Zunächst möchte ich mich bei der Autorin Kirsten Marohn und ihrem Verlag ganz herzlich für die Bereitstellung des Leseexemplars bedanken.
Jasmin Bolger ist seit zwölf Jahren verheiratet, hat ihrem Mann aber nicht mehr viel zu sagen. Sie arbeitet halbtags in einem Bio-Supermarkt - und trägt ein großes Geheimnis mit sich herum.
Kurz nach ihrer Heirat, genau am Silvesterabend, ist sie von ihrem Schwiegervater Richard vergewaltigt worden. Der Schock und nachfolgende Ereignisse haben es ihr nie möglich gemacht, darüber zu sprechen. Und so lief ihre Ehe von Anfang an nicht gut, ist sie oft verschlossen und in Gedanken versunken. Dass ihr Mann vom Geld des vermögenden Vaters lebt, macht die Sache nicht einfacher.
Doch da ist auch noch ihr Schwager Sven, der sich redlich um sie bemüht und immer ein offenes Ohr für sie hat.
Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich das Buch lesen sollte oder besser nicht. Themen mit so ernstem Hintergund liegen mir in einem Unterhaltungsroman überhaupt nicht. Hinzu kommt das nicht besonders ansehnliche Cover.
Die Figuren, die mir hier begegnet sind, waren jedoch anschaulich charakterisiert und die Handlung chronologisch aufgebaut, so dass ich den Roman in kurzer Zeit und in einem Rutsch ausgelesen habe.
Was mir gefiel war die Realität, die dem Buch zugrunde liegt. Jasmin arbeitet in einem völlig normalen Beruf, sie ist keine aufstrebende Journalistin, Modedesignerin oder Privatdetektivin. Sie füllt Regale auf und steht mit beiden Beinen im Leben. Das und die gelungenen Dialoge, die sich nur hier und da etwas hinziehen, haben Eindruck auf mich gemacht.
Zuerst fiel es mir bei der besten Freundin auf, die ich mir mit ihrer fröhlichen Art und dem Mundwerk wie der Schnabel gewachsen ist, sehr gut vorstellen konnte. Schließlich blieb ich dahingehend bei Sven hängen, der kräftig mit seiner Schwägerin flirtet. Hier liegen Stärken, die genutzt und ausgebaut werden sollten. Ich ertappe mich auch heute noch bei dem Gedanken, dass die Autorin vielleicht doch ein Mainstreambuch schreiben sollte, wie es so viele ihrer Kolleginnen machen. Spritz und Esprit hat sie und weiß sie einzusetzen. Ihre Männer sind sympathisch oder eben nicht. Solche Figuren zu schaffen und in das für sie passende Umfeld zu setzen ist gar nicht so leicht, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Auch in solchen Romanen kann man ernste Themen einbauen, die Balance zu halten wird dann allerdings das sein, was den wirklich guten Autoren fordert.
Jasmin ist zuletzt eine tragische Figur, aber sie wird dadurch noch mehr zu einer Frau aus dem Volke. Wie viele letztendlich über eine Vergewaltigung in ihrer Vergangenheit schweigen, wird sicher nie jemand genau feststellen können. Schön, dass Jasmin zu ihrem ganz eigenen Happy End finden darf.
Die Liebesgeschichte zwischen Jasmin und Sven währt schon einige Jahre, was aber erst jetzt zur Sprache kommt. Sehr gelungen ist der Moment, als er die Wahrheit erfährt. Ich hätte mir zwar gewünscht, dass das Opfer selbst den Mut findet, den Teufelskreis zu durchbrechen, aber wer weiß schon, was wirklich in ihr vorgeht?
Ein emotionales Buch, das nicht am Leben vorbeizieht, sondern mitten drin steckt.
Das gesamte Interview vom März 2009 gibt es hier
Möchten Sie sich einmal kurz vorstellen? Was für einen Menschen sollte man vor Augen haben, wenn man den Namen „Kirsten Marohn“ hört?
Generell ist es mir lieber, wenn die Leute sich mit meinen Büchern beschäftigen, statt mit meiner Person. Ich denke, in der heutigen Gesellschaft spielt sich viel zu viel um den Personenkult ab. Das ist ein Grund, weshalb ich auf meiner Webseite die Informationen über meine Person sachlich und kurz halte. Mein Interesse gilt dem Schreiben. Wer meine Bücher aufmerksam liest, kann sehr viel über mich erfahren. Wer darüber hinaus Fragen hat – auf meiner Webseite gibt es ein Kontaktformular, und ich freue mich über Anfragen jeder Art. Na ja, fast jeder Art!
Welche Figur liegt Ihnen in "Lappalie" am meisten am Herzen? Mit welcher können Sie sich vorrangig identifizieren?
Ein bisschen von mir steckt in jeder meiner Figuren, aber ich denke Jasmin und Sven sind schon meine Lieblinge. Es war nicht leicht, sie loszulassen. Aber mit Romanfiguren ist es wie mit den eigenen Kindern – irgendwann muss man sie loslassen, damit sie flügge werden und ihre eigenen Wege gehen. Aber es ist schön, zu wissen, dass die beiden zwischen zwei Buchdeckeln ein Zuhause gefunden haben. Das ist ein gutes, warmes Gefühl. Generell muss ich aber sagen, dass stets die Protagonisten des jeweiligen aktuellen Romans meine Lieblinge sind. Momentan ist das die selbstmordgefährdete, desillusionierte Maja und der geistig behinderte Lars aus meinem aktuellen Projekt "Bunte Fische". Ich freue mich aber auch schon auf mein nächstes Buchprojekt "Polarlicht" (Arbeitstitel), wo die junge Lilith an einer Autobahnraststätte den viel älteren Robert kennenlernt – ein Mann, der stets unterwegs ist, aber nie ankommt. Das Buch wird eine Art Roadmovie werden, der schon seit einigen Jahren fertig geschrieben in meiner Schublade liegt. Das Manuskript muss nur noch umgeschrieben werden, aber alles zu seiner Zeit. Eine Kartoffel nach der anderen schälen, wie es so schön heißt ...
Was zeichnet Ihre Bücher insgesamt gegenüber den anderen auf dem Markt aus? Warum glauben Sie, sind Sie es wert gekauft zu werden?
Das sollten andere entscheiden – auf meiner Webseite gibt es gleich drei Leseproben, da sollte für jeden etwas dabei sein, damit er sich ein Urteil bilden kann. Was mir jedoch öfters von meinen Lesern gesagt wird, ist die Tatsache, dass meine Geschichten eine angenehme Balance zwischen Frauenroman und Thriller sind. Das scheint Mangelware zu sein. Entweder findet man in den Buchregalen die typische Frauenliteratur, wo es thematisch um die bekannten 100 Gramm zu viel auf den Hüften, die nächste Diät, den Liebhaber oder Designerkleidung geht, oder es sind Krimi- bzw. Thrillergeschichten. In meinen Romanen werden beide Aspekte angesprochen: Die Protagonisten sind meist weiblicher Natur, agieren jedoch realistisch und haben dementsprechend auch authentische Probleme. Das Ganze ist mit einem spannenden Background gemischt und kommt in einem ungewöhnlichen Setting daher – entweder die selbstmordgefährdete Frau, die sich in einen geistig behinderen Mann verliebt, oder die junge Anhalterin, die auf einer Raststätte einen älteren Mann kennenlernt oder die vergewaltigte Frau aus "Lappalie", die ihr spätes Glück bei ihrem Schwager sucht.