Titel: Das Buch der gefallenen Blätter
Autor: A. S. Tamaki
Originaltitel: The Book of Fallen Leaves
Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 978-3608967517
Euro: 26,00
Veröffentlichungsdatum: August 2026
Seiten: 624
Serie: Herbst des Imperiums 01
Come in: vorablesen.de
Inhalt
/ Klappentext
Im Mittelpunkt dieses machtvollen, von Ehrgeiz,
Rache und Opferbereitschaft geprägten Fantasy-Epos stehen unverwechselbare
Protagonisten, ein atemberaubendes Worldbuilding und vor allem ein großes
Abenteuer. Ein Held und eine Heldin stellen sich dem Kampf mit den
hinterhältigsten Clans und gefährlichsten Dämonen.
Sen Hoshiakari hat alles verloren, in der
Nacht, als die Rebellion seines Vaters scheiterte und seine gesamte Familie
ermordet wurde. Der Prinz dieses ehemals so mächtigen Clans wird ins Exil
verbannt. Seines Geburtsrechtes beraubt, ist Sen fest dazu entschlossen, die
Ländereien seiner Vorfahren zurückzugewinnen und ihre Ehre wiederherzustellen,
und das um jeden Preis. Mit ihm auf seiner gefahrvollen Reise ist Rui – ein
Bauernmädchen. Sie hat Sens Leben gerettet, in der Nacht, als seine Familie
ermordet wurde. Gleichwohl ist sie eine Getriebene und unsicher, welchen Platz
sie in der Welt einnehmen wird. Und sie hat noch keine Ahnung, was die Götter
mit ihr vorhaben. Während ein Bürgerkrieg das Land ins Chaos stürzt, erwachen
alte Dämonen, die Rache an allem nehmen wollen, was lebt. Sen und Rui sind
entschlossen, für sich und ihre Vorfahren zu kämpfen, sie können aber noch
nicht wissen, welch blutigen Preis dies von ihnen fordern wird.
Meinung
Dabei zeigt sich eine einnehmende
Grundhandlung, die sich zwar langsam, aber recht gewaltig aufbaut – es ist klar
zu erkennen, dass der Autor erst Anlauf nimmt und den geneigten Leser noch
einiges erwarten wird. Wer zudem etwas für asiatisch angehauchte Fantasy übrig
hat, wird in jedem Fall auf seine Kosten kommen. Dachte ich, denn das ist genau
mein bevorzugter Lesestoff.
Der Prolog liest sich interessant und
geheimnisvoll, wenn folgend erst einmal nichts von dem, was dort angedeutet
wird, vor Augen des Lesers tritt. Danach werden die ersten Figuren gezeigt und
in Stellung gebracht. Es gibt eine Menge Clans und Namen zu erlernen, was
reichlich kompliziert ist und nicht allein an den für das europäische Auge ungewöhnlichen
Buchstabenkombinationen liegt. Wer mit wem und wann und wer dazwischen und
warum – das ist leider schwierig zu verfolgen.
Die vom Autor gedachten Hauptfiguren werden an
unterschiedlichen Orten gezeigt, die eben diese Konstellation nach dem großen
Krieg zeigen soll. Kleinere Andeutungen, wie besondere Anhänger an Ketten,
lassen Verbindungen vermuten. Leider geschehen dann seltsame Sprünge in der
Handlung, obwohl stringent erzählt wird. Wie lang die Zeitspannen sind, lässt
sich selten abschätzen. Aber eine Ausbildung dieser Art sollte Jahre dauern.
Tut sie nur leider nicht.
Es war besonders die Umsetzung des
Geschriebenen, die es mir nicht einfach gemacht hat. Es ist von Anfang an eine
Art Zähigkeit im Lesen dabei, was zunächst aber zu verschmerzen ist. Es gibt
nämlich eine Menge zu sehen und zu erleben. Dann aber scheint sich die Handlung
ein bisschen festzufahren – und das muss eben eine geschliffene Sprache
wettmachen. Obwohl viele Informationen enthalten sind, schildern sie zumeist
nur, was gerade geschieht, also wer den Kopf hebt, wer sich vor wem verbeugt,
wie viele Schritte in Richtung des Klosters gemacht werden. Das ist auch nicht
unwesentlich. Jedoch fehlt jegliche Emotion, alles, was über die Schilderung
des jeweiligen Vorgangs hinausgeht. Das hat mich besonders in Dialogen stark
verwirrt. In einem spricht das geheimnisvolle Mädchen, das offenbar mit Sen in
der frühen Kindheit spielte, mit eben diesem und läuft dann plötzlich weinend
fort. Das hat mich vollkommen überrascht. Offenbar hat sie etwas in seinen
Worten – oder ihren? – emotional bewegt. Nur was? Es fehlen Gestiken und
Mimiken, so dass allein das Gesagte Rückschlüsse auf die Gedanken der
miteinander Sprechenden geben kann. Nur ist das ebenso geheimnisvoll gehalten
und eine Menge Infos hat der Leser noch nicht – wer sie ist und warum sie in
Sens Nähe gelandet und dort aufgewachsen ist, nur leider nicht am Königshof wie
er. Darum ist diesen Dialogen kaum zu folgen. Allerdings – und das fasziniert
mich nun wieder – kann nicht von einer bloßen tell-Ausdrucksweise gesprochen werden, auch wenn das großflächig so
wirkt. Es gibt viele Randinfos, der Autor beschreibt lückenlos wie jemand
aussieht – Kleidung in Beschaffenheit, Farbe, Rang – welche Bewegungen er
ausführt, was er sagt. Es gibt Wetter und Flora und Fauna. Das ist also nicht
das Problem. Trotzdem wird zu wenig show
eingebaut. Für mich war es, als würde der Geschichte die Seele fehlen, das, was
jede Story lesenswert macht: das Gefühl. Jede Figur handelt aus einem
bestimmten Grund, ihrer Motivation. Und der Autor weiß, wie man eine Geschichte
aufbaut. Nur scheint niemand etwas zu fühlen. Der Autor versucht das
einzubauen, das ist klar zu erkennen, jedoch fehlt ihm dafür noch ziemlich das
eigene Gefühl. Er vermag lückenlos und genau jede Bewegung, die die Figuren
zweifellos vor seinem inneren Auge ausführen, wenn er schreibt, darzulegen.
Aber wie er am besten ihre Emotionen (auch streitende Brüder besitzen solche,
hier sind keine Lovestorys gemeint) an den Leser bringt, weiß er offenbar noch
nicht recht. Ich bin mir sicher, dass er, wenn er das einmal raushat, absolute
Pageturner schreiben wird. Nur diesmal sind Tamaki und ich leider nicht
zusammengekommen. Ich würde jedoch jederzeit wieder etwas von ihm lesen.
Alex /
A. S. Tamaki ist
ein Roman- und Drehbuchautor aus Los Angeles. In den Bergen von Santa Monica
lernte er klettern und drehte seine ersten Kurzfilme. Der trainierte
Kampfsportler studierte kreatives Schreiben am Oberlin College, bevor er
mehrere Jahre in Hollywood arbeitete. Heute lebt er im Pazifischen Nordwesten
der USA. »Das Buch der gefallenen Blätter« ist sein erster Roman.


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Es ändert sich nichts am Kommentieren, nur muss jetzt dieser lange untere Absatz dabeistehen. Ich danke allen, die mir einen Gruß dalassen!
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