Donnerstag, 28. August 2014

Sonnentochter - Das Lied der Seide - Sheila Rance


Titel: Sonnentochter - Das Lied der Seide
Autorin: Sheila Rance
Originaltitel: Suncatcher
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570157565
Euro: 16,99
Veröffentlichungsdatum: August 2014
Seiten: 464
Serie: SunCatcher-Trilogy 01
Come in: Tausch









Inhalt

In der Bronzezeit: Die dreizehnjährige Maia und ihr Vater Tareth, der Seidenweber, die einst an Land gespült wurden und beim Klippenvolk eine neue Heimat fanden, leben dennoch als Fremde unter ihnen. Razek, der Seegrasmeister macht Maia das Leben schwer und will trotzdem, dass sie ihm ihre Hand reicht. Als das junge Mädchen auf ein Gelege der großen Echsen stößt, auf denen man reiten kann und die Strandgut aufstöbern, trifft sie auf Kodo, den Enkel des Echsenmeisters.
Was ihr wahres Schicksal ist, erfährt Maia an ihrem Namenstag: Sie ist die Sonnenfängerin, dazu auserkoren, dem Land ihrer Herkunft, das unter dem Schnee zusammenzubrechen droht, das Sonnenlicht zurückzubringen. Doch dort herrscht ihre Schwester Elin, die einst die anderen sechs Schwestern ermorden ließ und ihre eigene Tochter Caspia auf dem Thron sehen will. Als Maia in das ferne Land aufbricht, ist sie in großer Gefahr. Erst wenn sie den Sonnenstein findet, könnte sich alles zum Guten wenden. Doch der wurde einst versteckt ...

Meinung

Als Sheila Rance sich entschloss, an der Bath Spa University einen Studiengang über Kinder-und Jugendliteratur zu absolvieren, ahnte sie wohl nicht, dass sie mit der Geschichte, die sie zeitgleich begann einmal den United Artists Preis für das vielversprechendste Roman-Debüt gewinnen würde.
"Sonnentochter" ist ab elf Jahren empfohlen und als für diese Zielgruppe am besten geeignet, sollte man es auch lesen. Dabei geht es nicht sehr zart zu und Maia wird beileibe nicht geschont. Schon in dem Alltag und Leben, das sie kennt, wird das deutlich. Die Natur schenkt den Menschen nichts, sie müssen hart für ihr Auskommen arbeiten, auch wenn den Jüngeren Zeit für sich und ihre Spiele gegeben wird, müssen sie dennoch hart mit anpacken. An den Klippen ist es das Seegras, das angepflanzt und gehegt, schließlich geerntet werden will. Die Nahrung ist nicht sehr abwechslungsreich, aber genügt um satt zu machen. Maia kennt es nicht anders und sie ist glücklich mit ihrem Vater Tareth. Beide teilen ein Geheimnis, Falter und Larven von Seidenfaltern; aus denen Tareth für Maia zunächst geheim magische Seidenstoffe webt.
Rance nimmt sich Zeit, Maia in ihrem Umfeld zu zeigen, die Lebensbedingungen, das Seegras, die anderen Kinder. Da "Sonnentochter" der erste Teil einer Trilogie ist, ist das auch nötig. Maia ist nicht wie die anderen Kinder, sie hat feuerrotes Haar und jeder weiß, dass sie einst mit Tareth an die Klippen gespült worden ist. Zu zeigen, was sie erfährt und wie sie damit umgeht, ist wesentlich für den Fortgang der Handlung.
Razek ist nur wenig älter als sie, trägt aber schon große Verantwortung, die er bis ins Letzte ausübt und sehr genau nimmt. Er ist besonders streng zu Maia, was diese nicht mit Sympathie vergilt; sie verweigert ihm ihre Hand, will nicht mit ihm leben.
Als schließlich die Ereignisse über sie hereinbrechen, lässt sie sich nicht, schon gar nicht von Razek, aufhalten und geht tapfer ihren Weg. Sie hat eine Menge Angst, stellt sich dieser jedoch selbstbewusst. Nur ihr wahres Erbe, das mag sie nicht annehmen, dazu besitzt sie zu viele Selbstzweifel. Eben die einer Heranwachsenden.
Sheila Rance schont ihre Figur nicht, bleibt jedoch stets im Zielgruppenalter. Trotzdem gibt es Kämpfe, bei denen jemand blutet oder sogar stirbt, Entführungen und Intrigen fehlen nicht. Eine älteste Schwester, die alle anderen hat töten lassen, um selbst auf den Thron zu gelangen und die allerschwerste Entscheidung der Welt, vor der Maia am Ende stehen wird. Einzig die Bronzezeit will man oft nicht in der durchdachten Welt erkennen, was jedoch nichts macht, sie ist lebendig geschildert, so dass nichts zu missen ist.
Ein Highlight des Roman sind seine anschaulichen Zeichnungen, die das Geschehen eindrucksvoll unterstreichen. Das Leben an und auf den Klippen, das Reiten auf den großen Echsen, die Seidenfalter - das alles entsteht einzigartig im Kopf und für alle, die noch ein wenig mehr brauchen auch vor Augen.
Eine spannende, intensive Geschichte, die vor allem in (selbstbewusste) Mädchenhände gehört, aber auch Jungen und ältere Leser begeistern wird.


SunCatcher-Trilogy:
1. Sun Catcher (Sonnentochter - Das Lied der Seide)
2. Storm Chaser (April 2014)
3. Story Singer (Mai 2015)

http://www.sheilarance.co.uk/
Sheila Rance ist am Meer aufgewachsen – deshalb beginnen Maias Abenteuer in „Sonnentochter“ hoch auf den Klippen über dem Ozean. Die Autorin schrieb die Geschichte, während sie an der Bath Spa University einen Studiengang über Kinder-und Jugendliteratur absolvierte, und gewann damit auf Anhieb den United Artists Preis für das vielversprechendste Roman-Debüt. Sheila Rance ist Lehrerin mit dem Spezialgebiet Legasthenie und lebt heute in Sussex.

