Donnerstag, 27. November 2014

(Veranstaltung) Digitale Medien: Chancen für das Lesen


Am 25.11. hatte die Stiftung Lesen zu einer Fachtagung geladen, in der neue Strategien das Lesen von Kindern und Jugendlichen zu fördern, vorgestellt werden sollten. Leitthema waren dabei die digitalen Medien: Social Media, Games, Apps.
Leider fehlte mir eine genaue(re) Definition von dem, was den Besuchern der Tagung vermittelt werden sollte. Am Ende des Tages hatte ich den Eindruck, man habe mir sagen wollen, es sei egal, was die Kids lesen, Hauptsache, sie lesen überhaupt. Aber wie das Lesen von Facebook und Twitter Jugendliche ans Lesen von Büchern führen soll, ist mir persönlich völlig unverständlich geblieben. 


Mitten in Berlin, an der immer noch halbseitig gesperrten Straße "Unter den Linden" steht das Microsoft-Haus, das seine Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat und auch neben dem Bundesministerium für Bildung und Forschung als Sponsor der Veranstaltung auftrat (was anhand des Themas nicht sehr verwunderlich ist).
Ich bin erst sehr spät auf die Idee gekommen, ich könnte mal ein Foto schießen und dann auch nur mit dem Handy, was leider die eher maue Qualität bedingt.
Es wurde aber viel mit einer professionellen Kamera gefilmt und es lief auch ein Fotograf herum. Sämtliche Arbeitsmaterialien, Folien und Co. sollen "zeitnah" auf der Seite der Stiftung Lesen zu finden sein. Ich kann jedem nur empfehlen, sie sich mal anzuschauen, trotz meiner Kritikpunkte war es ein sehr informativer Tag, der mir auch einige neue Impulse zum Nachdenken geliefert hat.

Um 10 Uhr begann der erste Workshop. "Social Reading" ließ zunächst Prof.Dr. Stephan Porombka zu Wort kommen, der sehr anschaulich und verständlich an die unterschiedlichen Arten des Lesens heranführte. Wie liest man einen Text Print, wie einen Text (mit weiterführenden Links) digital? Wie können die Chancen zum gegenseitigen Lesen genutzt werden? Stichworte: Deep Attention (das Eintauchen in Texte) und Hyper Attention (Drüberfliegen). Aber das neue Lesen erfordere auch das Schreiben und Grenzen zwischen Autor und Leser verschwämmen immer mehr, was er schließlich an einem Modellsystem erklärte, das im letzten Schritt zu "es gibt keinen abgegrenzten Text mehr, es gibt nur noch Kommunikationsimpulse" geführt hat.
Danach sprach Michael Frank Neuhaus über Workshops, die er als PR Berater und Coach (für Social Media in Firmen) an Schulen mit Jugendlichen durchgeführt hat. Dazu wurde die Zuhörerschaft eingebunden und jeder sollte in ein Mikro sprechen, welchen Beruf er ausübt. Mehrheitlich waren es Lehrer - sowohl 7./8. Klasse, auch jünger und für Lernschwäche - aber auch Bibliothekare, Chefredakteure und Entwickler für Kinderapps. Das Gastpublikum war generell aber mehrheitlich weiblich. Und bisschen was älter.
Mir hat Porombkas Vortrag und auch sein späterer Auftritt so gut gefallen, dass ich mich sowohl mit ihm und seinen Texten, als auch mit dem Thema näher befassen werde.

Um 11.45 fand dann die offizielle Begrüßung statt, bei der Christian Füller die Moderation (wie auch einiger anderer Veranstaltungen später) übernahm.
In Twitter oder Facebook den Hashtag #lesendigital verwenden und sich die Beiträge ansehen.
In seinem lockeren Gespräch mit Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen wurde leider auch nicht deutlich, warum wir alle da waren. Auch hier der Grundton: Wir müssen uns der Zielgruppe anpassen und wenn die eben, wie Maas' jüngste Tochter, Prinzessin Lillyfee Fans sind, dann müssen sie zum Lesen über Lillyfee gebracht werden.

