Samstag, 17. Dezember 2011

Stille Nacht: Magische Liebesgeschichten - Tanja Heitmann (Hrsg.)


Titel: Stille Nacht: Magische Liebesgeschichten
Autorin: Tanja Heitmann (Hrsg.)
Originaltitel
Verlag: rororo
ISBN: 3499216264
Euro: 12,99
Veröffentlichungsdatum: November 2011
Seiten: 192
Kein Serientitel
Come in: Vom Verlag








Klappentext

Tanja Heitmann • Nina Blazon • Michaela F. Hammesfahr • Nora Melling • Gesa Schwartz und Anika Beer erzählen romantisch-schaurige Geschichten, in denen die Grenzen zwischen Menschen und Dämonen, Vampiren und allerlei anderen mystischen Gestalten durch die Liebe aufgehoben werden. Stille Nacht? Geheimnisvolle, magische Nacht!

Cover

Das Cover wurde von http://www.any-way-net.de/ unter Zuhilfenahme von http://www.neuebildanstalt.de/ und shutterstock angefertigt.
Unter dem Titel "Stille Nacht" wären Rottöne vielleicht passender gewesen, da es mehr zum Thema "Weihnacht" gehört hätte. Allerdings macht auch das helle Blau einiges her und neben allem Weihnachtlichem steht auch die kalte Jahreszeit im Vordergrund, so dass es wieder stimmig wirkt. Das Frauengesicht wirkt deplatziert.
Obwohl die ansehnliche Klappenbroschur einige hochkarätige deutsche Autorinnen in sich vereint, ist sie mit 192 Seiten doch recht dünn und der Preis dafür unter Umständen etwas zu hoch.

Meinung

Wenn der Schnee vor dem Fenster tanzt und der Frost zarte Eisblumen aufs Fensterglas zeichnet. Flackerndes Kerzenlicht und dampfender, aromatischer Tee erfüllen den Raum, die selbstgehäkelte Decke über den Füßen, eingekuschelt zwischen den Sofakissen.
Romantiker sollten zugreifen, denn alle Geschichten haben ein Happy End.

Eine Spur von Rot - Tanja Heitmann
Der Vampir Finja trifft im verschneiten Wald auf einen der letzten Menschen, eine jungen Frau mit rotem Umhang. Als sie ins Eis einbricht, nimmt er Michal mit und pflegt sie gesund. Dabei kommen sich die beiden näher, doch der Krieg zwischen den beiden Rassen ist noch nicht lange vorbei und sie wissen nicht, ob sie einander trauen können.
Eine leicht verwirrende Geschichte, in der sich zum Ende hin jedoch die einzelnen Puzzleteile glaubhaft zusammenfügen. Die kleineren Andeutungen habe ich leider nicht verstanden, den beiden sympathischen Charakteren aber gern über die Schulter geschaut. Das Ende kommt ein wenig rasch und leider auch ein bisschen halbherzig daher.

Das Herz in der Dunkelheit - Gesa Schwartz
Sophie überrascht bei den Weihnachtseinkäufen zwei Vermummte dabei, wie sie eine dunkle Schattengestalt überfallen. Als sie sich empört einmischt, wird sie verletzt und verliert das Bewußtsein. Wenig später erwacht sie weit unterhalb der Straßen von Paris. Der Schatten pflegt sie gesund; nie sieht sie sein Gesicht, hört nur seine Stimme - und fühlt sich bald zu ihm hingezogen. Doch er hütet ein gefährliches Geheimnis ...
Die romantischste der Geschichten, die mitunter sehr an den Film "V wie Vendetta" erinnert, deswegen aber nicht weniger feinfühlig zu lesen ist. Ihr Faible für Paris hat die Autorin erneut aufleben lassen, auch wenn der Ort an sich keine übergeordnete Rolle spielt. Obwohl einige Zeit in nur wenigen Zeilen vergeht, gerät das Erzählte doch sehr glaubhaft und eindringlich. Charmante kleine Geschichte, in der der Schattenmann mal nicht nur böse ist.

Tom Jofnurs Lied - Nina Blazon
Tom ist Arzt auf einem Walfänger, der hoch im Norden durchs Eismeer pflügt. Die Sirenen und das Wetter setzen ihnen hart zu, doch die Gier nach dem Horn des Einhorns ist zu groß. Als die einheimischen Jäger fliehen, bleibt ihnen nur die geheimnisvolle Sedna, die wie aus dem Nichts auftaucht. Tom verliebt sich in die raue Schönheit, doch sie ist nicht, wer sie zu sein vorgibt.
Mein Favorit der Anthologie. Kein Wort zu viel oder zu wenig, spannend genauso wie emotional eindringlich ohne kitschig zu werden. Schreckt auch vor bedrückenden Handlungselementen nicht zurück, wirkt dadurch noch bewegender und glaubhafter. Mit kleinem Nachspann, der trotz glücklichem Ausgang eine Spur Wehmut enthält.

Geisterwolf - Anika Beer
Julie wird die Weihnachtstage allein verbringen müssen und vergräbt sich tief in Depressionen. Als sie auf einer Brücke überlegt, ob sie springen soll, rettet der gutaussehende Adrian ihr das Leben. Nicht ganz uneigennützig, denn nur in einer Nacht im Jahr ist er für die Sterblichen sichtbar und Julie soll ihm dabei helfen, zu finden, was er einst verlor.
Atmosphärisch dicht geschriebene Geschichte, deren innerer Antrieb leicht unglaubhaft gelungen ist und deren Ende absurd wirkt. Julie ist eine sympathische junge Frau, doch ist ihre Motivation nicht stark genug angelegt, so dass ihr persönliches Happy End fade wirkt. Unterhält trotzdem und wirkt durch die gesetzten Worte.

