Mittwoch, 1. Juni 2011

Ausblick auf den Blog im Juni - Was mich bewegt hat


Es hat eine ganze Weile gedauert, aber nun ist dieser Blog endlich aus gewissen Blog-Rankingseiten entfernt worden. Beim Ansehen der dort verlinkten einhundert Blogs ist mir aufgefallen, dass einige bekannte Gesichter verschwunden sind. Dafür gibt es zahlreiche neue. Was steckt da wohl dahinter?
PS: Ich bin darüber informiert, weil ich nachsehen wollte, ob ich endlich gelöscht wurde. Ab sofort muss jeder allein für sich gucken gehen. Ich bin raus.

Viele Besucher des Blogs stammen nicht aus einem deutschsprachigen Land. Lest Ihr hier regelmäßig mit und benutzt den Translator? Falls ja, antwortet ruhig hier und da unter einem Beitrag, gern auch in Eurer Landessprache. Ich finde schon einen Weg, das zu übersetzen. ;-)

In einem bekannten Berliner Radiosender werden in regelmäßigen Abständen Blogs vorgestellt - leider keine, die sich mit Büchern befassen. Sondern, wie man es meist antrifft jene, die sich mit Themen "all around the world" befassen.
Kürzlich war ein junger Blogger zu Gast, der in seinen sechs Jahren, die er schon dabei war, zu einer Erkenntnis gekommen ist, die mir in letzter Zeit oft über den Weg läuft. Er meinte, das Internet sei "kurz geworden", niemand lese mehr lange Texte. Darum wolle er sich in Zukunft auch mehr auf Twitter konzentrieren und das Bloggen in naher Zukunft aufgeben.
Da auch bei den Bücherblogs der Trend zu "Kurzrezensionen" geht, habe ich mich gefragt, was "k-u-r-z" eigentlich bedeutet. Wann ist etwas zu l-a-n-g?
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es sehr viel Übung braucht, in wenigen Worten trotzdem sehr aussagekräftig zu sein. Nicht jeder schafft das, nicht jeder will das. Und inwieweit es Sinn macht, bei diesem Blogthema kurz zu bleiben?
Mich wird dieses Thema auf jeden Fall noch eine Weile beschäftigen.
Durch Zufall bin ich auf Nicholas Carrs "Wer bin ich, wenn ich online bin...: und was macht mein Gehirn solange? - Wie das Internet unser Denken verändert" gestoßen. Ein A.kunde schreibt dazu aus dem Inhalt: "Die Fähigkeit, einem "Faden folgen" zu können, ist also das Ergebnis kultureller Evolution, ist eine Folge der Kulturtechnik "Schrift"(...)
Diese Fähigkeit wird in unseren Tagen durch die elektronischen Werkzeuge wieder in Frage gestellt; Beiträge bzw. Gedankengänge im Radio (...) Fernsehen, aber auch in den Printmedien, werden immer kürzer oder oberflächlicher, weil die Menschen zunehmend nicht mehr in der Lage sind, längeren, differenzierten Argumentationen zu folgen, (...)"
Das ist leider auch meine Beobachtung. Nicht nur werden längere Texte seltener gelesen, die Bereitschaft diese überhaupt anzufertigen, sinkt. Meist mit der Begründung: "Liest doch ohnehin kaum jemand, warum also all die Arbeit?"
Die Frage, die ich mir an dieser Stelle wieder stelle ist die, inwieweit das bei einem Bücherblog Sinn macht. Natürlich können auch kurze Rezensionen aussagekräftig sein. Aber möchte man nicht seine gesamten Gedankengänge darlegen? Möchte man nicht alles Wissenswerte über das Buch erfahren (und ich rede hier bitteschön nicht von spoilern!)?

Ich bin im Mai zu einem Bloginterview eingeladen worden. Überraschung! Nein, ich wollte nicht - allerdings nur, weil ich im Genre, das von diesem Blog bevorzugt wird, nicht lese. Da passe ich dann irgendwie auch nicht rein.
Außerdem mochte ich den von mir dahinter vermuteten Grund nicht so gerne.