Bild von: https://twitter.com/ciffi
Ab 12 Uhr schloss sich sogleich der Vortrag: "Always on: Aufwachsen mit digitalen Medien" an. Prof.Dr. Nadia Kutscher erklärte informativ und mit vielen empirischen Daten, welche Endgeräte in Familien genutzt werden - Smartphones nicht sehr überraschend an erster Stelle, aber E-Reader mit ganzen 2 Prozent an letzter. Kinder und Jugendliche in verschiedenen Altersstufen nutzen welche Social Media Kanäle? Die KIM-Studie 2012 zeigte, dass 44 Prozent der Kinder von 6-13 Jahren online sind und ganze 55 Prozent davon Facebook nutzen.
Die von ihr erwähnten Studien hätte ich gern als eine Art Leseliste erhalten. Ich bin sicher, auch diverse Lehrer wären daran interessiert.

Für das leibliche Wohl war die gesamte Zeit über bei der kostenlosen Veranstaltung gesorgt und sogar Veganer wären auf ihre Kosten gekommen.


Um 13.30 Uhr begann der Vortrag "Lesestrategien für digitale Medien" von Prof.Dr. Berbeli Wanning, der nicht nur Anfänger ans Thema geführt hat, sondern auch noch äußerst unterhaltsam war. Dass der Text schon bald nicht mehr im Mittelpunkt des Lesens stehen wird, wurde mehr als deutlich. Wer auf Hyperlinks klickt und sich so von Link zu Link hangelt, liest viel, aber nicht mehr einzeln. Außerdem lesen wir alle so nicht mehr die gleichen Dinge, weil wir andere Pfade benutzen.
Wanning sagte aus, dass "Kinder, die ihre (vorhandenen) Lesefähigkeiten auch an Hypertexten schulen, ebenfalls ein Gespür für literarische Zusammenhänge entwickeln." Nun war der Rahmen ja doch eher was für kurze Statements, denn diesen Fakt hätte ich gern etwas vertiefend erklärt bekommen.
Immerhin, sie benutzte nicht nur die Technik zur Visialisierung, sondern auch Papier und Stift.
Stichworte hier: Scriptons und Textons. Und: Lost in Cyerspace. Und: Wreader und ProdUser.

Um 14.30 begann eine neue Runde Workshops und ich entschied mich für "Lesen und Gaming". Und ich will ehrlich sein, ich dachte: so ein Stuss.
Aber Jan M. Boelmann und Benjamin Rostalski haben mir bis zu einem gewissen Punkt begreiflich machen können, wie PC-Spiele auch das Lesen von Kindern beeinflussen können. Immerhin erzählen diverse Spiele ja auch kleine Geschichten und indem man sie ein Spiel nacherzählen lässt, statt beispielsweise einer Kurzgeschichte oder eines Theaterstücks, können gerade auch Jungen besser geschult werden. Den Geschlechteraspekt finde ich gerade bei diesem Thema (wie generell in Sachen "Games/Gaming") nicht ganz unwichtig und denke, die Jungs sollten sich unbedingt einen Geschlechterforschungsexperten dazuholen.
In einem Versuch, den Boelmann mit einer Schulklasse gemacht habe, habe sich ergeben, dass Jugendliche nicht nur gern gespielt hätten, sondern dabei auch äußerst kreativ geworden sind. Außerdem habe sich herausgestellt (allerdings wenig verwunderlich), dass Teens, die gut mit Büchern umgehen können und deren Inhalt schneller verstehen und wiedergeben können, auch die Spiele und deren Inhalte begreifen. Mädchen seien dabei tatsächlich besser gewesen (sollte auch wenig verwunderlich sein), "Jungen können dann einen neuen Highscore aufstellen, aber Mädchen begreifen das Spiel besser".
