Donnerstag, 16. April 2026

Spiel mir das Lied vom Goblin - Oliver Darkshire

 

Schwarzhumoriger Cozy-Fantasy-Roman mit seltsamem Frauenbild.

 


Titel: Spiel mir das Lied vom Goblin
Autor: Oliver Darkshire
Originaltitel: Isabella Nagg and the Pot of Basil
Verlag: Penhaligon‎
ISBN: 978-3764533632‎
Euro: 17,00
Veröffentlichungsdatum: März 2026
Seiten: 320
Serie: vermutlich
Come in: vom Verlag

 

 

 

Inhalt
Isabella Nagg ist seit Jahren unglücklich verheiratet und hat keine Freunde, bis auf ihren Basilikumtopf, mit dem sie spricht. Das Einkommen ihres Mannes besteht in der Alraunenernte, die an den ortsansässigen Zauberer verkauft wird, der dem Dorf damit die Goblins vom Hals hält. Doch eben jener ist verschwunden. Als Ausgleich nimmt Mr Nagg ein Zauberbuch mit, dass Isabella beschließt zu benutzen. Zunächst scheint alles gut zu klappen – Esel und Basilikum beginnen zu sprechen –, aber dann bemerkt Isabella, dass zum Zaubern doch ein bisschen mehr gehört.

 

 


Meinung
Mich haben Cover und Klappentext sofort angesprochen und auch die Leseprobe las sich gut an. Schreiben kann Darkshire; und er trifft genau den richtigen Ton für diese Art Geschichte. Nur was will er erzählen? Angepriesen wird der Roman mit „cozy“, das jedoch sollte der geneigte Leser nicht im Sinne von „happy und beschaulich“ erwarten. Diese Geschichte ist düster und deprimierend angelegt, auch wenn sie humorige Szenen enthält, die aber Geschmackssache sind. Inhalt und Figuren hat sich der Autor genau überlegt, was die Komplexität bewirkt. Denn zusätzlich zum normalen Fließtext sind etliche lange Fußnoten eingebaut worden, die für noch mehr Hintergrund sorgen. Einige zusätzliche Kapitel, die nie mehr als knapp eine Seite lang sind, zeigen einzelne Einträge aus den Grimoire des Zauberers, die Isabella sich gesamt aus seinem Haus geholt hat, um sie zu lesen. Auch diese sind von verschiedenen Figuren per Fußnote kommentiert worden. Das muss man mögen. Denn die Geschichte an sich ist leider nicht so stringent erzählt, wie sie es könnte und dank der vielen skurrilen Einfälle verschwindet der recht dünne rote Faden immer mal wieder und dann heißt es Zähne zusammenbeißen. Sprich: Es zieht sich.

Was mir nicht gefallen hat, war das sehr durchwachsene Frauenbild.

Zunächst haben wir Isabella Nagg. Sie wird wohl um die vierzig sein und hasst ihr Leben. Dabei hat sie einen Ehemann, ein Haus, Land (gut, das ist größtenteils verflucht, was es der Alraune überhaupt erst möglich macht, dort zu wachsen) und ein Auskommen. Im Dorf ist sie nicht sehr angesehen, niemand begegnet ihr mit Respekt, Freunde hat sie keine, allenfalls kann sie auf Mitleid hoffen. Ihr Mann Henric war bereits einmal verheiratet und man vergleicht Isabella stets mit der ersten Frau. Henric weiß Isabella nicht zu schätzen; sie kocht nur Pamps und seine Passagen sind so überzeichnet angelegt, dass er saubere Laken und andere Hausarbeit nicht zu würdigen weiß. Das soll vermutlich die wenig angesehene Care-Arbeit der realen Frauen zeigen. Doch dann gibt es da den sog. Hobs, eine Art Heinzelmännchen, der an das jeweilige Haus gebunden ist und sowohl in diesem als auch drumherum die meisten Arbeiten verrichtet. So kocht er Tee für Isabella, macht die Betten etc. Nur bemerken darf man ihn nie. Wird die Arbeit also von ihr verrichtet? Sie kocht Pamps in der Tat, um ihren Mann zu ärgern, wie sie selbst zugibt. Überhaupt macht sie vieles, das ihn ärgern soll. Was ist also mit seiner Wertschätzung? Beide gehen sich tagsüber aus dem Weg. Als Isabella das Zauberbuch aufschlägt, versucht sie sich an kleineren Zaubern, die in etwa den Esel oder den Basilikum sprechen lassen. Überhaupt werden öfter mal bekannte und weniger bekannte Märchenthemen eingearbeitet. Sie wirkt wie eine Frau, die genau weiß, was sie in der Vergangenheit getan hat und ihr Leben in Schuldgefühlen hasst – aber alle anderen für eben dieses Leben verantwortlich macht. Die Grundstimmung in der Geschichte ist also von Anfang an nicht die beste.

