Dienstag, 26. September 2017

Lagune - Nnedi Okorafor

Titel: Lagune
Autorin: Nnedi Okorafor
Originaltitel: Lagoon
Verlag: Cross Cult
ISBN: 978-3864258732
Euro: 18,00
Veröffentlichungsdatum: September 2016
Seiten: 370
Kein Serientitel
Come in: Kauf









Klappentext/ Inhalt:
Im Internet wird verbreitet, dass vor der Küste einer der bevölkerungsreichsten Städte der Welt Außerirdische gelandet sind! Bald darauf versuchen das Militär, religiöse Führungspersönlichkeiten, Diebe und Wahnsinnige zu kontrollieren, was für Informationen auf YouTube und in den Straßen verbreitet werden. In der Zwischenzeit beraten die politischen Supermächte über einen nuklearen Präventivschlag, der die Eindringlinge auslöschen soll. Alles, was zwischen siebzehn Millionen Einwohnern und deren Tod steht, sind ein außerirdischer Botschafter, eine Biologin, ein Rapper, ein Soldat ...

Meinung

Dieses Buch habe ich mir entgegen meiner Meinung zu Büchern und ihren Preisen gekauft - und vielleicht deswegen zu viel erwartet? "Lagune" setzt genau da an der Geschichte an, wo es am meisten Sinn macht, baut eine zunächst interessante Handlung im ungewohnten Setting auf und verliert sich dann so stark in der eigenen Story, dass vermutlich nur ein so offenes, ungeklärtes Ende übrig blieb. Schnell kamem zwei Fragen auf: 1) Darf ich so ein Werk kritisieren? Und: 2) Wenn das Ganze in eine andere Umgebung verpflanzt würde (z.B. Berlin, Müggelsee), was würde sich verändern?
Und das ist es eben; die Umgebung ist zunächst fremd, anders, als es für gewöhnlich in Romanen präsentiert wird. Wer sich aber regelmäßig über den afrikanischen Kontinent informiert, erfährt nichts Neues und läuft Gefahr, sich zwischen vielen Klischees (in Langeweile) zu verlieren. Überhaupt wäre es selten traurig, dieses Buch nur zu lesen, um sich kulturell weiterzubilden.
Drei Personen begegnen der Außerirdischen, die wie eine menschliche Frau aussieht. Sie kommt aus dem Wasser, wo alle anderen, die sind wie sie, auf das Kommende warten. Die drei Menschen: eine Biologin, sehr begütert aber unglücklich. Ein Soldat, der nicht vergessen kann und ein Musiker. Die genaue Funktion der Individuen bleibt ungewiss, jeder tut ein bisschen was, aber zwischen allem anderen ist schwer zu entdecken, welche Funktion in der Geschichte sie übernehmen sollen. Bereits mittig ist ebenfalls ungewiss, was genau die Autorin eigentlich mit ihrer Erzählung und der Art wie sie diese umsetzt, sagen möchte. Das war auch der Punkt, wo ich einige Wochen abgesetzt habe, was keiner Geschichte guttut. Nur der Buchpreis trieb mich zurück und ließ mich in ein noch viel abstruseres und völlig ungeklärtes Ende gleiten. Oft wirkt es, als habe die Autorin eine Grundidee gehabt, es sei ihr aber nicht gelungen, sie eng genug einzukreisen und für sich selbst zu fassen zu bekommen. Eben das, worauf alles hinauslaufen soll, genau zu zeigen. Leider ist es auch kein "darüber kann man hinweglesen", weil auch die Darstellung der Figuren und der allgemeinen Lage des Landes recht episodenhaft verbleiben.
Ich möchte das Gelesene nicht völlig verreißen, denn ehrlich gesagt würde ich sehr gern noch etwas anderes von der Autorin lesen (vermutlich haben schlicht Story und ich nicht zusammengepasst) - leider sind weitere Übersetzungen von ihr ebenfalls nur für teures Geld zu haben, weshalb es wohl bei dem Wunsch bleiben wird. Wäre "Lagune" etwas preiswerter, würde ich sagen: Versucht es ruhig. Aber so kann ich leider nur abraten.

http://www.nnedi.com/
Die in den USA geborene Tochter zweier Igbo-nigerianischen Eltern war in ihrer Jugend eine erfolgreiche Tennisspielerin. Doch dann wurde bei ihr Skoliose diagnostiziert und ihre Sportlerkarriere war am Ende. Also begann sie zu schreiben. In ihre Geschichten fließen sowohl ihre westafrikanischen Erfahrungen ein, als auch ihr Leben in Amerika.

