Dienstag, 20. Oktober 2015

(Kurz gedacht) Rechtschreibung

Seit einiger Zeit erhalte ich immer wieder mal E-Mails, in denen mir Menschen anbieten, meine Webseiten gegen Geld Korrektur zu lesen. Oft sind das Studenten, die sich etwas hinzu verdienen wollen, in letzter Zeit auch mal professionelle (?) Lektoren, die mitunter sogar mithilfe von Apps, die sie mal eben durchs WWW haben laufen lassen, kleinere Fehler gefunden haben wollen.
Gedächtnisprotokoll: "Sie werden zugeben, dass eine korrekte Rechtschreibung zu einem professionellen Außenbild dazu gehört. Nur wer Fehler vermeidet, kann bei Lesern und Kunden punkten."
Nun arbeite ich selbst in einem Job, wo es für mich dazu gehört, auf eben dieses ebenfalls minutiös zu achten. - Und störe mich seither überhaupt nicht mehr daran. Ja vielmehr glaube ich, dass solche Fehler uns alle menschlich machen. In etwa arbeite ich auch und viel mit Menschen zusammen, deren Muttersprache nicht die deutsche Sprache ist. Wer sich ein bisschen auf den Homepages umschaut, wird das schnell feststellen. Ist es da nicht, frage ich mich, sogar ein Zeichen von Authentizität, wenn z.B. ein Artikel fehlt oder "n" und "m" verwechselt wurden?
Dabei spreche ich natürlich nicht von wirklichen Fehlern, einem Wort, das jedes Mal falsch geschrieben wird, sondern von diesen kleinen netten Verschreibern, die, das müssen wir zugeben, uns allen passieren.
Da ich ebenfalls weiß, wie schwer es sein kann, an neue bezahlte Aufträge zu kommen, kann ich diese E-Mails gut nachvollziehen. Aber wie viel Sinn machen diese bei Blogs? Gerade Rezensionen können ja mal etwas länger werden; das sich dort der ein oder andere Fehler einschleicht (den vielleicht auch kein Programm der Welt findet), ist für mich völlig normal. Gehört das nicht irgendwo auch dazu, frage ich mich.
Außerdem gibt es ein Phänomen, das alle Autoren und Journalisten kennen werden: Bei eigenen Texten wird man blind. Da kann man noch so oft drüberlesen, irgendwann verwandelt sich das Geschriebene in das was man haben möchte und nicht in das, was wirklich dasteht. Im Idealfall gibt es dann jemanden, der noch einmal zusätzlich Fehler raussammelt, aber meistens nicht.
Auch professionellen Korrekturlesern rutscht hier und da mal etwas durch, denn einhundert Prozent gibt es nicht. Darum störe ich mich seit einigen Jahren auch nicht daran, wenn ich mal einen winzigen Fehler in einem Roman finde, das macht die Geschichte nämlich nicht schlechter.
Gleichzeitig stoße ich in letzter Zeit aber auch immer öfter auf Blogger oder schlicht Meinungsschreiber in Portalen, die es offenbar als eine Art Sport betrachten, diese kleinen Fehler in Büchern (auf Verlagsseiten, in Newsportalen, etc.) anzuprangern. War es früher - wenn überhaupt - üblich, schlicht eine Mail zu schreiben, dem Verlag oder Autor bescheid zu geben und fertig, hat es sich eingebürgert, das Werk anhand seiner Rechtschreibung zu beurteilen - und das ganz öffentlich. Das wirklich Traurige daran ist, dass manchmal mehr als deutlich wird, dass der eigentliche Inhalt dabei schlicht nicht verstanden wurde. Das irritiert mich in mehrerer Hinsicht: Durch meinen Beruf bin ich auch im privaten Lesen darauf gebrieft, Fehler zu finden. Aber wenn ich einmal in einer Geschichte drin bin, lese ich da einfach drüber, ohne mich davon aufhalten zu lassen. Denn: Rechtschreibfehler machen den eigentlichen Inhalt erst einmal nicht schlechter. Es sind Vertipper, die leider nicht bemerkt wurden, sonst nichts. Und viele "Fehler" sind keine, so werden in wörtlicher Rede eben wie im normalen Leben Silben verschluckt. Da haben hygienische Sätze nichts zu suchen; das hat auch ein klein wenig mit Sprachgefühl zu tun - es geht eben nicht immer um richtig und falsch, sondern auch um all das, was dazwischen liegt.
Aber viele dieser Fehlersucher behaupten steif und fest, dass es eine "Zumutung" wäre, auch nur einen einzigen Fehler zu finden, dass es "nicht professionell" und damit auch nicht statthaft sei. Dass jemand, der solche Fehler macht, gar nicht schreiben kann und am besten auch nicht sollte.
Besonders Kleinverlage und Selfpublisher dürften das kennen, hier wird besonders gern gesucht. Weil man das ja auch oder besser kann. Oder?
Nun will ich wirklich keine Lanze für Rechtschreibfehler brechen. Aber daraufhinweisen, dass es schlicht unproduktiv ist, andere nur anhand von ihren Äußerlichkeiten zu beurteilen und sich selbst über die Maßen zu profilieren. Etwas mehr Bescheidenheit täte gut, wenngleich sich sicher alle freuen, wenn sie auf Fehler hingewiesen werden, da dies hilft, sie das nächste Mal zu vermeiden. Der Ton spielt dabei allerdings eine wesentliche Rolle.
Und bei all dem immer an die eigene Nase fassen; es ist kein Geheimnis: Rechtschreibfehler passieren uns allen! Immer wieder und überall.

