Donnerstag, 22. Januar 2015

Dolfi und Marilyn - François Saintonge


Titel: Dolfi und Marilyn
Autor: François Saintonge
Originaltitel: Dolfi et Marilyn
Verlag: carl's books
ISBN: 978-3570585375
Euro: 14,99
Veröffentlichungsdatum: September 2014
Seiten: 288
Kein Serientitel
Come in: Vom Verlag









Inhalt

Frankreich, 2060. Der Geschichtsprofessor Tycho Mercier lebt mit seinem zehnjährigen Sohn Bruno in einer Vorstadtgegend. Als Tychos Nachbar stirbt, hinterlässt er ihm seinen Klon von Marilyn Monroe. Wenig später steht der Klon von Adolf Hitler vor seiner Tür, den seine Ex-Frau in einer Tombola gewonnen hat. Die drei freunden sich an, Bruno nennt den einen liebevoll "Dolfi", Tycho verliebt sich ein wenig in Marilyn, doch das Glück währt nur kurz. Dolfie ist verboten und die Polizei taucht auf, so dass die Klone fliehen müssen. Als Tycho sie lange Zeit später wiedersieht, hat sich alles verändert.


Meinung

Der Roman macht es seinem Leser nicht immer leicht, weil er randvoll gestopft ist und darunter dann die eigentlich erzählte Geschichte leiden muss. Es ist auch mitunter etwas dröge, bis es am Ende so abstrus wird, dass man das Buch mit reichlich gemischten Gefühlen zuschlägt. Aber, und das ist der Grund, weshalb ich es dennoch für sehr lesenswert halte, es ist randvoll gestopft und regt über so einige Dinge zum Nachdenken an. Beinahe so viele, dass es schwer wird, sich zwischen den einzelnen Themen zu entscheiden, über die man nachdenken möchte.
Tycho ist ein durchwachsener Charakter. Weder bewundert, noch mag man ihn sonderlich, aber er ist ein bisschen Otto Normalmensch, wenn auch einer, der zum Selbstmitleid neigt. Als Marilyn endlich bei ihm einziehen darf, angehimmelt hat er sie ja schon lange, sieht er sie nicht als Mensch an. Sie bleibt immer Klon, leicht roboterhaft, niemals gleichwertig und immer im Vergleich mit dem Original. Mit Dolfi ist er leicht überfordert. Von Anfang an ist klar, dass dieser Klon "A.H.6" seit Jahren verboten ist und Tychos Versuche, ihn zurückzugeben, scheitern mehrmals. Klar, dass jeder froh ist, den los zu sein. Abgesehen davon macht sich der Klon jedoch ziemlich nützlich und auch Bruno fängt an, ihn zu mögen.
Bis hierhin ist es ein "Klone: moderne Sklaven?" Ding, gepaart mit Nebenthemen wie den Computerspielen des Zehnjährigen, die den Büchern, die er liest gegenübergestellt werden. Keines davon kindgerecht und reichlich fragwürdig. Bisher dachte wohl jeder beim Thema Klon an die eigenen Kinder oder Haustiere, aber dass einfach alles und jeder geklont werden kann, eben auch Schaupieler oder andere "Berühmtheiten", und schließlich wohl auch werden, ist zumindest mir erst nach der Lektüre dieses Romans klar geworden. Und dass eine Marilyn schnell im Bett eines Mannes läge, liegt da irgendwie auch nahe.
Schließlich folgt die Flucht und plötzlich ist da jemand, der etwa hundertsechzig Jahre alt ist, weil natürlich auch das Leben verlängert werden kann. Und der Autor stellt die Frage: Sollte man das auch? Denn dieser Herr ist ein Altnazi und trägt seine Ansichten und die seiner Zeit ins nächste Jahrhundert, hängt an etwas, das längst begraben sein sollte. Und nicht nur das, er fängt quasi von vorn an. Und Tycho mittendrin. Leider ist diese zweite Hälfte des Romans und besonders das letzte Drittel so dröge und abstrus geworden, dass es schon einiges Stehvermögen braucht, um hindurchzukommen.
Das ist keine lustige Geschichte, wenn sie auch hier und da Humor besitzt. Von der Zukunft des Jahres 2060 ist ebenfalls wenig zu spüren, außer den Klonen kann das auch eine Welt "von nebenan" sein. Das meiste geschieht unterschwellig und eine gewisse (Vor-)Bildung (in etwa historisch) schadet nicht. Darum ist "Dolfi und Marilyn" aber auch nicht einfach mal so nebenbei gelesen und daher nicht für jeden Leser geeignet.
Auf das Originalcover wurde absichtlich verzichtet.


François Saintonge ist das Pseudonym eines erfahrenen französischen Schriftstellers. Der Urheber selbst bezeichnet sich als Klon eines Autors, der entschlossen ist, im Hintergrund zu bleiben, um zu verhindern, dass seine physische Präsenz sich vor sein Werk und die faktische Wahrnehmung seiner Worte schiebt. Wer glücklich schreiben will, schreibe im Verborgenen!

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