Donnerstag, 12. Februar 2015

Jenseits des Himmels - Jennie Rooney


Titel: Jenseits des Himmels
Autorin: Jennie Rooney
Originaltitel: The Opposite of Falling
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453417748
Euro: 8,99
Veröffentlichungsdatum: Juli 2014
Seiten: 320
Kein Serientitel
Come in: Tausch











Inhalt

Ursula Bridgewater hadert seit geraumer Zeit mit ihrer Rolle als Frau im viktorianischen England. Als ihr Verlobter sich einer anderen zuwendet, sucht sie nach einer Möglichkeit, die Leere zu füllen. Schon immer von Fernweh gepackt, entdeckt sie das Reisen für sich. Als ihr die Reisebegleitungen aufgrund von Hochzeiten ausgehen, nimmt sie eine Gesellschafterin in ihre Dienste.
Die von Nonnen aufgezogene Sally Walker hat schon früh ihre Mutter verloren und stets auf ihre eigene Art mit der Welt gehadert. Sie fürchtet sich ein wenig vor den lagen Fahrten, gewöhnt sich jedoch daran.
Als Ursula beschließt, so weit wie nie zuvor zu reisen, nach Amerika, ist Sally wenig begeistert. Am Ende werden beide dort aber finden, was sie immer gesucht haben.



Meinung

Jennie Rooney hat einen leisen Roman geschrieben, bei dem die Figuren stark im Vordergrund stehen. Dabei hat sie es hervorragend verstanden, jeder Figur eine präzise Beschreibung mit auf den Weg zu geben, dass sie gar nicht echter wirken könnten. Gerade Ursula wird dadurch so fassbar, dass man meinen könnte, sie stünde neben dem Roman und winke mal eben, ehe sie zur nächsten Reise aufbricht. Sie ist geschockt, als ihr Verlobter die Verlobung löst und eine andere heiratet und das auch noch in einem Brief, in dem er ihr von ihr vorschwärmt und meint, das mit ihnen sei ja eigentlich nie echte Liebe gewesen. Die zunächst an gebrochenem Herzen leidende Frau sucht nun nach einer Möglichkeit, sich auszutoben. Viele Möglichkeiten als Tochter aus reichem Hause besitzt sie nicht, aber zu Hause sitzen und trauern will sie auch nicht.
Sally Walker verliert schon als Kind die Mutter bei einem Umfall und kommt nie darüber hinweg. Diese Kindheit wird genauestens beschrieben, die Gesten und Mimiken des Kindes erzählen dabei immer eine Geschichte in der Geschichte.
Mitunter ist es der Details zu viel und das Geschehen zieht sich - bei jeder Figur. Aber es ist auch genau das, was das Besondere am Roman ausmacht.
Es gibt Toby O'Hara, dessen Vater Flugmaschinen konstruiert und dessen Mutter von Rooney eine Stimme bekommt. Auch sie erzählt viel zwischen den täglichen Aufgaben, die sie verrichtet, dem Boden fegen, dem Marmelade einmachen und der ausgestopften Fledermaus, die ihr Mann in der Werkstatt hat. Und davon, dass es irgendwie immer auf den Moment hinauslaufen musste, in dem sie Platz in der (ersten)Flugmaschine nimmt, nicht ihr Sohn.
Das Leben dieser Personen spielt eine Rolle und wird fast gesamt geschildert, ohne dabei ausufernd zu werden. Man kann sich hier und da dem Eindruck nicht entziehen, dass ein bisschen weniger nicht geschadet hätte, aber am Ende hilft es dabei zu verstehen, wieso jeder Charakter dieses Ende für sich gewählt hat. Was Ursula angebelangt wäre alles andere unsinnig gewesen und es ist bewundernswert, dass die Autorin hierbei an der Figur geblieben ist und nicht einem Happy End Trend folgte. Dabei hat Urusla aber genau das bekommen. Manchmal ist das, was wir glauben zu wollen, nicht das, was wir brauchen und was uns wirklich glücklich macht.
Eine gleichmäßige, stimmgewaltige Geschichte über etwa ein Jahrzehnt erzählt, herausragend aus der breiten Masse allein aufgrund der Art des Erzählens, aber leider nicht so besonders, dass sie lange im Gedächtnis bleibt.
  

http://www.jennierooney.com/
Jennie Rooney, geboren 1980 in Liverpool, studierte Geschichte an der Universität in Cambridge und lehrte Englisch in Frankreich. Jetzt lebt sie in London und arbeitet dort als Anwältin.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen