Samstag, 6. Februar 2010

Geschichte der Heftromane


Es ist eigentlich traurig, dass sich dem Thema der Heftromane so gut wie niemand bisher angenommen hat (außer hier). Vielleicht habe ich auch einfach nicht lange und gründlich genug gesucht, wer weiß. Fakt ist, dass viele etwas wissen, sich das aber oft unterscheidet, von einander abweicht und manche Dinge erst gar nicht berührt.
Ich gebe also ein ungefähres Grundwissen wider, das weder vollständig ist, noch Anspruch auf Richtigkeit erhebt. (Und in mehrere Blogposts aufgeteilt wird.)

Bei den Heftromanen handelt es sich um sehr preisgünstig produzierte Romanhefte, die durch ihre Herstellung und die sehr hohen Auflagen billig an den Endverbraucher herangetragen werden können.
Oft sind es Serien (Ärzte, Western usw.), die vertrieben werden, von denen nicht wenige durchgehende Storylines besitzen, die dann die Einzelhefte miteinander verbinden. Beispielsweise durch die gleiche Hauptfigur.
Die Autoren dieser Hefte sind zumeist nicht gleich zu erkennen, da nicht wenige von ihnen unter Pseudonym schreiben.

Einige Quellen gehen davon aus, dass sich die Heftromane aus Übersetzungen aus dem Französischen oder Italienischen entwickelt haben. Schwerpunkt dabei Liebe und Abenteuer.

Der Bastei-Verlag schreibt in seinem kurzen Artikel "Zur Historie des Heftromans", dass alles im 19. Jahrhundert angefangen hat. Zunächst mit Bilderbogen und Ein-Blatt-Drucken. Später dann mit Fortsetzungsgeschichten, die aber erst ab 1870 Seriencharakter (regelmäßiges Erscheinungsdatum etc.) erhielten. In sich abgeschlossene Geschichten, die oft die gleichen Helden hatten, wurden beliebt. Vor und während der beiden Weltkriege gab es sie auch, die Heftromane, aber erst nach dem Spuk wurde der Markt größer.
Geschmäht wurden die Heftromane offenbar von Anfang an. In den 50er Jahren sollten sie in Österreich sogar verboten werden.
Sehr namhafte Autoren haben mit Heftromanen begonnen, Bastei zählt hier Stephen King, Marion Zimmer-Bradley und Isaac Asimov auf. Aber schon Autoren, die heute zu den Klassikern zählen, schrieben Heftromane: Jack London, Robert Louis Stevenson, Balzac und Maupassant.
"Und nicht zuletzt wurde der Filmstreifen namens „Pulp Fiction“ sogar als Oscar-Nominierung gehandelt. Dieser Film ist die getreueste Umsetzung einer Heftroman-Story, wobei auf die einfachen Strukturen der Romane bewußt großen Wert gelegt wurde."
Heutige Autoren sind auch vertreten und da hätten wir: Alfred Bekker, Volker Krämer, Fritz Tenkrat (Pseudonyme beachten), Linda Budinger ... Und das sind nur die, deren Namen mir was gesagt haben.

Eine Geschichte der 1968-2000er Jahre gibt es hier. Es geht vor allem um die Hefte Phantastik, Krimi und Horror und wie sie sich gewandelt haben.

Bei Bastei werden heute wöchentlich 320.000 Hefte für die weiblichen Leser gedruckt und an sie verkauft. Ob Liebe, Arzt oder Heimat bleibt sich dabei gleich.
Bei den männlichen Lesern (Revolverheld, Spezialagent, Geisterjäger, Elitesoldat) sind leider keine Zahlen angegeben. 1988 war der Stand, dem Spiegel zufolge so:
560.000 Frauenromane und 750.000 Männerromane in Heftform.


Kommentare:

  1. Leider, leider scheint es Heftromane nur noch für die umsatzkräftigen Bereiche "Liebe und Co." zu geben. Früher gab es viel mehr Auswahl in den Bereichen Phantastik, Horror und Science Fiction. Ich denke da nur an John Sinclair oder die Perry Rhodan Reihen oder Jerry Cotton. Ich habe das immer gerne gelesen.

    Ähnlich geht es mir mit den von mir bitter vermissten Superhelden Heften, die für mich auch zu den Heftromanen zählen. Zwar sind es Comics, aber was an Dialogen gesagt wird, hat Substanz und so mancher Autor könnte sich dort eine Scheibe abschneiden, wenn es um effiziente Plothandlungen und gute Zusammenfassungen geht. Superman, Batman, Die fantastischen Vier oder die Marvel Comic Helden wie "Der Hulk" und "Spiderman" oder "Hellboy" zeigen doch, dass sich hier interessante Filmadaptionen erstellen lassen. Schade, dass diese Genres so gut wie ausgestorben sind. Ich habe diese Hefte immer verschlungen.

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  2. Oh, es gibt auch sehr viele Hefte für männliche Interessen. Es scheinen auch wesentlich mehr Männer diese Hefte zu lesen.
    Sternenfaust zum Beispiel oder die von Dir angeführten Perry Rhodan und Jerry Cotton. Western jede Menge.
    Für die Entwicklung des Phantastischen und dort des Horror-Bereiches klick mal auf den Link zur Geschichte 1968-2000, da wird ein wenig darüber berichtet.

    Aber wo Du es sagst fällt mir ebenfalls auf, dass es so Helden wie Superman nicht mehr gibt, da ist nichts Neues dazugekommen. Es sei denn wir zählen die zahllosen Romane hinzu, in dem ein übersinnlicher Held bzw. meist eine Heldin agiert.

    Die Heftromane bei Cora sind eigentlich keine, denn das sind ja "richtige" Romane, die übersetzt wurden und nun sehr preiswert angeboten werden können. Sie haben auch eine deutlich höhere Seitenanzahl.

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  3. Ich muss zugeben, dass ich wohl deutlich mehr von den Heftromanen für Männer gelesen - und genossen! - habe, als Hefte für Frauen. ;) Aber immer mal wieder habe ich n meinem Leben eine Phase, in der ich mich voller Vergnügen auf diese Art von Geschichten stürze. :)

    Was die Comics angeht, so habe ich vielleicht durch mein Zusammenleben mit einem Comicliebhaber (und meiner eigenen kleinen Sammlung ;) ) einen anderen Eindruck gewonnen. Es gibt immer noch Unmengen an Superhelden-Comics, aber die bekommt man wohl nur noch in Comicladen und nicht mehr im normalen Supermarkt oder Kiosk. Für die lohnt sich die Bestandspflege wohl weniger - vor allem, da viele Comicleser auf die amerikanischen Veröffentlichungen auszuweichen scheinen. ;)

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  4. Anonym12.6.10

    Schaut mal hier:
    http://www.amazon.de/Heftromane-schreiben-veröffentlichen-Anna-Basener/dp/3866710747/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1276344617&sr=1-1.
    Ist wohl noch relativ neu, aber tatsächlich hat mal jemand was zum Heftroman geschrieben. Ich war superfroh, als ich darauf gestoßen bin. Auf der website der Autorin gibt aus auch Heftromane zu lesen, unter CC-Lizenz:
    http://www.annabasener.de/index.html.
    Das ist echt interssant zu sehen/lesen.

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  5. Hallo Anonym,

    herzlich Willkommen in meinem Blog!
    Du bist aber nicht zufällig selbst Anna? ;) Ihre Homepage gefällt mir gut, da sehe ich mich bestmmt noch mal richtig um.
    Das Buch "Heftromane schreiben und veröffentlichen" würde ich gern mal lesen. Leider ist es mir zu teuer ...
    Kennst Du es denn? Würdest Du es empfehlen?
    Vielen lieben Dank für Deinen Besuch und schau ruhig öfter rein ;)

    LG
    Soleil

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  6. Starlord3.2.11

    Bei mir hat nun auch die letzte Tankstelle keine Heftromane mehr im Angebot, die Städte wo ich auf Geschäftsreisen im Bahnhof noch Heftromane sehe sind mir persönlich zu weit weg, und leider hat auch ein Bücherantiquariatsterben eingesetzt, so das man im Gegensatz zu früher nicht mehr nachträglich in Heftromane einsteigen kann..

    ich finde es schade das gerade bei den Heftromanen kein Print on Demand möglich ist :(

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  7. Hallo Starlord,

    herzlich Willkommen im Blog!
    Ohje, aus welcher region Dkommst Du denn? Bei mir stehen sie noch überall; Gott sei Dank. Ich entdecke sogar oft noch das ein oder andere neue Heft einer neuen Reihe.
    Falls es sich nicht bessert, versuch es doch mal hier: http://www.romantruhe.de/
    Da habe ich auch schon das ein oder andere vergriffene Heft bekommen. Abos und so weiter inbegriffen.
    Viel Spaß beim lesen und viel Glück beim (wieder)finden!

    LG
    Soleil

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