Dienstag, 7. Juni 2016

(Autorenplausch) Maike Claußnitzer: Tricontium

Titel: Tricontium
Autorin: Maike Claußnitzer
Originaltitel, 672 Seiten
ISBN: 978-3739239743
Euro: 17,00
Erscheinungsdatum: Februar 2016













Trolle, Zauberer, Geister, ein sehr handlicher Drache und ein magisches Mitteleuropa irgendwann zwischen Spätantike und Wikingerzeit – das sind die Zutaten, aus denen „Tricontium“ besteht.
Jahre nach einem verheerenden Bürgerkrieg hat der Krieger Ardeija seine glorreichsten Zeiten hinter sich. Eigentlich könnte er nun im Dienste der Richterin Herrad ein ruhiges Leben führen. Doch als er unversehens alten Feinden in die Hände fällt, muss er zu seinem Schrecken erkennen, dass die Vergangenheit beileibe nicht hinter ihm liegt: Ungesühntes Unrecht wirkt ungebrochen fort, und die Toten ruhen ebenso wenig wie die Lebenden, ganz zu schweigen davon, dass Ardeija über seine eigenen Familienverhältnisse viel weniger weiß, als er stets angenommen hat, und selbst sein heißgeliebter Drache Gjuki ihn im entscheidenden Moment im Stich zu lassen scheint.
Herrad hat unterdessen ganz andere Sorgen, als das Schicksal ihres gefangenen Gefolgsmanns zu ergründen, denn ihre Versetzung in die abgelegene Ortschaft Tricontium entpuppt sich als noch unerfreulicher und gefährlicher, als sie je hätte vorausahnen können.
Auch der Dieb Wulfila wäre lieber anderswo und noch viel lieber gar kein Verbrecher, aber ob einem die Rückkehr auf den rechten Weg gelingen kann, wenn man ausgerechnet mit der Frau, die einen zu einer empfindlichen Strafe verurteilt hat, zwischen trollbewohnten Wäldern und skrupellosen Grabräubern im Nirgendwo gestrandet ist? Das lässt sich im Zuge der Lektüre herausfinden.
Seine Ursprünge hat „Tricontium“ in meinem Interesse an Geschichte und Archäologie und meiner mindestens ebenso großen Begeisterung für Märchen, Mythen und Literatur. So war eine wichtige Inspiration ein Artikel über merowingerzeitliche Grabfunde, eine andere dagegen die Frage, wie wohl das frühmittelalterliche „Hildebrandslied“ verlaufen wäre, wenn seine Protagonisten – Vater und Sohn, die nach langjähriger Trennung unverhofft im Kampf aufeinandertreffen – vernünftig genug gewesen wären, Menschlichkeit und Versöhnung über ihre Kriegerehre zu stellen.
Auch sonst ist manches in „Tricontium“ ein vergnügtes Spiel mit vertrauten literarischen Motiven nicht nur der Fantasy. Die Liebe zur Phantastik und zu stimmungsvollen Sagen muss einen schließlich nicht unbedingt daran hindern, ihre Handlungsmuster und Wertvorstellungen augenzwinkernd zu hinterfragen und ihnen eine gegen den Strich gebürstete Interpretation angedeihen zu lassen. Wie das funktionieren kann, zeigt unter anderem eine Szene im Roman, in der eine der Hauptfiguren eine altehrwürdige Heldensage ihrer Vorfahren wiederzugeben versucht und sich dabei einem Publikum gegenübersieht, das mehr als nur eine unbequeme Frage stellt und so selbst für unerschütterlich gehaltene Gewissheiten ins Wanken zu bringen versteht. Doch trotz aller Zweifel und Distanz kann sich durchaus in manchem Mythos ein Fünkchen Wahrheit verbergen, zumal jenseits der oberflächlichen Ebene, und auch darum geht es in „Tricontium“.
Vor allem aber ist mein Ziel, eine unterhaltsame und spannende Geschichte zu erzählen und mit ihr einen Ausflug in eine bunte Welt zu ermöglichen, in der römische Ruinen, reetgedeckte Langhäuser und Angriffe von Reiterkriegern aus der Steppe ebenso alltäglich sind wie Begegnungen mit Feuerkobolden, gespenstischen Tierwesen oder verstorbenen Verwandten.
Wie viel Spaß mir das Ausarbeiten und Niederschreiben all dieser Details gemacht hat, muss ich wahrscheinlich nicht erst betonen. Wenn diese Freude sich beim Lesen auf alle übertragen würde, die bereit sind, sich mit Herrad, Wulfila und Ardeija ins Abenteuer zu stürzen, wäre das für mich der schönste Erfolg.



Kommentare:

  1. Mir hat dieser spürbare Einfluss der Quellen (sowohl archäologische als auch literarische) beim Lesen sehr gut gefallen. An das Hildebrandslied musste ich auch denken, war mir aber nicht sicher, ob es Zufall war. Umso mehr freut es mich jetzt zu lesen, dass das auch tatsächlich als Inspiration gedient hat.

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  2. (So, der mittlerweile siebte Versuch, nachdem das System anscheinend die übrigen geschluckt hat ...)

    Danke, das freut mich! Es gab in einer frühen Fassung der Geschichte sogar einmal eine Szene, die etwas expliziter mit dem Hildebrandslied-Bezug spielt, aber die ist einem Kürzungsdurchgang zum Opfer gefallen.

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    1. Tut mir leid, leider habe ich darauf keinen Einfluss. Danke fürs Durchhalten!

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    2. Keine Sorge, das war ja nicht weiter schlimm, nur eben ein Geduldsspiel.

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    3. Ah, nun hat es ja doch noch geklappt! :-) Hab allerdings eh die Mail auch bekommen (danke dafür!), ich hatte nur noch keine Zeit darauf zu antworten.
      Ich finde es auch an sich ganz gut, wenn so ein Bezug nur leicht angedeutet wird. Das Hildebrandslied war der erste althochdeutsche Text, mit dem ich im Studium konfrontiert wurde - da werde ich direkt nostalgisch, wenn mir das wieder einmal unterkommt.

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