Eine sehr energische Werbemail erreichte mich. Kostenlos TV glotzen - wie nett. Man habe mir schon mehrmals geschrieben, ob ich nicht auch antworten wolle.
Ich antworte grundsätzlich auf jede E-Mail, die mich erreicht, auch wenn das mal ein paar Tage dauern kann. Diese allerdings bekam ich zum ersten Mal. Und ich zitiere: "Betreff: Mit der Bitte um Stellungnahme" Ui, na ja, gut. Ich mag nicht.
Und ich zitiere weiter: "Ein gewisses Misstrauen im Internet schadet nicht, hierbei aber handelt es sich tatsächlich um eine reine Werbeaktion - bei der keine Kosten entstehen."
Ich schaue wirklich nur wenig fern, weil das meiste, was dort läuft nur stumpfsinniger Mist ist. Gut, wenn ich wirklich mal so abgekämpft und k.o. bin, dass ich an nichts anderes denken kann, als an meine Couch, dann zappe ich mich halt so durch. Passiert allerdings nur selten - und mit einem Buch entspannt es sich wesentlich schöner. Ich bin auch entsetzt darüber, dass die Niveaulosigkeit gerade auch im Nachmittagsprogramm - das jedes Kind ansehen kann! - immer weiter fortschreitet. Einschaltquoten hin oder her, aber muss das wirklich sein?
Ich besitze auch keine TV-Zeitschrift und benötige die nicht. Wenn ich bei meinen Eltern bin, blättere ich deren nur bis zum Kreuzworträtsel vor und schicke das dann ein. Irgendwann gewinne ich - und dann kaufe ich mir noch mehr schöne Bücher!

Kommentare:

  1. Wow.

    Ich bin wirklich begeistert von deinem Text, deinen Gedanken zu diesem Thema und der schockierenden Nachricht, die dahinter steckt.

    Ich finde es sehr traurig, dass alles, was du schreibst, tatsächlich der Wahrheit sehr nahe kommt. Ich muss selbst sagen, dass ich oft Texte überfliege, weil ich einfach nicht ganz so viel Zeit habe, aber wenn ein Text von Beginn an interessant erscheint (so wie deiner und viele deiner anderen), kann ich nicht anders und lese ihn komplett. Und gebe mir dann auch die Mühe, einen Kommentar zu schreiben, der eben nicht nur ein Einzeiler ist, die man ja auch oft zu Lesen bekommt.

    Ich finde es toll, dass du dir darüber Gedanken machst und vieles infrage stellt, worüber andere vielleicht noch nicht einmal nachdenken.

    Toller Post - ich teile deine Gedanken, und hoffe, dass es vielleicht doch noch einige gibt, die sich die Mühe machen, lange Texte zu schreiben und diese auch zu lesen. Mach bitte weiter so!

    Liebste Grüße (& große Unterstützung)
    Nazurka

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  2. Hey ho,

    ich stimme Nazurka zu... "Toller Post".
    Ich muss sagen, dass ich schon öfter lange Texte lese, sofern sie optisch so strukturiert sind, dass nicht irgendwann die Sätze anfangen vor meinem Augen zu verschwimmen.
    Gerade bei langen Texten sind mir Absätze, Schräg-oder Fettschrift wichtig. Einfach, um zwischendurch mal durchzuatmen.
    Ich glaube vielen anderem Menschen, und vor allem den sehr jungen Leuten, gehen diese langen Texte so ziemlich "du-weißt-schon-wo" vorbei.
    Sie wollen zwar Infos, aber kurz und hart und so, dass sie nicht viel nachdenken müssen.
    Außerdem ist es immer eine Frage von "Was will ich wissen? Was interessiert mich? Und was verdränge ich?"
    Ein guter Freund von mir schafft es beispielsweise stundenlang Spieletipps und Tricks von irgendwelchen Online-Spielen durchzulesen, aber wenn er mal einen 200 Seiten Roman lesen soll bricht er glatt zusammen.
    Das ist traurig, aber er ist sicher kein Einzelfall.

    Zum Thema fernsehen..
    Ich stimme dir zu, es kommt nur Mist.