Winterkinder - M. F. Hammesfahr
Jenny und ihre beiden Freundinnen verbringen die Weihnachtsfeiertage in der Hütte ihres Großvaters mitten im verschneiten Wald. Bei einem Spaziergang treffen sie auf einen mit Pfeil und Bogen bewaffneten jungen Mann, der gerade etwas erschossen zu haben scheint. Nur Jenny erkennt, was es war: magische Winterkinder, die den lebensbedrohlichen Frost bringen und die nur ein am Tag der Tagundnachtgleiche Geborener aufhalten kann.
Reizende Geschichte mit einer interessanten Grundidee, die jedoch erst spät Fahrt aufnimmt und ihre Geheimnisse lüftet. Individuelle Charaktere, die Heldin vielleicht eine Spur zu naiv, fällt aber gar nicht weiter ins Gewicht, wenn es den gelegten Spuren, die mitunter recht verwirrend sind, zu folgen gilt.

Raunächte - Nora Melling
Die aus einem gut bürgerlichen Elternhaus stammende Elodie wird bei den Weihnachtseinkäufen beinahe überfahren und von dem eher gewöhnlich wirkenden Mick gerettet. Aus Dankbarkeit lässt sie ihn für eine Nacht in ihrer Wohnung schlafen und fühlt sich schnell zu ihm hingezogen. Doch er stammt nicht aus ihrer Welt und hat einige gefährliche Wesen mitgebracht ...
Überzeugend vor allem durch die beiden glaubhaften Charaktere, die gegensätzlicher nicht sein könnten und trotzdem gut zusammenpassen. Ab der Hälfte der Geschehnisse wird die Handlung recht zackig, bleibt aber überschaubar. Obwohl die Gefühle zwischen Elodie und Mick zu schnell kommen, zaubert das Ende der Geschichte ein Grinsen ins Gesicht des Lesers.


Tanja Heitmann wurde 1975 in Hannover geboren und arbeitet in einer Literaturagentur. Sie lebt mit ihrer Familie auf dem Land.

Nina Blazon verbrachte die Kindheit und ihre Jugendzeit in Bayern. Nach dem Studium der Fächer Germanistik und Slawistik an der Universität Würzburg unterrichtete sie als Lehrbeauftragte und arbeitete unter anderem für Tageszeitungen sowie als Werbetexterin.

1969 wurde ich in der Nähe von Köln als Tochter der Schriftstellerin Petra Hammesfahr geboren. Schon in meiner Jugend unterhielt ich meine jüngere Schwester beim gemeinsamen abendlichen Abwaschen mit Fantasiegeschichten.

Nora Melling wurde 1964 in Hamburg geboren. Schon als Kind liebte sie es, phantastische Geschichten zu erfinden. Doch erst einmal machte sie eine kaufmännische Ausbildung und zog zum Studium nach Berlin, bevor sie sich den Traum erfüllte, ihren ersten Roman zu schreiben.

Geboren wurde ich 1980 und ich begann schon sehr früh damit, Geschichten zu erzählen. Und dann, eines Nachts, als ich durch die Straßen einer unwichtigen Stadt ging, tauchte der Anfang einer Geschichte in mir auf, so eindringlich und klar, dass ich nicht anders konnte, als sie aufzuschreiben.

aka Franka Rubus
Anika Beer ist ein Herbstkind des Jahres 1983 und wuchs in der Bergstadt Oerlinghausen am Teutoburger Wald auf. Nach dem Abitur lebte sie einige Zeit in Spanien, bevor sie in Bielefeld ein Biologiestudium begann. Nach Abschluss der Bachelorarbeit nahm sie eine Teilzeitstelle an der Universität an, bis sie sich im Juli 2010 als Schriftstellerin selbstständig machte. Bis heute lebt und schreibt sie in Bielefeld.

Kommentare:

  1. Diese kleine Zusammenfassung macht doch richtig Lust auf das Buch. Wo ich doch (wie ich feststellen durfte) dein TT-Buch in meinem Regal stehen habe (danke nochmal für den reibungslosen Tausch!). Ich freue mich besonders auf die Kurzgeschichte von Nina Blazon, denn von ihr wurde ich bisher nie enttäuscht.

    LG Reni

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  2. Ah, sieh mal an, die Lesewelt ist aber klein ;-) Ich hoffe, dass Dir das Buch genauso gut gefallen wird! Für die Feiertage sicher genau das richtige.

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  3. Interessant, dass wir dann manches so gleich gesehen und anderes doch unterschiedlich gesehen haben. Aber das finde ich toll, und deshalb ist es auch gut, dass es zu ein und demselben Buch mehrere Rezensionen gibt ,-)

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  4. Schöne Rezension, liebe Soleil. :)
    Interessanterweise hat mir die Geschichte von Nina Blazon am wenigsten gefallen....

    LG
    Sabine

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  5. Hallo Sabine,

    ja, so ist das manchmal. ;-) Aber mir hat Nina Blazon schon öfter in Kurzgeschichten richtig gut gefallen, ich habe mir jetzt einen ihrer neueren Romane ertauscht und freue mich schon aufs lesen. Ich glaube, sie könnte einen neuen Fan bekommen.
    Tollen Start in die Woche!

    LG
    Soleil

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