Rostalski berichtete dann von "Der Spielung", bei der man sich gedacht habe, es gebe ja so etwas wie "Die Lesung" und man könne das gleiche ja mal mit Spielen machen. Das Format wurde erst kürzlich erstmals auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin im Rahmen eines eigenen Thementages erprobt. HIER dazu ein Bild mit Text. Eingeladen waren "Das „Literarisches Quartett“ der Computerspiele. Wie beim berühmten Vorbild stellten sich vier Literatur- und Spieleexperten gegenseitig Spiele vor und diskutierten ihre Meinung dazu. Christian Schiffer, Herausgeber der WASD, eines Spiele-Feuilleton-Bookazines, brachte den dystopischen Dokumenten-Thriller „Papers, please!“ mit. Die Gamedesign-Professorin Linda Breitlauch, stellte das mehrdimensionale Rätselspiel „Portal“ vor. Die Autorin Ulrike Draesner verriss das millionenfach verkaufte Sandboxspiel "Minecraft". Und Fantasy-Autor Markus Heitz zeigte sich begeistert von den Hintergrundgeschichten der Charaktere aus der Prügelspiel-Serie "Tekken"."
Eine weitere sehr kreative Variante davon war "Let's retell: Die Nacht des nacherzählten Spiels" (die auch 2015 wieder stattfinden soll).
Als Beispiel gab es das Spiel "Super Mario Bros.": Klempner, der von König Koopa entführte Prinzessin retten muss. Jemand bei der Nacht habe das aber mal aus Sicht der Prinzessin geschildert, die eben habe entführt werden wollen.
Da sehe ich tatsächlich einige kreative Ansätze, die sich zudem sicher auch gut in den Schulunterricht einbinden lassen.
Die anderen Spiele waren leider alle EgoShooter und Hau-drauf-Spiele, die natürlich wenig Anklang fanden (übrigens auch nicht bei mir). Genauer eingegangen wurde auf das Spiel "Ceville", das als Video niedlich anzuschauen war, aber auch den Grundtenor "sei böse und fies" hatte. Dass da eine Lehrerin wenig begeistert ist, wenn sie derartige Spiele in die Schule zu Kindern bringen soll, kann ich gut verstehen. Dabei wurde von den beiden Vortragenden auch zu viel ins Thema "nein, Spiele fördern keine Gewalt, das ist nur ein Vorurteil" (das ja gerne in der Gaming-Welt genutzt wird) eingetaucht. Die Frage der Lehrerin nach Spielen, die "mehr was für die Schule seien" und vielleicht auch Dinge gleich mit erklären, zum Beispiel Demokratie etc. konnten beide dann (natürlich?) nicht beantworten.
Gerade hier sehe ich einen großen Nachholebedarf bei ihnen, sowohl den Gender-Aspekt betreffend, als auch die Probleme von Lehrern ins Auge fassend.
Die Voraussetzung, dass eine Schule über mehrere PCs verfügt, ist nicht überall gegeben und den Kindern als Hausaufgabe mitzugeben, sie sollten ein Spiel kaufen (!) und dann zu Hause spielen ... da war zumindest ich raus.
Als Projekt für den Deutschunterricht fände ich aber "Erzähle ein Spiel kreativ nach" äußerst interessant. Aber dann mit Spielen, die für Kinder und Jugendliche besser geeignet sind, als die, die uns da vorgestellt wurden. Es gibt sie ja immerhin.