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  3. Für deinen Artikel habe ich mir auch die Zeit genommen, da ich sofort davon angesprochen war.
    Schlimm finde ich auch, dass manche Blogs wirklich jeden Tag mehrmals irgendwelche (teils unsinnigen) Posts veröffentlichen, nur um ihre Besucherzahlen hochzuschrauben.
    Wenn der Blog gut ist, kommen die Besucher auch so - und wenn es nur die Stammleser sind.
    Ich mache meinen Blog auch für mich und Gleichgesinnte, nicht weil ich unbedingt einen Rekord in "Klicks" aufstellen möchte.
    Genauso ist es aber mit den Rezensionen.
    Viele Blogs machen nur noch Kurzrezensionen - die sind zumal schneller geschrieben und sorgen für mehr Gesprächsstoff, aber ich muss mir immer sehr viel Zeit nehmen, weil ich immer das Pro und Kontra sehr genau abwäge.
    Leider ist gibt es dann auch Phasen, in denen man wenig Zeit hat, und die gelesenen Bücher sich stapeln, aber man mit den Rezensionen nicht nachkommt. So geht es mir momentan (was mir auch ein schlechtes Gewissen macht).
    Aber meiner Meinung nach zählt Qualität mehr als Quantität - denn Qualität schätzt man.

    Super Artikel der wirkliche Denkanstöße schafft!
    LG

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  4. Ich bin kein Freund des Zensus, auch Volkszählung genannt, die du ansprichst, aber ich denke, bestimmte Dinge gehören dazu, damit ein Staat funktionieren und agieren kann.

    Du gehörst zu den wenigen, die tatsächlich befragt werden. 1987 war die letzte Volkszählung, seitdem hat sich im wahrsten Sinne des Wortes in Deutschland viel bewegt. Die Wiedervereinigung hat u.a. dazu geführt, dass sich viele Menschen weder an- noch abgemeldet haben bei ihren Einwohnermeldeämtern. Ich weiß nicht, wie man sich heutzutage in Deutschland aufhalten kann und "durchkommt", ohne sich an- oder abzumelden bei Ämtern, aber das passiert tatsächlich öfters als man denkt.

    1987 wurde JEDER befragt. 2011 nur 10% der Bevölkerung. Du musst niemanden in die Wohnung lassen, kannst den Fragebogen auch online ausfüllen oder alleine zu Hause. Die Fragen finde ich lächerlich. Wenn ich mir anschaue, was die Leute freiwillig bei facebook und twitter und Co. von sich geben, ist die Aufregung über den Zensus ebenso fragwürdig wie das Medienspekatakel bei streetview von google.
    Über Google Earth regt sich keiner auf, dabei kann man da in die Hinterhöfe und Gärten schauen. Hier auf deinem Blog erfahren die Leute mehr persönlicheres als beim Zensus2011.

    Wieviele Schulen werden gebraucht, wieviele Krankenhäuser, Altenheime, Kindergärten? Welche Kommunen bekommen zu viel Geld, weil die Einwohnerzahl zu hoch liegt, welche Kommune müsste mehr bekommen? All das sind wichtige Dinge, denke ich.

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  5. Hallo Ihrs,

    @Nazurka:
    ich musste erst einmal eine Weile überlegen, welchen der Gedanken Du aufgegriffen hast, ehe ich es verstanden habe. ;-)
    Außerdem war ich versucht, mir das oben zitierte Buch anzuschaffen und zu lesen, aber es ist doch nicht gerade preiswert ... allerdings weiß ich ähnliches aus der Jugendarbeit zu berichten. Früher mussten wir uns alles merken, weil es schlicht und ergreifend nicht anders ging. Heute braucht es nur einen Mausklick und Du erfährst alles, was Du wissen willst. Das macht es auch nicht nötig, längerfristig etwas im Gehirn
    abzuspeichern. Stetiges rezipieren und wiederholen wird unnötig. Damit sinkt auch die Aufnahmefähigkeit. Ein kleiner Prozentsatz liest unter Umständen vielleicht auch nicht
    gern am Bildschirm, wer weiß.
    Vielen lieben Dank für Dein Lob!

