Dienstag, 26. April 2016

Kaylin und das Reich des Schattens - Michelle Sagara

Titel: Kaylin und das Reich des Schattens
Autorin: Michelle Sagara
Originaltitel: Cast in Shadow
Verlag: Mira
ISBN: 978-3899417173
Euro: 8,49 (E-Book)
Veröffentlichungsdatum: Mai 2011
Seiten: 480
Serie: Chroniken von Elantra 01
Come in: Kauf (ME)









Inhalt

Kaylin Neya ist sieben Jahre zuvor in die uralte Stadt Elantra gekommen. In den Kolonien, vor allem im dunklen Reich des ausgestoßenen Barranis Nightshade, hat es blutige Ritualmorde an Kindern gegeben, die mit seltsamen Runen gezeichnet wurden. Als sich diese Runen und Zeichen auch auf Kaylins Armen und Beinen zeigen, flieht das Mädchen. Sie findet Aufnahme bei den Falken, bei denen sie als Gesetzeshüterin arbeitet. Doch dann geschehen sie wieder, die Ritualmorde und der Falkenlord beauftragt Kaylin mit der Aufklärung. Zur Seite stellt er ihr Severn, ihren alten Kindheitsfreund - den zu hassen sie guten Grund hat - und Tiamaris, einen Drachen. Die größte Gefahr scheint jedoch von ihr selbst auszugehen, denn die Zeichen und auch die Magie, die Kaylin innewohnt, beginnen sich zu verändern.



Meinung

In Deutschland ist das Buch von allen irgendwie so durchgewunken worden, was schade ist, denn es hat, trotz einiger Kritikpunkte, viel zu bieten. Es ist der Auftakt einer vielbändigen Reihe, von der es aber leider nur zwei in die Übersetzung geschafft haben. Was letztendlich dafür verantwortlich ist, vermag ich nicht zu sagen. Vermutlich war man sich schon bei der Einordnung des Genres unsicher, denn obwohl der Verlag dies vorgaukeln könnte, handelt es sich nicht um eine romantische Story, auch wenn es recht zurückhaltende Andeutungen dafür gibt. Das Cover ist reichlich gewöhnungsbedürftig und verhilft ebenfalls nicht zur genaueren Einordnung. Es handelt sich nämlich ebenfalls nicht um Urban Fantasy, sondern eine von der Autorin erdachte Fantasywelt. Diese ist zwar noch nicht wirklich greifbar, weil zu wenig von ihr gezeigt wird, aber dennoch spürbar mit Luft nach oben. Im Grunde geht es jedoch um die Geschichte an sich - man muss sich auch einfach mal auf etwas einlassen. Wer, wie ich, immer Stoff ähnlich Briggs, Britain, Snyder, Corder, Johansen, Lindsey sucht, kann hier fündig werden. Sprich: Junge Frau in Fantasywelt erlebt ihr eigenes Abenteuer, ohne den Mann fürs Leben zu suchen oder über die eigenen Füße zu stolpern. Herzklopfen ja, aber nicht im Vordergrund.
Am Anfang heißt es erst einmal durchhalten, denn Sagara beginnt quasi mittendrin. Neben Menschen gibt es noch diverse andere Völker, die nicht weiter erklärt werden, sich aber nach und nach dem Leser öffnen. In etwa ist der Hauptmann der Falken ein Leontiner, quasi Löwen, die sprechen und vermutlich auch Menschengestalt besitzen. Die Falken selbst haben Flügel bzw. Schwingen, mit denen sie fliegen können. Mir hat sich nicht erschlossen, wie genau diese Wesen aussehen und wie sie im Alltag mit den Eigenheiten der anderen und ihren eigenen umgehen. Zumindest die Flügel müssten relativ groß sein, was schon in Sachen Kleidung einiges abverlangen dürfte. Es tragen aber alle die gleiche Uniform. Der Hauptmann knurrt oder faucht mal gern und wenn er richtig wütend ist, stellt sich sein Fell auf. Vielleicht sind diese Dinge auch gar nicht so wichtig, denn die Handlung schreitet voran und alles, was man verstehen muss, ist, dass es eben noch mehr Völker als nur Menschen gibt. Vielleicht sind sie im zweiten Teil dann näher beschrieben, was wünschenswert wäre, weil sie im Auftaktband deutlich zu blass geblieben sind.
Kaylin ist symphatisch, wirkt aber leider hier und da noch etwas jung und unreif. Seltsam auch, dass sie mehrere Sprachen spricht und sich durch ihre neuen Fähigkeiten hindurchkämpft, aber als eher schlampig, sowohl in Haushaltsführung, als auch im Äußeren beschrieben wird. Weiterhin sei sie durch jede einzelne Prüfung ihrer Ausbildung gerasselt, was verwundert, da sie ihren Job bei den Falken sehr gut macht. Zumindest hat sie ein freundliches Naturell und versucht stets anderen zu helfen.
Sagara lässt den Leser leider recht lange allein, so wenig wie Kaylin, so wenig versteht man selbst beim lesen, bis am Ende dann alles geballt kommt, was man sich jedoch schon denken konnte. Da heißt es dann erst einmal durchhalten. Allerdings passiert in der Handlung immer mal wieder etwas, so dass es nie langweilig wird. Nur mittig zieht es sich dann etwas, wenn es im letzten Drittel dann auch wieder sehr spannend wird. Wäre die Autorin genauer mit ihren Beschreibungen, in etwa des Hintergrunds oder der einzelnen Völker gewesen, läge hier ein echter Page Turner vor. Aber tatsächlich könnte ich nach dem Lesen nicht sagen, was genau das Volk der Barrani nun ist; sind es ebenfalls Wer-ähnliche Wesen? Sehen sie aus wie Menschen, wie leben sie, was unterscheidet sie zu allen anderen?
Obwohl es um dunkle Rituale und Kindsopfer geht, hat Sagara auf übertriebene Gewalt verzichtet, wenn es in den Kämpfen auch blutig wird. Es ist zu vermuten, dass zukünftig sehr wohl romantische Beziehungen eine Rolle spielen könnten, denn es haben sich mindestens zwei, vielleicht sogar drei, potentielle Partner aufgetan. Wirklich angewiesen ist Kaylin auf sie jedoch nicht, so wenig, wie sie es auch in diesem Band war.
Im Grunde ist alles da, was eine lesenswerte Geschichte ausmacht, es verbleibt aber deutlich noch im Mittelmaß. In Anbetracht dessen, dass ähnlicher Stoff aber gerade mehr als knapp geworden ist, lohnt ein Blick hinein doch. Wer über die genannten Kritikpunkte hinwegsehen kann, wird mit einer spannungsreichen und interessanten Geschichte belohnt, die immerhin so lesenswert ist, dass Teil 2 bereitliegen sollte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich die Autorin in der Fortsetzung zu steigern vermag und einige Andeutungen sind vielversprechend genug.


