Dienstag, 6. Januar 2009

Das achte Tor - Pierre Bottero




Jugendfantasy a là Hohlbein
Der französische Autor hat hier ein Werk geschaffen, dass jungen Lesern sicher gut gefallen wird. Es ist nicht besonders tiefgreifend und doch eher oberflächlich, trotzdem macht es viel Spaß.

Im Prolog begleitet der Leser eine Expedition in den Dschungel. In einer Pyramide entdeckt das Team einen schwarzen Steinwürfel, der in der Luft hängt, ohne an etwas befestigt zu sein. Neugierig untersuchen sie ihn weiter und lassen damit unabsichtlich den ANDEREN frei.
Nathan ist auf den ersten Blick ein normaler sechzehnjähriger Junge. Doch er beherrscht einige Dinge, die andere nicht können. So hat er unglaublich viel Kraft und Körperbeherrschung. Das führte aber auch dazu, dass seine Eltern oft mit ihm umgezogen sind, er spricht nicht weniger als fünf Sprachen fließend. Eines Tages bemerkt er zwei in schwarze Anzüge gekleidete Männer, bei denen er sich zunächst aber nichts denkt. In der gleichen Nacht explodiert das Haus, in dem er mit seinen Eltern lebt und beide sterben. Nur er ist durch einen Zufall entkommen und muss fliehen.
Der Leser lernt ebenso Shaé kennen, die seit ihrem sechsten Lebensjahr bei Pflegeeltern lebt und gegen ein Etwas in ihrem Inneren kämpft, vor dem sie sich sehr fürchtet. Ein geheimnisvoller Mann, Rafi, bringt beide zusammen und sie fliehen nach Frankreich. Dort lernen sie Nathans Familie kennen, vor der sich sein Vater einst zurückgezogen hat, da er eine Frau heiratete, mit der die Familie nicht einverstanden gewesen ist. Sein Onkel nimmt ihn mit in den Keller seiner Villa und lässt ihn dort eine verborgene Tür suchen, die Nathan auch findet. Sie gelangen durch sie hindurch in ein geheimnisvolles Haus, das in einer Art anderen Dimension liegt. Sie nennen es "das Haus im Irgendwo". Es ist umgeben von einem grünen Teppich aus Gras, aus dem sich aber Tentakel erheben und alles verschlingen, was den Rasen betritt.
Wieder zurück wird ihm eröffnet, dass es in der sumerischen Zeit (also viele tausend Jahre vor Christi) sieben Familien gegeben hat, die jeweils eine besondere Fähigkeit besaßen. Die Heiler zum Beispiel oder die Metamorphosen (zu denen Shaè zählen wird.). Sie haben vereint das Haus im Irgendwo geschaffen und die Baumeister verschenkten die Türen an die anderen Familien. Einst schworen sie sich Zugehörigkeit und Frieden, aber das wandelte sich im Laufe der Zeit und einige der Familien gelten als ausgestorben. So war Nathans Mutter die letzte ihrer Familie. Shaè scheint die letze Metamorphose zu sein und Rafi gibt sich als Führer zu erkennen.
Natürlich vereinen sowohl Nathan, als auch Shaè jeweils drei Familien(-fähigkeiten) in sich. Durch eine Intrige hält man Nathan und Shaè für die Mörder an Nathans Eltern und auch für die Feinde, die die restliche Familie angreifen. Sie müssen erneut fliehen. Dabei stoßen sie auf Jalaab, die Kraft des ANDEREN (und ein Mitglied der Expedition). Sie schaffen es ihn zu verwunden und folgen ihm in seine "andere Welt". Dann beginnt ein Kampf. Denn das sie ihn vernichten müssen ist ihnen klar, er ist personifizierte Böse. Leider sind sie im Haus im Irgendwo eingeschlossen und kommen nicht mehr heraus, als das Buch endet. Wie es weitergeht, erfährt man dann im zweiten Teil.

Mich erinnerte die Schreibweise ziemlich stark an Wolfgang Hohlbein, den ich mit sechzehn geradezu verschlungen habe. Darum kann ich mir gut vorstellen, dass das Buch gut für diese Zielgruppe geeignet ist. Nicht nur, dass beide Protagonisten sechzehn Jahre alt sind, sie verlieben sich auch ineinander und müssen jede Menge Gefahren auf sich nehmen. Daneben verfügen sie jeweils über besondere Fähigkeiten. Wenn Shaè sich in einen schwarzen Panther verwandelt, dann macht das schon was her. Als Kinofilm später auf jeden Fall.
Allerdings geht nichts wirklich in die Tiefe. Die Charaktere sind zwar da, aber reihen sich zwischen tief und lau ein. Durch ihre Übermacht wirken sie schnell langweilig. Nathan ist nicht nur super stark und schnell, die Fähigkeit seiner Mutter lässt ihn auch buchstäblich alles wissen. Ein Weltmeister im Schach und Boxen also, wie es in einem Lied so schön heißt.
Die Gefühle, die sich zwischen den beiden entwickeln (warum eigentlich?) muss man sich größtenteils denken. Was aber wiederum nicht so schwer ist und dadurch kalt wirkt. Im Gegenteil. Trotzdem konnte ich mich ab und an des Gefühles nicht erwehren, dass es ziemlich aufgesetzt war. Zumal Shaè sich nicht berühren lassen will und Nathan sie ohne Ende anschmachtet. Auf Teil 2 bin ich trotzdem gespannt, der Autor hat nämlich nicht nur bewiesen, dass er etwas von der Zielgruppe versteht, er schreibt auch nicht nur flüssig und spannend, er hat auch einen relativ großen Fundus an Phantasie und Ideen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen