Schwarzhumoriger Cozy-Fantasy-Roman mit
seltsamem Frauenbild.
Titel: Spiel mir das Lied vom Goblin
Autor: Oliver Darkshire
Originaltitel: Isabella Nagg and the Pot of Basil
Verlag: Penhaligon
ISBN: 978-3764533632
Euro: 17,00
Veröffentlichungsdatum: März 2026
Seiten: 320
Serie: vermutlich
Come in: vom Verlag
Inhalt
Isabella Nagg ist seit Jahren unglücklich
verheiratet und hat keine Freunde, bis auf ihren Basilikumtopf, mit dem sie
spricht. Das Einkommen ihres Mannes besteht in der Alraunenernte, die an den
ortsansässigen Zauberer verkauft wird, der dem Dorf damit die Goblins vom Hals
hält. Doch eben jener ist verschwunden. Als Ausgleich nimmt Mr Nagg ein
Zauberbuch mit, dass Isabella beschließt zu benutzen. Zunächst scheint alles
gut zu klappen – Esel und Basilikum beginnen zu sprechen –, aber dann bemerkt
Isabella, dass zum Zaubern doch ein bisschen mehr gehört.
Meinung
Was mir nicht gefallen hat, war das sehr
durchwachsene Frauenbild.
Zunächst haben wir Isabella Nagg. Sie wird wohl
um die vierzig sein und hasst ihr Leben. Dabei hat sie einen Ehemann, ein Haus,
Land (gut, das ist größtenteils verflucht, was es der Alraune überhaupt erst
möglich macht, dort zu wachsen) und ein Auskommen. Im Dorf ist sie nicht sehr
angesehen, niemand begegnet ihr mit Respekt, Freunde hat sie keine, allenfalls
kann sie auf Mitleid hoffen. Ihr Mann Henric war bereits einmal verheiratet und
man vergleicht Isabella stets mit der ersten Frau. Henric weiß Isabella nicht
zu schätzen; sie kocht nur Pamps und
seine Passagen sind so überzeichnet angelegt, dass er saubere Laken und andere
Hausarbeit nicht zu würdigen weiß. Das soll vermutlich die wenig angesehene
Care-Arbeit der realen Frauen zeigen. Doch dann gibt es da den sog. Hobs, eine
Art Heinzelmännchen, der an das jeweilige Haus gebunden ist und sowohl in
diesem als auch drumherum die meisten Arbeiten verrichtet. So kocht er Tee für
Isabella, macht die Betten etc. Nur bemerken darf man ihn nie. Wird die Arbeit
also von ihr verrichtet? Sie kocht Pamps
in der Tat, um ihren Mann zu ärgern, wie sie selbst zugibt. Überhaupt macht sie
vieles, das ihn ärgern soll. Was ist also mit seiner Wertschätzung? Beide gehen sich tagsüber aus dem Weg. Als
Isabella das Zauberbuch aufschlägt, versucht sie sich an kleineren Zaubern, die
in etwa den Esel oder den Basilikum sprechen lassen. Überhaupt werden öfter mal
bekannte und weniger bekannte Märchenthemen eingearbeitet. Sie wirkt wie eine
Frau, die genau weiß, was sie in der Vergangenheit getan hat und ihr Leben in
Schuldgefühlen hasst – aber alle anderen für eben dieses Leben verantwortlich
macht. Die Grundstimmung in der Geschichte ist also von Anfang an nicht die
beste.
Dann gibt es die Goblins. Die kommen nur zu
einer bestimmten Jahreszeit runter ins Dorf, um dort ihre Früchte anzubieten.
Das machen sie so hartnäckig, dass es lästig ist. Zudem sind eben diese Früchte
für Menschen giftig, wer sie isst, vergisst sich selbst. Der Zauberer hat
bisher immer dafür gesorgt, dass die Goblins nicht zu weit vordringen können,
aber nun ist er nicht mehr da. Und sie klingeln sogar an den Türen. Außerdem
gibt es eine weitere Frauenfigur, die blond und sehr üppig beschrieben wird, in
Lederkleidung und mit einer Peitsche. Sie nimmt sich quasi der Goblins an und
versucht eine Art Geschäft mit ihnen bzw. den Früchten aufzuziehen. Ich bin mir
auch jetzt nicht sicher, was genau das aussagen soll.
Es geschehen etliche Dinge, Isabellas Leben
wird deutlicher gezeigt. Über das Dorf geht es jedoch nie hinaus, was auch
nicht nötig ist, denn Darkshire weiß durch Einzelheiten alles lebendig zu
halten. Im Prinzip ist das Zauberbuch der Anstoß für Isabella, um ihre
Vergangenheit aufzuarbeiten. Ihre verlorene Liebe, für die sie ihre eigene
Familie bestohlen hat. Was sie mit ihm tun musste. Als Ausweg war da nur Henric
Nagg – und wie heißt es so schön? „Wie man sich bettet, so liegt man.“ Immerhin
kann Isabella ihre Vergangenheit aufarbeiten, wenn sie aber leider nie ihr
eigenes Tun überdenkt und stets in der quasi „Opferrolle“ verbleibt und am Ende
dann – zum Mann wird? Es tut mir leid, aber ich verstehe diese Art von „Humor“
überhaupt nicht. Das gezeigte Frauenbild ist furchtbar.
Man kann dieses Buch lesen, es ist gut
geschrieben und vom Autor durchdacht worden (auch wenn nicht jeder Leser seine
Denke verstehen wird). Leider hat es ab spätestens mittig etliche Längen. Ja,
es ist mal etwas anderes, besitzt eine eigene Sprache und was die Setting und
Figuren anbelangt eine Eigenwilligkeit und Einzigartigkeit, die man dieser Tage
lange suchen muss. Und trotzdem habe ich Bauchschmerzen bei dieser Geschichte.
Oliver
Darkshire ist
Antiquar und Autor. Sein Memoir über seine Zeit bei Sotheran's, einer der
ältesten Buchläden von ganz Großbritannien, wurde in seiner Heimat zu einem
Bestseller. Mit seinem Ehemann lebt er in Manchester in einem Haus voller
Bücher und Pflanzen, die dringend vor ihm gerettet werden müssten. »Spiel mir
das Lied vom Goblin« ist sein zweites Buch und sein erster Roman.


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Es ändert sich nichts am Kommentieren, nur muss jetzt dieser lange untere Absatz dabeistehen. Ich danke allen, die mir einen Gruß dalassen!
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