Dienstag, 11. November 2014

(Buchgedanken) Welche Werke (jungen) Lesern in die Hand drücken?


In François Saintonges Roman "Dolfi und Marilyn" hat der Protagonist einen zehnjährigen Sohn, der recht aufgeweckt und intelligent ist. Als Sohn eines Geschichtsprofessors liest er sehr viele historische Werke, meist Biografien oder Biografien aus der Hand gewisser historischer Personen aus dem zwanzigsten Jahrhundert. Zudem spielt der Junge gern Kriegsspiele auf dem PC.
Saintonge stellt damit das eine und das andere gegenüber. Man sagt ja immer, es sei besser, das Kinder mehr lesen, als vor der Flimmerkiste oder den PC-Games verbringen sollen. Aber: Ist lesen auch gleich lesen?
Hier sind es eher fragwürdige Gestalten der Historie, die der Kleine vor dem Schlafengehen liest und Vieles davon sicher nicht angemessen hinterfragt oder vom Vater auseinandergesetzt bekommt. Überspitzt gelesen, muss man sich fragen, ob es nicht besser ist, wenn der Junge auf der Mattscheibe mit Panzern irgendwo einmarschiert, als diese Werke zu konsumieren.

Zudem frage ich mich häufig, ob nicht generell mehr hingeschaut werden sollte, was wir jungen Lesern in die Hand drücken. Derzeit boomt der Markt der Jugendbücher ja wie kaum je zuvor. Aber sind das wirklich alles Werke - auch wenn sie sich zig-fach verkaufen - die ein junger Leser lesen sollte? Geschichten, die so seicht wie ein Frühstücksei sind, die manchmal hanebüchene Storys über Belanglosigkeiten und coole, aber oberflächliche Charaktere enthalten, Geschichten, die nicht hinterfragt werden, schlicht, weil sie es nicht müssen. Bücher eben, bei denen man nicht denken muss. Die aber dennoch einen mehr oder weniger starken Einfluss auf den Leser haben. Wie fernsehen eben, nur mit Buchstaben.

Unterhaltung ist ja immer das eine, aber da es Debatten ums Fernsehen und seine Inhalte gegeben hat, frage ich mich, wo diese bei Büchern bleiben. Das muss ja nicht unbedingt bedeuten, dass gewisse Genres emporgehoben, andere schlecht gemacht werden, auch eine Zensur bestimmter Themen steht dabei nicht im Raum. Aber in Zeiten, wo das Denken ohnehin immer mehr beschränkt wird - nicht zuletzt durch die vielen blinkenden kleinen Geräte, die fast jeder von uns jeden Tag spazieren trägt - frage ich mich, ob sich die "Literatur" (die Autoren??) diesem Trend anpasst. Und ob sie das sollte.

Kommentare:

  1. Ich muss sagen, dass ich bei seichten, belanglosen Jugendbüchern nicht so das Problem sehe. Lesen darf auch einfach nur Unterhaltung sein und mehr nicht. Problematischer finde ich da das teils recht problematische Frauenbild, das derzeit in vielen Jugendbüchern vermittelt wird, gepaart noch mit der romantischen Vorstellung, dass man für die große Liebe das ganze eigene Leben aufgeben sollte oder sogar mit der unterschwelligen Aussage, dass ja eine Vergewaltigung unter Umständen nicht so schlimm ist.
    Daher stimme ich dir zu: Lesen ist nicht gleich lesen.

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    1. Nun ja, ab und an mal, das mag sein. Aber es scheint ja auch nichts un-belangloses mehr veröffentlicht zu werden. Das Problem, das Du überdies ansprichst, meinte ich auch mit den Oberflächlichkeiten. Da werden Themen verwurstet, die auf gewisse emotionale Knöpfchen beim Leser drücken sollen, die aber nicht hinterfragt werden, nicht angemessen dargestellt - und eben schlicht der Unterhaltung dienen sollen. Ich für meinen Teil sehe da schon ein Problem.

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    2. Also ich denke, un-belanglose Jugendbücher gibt es schon immer auch, man denke etwa nur an den großen Erfolg von "Das Schicksal ist ein mieser Verräter".

      Schwierige Themen, die als schlichte Unterhaltung eingebaut werden, ohne sie auch nur annähernd zu hinterfragen, sind für mich auch auf jeden Fall ein No-Go.
      Es gibt für mich aber auch einfach Bücher, die der schlichten Unterhaltung dienen und ich halte es für legitim, in seiner Freizeit beim Lesen einfach nur unterhalten werden zu wollen. Wenn man nur einen Agatha Christie-Krimi oder Konsalik nach dem anderen liest (oder halt Jugendbücher-Pendants) - ja mei.
      Aber natürlich finde ich es erfreulicher, wenn man von sich aus auch Bücher mit mehr Anspruch lesen möchte.

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  2. Du stellst hier sehr interessante Fragen, Soleil. Ich fürchte, dass es durchaus Autoren gibt, die sich dem „Trend“ anpassen. Meiner Meinung nach sollten sie das nicht. Aber ich bin damit ja auch nicht mehr das Zielpublikum.
    Schlimmer aber als die leichte Unterhaltungsliteratur finde ich Bücher, die es schaffen einen mitzureißen und dabei die eine oder andere moralische Grenze überschreiten, ohne dass das thematisiert wird.
    Mit dem Frauenbild gebe ich dir vollkommen Recht, Neyasha. Ich möchte aber hinzufügen, dass dabei auch ein problematisches Männerbild vermittelt wird.

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