Freitag, 22. September 2017

Dienstag, 19. September 2017

Rebellion - Michael J. Sullivan

Titel: Rebellion
Autorin: Michael J. Sullivan
Originaltitel: The First Empire 1 - Age of Myth
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426520338
Euro: 9,99
Veröffentlichungsdatum: April 2017
Seiten: 528
Serie: The First Empire 01
Come in: Geschenk









Inhalt

Große Landflächen sind unterteilt. Das Gebiet der spitzohrigen Fhrey dürfen die Menschen nicht betreten; die einen leben in großen Steinstädten, die anderen eher ärmlich in einfachen Holzansiedlungen. Die Fhrey sind den Menschen Götter und gelten als unsterblich, sehen sich auch selbst recht gern in dieser überlegenen Rolle.
Dann wildert der junge Raithe zusammen mit seinem Vater auf Land, das als verboten gilt und muss zusehen, wie ein Fhrey diesen tötet. Ihm scheint das gleiche Schicksal zu drohen, als einer der beiden menschlichen Sklaven einschreitet und es Raithe gelingt, den Fhrey zu töten. Zusammen fliehen die beiden, doch die unglaubliche Tat lässt sich nicht verschweigen.
Die Frau des ehemaligen Stammesführers, Persephone, muss nach dem Tod ihres Mannes und nachdem keines ihrer Kinder überlebt hat, bei Freunden Unterschlupf suchen. Die intelligente Frau, die immer noch großen Respekt genießt, ist dem neuem Oberhaupt ein Dorn im Auge. Als ihr von einer Seherin großes Unheil vorhergesagt wird, an dem die Fhrey beteiligt sein sollen, versucht sie dem Stamm darauf vorzubereiten. Die beiden Neuankömmlinge, in denen Persephone schnell den Mann erkennt, der den Gott getötet hat, unterstützen ihr Unterfangen. Doch dann weiten sich die inneren Streitereien aus und die Fhrey stehen vor den Toren der Stadt.



Meinung

Nachdem ich den Autor in seiner The Riyria Revelations-Reihe zu schätzen gelernt habe, griff ich gern auch zu diesem Roman, der eine neue Reihe beginnt. Diese jedoch spielt in derselben Welt, wenn auch hunderte Jahre zuvor; es ist jedoch nicht nötig, die Riyrias zu kennen (wenn es vielleicht auch mehr Spaß macht).
Die Geschichte im "First Empire" beginnt mit Raithes Tat und seiner Flucht, verläuft danach aber größtenteils sehr ruhig. Es handelt sich nicht um einen actionreichen Roman, diese Erzählung lebt von ihren Charakteren und deren Beziehungen und Erlebnissen. Dabei liegt Sullivans Hauptaugenmerk vor allem auf weiblichen Figuren, von denen er einige starke und auch ungewöhnliche geschaffen hat. Größtenteils spielt das Geschehen in der Welt der Menschen (Rhunes), wechselt jedoch auch hin zu den Fhrey, die bedeutend weiter entwickelt sind. Sullivan hat dabei einzigartige Charaktere geschaffen, die trotz ihrer Fülle gut zu unterscheiden sind.
Persephone ist eine Frau mitten im Leben, der nur leider nichts geblieben ist. Sie verfügt über sehr viel Lebenserfahrung und ist mit ihrem verstorbenen Mann, dem ehemaligen Stammesführer, weit gereist. Zuzusehen, wie das neue Oberhaupt eine falsche Entscheidung nach der nächsten trifft, setzt ihr mehr zu, als sie es gern hätte. Sie möchte gegensteuern, aber sie ist nur eine Frau und der Neue lehnt sie ab - aus gutem Grund, wie sich herausstellen wird. Erstaunt sind alle von der neuen Seherin, die ein Stamm auch tunlichst haben sollte, denn sie ist erst vierzehn Jahre alt, verfügt aber über echte Gaben. Der Wolf, der sie begleitet, ist da nur eine seltsame Zugabe.
Michael J. Sullivan entwickelt seine Welt gemächlich, denn er weiß bereits, dass es noch mindestens fünf Nachfolgebücher geben wird. Hast wäre hier nur unangebracht. Stück für Stück eröffnet sich dem Leser das Innenleben einer Figur oder die Politik der Völker, die Glaubenswelt und die zahlreichen, teils verworrenen Beziehungen untereinander. Er zeigt, dass eine falsche Entscheidung oftmals zwanzig weitere nach sich ziehen kann. Die Andeutungen für den Fortlauf der Handlung lassen noch viel erwarten und es ist schade, dass bisher noch nicht alle Bücher in deutscher Sprache vorliegen. Ob "The First Empire" lange Pausen zwischen dem Lesen verkraftet, ist eher unwahrscheinlich. Dazu sind es zu zahlreiche Personen, die zu zahlreiche Dinge tun; hier kann schnell etwas untergehen.
"Rebellion" deutet mit seinem Titel mehr an, als letztendlich gegeben ist. Wer große Kämpfe oder Action erwartet, ist falsch beraten, zu diesem Buch zu greifen. Dieser Fantasyroman baut allmählich eine interessante, abwechslungsreiche Welt auf, die mit ansprechenden und eigenen Figuren gewürzt ist und eine mitreißende Story erzählt, die sich von Seite zu Seite zu steigern vermag.


The First Empire:
1. Age of Myth (Rebellion)
2. Age of Swords (Zeitenfeuer)
3. Age of War
4. Age of Legends
5. Age of Wonder
6. Age of Empire


Michael J. Sullivan, geboren 1961 in Detroit, begann seine ersten Geschichten mit acht Jahren zu schreiben. Er lebt heute mit seiner Frau und drei Kindern in Fairfax in der Nähe von Washington D.C. als freier Autor.
Zunächst publizierte Michael J. Sullivan seine sechsteilige Riyria-Reihe sehr erfolgreich im Eigenverlag. Nach seinem großen Publikumserfolg wurden US-Verlage auf den Autor aufmerksam. Inzwischen wurde sein Fantasy-Epos in 14 Sprachen übersetzt und hat mehr als 100 Preise gewonnen.