Während des "Gaming"s, bei dem wir in dem sehr zugigen Foyer sitzen mussten, gab es auf der Straße direkt vor dem Haus plötzlich Tumult. Männer in schwarzen Anzügen liefen auf, sperrten die Straße, Krankenwagen pfiffen vorbei. Als sich die Aufmerksamkeit der Mehrheit der Zuhörer zum Fenster wandte, sah ich überraschend direkt vor mir auf der Straße unsere Frau Bundeskanzlerin Merkel in grünem Blazer aus dem Haus auf der anderen Straßenseite kommen. Die schicke, schwarze Limo stand bei uns vorm Fenster und wir starrten die Frau an, die uns sah, aber nicht drauf reagierte. Interessant daran fand ich, dass sie auch eine Personenschützer_in_ dabei hatte. Welches Haus sie da verließ? Nun sagen wir mal so: Vielleicht hat sie sich ja einen Kontoauszug geholt ...


Um 16.15 fand dann die Abschlussrunde statt, die wieder von Füller moderiert wurde und neben Porombka, Boelmann auch Dorothea Martin und den Verleger von Oettinger Till Weitendorf umfasste.
Welche Chancen bieten die digitalen Medien denn nun für das Lesen? Und wieder gab es leider keine Definition, was genau mit "lesen" gemeint ist.
Außer Porombka waren aber schließlich alle der Meinung, dass die digitiale Welt die Kids und Teens wieder (mehr) zum Lesen bringen wird. "Wer glaubt, dass wir hypersocial Reading lernen, um Kinder zum guten alten Buch zurückzubringen, kann nur enttäuscht werden" getweetet von Füller wurde dazu als kleiner Aufhänger benutzt. Dr. Porombka outete sich schließlich selbst als Aussagetätiger.
Martin, die Expertin für Transmedia Storytelling ist, berichtete von einem Projekt, bei dem eine Autorin einen biografischen Roman (ihrer eigenen Familie) geschrieben hatte und einen Weg gesucht hat, die zahlreichen Fotos ebenfalls dem Leser zugänglich zu machen. Diese Idee fand bei mir nun wieder viel Anklang, das Thema wurde nur leider nicht ausgebaut.
Weitendorf erzählte dann vom neuen Projekt Oettinger34, dass "Eine Heimat für alle Talente im Kinder- und Jugendbuch, die das Beste der digitalen Welt mit dem Besten eines klassischen Verlags kombiniert. Schnell, innovativ, Community-getrieben, im unmittelbaren Austausch aller kreativen Köpfe." sein soll. O-Ton Weiterndorf: "Wir glauben an Geschichten, an Autoren. Wir glauben nicht an Selfpublishing. (...) Wir machen das nicht um Geld zu verdienen oder in Zukunft mehr Bücher zu verkaufen."
Ich musste da ehrlich gesagt mehrmals die Augenbraue hochziehen. Ähnliche Projekte sind ja nun bei mehreren Verlagen entstanden und natürlich geht es ums Geld verdienen. Als jemand, der vor über zehn Jahren selbst ein Schreibforum von (Hobby)Autoren für eben solche geschaffen und geleitet hat, und in den Jahren danach die Entwicklung solcher und ähnlicher Foren beobachtete, kann ich bei diesem Projekten nur den Kopf schütteln. Das kennen sicher auch viele Selfies, wie wir damals doch alle belächelt und nicht für Ernst genommen worden sind. Und heute ist es gut genug, um es von den "Profis" ebenfalls geschaffen zu werden und ihre Anregungen holen sie von uns.
Nun ja, es kam jedenfalls heraus, dass man die Zielgruppe abholen solle wo sie sei und das Lesen heute so vielseitige Möglichkeiten biete, wie kaum je zuvor. Man solle auch bedenken, dass es einmal hieß, nun wo es den Fernseher gäbe, würde das Theater bald aussterben, das sei schließlich auch nicht passiert. So werde eben auch das Buch zukünftig nicht aussterben, nur weil jetzt digital gelesen werde.


