Samstag, 23. Juli 2016

(Neuauflage) Raymond Feist: Midkemia

Im Juni 2016 sind bei Blanvalet die Neuauflagen der bereits in den Achtziger Jahren erstveröffentlichten Reihen von Raymond Feist erschienen. Der 1945 in Los Angeles geborene Autor entwarf 1975 zusammen mit einer Studentengruppe angelehnt an das Dungeons-and-Dragons-Rollenspiel den fiktiven Planeten Midkemia, der drei große Kontinente sowie einen magischen Spalt besitzt, der zum benachbarten Planeten Kelewan führt. Im Mittelpunkt stehen die beiden Jungen Pug und Tomas, die auf es auf unterschiedliche Seiten des Spaltes verschlägt. Der eine wird als Zauberer ausgebildet, der andere zum mächtigen Krieger. Unabhängig voneinander werden sie in den Spaltkrieg, der schon eine Weile schwelt, hineingezogen. Wie sie es sich als Kinder erträumten, können sie zu Helden werden und ihre Heimat retten.

Auf Facebook mehrten sich die Fragen, weshalb eine Neuauflage geplant sei und nicht zuerst einmal die bisher nicht auf deutsch erschienen Werke übersetzt werden. Antwort des Verlages: "(...)leider verkaufen sich die deutschen Ausgaben der Bücher von Raymond Feist immer schlechter, sodass mittlerweile leider keine wirtschaftlich realisierbare Weiterveröffentlichung möglich ist. Daher haben wir schweren Herzens schließlich aufhören müssen, die Titel weiter zu publizieren. Die Neuausgabe soll die Marke Raymond Feist neu beflügeln, sodass wieder eine ausreichend große Leserschaft gefunden wird, dass sich auch die späteren Titel unternehmerisch verantwortbar veröffentlichen lassen. Wir sind von der Qualität von Feists Werken überzeugt, doch ob und wann es auch bei einer breiteren Leserschaft so weit sein wird, können wir nicht abschätzen. (...)"

Wie es zur Neuauflage kam und wie sich diese genau gestaltet, hat mir S. Rothfuss vom Blanvalet-Verlag in einigen kurzen Fragen beantwortet.
Was gab den Ausschlag dafür, die Rechte an Feists Büchern neu zu erwerben?
Weil der verantwortliche Lektor ein großer Fan ist und wir alle der Ansicht sind, dass einige Klassiker der Fantasy auf Deutsch erhältlich sein sollten. Das ist vergleichbar mit Terry Brooks Shannara-Chroniken.
Weil der große Erfolg gerade der ersten Bände einen erneuten Anlauf auch wirtschaftlich rechtfertigt.
Weil die alten Cover einfach nicht mehr zeitgemäß sind.

Werden die Reihen geschlossen, bisher fehlende Übersetzungen nachgeholt?
Wir starten mit den ersten vier Bänden der ursprünglichen Midkemia-Saga (Band 4 erscheint 03/17). Außerdem sind sämtliche bereits auf Deutsch erschienen Romane wieder als E-Book erhältlich. Alles weitere hängt davon ab, wie erfolgreich sich die Serie im Verkauf entwickelt.

Handelt es sich auch um eine Neuübersetzung?
Nein, aber die alte Version wurde komplett durchgesehen und neu korrigiert.

Wie ist die neue Coverauswahl vonstatten gegangen? Welche Idee und welcher Coverkünstler konnte sich durchsetzen und warum?
Unsere Covergrafikerin, die selbst Fantasy-Fan ist, konnte uns gleich mit ihrem ersten Entwurf begeistern.

Für alle, die die Autor und Bücher noch nicht kennen: Wem sind sie zu empfehlen und wem nicht?
Die Midkemia-Saga ist einer der großen Klassiker der Fantasy und damit der perfekte Einstieg für Fantasy-Leser – auch für jüngere Leser. Es ist großartiger Stoff für Leser von High- und heroischer Fantasy wie Der Herr der Ringe, Eragon, Trudi Canavan. Eigentlich gehört die Saga zum Basiswissen für Fantasy-Leser.
Erfahrene Leser werden das eine oder andere Déjà-vu haben nach dem Motto: das kenne ich doch schon von einem anderen Autor?!? Und wenn sie dann auf das Erscheinungsjahr gucken, werden sie überrascht feststellen, wer von wem inspiriert wurde.
Zwar nimmt das Thema Liebe durchaus einen wichtigen Platz in den Romanen ein, aber Leser von sehr romantischer Fantasy werden hier nicht auf ihre Kosten kommen. Dafür die, die Abenteuer und große, übermächtige Bedrohungen wollen.


Die Midkemia-welt setzt sich aus verschiedenen Sagas zusammen. Welche es gibt und in welcher Reihenfolge sie gelesen werden sollten, kann HIER nachgelesen werden.
Die Klappentexte der Altausgaben sind HIER zu finden.