Dann gibt es die Goblins. Die kommen nur zu einer bestimmten Jahreszeit runter ins Dorf, um dort ihre Früchte anzubieten. Das machen sie so hartnäckig, dass es lästig ist. Zudem sind eben diese Früchte für Menschen giftig, wer sie isst, vergisst sich selbst. Der Zauberer hat bisher immer dafür gesorgt, dass die Goblins nicht zu weit vordringen können, aber nun ist er nicht mehr da. Und sie klingeln sogar an den Türen. Außerdem gibt es eine weitere Frauenfigur, die blond und sehr üppig beschrieben wird, in Lederkleidung und mit einer Peitsche. Sie nimmt sich quasi der Goblins an und versucht eine Art Geschäft mit ihnen bzw. den Früchten aufzuziehen. Ich bin mir auch jetzt nicht sicher, was genau das aussagen soll.

Es geschehen etliche Dinge, Isabellas Leben wird deutlicher gezeigt. Über das Dorf geht es jedoch nie hinaus, was auch nicht nötig ist, denn Darkshire weiß durch Einzelheiten alles lebendig zu halten. Im Prinzip ist das Zauberbuch der Anstoß für Isabella, um ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. Ihre verlorene Liebe, für die sie ihre eigene Familie bestohlen hat. Was sie mit ihm tun musste. Als Ausweg war da nur Henric Nagg – und wie heißt es so schön? „Wie man sich bettet, so liegt man.“ Immerhin kann Isabella ihre Vergangenheit aufarbeiten, wenn sie aber leider nie ihr eigenes Tun überdenkt und stets in der quasi „Opferrolle“ verbleibt und am Ende dann – zum Mann wird? Es tut mir leid, aber ich verstehe diese Art von „Humor“ überhaupt nicht. Das gezeigte Frauenbild ist furchtbar.

Man kann dieses Buch lesen, es ist gut geschrieben und vom Autor durchdacht worden (auch wenn nicht jeder Leser seine Denke verstehen wird). Leider hat es ab spätestens mittig etliche Längen. Ja, es ist mal etwas anderes, besitzt eine eigene Sprache und was die Setting und Figuren anbelangt eine Eigenwilligkeit und Einzigartigkeit, die man dieser Tage lange suchen muss. Und trotzdem habe ich Bauchschmerzen bei dieser Geschichte.

 

 

Oliver Darkshire ist Antiquar und Autor. Sein Memoir über seine Zeit bei Sotheran's, einer der ältesten Buchläden von ganz Großbritannien, wurde in seiner Heimat zu einem Bestseller. Mit seinem Ehemann lebt er in Manchester in einem Haus voller Bücher und Pflanzen, die dringend vor ihm gerettet werden müssten. »Spiel mir das Lied vom Goblin« ist sein zweites Buch und sein erster Roman.

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Es ändert sich nichts am Kommentieren, nur muss jetzt dieser lange untere Absatz dabeistehen. Ich danke allen, die mir einen Gruß dalassen!

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