Kommentare:

  1. Ich bin sehr pingelig, was Rechtschreibfehler betrifft. Tippfehler passieren natürlich (mir auch!), aber wenn jemand wirklich Probleme mit der Rechtschreibung hat, dann fände ich auch bei einem Blog ein Korrekturlesen nicht schlecht (wobei in vielen Fällen schon das simple Word-Rechtschreibprogramm ausreichen würde ...).
    Natürlich zählt noch immer hauptsächlich der Inhalt, aber wenn ein Buch (oder ein Blog) von Fehlern nur so strotzt, dann kann ich mich nicht mehr auf den Inhalt konzentrieren, dann bin ich nur noch im "Korrekturmodus" unterwegs. Und leider kommen mir solche Fehler immer häufiger unter (nein, ich bin in den letzten Jahren in der Hinsicht nicht aufmerksamer geworden als früher).

    Daher: Klar, über einzelne Tippfehler lese ich hinweg, die passieren mir leider auch immer wieder mal. Wenn sie allerdings überhand nehmen, dann nimmt mir das den Lesespaß - unter anderem auch deshalb, weil sich bei mir dann der Verdacht einschleicht, der Text wäre nur mal eben so untergeschrieben und kein einziges Mal mehr gelesen worden. Oder im Fall einer Verlagsveröffentlichung nur schnell mal oberflächlich korrekturgelesen worden. Beides mag ich nicht, letzteres natürlich noch weniger, weil ich ja schließlich Geld für das Buch ausgebe und dann auch ein möglichst fehlerloses Werk erwarte.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mir geht es gar nicht so sehr um Rechtschreibung und ob sie sitzt. Ich gehe mal davon aus - hoffe es zumindest - dass die meisten von uns das beherrschen. Wenn ein Text nur so vor Fehlern strotzt, dann lese ich auch schlicht nicht weiter. Aber diese kleinen Vertipper - und je nach Textlänge können das ja auch mal zwei oder drei oder vier sein - die ich menschlich finde. Wenn statt "mir" ein "mit" steht oder ein Buchstabe fehlt oder schlicht ein winziges Komma. Ein Komma! Wie kann man daran einen Text beurteilen? Das ist es, was ich meine. Mir ist nämlich aufgefallen, dass es verstärkt solche Kommentare oder Postings auf Blogs und in Newsportalen gibt. Warum kann man denjenigen nicht anschreiben und fertig? Und in einem 300 Seiten Roman vier Fehler sind super, das ist eine ganz geringe Quote.
      Aber dann gibt es auch diese Jäger, die gezielt losgehen - vor allem bei Kleinverlagen und Selfies - und das offenbar für ihr Ego brauchen. Das ist es, was mich stört. Der (fehlende) menschliche Umgang miteinander.

      Löschen
    2. Nun ja, mir sind leider auch schon Romane von Publikumsverlagen untergekommen, wo fast auf jeder zweiten Seite ein Tippfehler war. Das fließt dann bei mir schon in die Beurteilung mit ein. Ein paar vereinzelte Fehler im gesamten Buch sind natürlich keine Tragödie, aber gerade bei ebooks habe ich manchmal den Eindruck, dass da mitunter etwas schlampig gearbeitet wird.
      Möglich, dass ich da auch einfach nicht "abschalten" kann. Ich lese öfter Texte und Studienarbeiten Korrektur und da ist natürlich jeder einzelne übersehene Fehler ein Fehler zuviel und für mich ein Hinweis, dass ich nicht sorgfältig genug gearbeitet habe.

