Samstag, 3. Oktober 2009

Auf Wolken tanzen - Patricia Kitchin ♥♥♥♥




Judy Blackwell ist seit über zwanzig Jahren verheiratet und fühlt sich nicht mehr attraktiv. Nicht nur, dass ihre Söhne das oft zum besten geben, auch stolpert ihr Ehemann von einer Affäre in die nächste.
Um ein wenig Abwechslung in ihren tristen Alltag zu bringen, meldet sie sich bei der örtlichen Bauchtanzgruppe an. Dort lernt sie viele andere Frauen kennen: die steife Lehrerin, die keinen Mann halten kann. Eine umwerfend sexy Blondine, die in einer Bar arbeitet, die graue Maus, die mit ihrem Mann kein Kind bekommen kann und Natalie, die mit ihrer kleinen Tochter bei ihrem Vater Trevor lebt.
Nach und nach freunden sich die Frauen an, tanzen, nähen sich Kostüme und verlieren ihre Hemmungen. Auf einer lange geplanten Weihnachtsfeier, auf der sie auch auftreten sollen, benimmt sich Judys Mann völlig daneben. Er gräbt die Blondine an und versetzt Judys Selbstbewußtsein - mit ein paar Pfündchen zu viel in einem Bauchtanzkostüm - einen herben Schlag.
Doch Trevor springt ein und rettet die Situation. Tage später treffen sich die beiden beim einkaufen wieder und verbringen einen netten Tag miteinander. Und dann noch einen und noch einen. Da Trevor Witwer ist, freut sich auch Natalie, dass er wieder Spaß am Leben empfinden kann. Judy jedoch verheimlicht die Affäre und als Trevor sie bittet, nur noch mit ihm zusammen zu sein, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung ...

Obwohl die Inhaltszusammenfassung das suggeriert, geht es hier nicht nur um eine Frau. Alle Bauchtänzerinnen werden gleichermaßen beleuchtet und in ihrem (Liebes-)Alltag gezeigt. Doch irgenwohin muss man sich hinorientieren und Judy taucht einen Tick häufiger auf, als alle anderen. Sie wird aber nicht die einzige blieben, die einen neuen Herzensmann findet.
Das Buch ist leider etwas oberflächlich und geht nicht in die Tiefe. Dennoch ist es nett gemacht. Es lebt auf jeden Fall von den Charakteren und deren Emotionen. Probleme gibt es überall, es wird miteinander gelacht - auch mal übereinander - aber die Frauen helfen sich auch gegenseitig. Zwar wirken einige Figuren schon recht in ihre Rollen gepresst, aber wen das nicht stört, der wird gern mit ihnen ihren Weg gehen. Angetan war ich davon, wie genau die Personen gezeichnet worden sind; als würden sie leben. Dadurch wird auch ihr Klischee liebenswerter und stösst den Leser nicht ab.
Was ich sehr schade fand war, dass der Bauchtanz an sich und das erwartete orientalische Flair so gut wie nicht vorhanden gewesen sind. Bei Cover und Klappentext habe ich mir das erhofft. Es fährt allenfalls eine Frau zu einer anderen, weil diese besser nähen kann. Im Gespräch kommt man zwar auf die Farbe des Kostüms zu sprechen und ob es Pailletten haben soll, aber das sind nur entfernte Details. Also muss ich leider allen, die so etwas erwarten sagen, dass sie lieber die Finger von dem Roman lassen sollten.
Judy findet natürlich zu ihrem persönlichen Happy End - aber das trifft nicht auf alle Figuren zu. Was teilweise mehr als traurig ist. Zu hoffen, dass die Autorin sich da Platz für einen weiteren Teil lassen wollte.
Der Roman ist solide Unterhaltung mit toll gestalteten Charakteren, mehr aber leider nicht.


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