    @paralauscher:
    Danke auch Dir. Zum Rest kann ich nur nicken.
    Mir fällt immer öfter auf, dass viele gar nicht mehr wissen, was ein Absatz ist und wann man diesen macht. Das ist schade, weil er das Lesen
    ungemein erleichtert.
    Vielleicht liegt es auch daran, weil immer seltener Kindern und Jugendlichen überhaupt Bücher in die Hand gedrückt werden und wenn es
    dann in der Schule passiert, assozieren sie es mit Zwang. Das lesen Spaß machen kann, zieht so an ihnen vorbei. Nicht umsonst gründen sich
    immer mehr Vereine und Co., die sich genau das zum Ziel setzen: Kinder/Jugendliche zum lesen zu bringen.

    @Lisa:
    Bei mir stapeln sich auch grad die offenen Rezis, aber ich bin mittlerweile auch so relaxt, dass ich mir sage, dass ich eben auch mal -keine- schreibe, wenn mir die Zeit fehlt oder ich schlicht und ergreifend keine Lust dazu habe. Sonst artet es in Arbeit und Stress
    aus und das hat ja nichts mehr mit dem Hobby bloggen zu tun. ;-)

    @Kirsten:
    Es ist etwa zwei Monate her, da kam ich morgens mit wirren Haaren,
    vielen Beuteln und vom Apfel abbeißend aus dem Haus und schaute direkt in ein Google Street View Auto. Kein schönes Gefühl!
    Ich weiß, dass es stets auch Proteste gab und hoffentlich auch geben wird, wenn wieder ähnliches vonstatten geht. Aber immer werden
    diejenigen niedergeredet mit Aussagen wie: "Jetzt nimm das nicht so bierernst. Das ist doch nichts Schlimmes. Mein Gott, da ist doch nichts dabei."
    Steht mir ehrlich gesagt bis sonst wohin.
    Ich habe niemanden in meine Wohnung gelassen und auch die Tür nicht geöffnet. Der Fragebogen ist sicherlich nicht anonym und die Fragen
    teilweise unverschämt und etwas wirr.
    Vielleicht hat es auch nur damit zu tun, dass ich einige Informationen (in etwa, dass ich gern lese und was) freiwillig weitergebe und andere eben nicht. Mir steht das Thema mittlerweile bis sonstwohin. Ich habe den Bogen mit der Post gesendet und hoffe, ich
    höre nie wieder etwas von denen. An meinen Antworten werden sie ohnehin nicht viel Freude haben. Aber gut, alles für unser schönes Land.


    LG
    Soleil

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  6. Ich kann dieses abgedroschene Twitter/Facebook-Argument ehrlich gesagt nicht mehr hören. Erstens zwingt mich keiner, mich überhaupt dort anzumelden und zweitens suche ich mir selbst aus, was ich dort über mich erzähle und ob es die Wahrheit ist. Wenn jemand meint, da sein ganzes Privatleben ausplaudern zu müssen, ist er selbst für alle unangenehmen Konsequenzen verantwortlich.

    Dass die Leute in diesem Land so unbesorgt gegenüber staatlichen Eingriffen in ihre Privatsphäre sind, finde ich ziemlich bedenklich. Manchmal können angeblich gut gemeinte Dinge nicht so gut gemeinte Hintergründe oder ungeplante Nebeneffekte haben. Und wenn ich mir ansehe, was im Moment alles geplant wird, um unseren Alltag besser zu machen oder uns vor Terror zu schützen, wird mir ehrlich gesagt ziemlich mulmig. Da finde ich die Schutzmaßnahmen besorgniserregender als die angeblichen Bedrohungen.

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  7. Weil wir aber auch alle immer auf Effizienz aus sind. Das ist so traurig eigentlich, aber zum Schluss geht es immer um aussagekräftig, kurz und bündig, schnell. Oder halt geduldig, leistungsstark.. Was auch immer. - Da zeigt sich im Bloggerland doch nur, was in der Realität schon zig Leute in/s Burn-Out/mittelschwere depressive Episoden gedrängt hat.

    Ich persönlich schreibe, sobald ich mit einem Buch fertig bin, meine ersten Gedanken dazu auf - das kann ein langer Text oder ein kurzer werden. Und falls ich danach noch möchte, schreibe ich eben eine Rezension. Aber die hat dann gefälligst auch etwas länger zu werden (und ja, es dauert, bis man es schafft, gute Rezensionen zu schreiben, aber das ist es doch eigentlich wert.. Also die Fähigkeit, seine Meinung gut formulieren zu können sollte es wert sein, sich ein paar Minuten oder Stunden am damit auseinanderzusetzen. Es ist ja kein Meister vom Himmel geflogen ;p.