      Entsprechende Kommentare auf Blogs oder in Newsportalen sind mir allerdings noch nie untergekommen; wobei ich auch nichts dagegen hätte, wenn mich in den Kommentaren jemand darauf aufmerksam macht, wenn mir ein Fehler entgangen ist - dann würde ich den ausbessern.

      Löschen
    3. Bei E-Books habe ich manchmal eher das Gefühl, dass einem da auch die Technik einen Strich durch die Rechnung macht. Manchmal drückt es Buchstaben zusammen etc.
      Daraufhinweisen und gewiesen werden ist auch nicht das Problem ...

      Löschen
  2. runtergeschrieben, nicht untergeschrieben - Ahhhhh! Das ist der Vorführeffekt. *gg*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Haha, und soll ich Dir was sagen? Ist mir erst durch den zweiten Post aufgefallen. *gg* Bzw. ich wusste was Du meinst und ... lese da einfach drüber ;-)

      Löschen
  3. Lol. Ja so ein Stuss.

    Auf Blogs stören mich Rechtschreibfehler nicht sooo arg - bei mir schleichen sich wirklich oft genug welche ein.

    Andererseits bin ich auch niemand, der sich jetzt mega darüber aufregt, wenn man ein paar Rechtschreib- und Tippfehler in einem Roman findet. Das passiert halt.

    Bisher bin ich Gott sei Dank von solchen eMails verschont geblieben.
    Schicken die dann wenigstens ein paar Referenzen mit, damit man überhaupt beurteilen könnte, ob sie selbst etwas von ihrem Handwerk verstehen?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nein, meist nur ein Name, den man goo.glen muss und oft noch nicht einmal eine Homepage (besonders schwer, wenn es ein Allerweltsname ist). Und wenn schon eine App, dann wenigstens das oder nicht? Die Studies verstehe ich ja noch, die versuchen es halt. Oft ein: mein Name ist, ich mache das und das, studiere dies und jenes, kostet so und so viel, ein Beispielfehler.
      Oh und ehe ein falscher Eindruck entsteht: ich sehe nur auf drei solcher Mails in anderthalb Jahren zurück, die mit der App allerdings erst kürzlich. Auf meine Rückantwort habe ich nie etwas zurück bekommen (ich wollte allerdings auch keinen Auftrag vergeben).
      Ich achte sehr viel auf die Rechtschreibung bei mir, aber bei meinen anderen Homepages lasse ich immer noch jemanden mit drüberlesen, weil man selbst (und bei eigenen Texten besonders) nicht alles finden kann. Im Blog macht es aber für mich wenig Sinn. Obigen Text habe ich auch SO oft gelesen und es ist sicher immer noch was drin (wer was findet und mir eine Mail schreibt, dem schicke ich ein Buch zu!).
      Ich denke, es sollte zu erkennen sein, ob jemand schlicht die Schriftsprache nicht beherrscht oder sich mal eben vertippt hat. Letzteres finde ich einfach menschlich-normal.

      Löschen
  4. Es gibt eine wirklich tolles "Grammar meme" in dem ich immer total wiederfinde:
    https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/736x/da/12/c3/da12c3267ef9a6a57c0cdb8932cdc8ab.jpg

    Wenn ich Rechtschreibfehler jedoch wirklich Bierernst nähme, müsste ich aufhören zu Schreiben - ich denke aber wichtiger ist manchmal einfach dass man schreibt, nicht wie.

    “When people don't express themselves, they die one piece at a time.”
    ― Laurie Halse Anderson

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, der ist wirklich gut. :)
      Und danke für das schöne Fazit, das denke ich auch.

      Löschen
  5. Ich kann deine Position sehr gut verstehen. Es ist schlicht nicht fair, einem Buch sofort den "Wert" abzusprechen, nur weil man Rechtschreibfehler findet. Ich finde es durchaus in Ordnung, in einer Rezension zu erwähnen, dass RS-Fehler dabei waren, wenn sie aufgefallen sind, aber das sollte dann auch alles sein. Besonders bei Selfpublishern ist mir das auch schon aufgefallen, dass manche Leute anscheinend jedes Fehlerchen mitschreiben und Strichliste führen... und das ist erst recht nicht nett. Denn gerade diese Autoren haben eventuell nicht das Geld, um sich professionelle Lektoren zu leisten. Da sind auch 10 oder 20 Fehler im Roman keine Schande.

