Montag, 10. Januar 2011

Lockruf des Blutes (Anna-Strong-Reihe 02) - Jeanne C. Stein


Anna Strong ist nun also ein Vampir und hat Dr. Avery beerbt, der ein nicht unwesentliches Vermögen hinterlässt. Doch Anna weigert sich mit Polizeichef Williams zu sprechen, der ihr gern mehr über die Welt erzählen würde, in der sie sich nun zurecht finden muss. Sie versucht, ihr Leben weiterhin so zu bestreiten, wie es auch vorher war.
Bei einem Besuch bei ihren Eltern, die keine Ahnung von Annas neuer Blutgier haben, meldet sich unerwartet eine alte Freundin ihres verstorbenen Bruders Steve. Sie behauptet, dass ihre dreizehnjährige Tochter Trish Steves Kind ist. Und dass diese entführt wurde von ganz skrupellosen Männern. Ein weiteres Mädchen sei bereits ermordet worden. Die Schuld schiebt sie dem Lehrer des Mädchens, Daniel Frey, in die Schuhe und Anna nimmt ihre Kopfgeldjäger-Ermittlungen auf. Dass sie dabei aber auf einen Gestaltwandler und einen Kinderporno-Ring stoßen würde, hätte sie nicht vermutet.

Bis einschließlich Band 3 (erschienen April 2009) haben die Bücher ein sehr ähnliches Cover. Über dem Titel ist ein (jeweils individuelles) Insekt abgebildet und egal, welche Farbe jeweils für das Gesamtcover gewählt wurde, es wird der Eindruck des Genres vertieft. "Ein Vampirthriller" steht unten in der Mitte. Ab Band 4 gabs dann Frauengesichter, was der Reihe eher den Anstrich von seichter, erotischer Frauenunterhaltung vermittelt, was bisher zumindest überhaupt nicht der Fall ist.
Allerdings muss ich zugeben, das hinter dem Wechsel Methode steckt, da die Hintergründe hinter den Damen farblich auf die drei ersten Bände abgestimmt worden sind. Im Regal sieht's trotzdem merkwürdig aus.

Inzwischen weiß ich, dass es sich beim ersten Teil um einen Debütroman gehandelt hat. Dafür war er jedoch recht ordentlich gelungen und ich kann guten Gewissens behaupten, dass sich Jeanne C. Stein im zweiten Teil spürbar gesteigert hat.
Leider bleibt sie immer noch recht lau und oberflächlich, obwohl im ersten Teil von der Figur Anna Strong die schonungslose Wahrheit angekündigt worden ist und es hier in Teil 2 um ein ernstes Thema geht. Kindesmissbrauch. Was aber viel Emotionalität verspricht, wird in weiten Teilen nur erwähnt und selten vertieft. Ob und was die einzelnen betroffenen Charaktere fühlen, muss sich der Leser meist denken.
Auch die Actionlastigkeit von Teil 1 geht hier ab, was, gepaart mit der etwas platten Schreibweise leider zu einer kaum spürbaren, aber eben doch vorhandenen Zähigkeit geführt hat. Ein wenig Durchhaltevermögen gehört also dazu.
Von Zeit zu Zeit muss man zum Cover blättern, um sich daran zu erinnern, dass dies eigentlich ein Vampir-Thriller sein soll, denn Anna wandelt im Tageslicht und geht völlig normalen Tätigkeiten nach. An manchen Stellen erinnerte sich die Autorin aber rechtzeitig daran, dass hier ein bisschen mehr von Nöten ist und läßt Anna das starke übermächtige Monster spielen und irgendjemandem an die Kehle gehen. Das fand ich es dann leider aber nur wenig überzeugend und die böse, taffe Frau habe ich ihr sowieso nie abgenommen.
Annas seit-zwei-Jahren-Freund Max taucht mal wieder auf und endlich wird klar, dass beide eher so etwas wie eine Fernbeziehung führen, weil Max meist Undercover arbeitet. Nur zu gelegentlichen One-Night-Stands reicht es, auch wenn Max plötzlich einfällt, dass er gern ein Baby mit Anna hätte. Von der Vampirsache weiß er nichts und sie sagt es ihm auch nicht. Als er dann wieder auf und davon ist, ergibt es sich rasch, dass da ein neuer Mann Schlange steht, der viel Anziehungskraft auf Anna ausübt. Wirkliche Romantik und Erotik fehlen jedoch, was aber in diese Geschichte ohnehin nicht reingepasst hätte.
Die Auflösung der Kriminalgeschichte konnte mich nur wenig zufrieden stellen, weil alles so seltsam zufällig zusammengepasst. Auch stimmte mit der Motivation einiger Figuren etwas nicht, wenn sie nämlich erst das eine tun und dann etwas völlig gegensätzliches - ich denke da vor allem an Trish' Mutter.
Nach zwei gelesenen Serienteilen und dem, was ich von den Klappentexten der folgenden Bücher vermute, muss ich gestehen, dass ich an diverse andere Serien stark erinnert werde. Nicht, dass es in einer Vampirstory nicht auch Gestaltwandler geben dürfte, aber es kommt noch ein geheimnisvoller Mörder, der es auf Vampire abgesehen hat (und den Anna aufhalten muss). Es kommt eine Frau, die sich mit Anna um das Erbe Averys streiten wird. Hexen und schwarze Magie, Werwölfe, der innere Kampf um ihre Seele, die anderen Vampire wollen sie nicht mehr mitspielen lassen ... Wer das nicht kennt, Hand hoch. Wenn dann die Zombies kommen, wissen wir bescheid.
Nichtsdestotrotz habe ich die Geschehnisse gern weiter verfolgt und bin - trotz aller Kritikpunkte - zufrieden, muss aber sagen, dass dies eher ein Teil ist, den ich noch so hinnehme, gestaltet sich Teil 3 ebenso, lese ich die Anna Strong das letzte Mal. Plot und Grundidee überzeugen mich, in der Ausführung kann aber noch einiges dazugelegt werden, vor allem was Tiefe, Charakter und Emotionalität angeht. Das schafft Jeanne C. Stein noch, davon bin ich überzeugt. Aber es sollte nicht mehr allzulange auf sich warten lassen.

1. Verführung der Nacht (The Becoming)
2. Lockruf des Blutes (Blood Drive)
3. Dunkle Küsse (The Watcher)
4. Der Kuss der Vampirin (Legacy)
5. Blutrotes Verlangen (Retribution)
6. Chosen


Jeanne C. Stein wuchs in San Diego auf, wo auch ihre Anna-Strong-Romane spielen. Heute lebt sie mit ihrem Ehemann außerhalb von Denver, Colorado. Neben der Arbeit an ihren Büchern gibt sie einen Newsletter für einen Bierimporteur heraus und hält sich durch Kickboxen in Form.

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