Recht zähe Handlung eines Romans, der nicht
genau weiß, was er sein will.
Titel: Woman Down
Autorin: Colleen Hoover
Originaltitel: Woman Down
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423285490
Euro: 23,00
Veröffentlichungsdatum: Januar 2026
Seiten: 416
Serie: nein
Come in: vorablesen.de
Inhalt
Bestsellerautorin Petra Rose ist tief in einer
Schaffenskrise gefangen, seit die Verfilmung ihres Buches gefloppt ist. Ein
Shitstorm ist über sie hereingebrochen, von dem sie sich nur langsam erholt.
Einzig Kollegin und Freundin Nora hält zu ihr – sie gehen zusammen wieder
online und sprechen über den neu geplanten Thriller. Dazu hat sich Petra in
eine einsame Waldhütte eingemietet, wo sie ungestört ist. Kurz nach ihrer
Ankunft klopft Detective Nathaniel an ihrer Tür, da es einen Unfall gegeben
hat. Als Ebenbild ihres neuen Protagonisten bittet sie ihn, ihr einige Fragen
zu beantworten. Beide verstricken sich in eine Affäre – doch Nathaniel ist
verheiratet …
Meinung
Zunächst mutete es seltsam an, dass sich die
Autorin Zeit nimmt und in einem Vorwort ausführlich klarstellt, dass die
geneigte Leserschaft besser keine Parallelen zu ihr und ihrem Privatleben
suche, schließlich gebe es keine. Wer daraufhin ein bisschen tiefer gräbt, wird
aber dennoch auf einige Ähnlichkeiten stoßen. Zur Verfilmung eines Buches Hoovers,
die Jahr für Jahr einen Bestseller schreibt, gab es etliche negative
Schlagzeilen. Sie hat danach ungewöhnlich lange für sie nichts geschrieben.
Dass sie sich nun ausgerechnet die Story rund um eine Autorin herausgesucht
hat, die in ähnlicher Weise betroffen war, könnte von Emotionen genauso
getragen worden sein, wie auch ein genialer Werbeschachzug. Dass sie ihr
Handwerk in Sachen Marketing schon beim Schreiben bzw. Anlegen ihrer
Geschichten versteht, liegt auf der Hand. Und diesen „Flop“ in einen neuen Hype
zu verwandeln, dürfte ihr nicht schwerfallen. Auch Petra Rose spricht von
finanziellen Schwierigkeiten, als kein neuer Buchvertrag erfolgt. Was auch
immer es gewesen sein mag, Colleen Hoover legt mit „Women Down“ ihr neues Buch
vor.
Der Anfang beginnt sehr einnehmend, wobei
gesagt werden sollte, dass eine jüngere Zielgruppe angelegt werden sollte, die
in jedem Fall Internetaffin ist. Die Autorin stellt also die vergangenen
Ereignisse mittels eines Podcasts vor, den Petra auf dem Weg zur Hütte im Auto
hört. Sie lernt die Vermieter kennen; die Frau ist sogar mittels Erzählstimme
als „gemacht“ vorgestellt, als perfekt für Film und Bühne. Klar, eine
exzentrische Figur sollte enthalten sein, dann fehlt’s auch nicht an Humor. Die
Hütte wird gezeigt, der Live-Chat mit Nora beginnt. Bis hierher liest es sich
wirklich gut weg.
Aber dann gibt es plötzlich Blaulicht – und
einen unverschämt attraktiven Detective, der an Petras Tür klopft. Er beflügelt
sie mit jedem weiteren Besuch so sehr, dass sie gar nicht anders kann, als zu
schreiben und zu schreiben. Aber genau das ist das Problem. Nicht nur, dass er
offenbar exakt so aussieht, wie ihre männliche Hauptfigur im neuen Thriller, er
hat auch einen eher unnatürlich wirkenden Namen, was Petra selbst feststellt.
Und weil er damit wie gemacht wirkt, bleibt sehr viele Seiten lang unklar, ob
es ihn wirklich gibt. Ist er eine Art Eingebung? Stellt sich die Autorin Petra
diese Figur nur vor? Ist er so etwas wie eine Muse? Zudem gibt es offenbar
keinen Fall, in dem der Detective ermitteln könnte, denn schon gleich zu Beginn
wird das Blaulicht mit einem Unfall erklärt. Worauf sich also der Leser
konzentrieren soll bzw. was der eigentliche rote Faden ist, bleibt sehr lange
unklar. Und das sorgt leider für jede Menge Stockungen und Zähigkeit, was
schade ist, denn die Autorin weiß sich auszudrücken und schreibt anschaulich
flüssig.
Erst etwa mittig baut Hoover dann einige
Wendungen ein, die überraschen und damit wieder die Lesestimmung anheizen.
Zudem stellt sich heraus, dass Nathaniel tatsächlich existiert, denn auch
andere Figuren begegnen und sehen ihn. Das hebt die Handlung auf eine neue
Stufe und ab hier liest es sich rasch weg. Allerdings ruht sich Hoover nun ein
bisschen zu sehr auf der fleischlichen Komponente der Beziehung aus, was die
Handlung ein wenig im Fortlauf behindert.
Dann, im letzten Drittel, soll wohl die
Thriller-Komponente beginnen, aber wirklich schaurig oder gefährlich wirkt das
Ganze nie. Nathaniel ist dazu zu flach geworden, er dient nur einem Zweck und
kann daher gar keine wirkliche Persönlichkeit ausbilden. Petra Rose, mit dem
eher durchwachsen wirkenden Namen, wirkt zwar glaubhaft und lebensecht, aber
auch sie ist keine Figur, die sich einprägt.
So kann ich leider nur urteilen, dass sich
„Woman Down“ zwar ganz nett liest, aber auch nicht unbedingt auf eine Leseliste
gehört. Vielleicht ist das hier nur etwas gewesen, mit dem Hoover wieder „warm“
werden wollte. Der nächste Roman wird dann wieder besser.
Colleen
Hoover ist nichts so wichtig
wie ihre Leserinnen. Seit der Veröffentlichung von ›Weil ich Layken liebe‹ hat
sie eine riesige Fangemeinde. Inzwischen ist sie die erfolgreichste Autorin der
Welt und stürmt mit all ihren Romanen die Bestsellerlisten. 2023 wurde sie auf
die Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt des ›Time‹-Magazins
aufgenommen. Colleen Hoover lebt mit ihrem Mann und ihren Söhnen in Texas.


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Es ändert sich nichts am Kommentieren, nur muss jetzt dieser lange untere Absatz dabeistehen. Ich danke allen, die mir einen Gruß dalassen!
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