Freitag, 9. Januar 2009

Die Dienerin des Schwertes - Ellen Kushner



Vorab eine, wie ich finde, wichtige Info: Das Buch ist in sich abgeschlossen und wirklich jeden Cent wert! Der Klappentext ist eine Spur zu pathetisch gehalten, es klingt wie ein Kleinmädchenbuch, doch das ist es nicht.

Katherine ist fünfzehn und lebt bei ihrer Mutter, die zufällig die Schwester des "Irren Herzogs" von Tremontaine ist. Er ist noch immer verstimmt darüber, dass die geliebte Schwester ihn verließ um zu heiraten und setzte sowohl sie, als auch ihren Mann stark unter Druck. Nun bietet er ihr an, ihre Tochter sechs Monate unter seine Fittiche zu nehmen und ihr dafür alle Schulden zu erlassen und all das Land, welches ihr zusteht, zurückzugeben. Katherine freut sich, erwartet sie doch, schöne Kleider, Bälle und das Leben in einer großen Stadt vorzufinden. Doch genau das ist es, was ihr versagt bleibt. Ihr Onkel steckt sie in Männerkleidung und lässt ihr das Fechten beibringen. Der Alltag der Reichen und Mächtigen besteht aus Ehrenkämpfen, die sie allerdings nicht selbst führen, sondern bezahlte Schwertkämpfer dingen. Katherines Onkel ist ein sehr vielschichtiger Charakter, der ihn nur umso interessanter macht. Er ist hochintelligent, zu seinen Freunden zählen nur wenige Auserlesene (wie z.B. "Des Herzogs hässliche Dame"), er kifft und trinkt, holt bevorzugt schöne junge Männer in sein Bett (selten auch mal eine Frau), kümmert sich um einen Stricherjungen und schafft es, seinen Feinden immer einen Schritt voraus zu sein. Abgesehen von seiner geheimen Liebe. All das findet Katherine (zusammen mit dem Leser) nach und nach heraus. Ihr Part wird in der "Ich-Form" erzählt, alles andere nicht. Der Wechsel ist gelungen und fällt bald kaum mehr auf. Katherine begegnet vielen Menschen und tritt auch als deren "Verfechterin der Gerechtigkeit" auf. Frauen haben es in dieser Welt und Zeit nicht einfach und ich denke, sie weiß ganz genau, was für eine Chance ihr Onkel ihr da gegeben hat. Ihr und ihrer Zeit.



Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die richtige Mischung Spannung, Historie und auch Erotik. (Die allerdings nicht aufdringlich oder pornografisch ist.) Die vielen stark ausgeprägten und auch mal völlig anderen Charaktere würzen die Geschichte auf die richtige Weise. Hinzu kommen viele Intrigen, die oft verworren, sich alsbald auflösen, den Leser aber nie narren, wie so manch Figur des Buches. Und immr steckt der Herzog dahinter, der so irre nicht ist. Nur anders und es in vollen Zügen genießt, mit sämtlichen Konventionen zu brechen. ("Schwarzer Humor"!) Mantel und Degen, verpackt in Spannung, Erotik und auch ein ein bisschen Fantasy. Wer genug hat vom Einheitsbrei, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen!


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