. Des Weiteren der Film "Gladiator", auch hier gibt es kein Happy End im herkömmlichen Sinne, der Held stirbt am Ende.
    Wir haben über Weihnachten mal wieder Fackeln im Sturm angeschaut, hier gibt es ein offenes Ende nach Buch 2. Buch 3 haben wir erst gar nicht angeschaut, weil es so schlecht ist.

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    1. Ja, irgendwie hat man das Gefühl, die Guten sterben gerade alle weg. Sie haben aber natürlich auch ihr Alter gehabt.
      Fackeln im Sturm mocht eich mal ganz gerne, wenn das auch schon ewige Jahre her ist, so recht erinnern kann ich mich leider nicht mehr.

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  2. Ich muss sagen, mir bleiben Geschichten, die kein Happy End haben, meist viel besser im Kopf und hallen noch lange nach, als wenn am Ende alles Friede, Freude, Eierkuchen ist.
    Keturah - Gefährtin des Todes fällt mir da gleich ein und mir wurde gesagt, dass auch My Name is Memory kein Happy End hat (ich muss es endlich lesen, gerade das macht mich nämlich noch neugieriger).

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    1. Keturah habe ich auch gelesen und mochte es. So ein wirkliches Un-Happy End war es da glaube ich aber auch nicht. Komisch, dass man wirklich angestrengt nachdenken muss, ehe einem etwas einfällt, oder? :)

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  3. Anonym26.2.16

    "Keturah" fand ich auch gut, ein besonderes Ende hatte für mich persönlich "Das Buch der verlorenen Dinge" von John Conolly, die Märchengeschichte pendelt anfangs zwischen lustiger Parodie und bitterböser Fantasy. Die eigentliche Story endet dann zwar glücklich, aber wie auch im wahren Leben wird man alt, die Liebe vergeht und am Schluß kommt der Tod, dadurch entsteht eine bittersüße Melange und ich habe sogar um die Figuren und ihr Schicksal geweint. Das hat bisher selten ein Autor geschafft...
    Als weiteres Beispiel für "unhappy-endings" kann ich die "Weitseher" Romane von Robin Hobb nennen, auch hier habe ich insgeheim immer auf ein Happy-End für Fitz gehofft...
    Ich muss Friedelchen in diesem Punkt zustimmen, gerade weil die Enden außerhalb der Norm sind, bleiben die Geschichten im Kopf...
    LG
    Carina

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    1. Hallo Carina,
      willkommen. Conolly habe ich auch gelesen, auch wenn das schon eine Weile her ist. Ich weiß aber noch, dass es mir sehr gefallen hat. Na und die Weitseher-Romane sind ohnehin mit das Beste, was ich kenne. Stimmt, ich wollte auch immer ein anderes Ende für den Narren gehofft. Aber nun geht die Geschichte ja weiter - auch wenn ich sie erst lesen werde, wenn ich alle Bände zuhause habe. Inzwischen übersetzen sie sie ja auch auf Deutsch.

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    2. Anonym29.2.16

      Hallo Soleil, mein Englisch ist leider nicht sooo gut, ich warte daher lieber auf die Übersetzung ;-)

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    3. Das würde ich auch lieber, aber da warte ich vermutlich noch, bis ich schwarz werde. Ich lese sie jetzt auf englisch, dann auf Deutsch. Also so jedenfalls der Plan. :) Mal sehen, ob es klappt.

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  4. Ich mag ganz gern mal Enden, die eher offen bleiben oder zum Teil traurig enden (ein "alle sind tot" ala Hamlet muss es ja nicht unbedingt sein *gg*). Wenn ich mal Klassiker außer Acht lasse, fallen mir da etwa ein: die Romane von Guy Gavriel Kay (zumindest die, die ich kenne, haben alle kein richtiges Happy End), "Abbitte" von Ian McEwan, die "Gawain-Trilogie" von Gillian Bradshaw, "Kassandra" von Christa Wolf, "Spieltrieb" von Juli Zeh, die "Hunger Games"-Trilogie und ich meine mich zu erinnern, dass auch Pullmans "His Dark Materials" ein eher durchwachsenes Ende hat.

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    1. Hamlet ist ja auch der Extremfall :) Obwohl ... Fragen sind hinterher keine mehr offen. *g*
      Kay habe ich immer noch ungelesen hier rumliegen, was mir leidtut, weil ich ihn immer mal versuchen wollte. Kassandra habe ich sehr gerne gelesen. Hunger Games kenne ich nur die bisher gesehenen Filme, habe aber schon Zusammenfassungen des Endes gelesen.
      Ich staune, dass es wohl doch noch einige mehr gibt, als mir jetzt auf Anhieb einfallen. Allerdings muss ich in meinem Alter sowieso inzwischen länger bei allem nachdenken :)

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    2. Übrigens finde ich, dass auch "Gut gegen Nordwind" ein sehr passendes Beispiel für ein trauriges Ende ist. Mit dem Erscheinen des Folgebandes hat sich das zwar irgendwie aufgehoben, aber da Daniel Glattauer ursprünglich keinen 2. Band geplant hatte und das Ende als solches also ... nun ja ... endgültig sein sollte, zählt es für mich trotzdem.

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