Donnerstag, 5. Januar 2012

Stein der Träume - C.J. Cherryh


Titel: Stein der Träume
Autorin: C. J. Cherryh
Originaltitel: The Dreamstone
Verlag: Heyne
ISBN: 3453312120
Euro: Nicht mehr im Handel erhältlich.
Veröffentlichungsdatum: 1985
Seiten: 238
Serie: Eald-Zyklus #1
Come in: Kauf











Inhalt

Der Ealdwald ist uralt, doch von den zahlreichen Daoine Sidhe, die einst in ihm und seiner Umgebung lebten, ist nur noch Arafel übrig. Zu stolz um wie ihre Artgenossen zu entschwinden, wacht sie über ihre Heimat.
Doch die Menschen haben das Land an sich gerissen, es begradigt und ihr kaltes Eisen hineingetrieben. Zunächst interessiert sich Arafel nur wenig für sie und vertreibt sie, wenn sich einer zu nahe heranwagt. Doch dann wird sie in die Geschehnisse hingezogen, als sie zum Schutz für einen Harfner, der ein Instrument ihres Volkes spielt, den grünen Stein gibt, den sie um den Hals trägt. Nun ist sie mit dem neuen Träger verbunden und träumt mit ihm.
Über drei Generationen beobachtet sie das Geschehen in der Festung Caer Wiell nahe ihres Waldes, bis der junge Ciaran zu ihr vordringt und sie das Blut ihres Volkes in seinen Adern spürt. Sie führt ihn zum Baum der Schwerter und Steine all jener, die entschwunden sind ...

Cover

Das Coverbild stammt von Boris Vallejo und wurde vom Atelier Ingrid Schütz für den Umschlag gestaltet. Es muss wohl nicht betont werden, dass es grottenhässlich ist und mit dem Inhalt des Romans absolut nichts zu tun hat. Leider hat es auch eine gewisse abschreckende Wirkung - und das gleich aus mehreren Gründen heraus.
Die Illustrationen im Buch stammen von John Stewart und sind wohl eigens für die erzählte Geschichte angefertigt worden, passen somit hervorragend dazu. Manchmal ein wenig zu abstrakt, gehören sie dennoch zu Recht dazu.

Meinung

"Der Stein der Träume" (The Dreamstone) entstand aus einer gleichnamigen Kurzgeschichte, die C.J. Cherryh einige Jahre zuvor für eine Anthologie geschrieben hatte. Nach ihrem Schreibstil befragt, beschrieb sie diesen als "very tight limited third person, intense third person, intense internal voice." Diese eingeschränkte Erzählung in der dritten Person findet sich auch im ersten Teil des Eald-Zyklus. Und obwohl dadurch eine gewisse Ferne entsteht, gewinnt die Handlung Authentizität und seltsamerweise auch Intensität. Eine recht bedrückende, wehmütige Grundstimmung entsteht, wenn es um Arafel geht, deren Wald schrumpft und die beinahe vergeblich den "Seelenbaum" ihres Volkes bewacht. Auch ihre Suche nach Nähe und die immer wiederkehrende Zurückweisung - teils aus Unwissenheit, teils aus Angst - nehmen nicht nur sie mit.
Der Kampf der Ewiglebenden geht seinem Ende zu, denn jene, die noch geblieben sind, bekämpfen sich auch untereinander. So hat auch Arafel ihre dunklen Feinde. Diese Situation spitzt sich während des Verlaufes stetig zu und wird wohl im zweiten Teil in einem, wie auch immer gearteten, Höhepunkt auslaufen.
Menschlich gesehen ist es die Geschichte von drei Personen, aus deren Sicht in der dritten Person geschrieben wird und die miteinander verwandt sind. Sie verbindet der Wald und die Bekanntschaft mit uralten Wesen, die jedoch schwächer werden und zu verschwinden drohen. Dabei geht es hoch her. Denn auch der neue König verbindet diese Familie. Der Großvater, Niall Cearbhallain, war Vertrauter des alten Königs und auf dem Schlachtfeld bei ihm, als er starb. Der Königssohn nur fünf Jahre alt blieb fern und mysteriös, ein Kindkönig, der Bürgerkrieg versprach, wenn er einst alt genug wäre. Doch das trifft den Vater, Evald, über die Mutter ein Vetter des neuen Königs. Die Enkelin, Branwyn, erlebt die große Schlacht ihrer Zeit mit und die Belagerung Caer Wiells. Und auch das, was die Daoine Sidhe bringt.
Viele Jahre in wenigen Seiten und trotzdem ist alles da, was in so eine beinahe epische Geschichte hineingehört, ohne dass etwas zu fehlen scheint.
Die Sidhe sind hier übrigens keine wunderschönen Elfenwesen, denen alle zu Füßen liegen und die engelsgleich umherwandeln, sondern das, was sie in den alten Sagen einst gewesen sind. Arafel erscheint den Menschen so, wie diese glauben, sie zu sehen. Ansehnlich findet sie niemand, wenn sie distelgleich und in abgetragener Kleidung (und mit einem Schwert) zu ihnen kommt.
Keltische Namen und Begriffe gibt es mannigfaltig im Buch, dazu jedoch am Ende eine Aussprachehilfe. Sie sind trotz ihrer Anzahl nicht störend oder verwirrend.
Eine mitreißende, spannende Geschichte, die jedoch aufgrund ihres Alters und der damit verbundenen Schreibweise unter Umständen nicht allen Leser gefallen könnte. Empfehlenswert ist sie dennoch.