    Ich registriere diese Fehler sehr wohl, und manchmal ärgert es mich auch. Gerade diese kleinen unscheinbaren Kommas... da habe ich letztens ein Buch gelesen, in dem wirklich so einige Kommas entweder fehlten oder an seltsamen Stellen standen. Das behindert in dem Moment leider etwas den Sprachfluss. Aber deswegen hat das Buch trotzdem eine gute Wertung bekommen, da der Inhalt mir sehr gut gefallen hat. Und das ist genau das, was du auch sagtest und mit dem du mir aus der Seele sprichst.

    Das jeder Blogger in seinen eigenen Texten Fehler macht, das sollte wohl selbstredend jeder von uns eingestehen.
    Überhaupt könnten diese Krümelzähler ihren Fokus auf "richtige" Rechtschreib-Unkundige richten. Die Hälfte der Schüler einer zehnten Klasse können nicht richtig rechtschreiben. Wenn man deren Texte liest, überkommt einen gelegentlich die pure Verzweiflung! Da sind die paar Fehler in einem Roman NICHTS dagegen!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich habe auch oft das Gefühl, dass die Zettel in den gelesenen Büchern oft nicht nur für die Rezension im Sinne von "tolles Zitat" stehen ... das finde ich sehr schade.
      Dass man sich ärgert, wenn es zu viele sind, kann ich gut verstehen, das geht mir nicht anders. Es gibt ja Kommas, da verdreht sich der komplette Satz, wenn sie fehlen. Zu sagen, dass am besten noch mal jemand drüberlesen sollte, ist auch völlig okay. Aber wenn es fies wird ...
      Viele Schüler beherrschen die deutsche Schriftsprache nicht mehr korrekt und es gibt viele "Experimente", die das beheben sollen. Ich glaube allerdings nicht, dass das besser wird, vor allem wenn viele das Schreiben nur noch online machen und sich dort entsprechend gewisse Strukturen und Schreibweisen eingebürgert haben. Schreiben mit der Hand ist auch etwas völlig anderes, als tippen.

      Löschen
  6. Deine Argumentation zu diesem Thema kann ich gut verstehen. Ich finde auch, dass man sich über ein paar Tippfehler in einem Buch nicht so aufregen sollte. Das kann jedem passieren. Ich würde auch kein Werk nur aufgrund seiner Rechtschreibfehler beurteilen. Oft kann ein Autor da auch nichts dafür. Es könnte auch an der Übersetzung liegen. Allerdings muss ich gestehen, dass mir einmal ein Buch untergekommen ist, bei dem beinahe auf jeder Seite Fehler waren. Das waren nicht nur Vertipper, sondern auch grobe Rechtschreib- und sehr viele Grammatikfehler. Da muss ich ehrlich sagen, haben die Fehler meine Bewertung sehr wohl beeinflusst. Ich habe zwar versucht, darüber hinwegzusehen - das war aber wirklich unmöglich. Das Buch wurde beinahe unleserlich. Es war furchtbar, sich bis zum Ende durchzuquälen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich hätte so ein Buch vermutlich nicht ausgelesen ;-) Und wenn mir so etwas unterkommt (das letzte Mal liegt aber schon sehr, sehr lange zurück), dann schreibe ich im Falle eines REs den Autor an und schildere das Problem. Denn diese Rezi kann nicht gut ausfallen. Meiner Erfahrung nach ist der Inhalt auch nicht ganz so lesbar, wenn die Rechtschreibung so dermaßen schlecht ist. Was der Autor draus macht, ist dann ja seine Sache (Möglichkeiten gibt es genug). ;-)

      Löschen
    2. Stimmt natürlich ;-) Möglichkeiten hätte der Autor genug. Ich habe ihn damals informiert, es kam aber nie eine Antwort. Abbrechen kommt für mich nicht infrage, dazu kann ich mich selbst beim langweiligsten Roman irgendwie nie durchringen. Ich muss leider immer wissen, wie es ausgeht.

