Mittwoch, 21. September 2011

Nach dem Ende - Alden Bell


Titel: Nach dem Ende
Autor: Alden Bell
Originaltitel: The Reapers are the Angels
Verlag: Heyne
ISBN: 3453528336
Euro: 8,99
Veröffentlichungsdatum: Juli 2011
Seiten: 320
Kein Serientitel
Come in: Geschenk






Inhalt

Sarah Mary Williams, die sich selbst Temple nennt, ist fünfzehn und lebt in einer postapokalyptischen Welt. Ein Vierteljahrhundert zuvor wurde die Erde von einer Katastrophe heimgesucht, nach der die Toten sich aus ihren Gräbern erhoben und jeden, der nicht schnell genug fliehen konnte, ebenfalls infizierten.
Für Temple sind es bloße Fleischsäcke, denen man leicht aus dem Weg gehen oder sie wenn's hart auf hart kommt, ins ewige Totenreich schicken muss. Temple kennt es nicht anders, denn sie ist in diese Welt hineingeboren worden.
Als sie wieder einmal ihren Standort wechseln muss - die Fleischsäcke gieren nach lebendem Fleisch - gelangt sie in eine Gruppe Menschen, die sich in vier Hochhäusern einer ehemals großen Stadt verschanzt haben. Als Abraham Todd versucht, Temple zu vergewaltigen, tötet sie ihn und flieht. Sein Bruder Moses Todd nimmt daraufhin die Verfolgung durch die menschenleere Zombiewildnis auf. Für Temple wird es zu einer Reise in ihr Inneres.

Cover

Die Umschlaggestaltung stammt von Nele Schütz Design und war es, das mir zuerst ins Auge gefallen ist. Passt auf jeden Fall hervorragend zur Atmosphäre des Romans und gibt die Landschaftbilder treffend wieder. Schrifttyp gefällt, auch im Inneren des Buches, beispielsweise bei den Seitenzahlen.

Meinung

Ein Roman, der allein sprachlich aus der Masse herausragt, zwar teilweise recht trashig daherkommt, aber eine umwerfend gut charakterisierte Heldin und jede Menge spannende Zukunftsszenarien in sich trägt.
Was genau geschehen ist, wird nicht gesagt. Aber es wird deutlich, dass es plötzlich über Amerika hereinbrach und schließlich nicht mehr aufzuhalten war. Die Städte und Dörfer sind verlassen, bloße Ruinen ragen ihrem Zweck beraubt in den Himmel. Einige Gruppen, mal nur drei, mal siebenhundert Menschen haben sich hier und da zusammengefunden und versuchen mit der Situation klarzukommen.
Temple gehört zu keiner von ihnen. Sie ist es gewohnt allein zu sein, sie liebt es, sich die Hochhäuser von innen anzusehen, Cracker zu essen und die wenigen Lieder zu singen, die sie kennt. Sie wurde in diese Welt hineingeboren und kann sich an das Davor nicht erinnern, versteht auch nicht wie es war und warum die Älteren es zurück haben wollen.
Ihr Leben mag kurz gewesen sein, aber es ist trotzdem angefüllt. Vor allem mit Flucht und Kampf, aber auch mit Weite und Freiheit. Sie ist an keinen Ort gebunden, fährt mit Autos oder geht zu Fuß und schaut sich das große weite Land an, in das sie hinein geschupst worden ist. Das ist ihr Leben, so will sie es. Aber da sind auch dunkle Schatten, die auf ihrer Seele lasten, Kummer, der in ihrem Herzen nistet.
Moses Todd ist ein gestandener Mann, der knapp in Temples Alter war, als die Katastrophe passierte. Er kommt nicht so wirklich klar mit der Situation und kann sich ebenfalls in keine Gemeinschaft einfügen. Obwohl er eine verwandte Seele in dem Mädchen gefunden hat, weicht er keine Sekunde von seinem Vorhaben ab. Und er ist ein hartnäckiger Verfolger, ebenso gut ausgerüstet und treffsicher, wie die Fünfzehnjährige.
Auf ihrer Flucht trifft Temple einige andere Menschen und Kommunen, die entscheidend zur Beschreibung der Welt beitragen. Es wird bis zum Schluss nicht deutlich, wie es weitergehen wird mit der Menschheit - was schon zu Beginn klar ist. "Nach dem Ende" ist kein Roman, in dem ein Heilmittel gefunden werden muss, damit die Menschheit zurück zu ihren Wurzeln gelangen kann, das verrät auch schon der Titel. Das Schlimmste ist passiert und nun lebt damit. Nur wie?
Einige seltsame Zufälle gibt es allerdings doch. Zwar kann es gut sein, dass auch nach fünfundzwanzig Jahren noch das ein oder andere Stromnetz funktioniert oder eine Zapfsäule an der Tankstelle benutzt werden kann. Es ist ja nichts zerstört, sondern einfach nur verlassen worden. Doch einige Lebensmittel und auch Cola halten sich gewiss nicht über eine so lange Zeit.
Aber eigentlich denkt man darüber beim lesen nicht nach. Da gibt es genug anderes, das gefangen nimmt und nicht so schnell aus dem Bann lässt.
Obwohl es viel Action und Kämpfe gibt, ist das eher ein Roman, der auf die Gefühle und Emotionen der Heldin setzt. Ihre Gedanken und wie sie die Welt sieht gehen ans Herz. Trotz der Jugendlichkeit Temples ist das kein Roman für jugendliche Leser, er ist frühestens ab sechzehn Jahren zu empfehlen. Erzählt wird genau und sehr bildgewaltig, im Präsens und in der dritten Person. Am Ende heißt es tapfer sein, wenn das ein oder andere Tränchen die Wange hinabrinnt.
Mit einem gewissen Zeitkontingent einfach gefangen nehmen lassen.


