Donnerstag, 22. Oktober 2020

Die Magierin - Samantha Shannon

 

Titel: Die Magierin
Autorin: Samantha Shannon
Originaltitel: Priory of the Orange Tree

Verlag: Penhaligon
ISBN: 978-3764532390

Euro: 20,00
Veröffentlichungsdatum: September 2020

Seiten: 544
Serie: Der Orden des geheimen Baumes 01

Come in: vom Verlag

 

 

 

 

Inhalt

Drachen bestimmen das Schicksal der Welt, doch während man sie im Osten verehrt, verkörpern sie im Westen alles Böse. Fast tausend Jahre sind vergangen, als der böseste Drache die Welt der Menschen in Schutt und Asche gelegt hat und nun sieht es so aus, als würde er erneut erwachen. Sabran die Neunte ist die letzte Nachfahrin des Ritters, der den Drachen einst besiegt hat und steht vor der Verpflichtung, ihrem Reich eine Erbin zu schenken. In ihren Diensten steht Ead, die verbergen muss, dass sie eine Magierin eines uralten Ordens ist und das Leben der Königin beschützen soll, auch vor ihr. Derweil wird Tané im Osten für die Hochseewacht ausgebildet – sie will eine Drachenreiterin werden. Und diese wird man brauchen, wenn der Drache erwacht ist. Doch Ost und West verabscheuen sich.

 

Meinung

„Die Magierin“ ist der erste Teil des im Original über achthundert Seiten umfassenden Epos von Samantha Shannon, das in der deutschen Übersetzung zweigeteilt wurde.

Äußerst positiv ist die gelungene Aufmachung des Hardcovers zu erwähnen, die einen echten Hingucker bietet. Der gelbe Hintergrund wird durch glänzende blaue Schrift und einen fluoreszierenden Drachen, der sich einen Turm hinaufwindet, veredelt. Optisch bekommt der Leser also eine ganze Menge.

Inhaltlich reicht das Werk zwar nicht wie angepriesen an Martin oder gar Hobb heran, lässt sich aber dennoch gut und flüssig lesen. Die Handlung gleitet mitunter etwas zu schnell vorbei und Shannon muss noch ein besseres Händchen für zwischenmenschliche Szenen entwickeln, aber im Großen und Ganzen ist gute Unterhaltung garantiert.

Ead ist Mitglied im Orden des geheimen Baumes, lebt aber Undercover am Hof der Königin Sabran, die sie als eine Kammerzofe beschützen soll. Das ist auch dringend nötig, denn stirbt diese ohne Erbin, wird der Namenlose die Welt erneut mit Tod überziehen. Dass eine Art Kult darum entstanden ist, liegt auf der Hand. Dumm nur, dass die Königin die wahre Geschichte dessen, was vor eintausend Jahren wirklich geschehen ist, nicht kennt. Ead kommt gleich mehreren Geheimnissen am Hof auf die Spur, die diverse Adlige, nieder und höher gestellt, umfassen. Die meisten davon kommen auch selbst zu Wort. Die Autorin widmet die einzelnen Kapitel immer abwechselnd ihren Figuren. Dabei betrifft es aber nicht nur den Westen, sondern auch den Osten. Dort lebt nicht nur Tané, die einen jungen Mann, der aus dem Meer steigt, versteckt, obwohl das verboten ist. Sondern auch der Alchemist Niclays Roos, der einst von Sabran verbannt worden ist, lebt dort. Jede Menge Verwicklungen sind also garantiert. Es wäre wünschenswert gewesen, ein wenig mehr und genauer davon lesen zu können, denn wirklich in die Tiefe geht das meiste nicht.

Die Handlung erstreckt sich über mehrere Monate, in denen eine Menge geschieht; zwischen den Kapiteln liegen mitunter Wochen, in denen oft viel Zeit vergangen ist. Das will ausgehalten werden, wenn der Leser die jeweilige Figur in einer eher denkwürdigen Szene verlassen hat.

Zudem scheint es schnell so, dass sich Ead in die Königin verliebt. Leider wirkt das reichlich aufgesetzt und ein bisschen ungelenk. Nicht nur, weil Sabran einen Mann ehelicht, dem sie, auch wenn es sich um eine arrangierte Verbindung handelt, sehr zugetan ist. Nur kurz nachdem er nicht mehr da ist und Sabran einen schweren Schock erlitten hat, geht Ead ziemlich ran. Ob da also echte Gefühle im Spiel sind, bleibt abzuwarten.

Derweil wird Tané eher stiefmütterlich behandelt. Obwohl ihre Ausbildung hart ist und sie einen hartnäckigen Widersacher bekommt, wird ihr und ihrer Welt nur wenig Raum geboten. Zudem steht nie außer Frage, dass sie alles schaffen wird, was sie sich vorgenommen hat, was die Sache leider nicht spannender macht.

Am Ende zieht die ohnehin etwas gestrafft wirkende Handlung noch einmal an und geht ziemlich zackig zu Ende. Da es sich aber um eine eigentlich fortlaufende Geschichte handelt, muss dazu Band 2 abgewartet werden.

Der Auftakt zu „Der Orden des geheimen Baumes“ ist gut geworden, wenn es auch noch keine unvergessliche Story ist. Dass in der Mehrheit übrigens Frauen agieren, heißt nicht viel, außer, dass sie die Handlung mehrheitlich tragen (und das Marketing funktioniert). Die Grundidee und die meisten Handlungsstränge sind zwar ein bisschen abgekupfert, aber so individuell angelegt, dass es zu verschmerzen ist. Bleibt zu hoffen, dass die Autorin alles gekonnt und glaubhaft aufzulösen vermag. Sie hat eine sehr spannende Ausgangslage geschaffen, die ein großes Finale verdient hätte. In jedem Fall ist „Die Magierin“ aber eine solide Fantasygeschichte, die gut zu unterhalten weiß.

 

1. The Priory of the Orange Tree (Die Magierin)

2. The Priory of the Orange Tree II (Die Königin)

 


Samantha Shannon ist in West London geboren und aufgewachsen. Mit zwölf Jahren begann sie zu schreiben, mit fünfzehn begann sie ihren ersten Roman. Sie studierte Englische Sprache und Literatur in Oxford.

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Es ändert sich nichts am Kommentieren, nur muss jetzt dieser lange untere Absatz dabeistehen. Ich danke allen, die mir einen Gruß dalassen!

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