    Mag den Text wirklich sehr, aber wie Nazurka find ich's traurig, dass es überhaupt zu solchen Texten kommt.. -sigh-

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  8. @nija:
    Einfach mal nur ein *nick* dazu.
    Abgesehen davon kann ich bei FB selbst bestimmen wer bei mir mitlesen darf und wer nicht, welche Infos freigegeben werden und welche nicht. Was ich erzählen will und was nicht.
    Früher kannte man noch seinen "Spionage-Feind" und wusste, was man davon zu halten hat, heute wird einem das alles ok und gesetzmäßig verkauft.

    @Patricia:
    Willkommen im Blog. :)
    Ich verstehe den ersten Absatz nicht wirklich, aber ich sage ja immer, dass man sich dabei den Spaß behalten muss. Wenn man das Gefühl hat, man setzt sich selbst unter Druck, dann hat das mit Hobby nichts mehr zu tun und man sollte einen kleinen Urlaub machen. ;-)
    Das erste, was ich mir über ein Buch notiere - meist noch beim Schreiben - ist Form, Layout und Cover. Seltsam, aber wenn mich beispielsweise etwas stört oder super gefällt, muss ich es notieren.
    Oft versuche ich kurze Rezis zu schreiben, so wie ich es für andere Medien auch tue. Aber das klappt für den Blog seltsamerweise nie, da mir beim Schreiben niemand Grenzen (z.B. Länge) setzt. Und dann fließt es ...
    Du findest es traurig, sich Gedanken zu machen? Ich nicht, ich liebe es ;-) Und auch, wenn jetzt alle gesagt hätten, sie wollen nur noch kurz, ich würde es wohl gar nicht schaffen. :)

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  9. @Kirsten:
    Nach einigem Abrauchen muss ich sagen, dass ich ebenfalls glaube, dass es schon wichtig ist, einige Daten der Bürger zu ermitteln. Wie Du schreibst, benötigt man diese Daten zur Schaffung besserer Infrastrukturen. Aber braucht man dafür wirklich einen Zensus? Sollten die Kommunen/Länder nicht auch ohne ihn wissen, wie viele Menschen in ihnen leben und was sie brauchen? Nach der Wende ist beispielsweise hier viel abgerissen worden mit der Begründung, dass der Bedarf nicht mehr vorhanden sei. Dazu zählten Wohnhäuser, Kindergärten, Schulen etc. Es gab zuvor keine Bevölkerungszählung.
    Außerdem kann ich gewisse Fragen ja verstehen, aber was haben Religionsfragen für eine Bedeutung(nix mit verweigern)? Oder die nach der sexuellen Orientierung (es wird nach homo/hetero Partnerschaften gefragt)? Oder eine, die tatsächlich fragt, ob und was ich, wenn ich arbeitslos wäre, in den vergangenen Wochen getan habe, um wieder ins Berufsleben zu finden. Wie helfen solche Fragen dabei herauszufinden, ob Bedarf an Krankenhäusern besteht?
    Es ist der Ablauf, der mich gestört hat, der Zwang zuallererst, aber auch die Fragen selbst, die über eine reine Zählung weit hinaus gehen.
    Die Notwenigkeit sehe ich ein.

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  10. Ich wurde auch befragt, da ich in einem Wohnheim wohne und da wurden alle befragt. Und ich war unter der Dusche als sie kam. Ich dachte die kommt später wieder und befragt nur meinen Freund, aber nein...die hat die ganze Zeit bei uns gewartet, mein Freund musste sie ja unbedingt in unser Wohnzimmer bitten. Die hatte Glück, dass ich immer nur sehr kurz dusche! ;-)

    Aber ich fand die Fragen nicht sonderlich persönlich, natürlich gehe ich damit nicht hausieren, aber ich glaub das mein Studentenwerk bzw. das Bafög-Amt mehr über mich weiß als beim Zensus abgefragt. ^^ Also nach sexueller Orientierung oder meiner Religion wurde ich nicht befragt oder auch andere persönliche Fragen gab es bei uns nicht, Gott sei Dank! (wie man hier: https://cdn.zensus2011.de/live/uploads/tx_templavoila/Fragebogen_nichtsensible_Sonderbereiche_20101007a.pdf sehen kann)