Die eingeladenen Vortragenden haben das wirklich hervorragend gemacht. Ich habe selten so gute, anschauliche, informative, aber eben auch unterhaltsame Vorträge gehört, dafür beide Daumen hoch!
Aber die meisten dieser Vortragenden arbeiten als, mit oder für Projekte oder Gesellschaften, die sich mit der digitalen Welt beschäftigen und daher einen großen Schwerpunkt in deren Leben spielen. Sich nun in einen, vielleicht auch älteren Lehrer hineinzuversetzen, der kaum je einen digitalen Schritt gegangen ist und nun mit den Kids Facebook üben oder PC-Games spielen soll, das ist leider keinem gelungen. Natürlich scheinen wir uns an der Schwelle einer neuen Zeit zu befinden. Dem Umbruch sozusagen. Jenen, die keine Ahnung davon haben, jene, die es ab und an nutzen und jene, die damit aufwachsen und es nicht anders kennen.
Was mir komplett gefehlt hat, war eine auch kritische Auseinandersetzung mit dem Thema. Es gibt eben auch zahlreiche Studien, die sich mit den Gefahren dieser Welt auseinandersetzen. Es ist belegt, dass die digitale Welt unser Denken verändert und damit muss sie auch unser Lesen beeinflussen und verändern. Was das für die Inhalte eines Textes bedeutet - egal ob Sachbuch oder Belletristik - wäre ein schönes Thema, eben gerade für die Schule und auch Bibliotheken gewesen. Das konnte wahrscheinlich aber kein Thema sein, wenn man Sponsoring und Arbeitgeber der Vortragenden bedenkt. Ganz so unabhängig ist eine Stiftung dann eben doch nicht.
Was die Leseförderung durch diese Medien angeht, bin ich nicht überzeugt. Lesen beginnt in der Schule und ganz besonders im Elternhaus. Bei letzterem sollte am ehesten angesetzt werden und gerade die sog. "Bildungsfernen Schichten" können sich die heutigen Kinder- und Jugendbücher oft schlicht nicht leisten. Eltern aber nahe zu bringen, dass ein Buch wichtiger ist als der Fernseher, ist mir oft bei der Arbeit mit Kindern nicht gelungen. Wie soll man zukünftig solchen Eltern klar machen, dass die digitale Welt, Games und Co. nur Zusätze sind und auch nur sein können?
Wenn ein Kind nicht richtig lesen kann - und laut Stiftung Lesen gibt es 7,5 Millionen erwachsene Menschen in Deutschland, die funktionale Analphabeten sind (mehr als 14 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung) - wird auch eine digitale Welt daran nichts ändern. Wie soll die mir das auch beibringen, wenn sich um eine korrekte Schreibweise nicht bemüht wird/werden muss, wenn es nur eine begrenzte Zeichenanzahl gibt und in Abkürzungen geschrieben wird, die dann vielleicht auch noch aus ursprünglich nicht deutschen Worten besteht?
Da muss sich jemand hinsetzen und mit dem Kind üben. Dass man dann auch diese Hilfsmittel benutzen kann, um ein Kind spielerisch zum Ziel zu führen, das ist klar. Aber zu behaupten, digitale Medien brächten Kids dazu, auch wieder zum Buch zu greifen, sehe ich nicht. Das sind zwei völlig unterschiedliche Lesearten, wie mir den ganzen Tag über erklärt worden ist. Beispielsweise ist ein Buch nur ein und dann auch fester Text, den ich weder Liken noch kommentieren kann. Ich muss also beide Arten des Lesens kennenlernen. Da die Teens aber heute fast alle ein Smartphone in der Tasche haben und damit untereinander interagieren und viele Eltern ihnen kein Buch, sondern eben eher ein neues kleines, blinkendes Gerät schenken werden, ist es wichtig, dass zumindest in der Schule die "alte" Art des Lesens vermittelt wird.
Für alles andere ist es noch viel zu früh, weil das bestehende System(e) da noch gar nicht mitziehen kann. Und wo Chancen sind, sind auch immer Gefahren.
Natürlich gibt es auch heute noch Theater und werden von Interessierten besucht. Wenn man aber in einem wahllos ausgewählten Raum fragt, wer überhaupt jemals in einem Theater war und wenn ja wann zuletzt, wird man ganz sicher eine völlig andere Antwort erhalten, als würde man fragen, ob jemand jemals schon einmal ferngesehen hat und wann das letzte Mal. Texte passieren zukünftig vermutlich immer häufiger digital. Die Ansätze dafür, das Lesen lernen, die Auseinandersetzung mit Texten und Textinhalten und all dem, was mit Lesen eben auch zu tun hat (eben neben dem eigentlichen Lesen), müssen vermittelt werden! Und das geht nicht digitial. Jedenfalls nicht momentan. Deep Attention (Eintauchen in Texte) und Hyper Attention (Drüberlesen) sind dafür eines von zahllosen Beispielen.
Lesen: ja sicher. Aber Lesen, ist eben nicht gleich lesen. Und "egal wie" hat noch nie funktioniert.

Kommentare:

  1. Danke :-) Das war ein toller, umfassender und kritischer Bericht über die Veranstaltung! Er wirktde durch den schmalen Text zwar etwas massig, aber... du hast dir soviele Gedanken gemacht!

    Computerspiele können beim Lesen tatsächlich helfen,weil den Schwerpunkt vom Lesen auf das Erleben verlagert wird - die Kinder lesen nebenbei und stehen nicht unter Druk, lesen und leisten zu müssen.

    Theaterspielen ist eine tolle Idee, weil es viel mit Energie zu tun hat :-)

    Ich hab mal einen belletristischen Text zum Thema "Hypertext" gelesen - war cool :-)

    Ich hoffe, dass E-Books irgendwann mal ihr Potential entfalten können...

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    1. Ja, lange Texte sind ja out, war aber keine Neuigkeit vom Dienstag. Wer nicht will, muss ihn ja nicht lesen ;-) Ich wollte ihn erst in mehrere Beiträge aufteilen, aber so viel Raum geben war auch wieder Quatsch. Bin ja schon froh, wenn das überhaupt jemand gelesen hat :)
      Wir hatten einige Texte empfohlen bekommen, die Geschichte sind, aber diverse Probleme aufgreifen oder sogar vorgreifen.

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  2. Ich bin froh, dass Du das schreibst und offenbar auch da warst. Mir ging das schon beim Lesen der Einladung so, dass ich nicht wusste, worauf das Ganze eigentlich hinauslaufen soll. Hab's mir deswegen gespart.

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    1. Mensch, wärst' mal gekommen, dann wären wir uns mal über den Weg gelaufen!
      Ich nehme ja grundsätzlich alles mit, was kostenlos ist, wenn ich Zeit habe. ;-) Letztendlich bin ich schon froh, das mal gehört zu haben, was aber in Zukunft draus wird, kann nur die Zeit zeigen.

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