Dienstag, 26. August 2014

(Autorenplausch) Michael Bonifacio: Zeit


Titel: Zeit
Autor: Michael Bonifacio
Originaltitel, 534 Seiten
ISBN: 978-3902837257
Euro: 9,00 Euro
Keine Homepage















Liebe Leser der Verlorenen Werke,

ich bin Michael Bonifacio, Autor des Werkes „Zeit“, meines ersten gedruckten Romans. Ich lebe in Oberhausen und bin gelernter Jurist, doch mit Jura hat das Buch zum Glück (?) nichts zu tun.
Ich bin Jahrgang 1968, und darum geht es. Nein, nicht um die „68er“, mit denen habe ich nur das Geburtsjahr gemeinsam. Als nunmehr Mittvierziger habe ich nämlich die sog. Midlife-Crises erfolgreich absolviert und die Gedanken, die einen in dieser Situation bewegen, zu einem Buch verarbeitet. Es geht also um die Zeit im Leben eines Menschen, um den Ablauf eines Lebens, um verpasste Chancen und verlorene Liebe. Ja, und in der Tat, das Ganze kommt nicht als Komödie daher – dann wäre es ein anderes Buch geworden – sondern durchaus mit einer Portion Schwermut, wie ich offen zugebe.
Was nicht heißt, dass das Buch humorlos ist – so hoffe ich jedenfalls ...
Der junge Protagonist lebt in einer bedeutungslosen Vorstadt und durschaut sein eigenes Leben nicht. Er weiß nichts mit der Realität anzufangen und vermutet, es gebe andere Zeiten und Welten, in denen alles spannender ist als in seiner eigenen starren Welt. Er erkennt, dass er etwas ändern muss, ist dazu aber unfähig und kann nichts mehr bewegen. Er verpasst die Gelegenheit, seiner Jugendliebe näherzukommen und fühlt nur die Lücke, die dadurch in seinem Leben entstanden ist. Doch was ist die Zeit? Läuft sie nur in eine Richtung oder kann er alles noch einmal drehen, alles noch einmal ändern und seinem Leben eine andere Wendung geben? Diese Möglichkeit scheint es tatsächlich zu geben, indem er sich auf Experimente in einem seltsamen Institut einlässt. Aber wann hat jemals eine technische Erfindung die innersten Bedürfnisse und Fragen eines Menschen beantwortet? Der Protagonist flieht so in seine eigene Zukunft als erwachsener Mann. Hier ist zwar alles anders, doch genauso öde wie in seinem früheren Leben. Er kann dem Kreislauf des ewig Gleichen nicht entkommen. Wenn er doch nur mit seiner Jugendliebe reden, sie endlich richtig verstehen könnte! Durch Kommunikation, die keine Grenzen kennt, soll es möglich werden. Doch wohin führt ein solcher Weg, eine Phantasie, die alle Grenzen überwinden, Zeit und Raum hinter sich lassen will? Wir erkennen, dass unser Leben zeitgebunden ist, ein Leben ohne Zeit ist kein Leben mehr. Ein Leben ohne Zeit in grenzenloser Freiheit ist der Tod. Das Gegenteil von Tod ist Leben. Doch wann hat der Protagonist jemals gelebt?
Das Buch möchte ich nicht einem bestimmten Genre zuordnen. Es ist vor allem kein Fantasy, kein Krimi und kein klassischer SF. Wer so etwas erwartet, oder gar noch gern Spannung und Action liebt, der muss von dem Buch zwangsläufig enttäuscht werden. Man muss sich auf das Buch einfach einlassen. Ich habe es – so hoffe ich – wie ein Kunstwerk gestaltet, für das man „Zeit“ braucht und das dem Leser Anregungen für eigene Gedanken geben will. Man wird also nicht an die Hand genommen und durch eine Geschichte hindurchgeführt, sondern bekommt Mosaiksteinchen serviert, aus denen dann am Ende vielleicht ein Bild entsteht. Ja, ich weiß, das widerspricht den Erwartungen vieler Leser, aber so wollte ich mich eben diesem Thema nähern. Denn das Thema des Buches ist – entgegen anderslautenden Gerüchten – keine Philosophie über die Zeit oder eine große Geschichte, die erzählt werden will, sondern das Thema ist am Ende ein Gefühl. Ja, ein Gefühl. Das Gefühl eines verlorenen Lebens. Braucht man denn so viele Seiten, um ein Gefühl zu beschreiben? Hier habe ich sie gebraucht. Tadelt mich, dass ich zu lang war, aber es ging nicht anders.
Inspiriert haben mich zu diesem Buch meine eigenen Fragen über das Wesen der Zeit sowie verschiedene ältere Gruselfilme und – ganz wichtig – viel Musik. Das ist für mich ohnehin die wichtigste Inspirationsquelle.
Zu vielen Quellen gibt es Zitate, aber das Buch enthält auch viele versteckte Hinweise oder Fingerzeige. Der findige Leser mag sie erkennen. Sicherlich muss man nicht über 40 Jahre alt sein, um mit dem Buch etwas anfangen zu können – aber es hilft. Und die Jüngeren wissen dann, was einmal auf sie zukommen könnte ...
Ach ja, das war übrigens gerade eben mein Lieblingssatzzeichen, die drei Pünktchen (...) Sie zeigen an, dass etwas offen bleibt, unfertig ist und irgendwie weitergeht. Wie im richtigen Leben ...


Oberhausen, Juli 2014
Michael Bonifacio