Joshua Gaylord lives in New York. For the past ten years, he has taught high school English at an Upper East Side prep school (a modern orthodox co-educational Yeshiva). Since 2002, he has also taught literature and cultural studies courses as an adjunct professor at the New School.

Kommentare:

  1. Wow, schon deine Rezension bereitet mir Gänsehaut. Ich denke, das Buch wird auf meine Wunschliste wandern.

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  2. Bin gespannt, wie es Dir gefallen wird! Aber lies doch am besten mal die Leseprobe auf der Verlagshomepage. Präsens ist ja nicht jedermanns Sache ...
    Und willkommen im Blog! :)

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  3. Den Link hatte ich tatsächlich glatt überlesen. Danke für den Hinweis!
    (Mit Zeitformen hab ich im Allgemeinen kein Problem, so lange sich der Autor für eine entscheidet.)

    Und danke für das Willkommen. Auch wenn ich dein Blog schon länger "heimlich" verfolge. ;)

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  4. Hm, mir hat die Ankündigung schon gefallen und der Artikel klingt vielversprechend. Das Buch merke ich mir auf jeden Fall mal. Vielleicht ist noch Platz auf der Weihnachtswunschliste. Ist ja nimmer lang...Mensch, wie die Zeit läuft. ;-)

    LG
    Jo

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  5. Ich habe vor wenigen Tagen, entgegen meines Willens, aber so von wegen innerer Schweinehund, die ersten Lebkuchen gegessen ;-)
    Einfach mal in die Leseprobe reinsehen und wenn die Dir gefällt, dann verspreche ich Dir, sicher auch das Buch.

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  6. Lebkuchen? Ja, kann ich verstehen. Mir flüstert bei jedem Einkauf dieser charmante Spekulatius ins Ohr, ich solle ihn mitnehmen. Noch konnte ich erfolgreich wiederstehen. Die Leseprobe tue ich mir auf jeden Fall an.

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  7. Spekulatius liegen schon im Schrank *rotwerd*
    Tu das und klingel mal kurz durch, wie Dein Eindruck war.

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