Eald-Zyklus
1. Stein der Träume (The Dreamstone)
2. Der Baum der Schwerter und Juwelen (The Tree of Swords and Jewels)

Weitere Werke
Der Engel mit dem Schwert (Angel with the Sword)


Caroline Janice Cherry, 1942 in St. Louis geboren, ist eine amerikanische Schriftstellerin. Sie hat seit Mitte der 1970er Jahren mehr als 50 Science-Fiction- und Fantasy-Romane sowie diverse Erzählungen geschrieben, einschließlich der Hugo-Award-Gewinner Kassandra (1979), Pells Stern (1982) und Cyteen (1989). Sie lebt im Staat Washington.

Kommentare:

  1. An diese schaurigen Cover von Boris Vallejo erinnere ich mich noch. Scheußlich.
    Ich habe einiges von C.J. Cherryh in meinem Bestand, den Eald-Zyklus aber nicht. Danke für den Tipp, klingt gut. Werd es gleich mal bestellen. Gebraucht natürlich

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  2. Ich will ja nicht unken, aber ich glaube, dass er nur wegen den vielen barbusigen Frauen so bekannt geworden ist. Wäre er nicht der erste und einzige.
    Dieses Cover ärgert mich gleich doppelt, weil es hässlich, aber eben auch völlig unpassend ist.
    C.J.Cherryh hat mir mit "Der Engel mit dem Schwert" gut gefallen und darum bin ich versucht, noch mehr von ihr zu lesen. Auf jeden Fall die Fortsetzung und dann ist auch schon der Mrgaine-Zyklus bei eingezogen. Den Koboldspiegel würde ich auch gern noch lesen.
    Was hast Du denn so von ihr und wie gefiel es Dir?

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  3. Hihi, das ist doch der erste Teil zu meinem kürzlich eingezogenen Buch? ;) Klingt auf jeden Fall nach etwas für mich, Danke für deine schöne Rezi! Bei deiner Beschreibung der Elfenwesen musste ich jetzt irgendwie an Arwen denken... Aber vielleicht habe ich auch einfach nur ein Arwen-Problem und sehe manches... anders. Oh, und wovon handelt denn der Mrgaine-Zyklus?

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  4. Jup. :) Das war witzig, weil ich ja wusste, dass meine Rezi bald folgt. ;-)
    DIESE Elfen gleichen Arwen (meinen wir die gleiche?) nicht ein bisschen. Gott sei Dank!
    Ei. Verschreibserli. Morgaine-Zyklus, meinte ich.
    Guck mal bei Am. Ist bissl dick, weil alle drei Bücher in einem sind, aber die gibts auch einzeln. :)

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  5. Ich meinte deine Beschreibung der anderen Elfen, nicht die aus dem Buch. ;) Und ich nehme doch mal an, dass wir die gleiche Arwen meinen - das war mir in den HdR-Filmen (vor allem in der langen Fassung) echt zuviel. Dann werde ich mal schauen, was ich zu Morgaine finde. :)

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  6. Ich mag den Stil von Boris Vallejo.

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  7. @Sey:
    Magst Du keine wunderschönen, engelgleichen Wesen? *gg* Wirst Du hier nicht finden, also fang ruhig an zu lesen.

    @Norma:
    Schön, Dich mal wieder zu lesen!
    Ich mochte schon immer nicht, wie er Frauen darstellt. Aber das ist sicher Empfindungssache. Schlimmer ist es ja, wenn ein Cover nicht zum Inhalt des Buches passt ;-)

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