    Allerdings sehe ich schon einen Sinn hinter den Befragungen, denn nicht jeder meldet sich um. Wie ich z.B. ich lebe schon 3 Jahre in Greifswald (und nicht mehr bei meinen Eltern) und hab hier nicht mal meinen Zweitwohnsitz angemeldet, weil ich es immer vergessen habe bzw. keine Lust habe. Keine Ahnung, ob das überhaupt legal ist, aber bisher gab es noch keine Probleme. xD

    Also FB würde ich nicht mal meinen Fingernagel anvertrauen. Selbst wenn man "entscheiden" kann wer welche Daten zu Gesicht bekommt ist mir der Verein komplett suspekt. Ich melde mich unter einem Fakenamen und selten benutzter E-Mail-Adresse an und trotzdem bekomme ich Freundeseinladungen. Klar, ich kenn die, aber als Freunde will ich die nicht haben, nicht mal bei FB. ^^

    Aber ich bin bei so etwas ohnehin etwas altmodisch, meine Mutter meinte vor kurzem ich sei ja so schwer zu kontaktieren, weil ich eine Woche mein Handy aus und sie irgendwie eine falsche Mailadresse von mir hatte. Sie hat sich dann dazu entschieden mir einen Brief zu schreiben, denn hab ich dann auch bekommen. xD

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  11. @Lucina:
    Das ist auch etwas, das ich nicht gänzlich verstehe, warum es verschiedene Fragebögen gibt.
    Du hast die popelige Variante, sei froh ;-) Die haben sie auch im Seniorenwohnheim verteilt, da müssen übrigens nicht mal die Bewohner beantworten, das wird alles gesammelt von der Leitung gemacht. Alles Infos, die in jedem Personlausweis stehen, anders, als bei dem, was ich beantworten musste (siehe oben). Das weiß sicher nicht jedes Amt, bei dem ich mal gemeldet war.
    Freundschaftseinladungen wirst Du bei FB immer bekommen, das nutzen die meisten ja als Werbung und schicken die an so ungefähr jeden in ihrer Liste. Da bist selten Du persönlich gemeint.
    Und wie Du schreibst: Du hast Dich entschieden einen Fakenamen zu nutzen. Eine frei gewählte Adresse und auch, welche Infos Du an wen weitergibst. Hätte Dir der Zensus nie durchgehen lassen. ;-)
    Wie gesagt, ich sehe den Nutzen der Befragung duchaus ein, aber der Ablauf und das Wie waren nicht in Ordnung.

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  12. Also ich glaub wenn eine ehemalige Komilitionin, die ich ganz grässlich fand und die mich auch nicht mochte, mir eine Freundschaftseinladung schickt, dann bin ich schon persönlich gemeint. ^^ Ich frag mich nur, wie die mich mit meinem Fakenamen gefunden hat!? oO

    Stimmt, ich hatte mit der Zensusfrau geredet und die meinte, man bekommt eine Strafe, wenn man nicht mitmacht... Aber bei deinen Fragen hätte sonst auch niemand freiwillig teilgenommen, außer denen die sowieso alles mit im Internet teilen ;-)

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  13. Kirsten5.6.11

    Ich möchte zum Thema Zensus nur kurz Stellung nehmen. Volkszählung war in der ehemaligen DDR wahrscheinlich nicht bekannt, daher kann ich dazu nichts sagen. Sicherlich kann das jeder handhaben wie er/sie will, aber dann soll er/sie sich auch gut überlegen, ob er/sie über zukünftig fehlende Kindergärten/Schulen/Altersheime etc. ärgert/klagt. Oder wie wäre es mit konstruktiven Lösungsvorschlägen? Nur jammern kann ja auch nicht sein. Zauberkugeln oder dergleichen, um Bevölkerungszahlen zu ermitteln sind leider noch nicht erfunden worden. Vielleicht hat der eine und andere ja Lösungsvorschläge, wie der Staat sonst an Daten herankommn soll. Die Bevölkerung ist selber nicht ganz unschuldig, wenn sie sich weder ab- noch anmelden.

    Angaben zur Religion sind freiwillig, vielleicht den Zensus Bogen noch mal genauer durchlesen?

    In Sensiorenheimen wird das anders gehandhabt, weil dort Personen leben, die u.a. Dement sind oder Alzheimer oder dergleichen haben, sprich nicht auskunftsfähig sind. Wäre es euch lieber, eure Omi wird von einem Interviewer persönlich gefragt, obwohl sie das gar nicht kann? Da ist es doch wohl besser, den Fragebogen von der Leitung ausfüllen zu lassen. Egal, wie es gemacht wird, es scheint in euren Augen nicht richtig zu sein. Vielleicht macht ihr selber Vorschläge, wie man z.B. pflegebedürftige Personen, Behinderte, Bewohner von Justizvollzugsanstalten oder Frauenhäusern befragen soll, wenn nicht direkt über die Leitung vor Ort? Und nicht jammern, wenn eure Omi demnächst ins Pflegeheim muss, es aber keine freien Plätze mehr gibt, okay?

    Mir steht dieses generelle Ich-bin-gegen-alles-weil-es-gerade-in-ist oder Ich-bin-dagegen-weil-es-vom-Staat-kommt Getue sowas von bis oben hin, das kann ich gar nicht ausdrücken. Dieses weitverbreitete Laienwissen, mit dem geurteilt wird, anstatt sich erstmal richtig zu informieren.

    Liebe Soleil, ihr werft da einiges in einen Topf. Es gibt die GWZ, die Gebäude- und Wohnungszählung, die u.a. dafür da ist, zu ermitteln, wie der Wohnbedarf in Deutschland ausschaut. Da es viele leerstehende Gebäude gibt, ungenutzten Wohnraum u.u.u. Derlei Angaben wirst du wohl kaum in deinem Personalausweis finden, oder? Mich macht das echt sauer, hier alles so über einen Kamm zu scheren, anstatt sich mal Formulare deutlich durchzulesen.

    Die Sozialwahlen haben nichts mit dem Zensus zu tun, auch hier kann ich nur raten, mal genauer aufs Formular zu schauen. Dass das alles in diesem Jahr stattfindet, ist eine Sache, deswegen ist das aber alles noch lange nicht das Gleiche.

    Wenn man gerade unter der Dusche ist und der Freund bittet den Interviewer herein und sagt ihm/ihr, doch zu warten, dann ist das wohl eher Schuld des Freundes, wenn er dergleichen veranlasst und hat weniger mit dem Zensus ansich zu tun.

    Wenn ich diesen Blog analysiere, weiß ich u.a. wann Soleil Geburtstag hat, wie alt sie ist, wie sie ausschaut, ich kann mir ein Foto downloaden, ich weiß, an welchen Tagen sie auf Buchmessen unterwegs ist, ich weiß, wo sie wohnt, welche Buchhandlungen sie besucht, was sie an Filmen und Serien gerne schaut, was sie liest, persönliche Vorlieben sind herauszufiltern, ebenso welche heteromäßigen Vorlieben sie hat, dass sie Fremdsprachenkenntnisse wie englisch hat und u.a. wie ihre Einstellungen gegenüber Dingen wie Copyright Verletzungen ist. Beim Zensus geht es meiner Meinung nach weniger persönlich zu, und diese Angaben liest nicht jeder, wie es im Internet der Fall ist. Wenn mich jemand fragt, was mir lieber ist, dass es wildfremde Menschen erfahren, so gebe ich lieber Auskunft darüber, wie viele Personen in meinem Haushalt leben und wie die Wohnsituation ist, als der gesamten Welt zu posten, wann ich nicht zu Hause bin und stattdessen zu verkünden, dass meine Wohnung an dem und dem Datum leer ist, weil ich mich dann auf der Buchmesse aufhalte. Ich weiß nicht, welche dieser Infos brisanter und persönlicher ist, vor allem für Leute, die es darauf anlegen.

