Donnerstag, 24. April 2014

Die Dienerin des Schwertes - Ellen Kushner


Titel: Die Dienerin des Schwertes
Autorin: Ellen Kushner
Originaltitel: The Privilege of the Sword
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442467075
Euro: Nicht mehr im Handel erhältlich.
Veröffentlichungsdatum: Juni 2008
Seiten: 544
Serientitel
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Inhalt

Die fünfzehnjährige Katherine ist überglücklich, als ihr Onkel, der Herzog von Tremontaine sie zu sich bestellt. Er erpresst damit ihre Mutter und erwartet, dass Katherine sich in alles fügt, was er von ihr will und untersagt ihr jeden Kontakt zu ihrer Familie. Doch statt schönen Kleidern und Ballsälen erwartet das naive Mädchen vom Land ein eher karges Zimmer, ein abwesender Onkel, Jungenkleidung und ein Degenfechtmeister, der sie in seine Kunst unterweisen soll.
Katherine beneidet die gleichaltrige Artemisia, die sie zufällig kennenlernt, denn diese hat, was sie sich wünscht. Doch Artemisia wird Schreckliches angetan und nur ihre Freundin ist bereit, ihre Ehre wieder herzustellen - mit dem Degen.

Meinung

Das erste Mal las ich diesen Roman kurz nach dessen Erscheinen und als er mir nun noch einmal in die Hände fiel und ich ebenfalls "Die Legende vom letzten König" ungelesen daneben fand, las ich "Die Dienerin des Schwertes" kurzerhand noch einmal. Wie auch beim ersten Mal bin ich schwer begeistert gewesen.
Zunächst fällt der deutsche Titel ins Auge, denn weder gibt es eine Dienerin, noch Schwerter. Der Roman spielt in einer Welt und Zeit, die mit unserer der Musketiere zu vergleichen ist. Daher wird, wenn, mit Degen gekämpft, wobei es sich eingebürgert hat, eher gut auszusehen beim kämpfen, als wirklich viel in den Kampf selbst zu stecken. Der Originaltitel ist wesentlich passender, bezieht er sich auf ein wesentliches Detail der Handlung: Adligen ist es gestattet, ihre Konflikte mit dem Degen per Duell zu lösen oder auch einen professionellen Fechter zu engagieren, der es in ihrem Namen tun soll.
Katherine ist eine sehr sympathische junge Frau, die mitunter eine Spur zu naiv wirkt, was sich jedoch durch ihr Alter, ihre Erziehung und ihr Geschlecht schnell erklären lässt. Sie macht eine glaubhafte Wandlung durch, die am Ende der Geschichte noch lange nicht abgeschlossen ist. Sie ist, wie viele junge Mädchen, von träumerischer, romantischer Art und von einem sehr populären Roman, der schließlich sogar als Theaterstück aufgeführt wird, angetan. Das heißt aber nicht, dass sie die Augen vor dem verschließt, was sich ihr offenbart. Die Intrigen und gefährlichen Geheimnisse, die Politik und auch die Vergangenheit ihres Umfeldes.
Ihr Onkel, den man auch den "irren Herzog" nennt, ist eine herrliche Figur, so unkonventionell und eigen, so menschlich und sarkastisch. Er ist hochintelligent, zu seinen Freunden zählen nur wenige Auserlesene (wie z.B. "Des Herzogs hässliche Dame"), er kifft und trinkt, holt bevorzugt schöne junge Männer in sein Bett (selten auch mal eine Frau), kümmert sich um einen Stricherjungen und schafft es, seinen Feinden immer einen Schritt voraus zu sein. Und er ist unglücklich verliebt. All das findet Katherine (zusammen mit dem Leser) nach und nach heraus. Ihr Part wird in der "Ich-Form" erzählt, alles andere nicht. Der Wechsel ist gelungen und fällt bald kaum mehr auf. Katherine begegnet vielen Menschen und tritt auch als deren "Verfechterin der Gerechtigkeit" auf. Frauen haben es in dieser Welt und Zeit nicht einfach und ich denke, sie weiß ganz genau, was für eine Chance ihr Onkel ihr da gegeben hat. Ihr und ihrer Zeit.
Die Nebenfiguren sind ebenfalls sehr durchdacht und neben der Unterstützung des Charakters der Protagonisten, sind auch sie lebendig geschildert.
Kushner hat nun nicht nur durch die Wahl des Ortes der Zeit und des Degens oder dem Fehlen von Magie oder Drachen einen eher ungewöhnlichen (Fantasy-)Roman geschrieben. Sie setzt Akzente in Mimik und Gestik der Figuren, offenbart ihre Gedanken nicht sofort, sondern immer nach und nach. Wer genau hinschaut wird eine sehr durchdachte und emotional gesteuerte Geschichte vorfinden, bei der jedoch der Leser aktiv sein muss - mitdenken und eigene Schlußfolgerungen ziehen ist durchaus erlaubt.
Die richtige Mischung aus Spannung, Historie und Gefühl. Die vielen stark ausgeprägten und auch mal völlig anderen Charaktere würzen die Geschichte auf die richtige Weise. Hinzu kommen viele Intrigen, die oft verworren, sich alsbald auflösen, den Leser aber nie narren, wie so manche Figur des Buches. Und immer steckt der Herzog dahinter, der so irre nicht ist. Nur anders und es in vollen Zügen genießt, mit sämtlichen Konventionen zu brechen.
Mantel und Degen, sehr unterhaltsam mitreißend und kaum aus der Hand zu legen. Empfehlenswert.


Swords of Riverside:
Swordspoint, 1987
The Fall of the Kings (Die Legende vom letzten König)
The Privilege of the Sword (Die Dienerin des Schwertes)
Swords of Riverside (Sammelband)


http://www.ellenkushner.com/
Ellen Ruth Kushner ist eine US-amerikanische Autorin von Fantasy-Romanen. Sie wuchs in Cleveland, Ohio auf. Sie lebt in New York City mit ihrer Partnerin Delia Sherman, die sie 1996 heiratete. Kushner publizierte 1987 ihren ersten Fantasy Roman "Swordspoint" zugleich der Beginn ihrer Riverside-Trilogie. 2002 erschien die Fortsetzung "The Fall of the Kings" (gemeinsam mit Delia Sherman). Im Juli 2006 veröffentlichte Kushner den dritten Teil. Hierfür erhielt sie 2007 den Locus Award. Des Weiteren schrieb Kushner den Roman Thomas the Rhymer, der 1991 den World Fantasy Award und den Mythopoeic Award gewann. Zudem schrieb Kushner mehrere Kurzgeschichten und Gedichte in verschiedenen Anthologien und beteiligte sich an der The Borderland Series.

Kommentare:

  1. Danke für die Rezi.

    Ich hatte seinerzeit „Die Legende des letzten Königs“ gelesen, war aber damit nicht richtig warm geworden. Hast du das inzwischen gelesen und findest du, die Romane sind sich arg ähnlich?

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    1. Nein, leider noch nicht, aber ich werde es auf jeden Fall noch. Allerdings weiß ich von einigen, dass es nicht so gut sein soll wie dieses hier. Insgesamt ist Kushner aber eher die Art Autorin, die nicht jede Stofffalte und jedes Nasekratzen beschreibt. Das gefällt ja nicht jeden.

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