Kommentare:

  1. Anonym25.7.16

    Hallöchen... ach, was ich die damals - lang, lang ist's her - gerne gelesen. Und irgendwann kam nichts mehr nach und dann sind sie total in Vergessenheit geraten. Sehr viel später habe ich meine paar Bände weggegeben.

    Tja, jetzt versuchen sie es erneut - ich bin ja mal gespannt, ob die Reihe nun besser läuft.

    Aber noch mal mit dem Lesen anfangen werde ich wohl nicht - ich weiß es aber nicht. Vielleicht überkommem mich doch nostalgische Anwandlungen und ich werde schwach :)

    LG
    Gaby

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    1. Hallo, Gaby, schön mal wieder von Dir zu hören.
      Was ist denn anstatt der Serie ins Regal gewandert? :)

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    2. Anonym27.7.16

      Hi... das kann ich leider nicht mehr so genau sagen. Ich habe in den 80ern und Anfang der 90er sehr viel Fantasy gelesen. Und vieles davon ist leider nicht hängen geblieben. David Eddings habe ich aber auch alle gelesen - und fand die damals so toll. Letztens habe ich mal wieder einen re-read gemacht - versteh mich nicht falsch, ich fand die immer noch gut, aber wenn ich die heute "neu" lesen würde, weiß ich nicht, ob sie mir noch gefallen würden.
      Tad Williams habe ich auch gelesen und Robert Asprin (?).. und.. und.. ach, ich weiß es wirklich nicht mehr. Meine alte Liste ist auch leider bei einem Umzug verschwunden, so dass ich noch nicht mal nachgucken könnte.

      Es ging dann so schleichend über in die Romantasy :) = Vampire und Co.

      Na ja, die sind ja auch mehr oder weniger Schnee von gestern ;) - einige Reihen verfolge ich noch weiter - so lange sie übersetzt werden. Black Dagger (immer noch, auch wenn ich nicht mehr genau weiß, warum eigentlich), Patricia Briggs - immer noch sehr gut.

      Anne Bishop, wenn denn da mal was auf Deutsch kommt...

      LG
      Gaby

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    3. Das geht mir auch oft so, dass ich mich frage, ob ich einige Bücher, die ich wahnsinnig toll fand auch heute noch so gerne lesen würde. Man wird ja doch älter und reifer (oder so).
      Bishop meine ich, war erst wo was neues.

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  2. Hey – Danke für Hinweis und Artikel.

    Dass keine weiteren Bücher übersetzt werden, weil es sich derzeit nicht wirtschaftlich trägt, kann ich absolut nachvollziehen. Das gilt ja leider auch für diverse andere großartige Reihen.

    Und das Interview war toll. Auch ich finde, bestimmte Klassiker sollte es weiterhin auf dem deutschen Markt geben. Ich war entsetzt, als ich festgestellt habe, dass zur Zeit David Eddings BELGARIAD-SAGA (und die MALLOREON-SAGA) nur antiquarisch auf Deutsch erhältlich sind. Die sind in meinen Augen *die* High Fantasy-Saga der 80er – bei aller Kritik, die man der Reihe (teils zurecht) entgegen bringen kann, sind die doch m. E. ein absolutes Standard-Werk. (you hear me, Bastei Lübbe?)
    (Arbeite auch gerade an einem Artikel, der dieses Thema streift).

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    1. Ich habe mich an diesem Autor nir versucht. Lange stand einmal ein Buch in meinem Regal, als ich es aber anlas, gefiel es mir nicht so und ich habe es weggegeben. Ich überlege, ob ich es doch versuchen soll, aber allein was ich zum Inhalt gelesen habe ... Klassiker hin oder her, aber noch eine Jungsgeschichte? Eragon und Canavan fand ich auch eher mhm.
      Was aber den Gedanken, ältere Serien/Titel neu aufzulegen anbelangt, bin ich ganz bei Dir. Ich finde es schade, dass vieles nur noch gebraucht zu haben ist. Nicht nur der Geruch alter Bücher ist gewöhnungsbedürftig.
      Die Frage ist nur die: Ändert sich in der neuen Generation nicht auch der Leser? Auch wenn es eher um historische Stoffe geht (Kleidung, Fortbewegung etc) sind es ja auch gewisse Erzählstoffe, Erzählformen, die die Leser reizen. Hinzu kommt meiner Meinung nach auch ein Phänomen, das man nicht unterschätzen darf und das mit der neuen Technik zu tun hat. Fazitär gesagt: Ob sich zukünftig noch viele Leser auf solche Bücher konzentrieren können? Also statt auf das immer seichter werdende Zeug, das es ja nicht ohne Grund gibt? Nunja, das wird die Zeit zeigen, fürchte ich.
      Sag bescheid, wenn der Artikel fertig ist, würd ihn gern lesen.

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