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  14. @Kirsten:
    Bitte lies meine letzte Antwort zu Dir noch einmal.
    Wie gesagt, ich sehe die Notwenigkeit ein, aber ich bin mit den Fragen und der Art und Weise zum Ablauf nicht einverstanden.
    Eine der Fragen zur Religion war freiwillig, ja. Aber es gab mehrere zu diesem Thema *hüstel* und nur eine davon war freigestellt. (Und glaub mir, ich lese immer genau, vor allem wenn man Name und diverse Geheimnummern drauf stehen. Außerdem habe ich mich intensiv mit dem zensus beschäftigt, alle Gesetze und Paragrafen gelesen, die ich gefunden habe etc.)
    In meinem Personalausweis steht sicher nicht, wo welches Gebäude nicht bewohnt wird, klar. Aber es gibt doch nicht umsonst Verwaltungen in diversen Ortschaften, die müssten das eigentlich erfassen. Aber vielleicht denke ich da gerade auch Großstädtisch, hier ist ja jeder Zentimeter verplant und wenn es ein Park ist.
    Was die DDR angeht, hat auch diese Volkszählungen durchgeführt. Wann genau weiß ich nicht, aber regelmäßig. Ich kann mich sogar schwach erinnern, dass jemand mit Fragebogen vor der Tür stand, als ich ein Kind war.
    Die kleine Unterstellung die hier mitschwingt, gefällt mir übrigens nicht besonders.
    Seniorenheime: Mir wäre es lieber gewesen, wenn man meinen Opa gar nicht befagt hätte (oder in seinem Namen geantwortet). Oder zumindest seine Betreuerin informiert. Die Fragen zu den Gemeinschaftunterkünften (eben auch Studenten etc.) finde ich auch in Ordnung. Die sagen alles aus, was man wissen muss, um für genug Kindergärten, Altenheime etc zu sorgen. Nur allgemeine Fragen, nichts persönliches.
    In meinem Fragebogen wollte man übrigens nichts zu meiner Wohnsituation wissen, was mir sehr merkwürdig vorkam.
    Ich zitiere mich selbst noch einmal:"Außerdem kann ich gewisse Fragen ja verstehen, aber was haben Religionsfragen für eine Bedeutung(nix mit verweigern)? Oder die nach der sexuellen Orientierung (es wird nach homo/hetero Partnerschaften gefragt)? Oder eine, die tatsächlich fragt, ob und was ich, wenn ich arbeitslos wäre, in den vergangenen Wochen getan habe, um wieder ins Berufsleben zu finden. Wie helfen solche Fragen dabei herauszufinden, ob Bedarf an Krankenhäusern besteht?
    Es ist der Ablauf, der mich gestört hat, der Zwang zuallererst, aber auch die Fragen selbst, die über eine reine Zählung weit hinaus gehen."
    Was den Blog angeht: Das sind Dinge, die ich freiwillig mitteile. Das macht einen Unterschied. Und ich möchte bezweifeln, dass hier jemand sagen kann, welche Religion ich wie ausübe, ob ich hetero oder homo bin, welchen Beruf ich tatsächlich ausübe, mit wem ich zusammenlebe, und auch Dinge wie Lieblingsserien (das sollte mich echt wundern, ich weiß es nämlich selbst nicht ;-)).
    Leider hat sich ja gezeigt, dass man gerade im www vorsichtig sein muss, da ja jede kleine Info weiterwandern kann und nicht geschützt ist.
    Dass ich mich aber gerade nicht komplett einigle und Mauern um mich herum aufstelle, zeigt der Blog.
    Lösungsvorschlag? Nur Fragen verwenden, die notwenig sind. Dann wären Proteste wahrscheinlich gar nicht erst aufgetreten oder zumindest nicht in diesem Maße.
    Proteste übrigens nicht nur von Ossis ;-)

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  15. Einige Fragen im Zensusu fand ich ok und kann den Sinn dahinter auch verstehen. Bei den von dir angesprochenen finde ich es allerdings sehr fraglich, warum der Staat diese Infos braucht.
    Sowohl meine Eltern als auch meine Schwester "durften" den Fragebogen ausfüllen. Beide hatten eine relativ harmlose Version.

    Ich bin mir übrigens sicher, dass ein Teil der Daten an Personen kommt, die sie nicht haben sollten. Das ist einfach logisch wenn man bedenkt, dass Computer und Menschen nicht perfekt sind.

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