      Löschen
    3. Übungssache ;-) Oder hat es mit dem Älterwerden zu tun? Das überlege ich auch noch. Mir fehlt schlicht die Geduld, ein Buch das mir nicht gefällt, zuende zu lesen.

      Löschen
    4. Ich weiß es nicht, das kann natürlich sein. Ich bin aber auch schon Mitte dreißig ;-)

      Löschen
  7. Im Prinzip bin ich deiner Meinung und ich habe auch gar nicht die Lust, stundenlang nach Fehlern zu suchen. Wenn ab und zu kleine Fehler auftauchen, ein Komma vergessen - meine Güte, sowas passiert mir auch mal. Aber in dem Moment, wo sich die Fehler häufen, wo Sätze erst nach mehrmaligen lesen verständlich werden, dann bin ich genervt. Ich habe vor einigen Wochen ein Sachbuch gelesen, das stellenweise einfach nur grausig war. Wohlgemerkt eines, das in einem renommierten Verlag erschienen war! Ich muss zugeben, da bin ich sauer geworden. Und wenn man erstmal dabei ist, dann ist jeder weiterer Fehler, den ich sonst einfach abtun würde, einer zuviel.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Um viele Fehler geht es mir nicht, die gilt es immer zu vermeiden. Nur das anprangern eines Minifehlers, wie er uns allen passiert ... dafür habe ich wenig Verständnis.

      Löschen
  8. Von deinem Standpunkt aus kann ich deine Meinung verstehen. Wenn du es gewöhnt bist, auf Rechtschreibung zu achten und mit Leuten zu tun hast, denen Deutsch schwer fällt, dann hast du irgendwann realisiert, dass es auch auf die "inneren Werte" ankommt. Und das finde ich gut :-)

    Für mich ist Rechtschreibung wichtig. Besonders in Blogs. Ich finde es einfach nachlässig, wenn jemand die Hälfte der Satzzeichen vergisst. Viele Kommafehler kann man mit ein paar einfachen Regeln vermeiden - z.B. dass vermutlich eines hinkommt, wenn eine Sprechpause entsteht. Kommafordernde Konjunktionen. Oder dass Substantive, die zusammen gehören, meisens zusammengeschrieben werden. Notfalls tut es ein Bindestrich.

    Es ärgert mich, dass mir manche Autoren ihren Worthaufen hinknallen und erwarten, dass ich den Text wertschätze, wenn ich ihnen als Leser nichtmal soviel wert bin, dass sie nochmal drüberlesen.

    Andererseits ist eine große Unsicherheit da - manche Leute legen die Kann-Regeln bei der Groß- und Kleinschreibung eher in Richtung "groß" aus, was ich korrekt finde, aber mein Schriftbild stört. Manchmal habe ich das Gefühl, Autoren orientieren sich am Englischen, wo man die Adverbialbestimmungen (?) manchmal mit Komma trennt. Zu sehen, wie sich Menschen bemühen, es korrekt zu machen, aber es nicht klappt, das finde ich traurig - ich fühle oft ein bisschen mit :-)

    Es kommt auf den Text an - wenn der Text gut geschrieben ist und... mir etwas erzählt und ich glücklich bin, kann ich darüber hinwegsehen. Wenn der Text aber nicht gut geschrieben ist, ist das nur das i-Tüpfelchen.

    Bei Büchern werde ich rigendwann auch betriebsblind und übersehe manches. Auffallen tut es aber erstmal. Ich weiß noch nicht, wie ich damit auf dem Blog umgehe. Zunehmend notiere ich nur noch etwas, wenn es auffällt - das Buch entweder fehlerfrei ist oder bestimmte Fehler so krass sind, dass ich es notieren möchte.

    Das Argument "SP können sich keine guten Lektoren leisten" bin ich leid. Weil es so klingt, als würde die ohnehin gnädige Verwandschaft nochmal drübergucken und über Fehler hinwegsehen. Nein. Wenn man nach einem Testleser sucht, findet man auch einen. Er findet vlt. nicht alle Fehler, die ein Lektor findet, aber einige. Besonders Autorenkollegen sind eine gute Hilfe.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich schrieb ja, dass ich keine Lanze für Rechtschreibfehler brechen möchte. Ich gehe davon aus, dass die Schriftsprache bei den meisten sitzt. Kleinere Fehler passieren aber, übrigens auch, wenn zwei Leute drüber lesen. Man kann jedoch, wenn man nicht sicher ist, auch im Duden (online!) nachschlagen.

      Löschen