Chroniken von Elantra:
1. Cast in Shadow (Kaylin und das Reich des Schattens)
2. Cast in Courtlight (Kaylin und das Geheimnis des Turms)
3. Cast in Secret
4. Cast in Fury
5. Cast in Silence
6. Cast in Chaos
7. Cast in Ruin
8. Cast in Peril
Cast in Moonlight (Stand alone)
9. Cast in Sorrow
10. Cast in Flame
11. Cast in Honor


Michelle Sagara liest und schreibt Fantasy-Romane, seitdem sie lesen und schreiben kann. Mehr als ein Dutzend Bücher hat sie bereits veröffentlicht. Und mit den Elantra Chroniken gelang ihr der Sprung auf die New York Times-Bestsellerliste. Zusammen mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebt sie in Toronto.

Kommentare:

  1. Gut, dass keine krasse Gewalt vorkommt :-)

    Fandest du es gut, dass die Völker nicht am Anfang beschrieben wurden oder hat es den Zugang erschwert? Wirst du die englischen Folgebände auch lesen?

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    1. Ich fand es eher seltsam, weil es irritierend war. Aber man gewöhnt sich schnell daran und wenn man sich nicht hineinsteigert, kann man darüber hinweglesen. Dann ist es halt wie ein normaler Mensch, der halt entweder fliegen kann oder knurrt. :) Nur bei den Barrani hat es mich sehr gestört, weil es da nicht mal einen winzigen Anhaltspunkt gibt und sie als unsterblich beschrieben werden.
      Teil 2 habe ich mir gebraucht gekauft, den gibt es noch in Deutsch. Danach entscheide ich weiter.

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  2. Dank dir für die Rezension. Jetzt werde ich doch neugierig. Um Sagaras Saga schleiche ich im US-Original immer wieder herum. Bis dato habe ich nicht zugegriffen, weil mich irgendwie inzwischen der Plot nervt, wenn eine Figur aus unserer Welt in eine Fantasy-Welt wechselt. Ich mag da eigen sein, aber ich mag es einfach nicht (mehr). Jetzt überlege ich doch - aber wenn dann wohl doch lieber gleich im US-Original...

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    1. Na, aber gerne doch. :) Ich bin auch eine Weile um das Buch geschlichen, das im Deutschen als ME nun wirklich nicht die Welt kostet. Trotz Kritikpunkten würde ich gerne weiterlesen, Buch 2 liegt schon hier. Was ich noch brauche ist Zeit ;-)
      Kennst Du denn so viele Bücher, bei denen eine Figur quasi überwechselt? Ich müsste schon angestrengt nachdenken. ;-) Aber das ist hier nicht der Fall, sie hat ihre eigene Welt, die zwar noch ein bisschen arg blass bleibt, aber dafür auf jeden Fall noch Luft nach oben hat. Ich würde sagen: Einfach mal versuchen, schadet ja nicht.

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    2. Wenn du mich natürlich so fragst, wie viele Bücher ich darüber kenne, muss ich schon nachdenken - aber auch, weil ich darum einen Bogen mache. Ich bin da vielleicht auch noch ein bisschen "geschädigt" von früher, da hab ich die öfter gelesen. Spontan fallen mir da Hohlbeins "Märchenmond"-Reihe und "Drachenfeuer" ein (wo es für mich gut funktioniert hat), Holly Lisles "Gesetz der Magie", Mark Anthonys "Der fahle König", Marion Zimmer Bradleys "Das Haus zwischen den Welten", J. V. Jones "Der Dornenring", Tad Williams "Der Blumenkrieg" und gefühlt mehrere Bücher, in denen Rollenspieler auf einmal in Fantasy-Welten versetzt wurden.

      Aber du hast recht, ich werd es einfach mal probieren (oder es mir vornehmen). Hier auf meinem Schreibtisch stapeln sich schon wieder so viele Bücher, dass ich eigentlich bereits jetzt bis Ende des Jahres versorgt bin.

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    3. Und ich kenn kein einziges davon ... also na ja, dem Namen nach natürlich schon. Aber es scheinen auch ältere Ausgaben zu sein. Überwinde einfach Dein Traume und versuch es noch mal. Wobei mir jetzt auch keine neuen Sachenzum Thema einfallen, da herrschen offenbar ganz andere vor.
      Ich hab erst gestern wieder eins ertauscht, ohne zu wissen wann ich dazu komme. Also kein Mitleid *g*

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