Freitag, 30. September 2011

Dein Blut auf meinen Lippen - Claudia Gabel


Titel: Dein Blut auf meinen Lippen
Autorin: Claudia Gabel
Originaltitel: Romeo and Juliet and Vampires
Verlag: rororo
ISBN: 3499257033
Euro: 8,99
Veröffentlichungsdatum: September 2011
Seiten: 240
Kein Serientitel
Come in: Vom Verlag







Inhalt

Julia Capulet wird in drei Tagen sechzehn Jahre alt und verwandelt sich dann, wie in ihrer Familie üblich, in einen blutsaugenden Vampir. Doch das gefällt ihr nicht, denn sie findet das Töten von Menschen unmoralisch.
Am Abend soll ein großer Ball stattfinden, auf dem man ihr auch ihren zukünftigen Ehemann vorstellen will.
Romeo Montague, dessen Familie alle Vampire jagt, ist das Töten leid. Er hat sich in Rosalind Capulet verguckt, die ihn jedoch keines Blickes würdigt. Um ihr zu imponieren, will er sich mithilfe seiner beiden besten Freunde auf dem Ball der Capulets einschleichen. Mit Knoblauch und Weihwasser bewehrt, gelingt ihnen das auch tasächlich.
Unerwartet erblickt Romeo das wunderschönste Mädchen, das er je gesehen hat und das er für einen Menschen hält. Julia. Beide verlieben sich unsterblich ineinander und wollen ungeachtet der Familienfehde für ewig zusammen sein.

Cover

Die Umschlaggestaltung hat any.way übernommen, das Foto stammt von thinkstockphotos.de.
Das deutsche Cover ist sehr ansehnlich und in sich stimmig. Doch leider weist zunächst absolut nichts daraufhin, dass es sich hierbei um einen Roman für jüngere Leser handelt. Dem Originalcover ist das zu entnehmen, denn hier ist das abgebildete Paar wesentlich jünger.

Meinung

Ein Wort vorab zu den Vampiren. Bei Claudia Gabel besitzen diese rote Augen und schweben einige Zentimeter über dem Erdboden vorwärts. Claudia Gabel hat also eine eher ungewöhnliche und teilweise leider auch etwas lächerlich wirkende Vampirform gewählt, die zudem nicht nachvollziehbar ist.
Die Vampire beginnen ihr Leben als Menschen. Wie genau die Fortpflanzung funktioniert wird nicht erklärt. Mit sechzehn Jahren vollzieht sich die Verwandlung und es muss das erste Menschenblut konsumiert werden. Obwohl damit auch Unsterblichkeit einhergeht, altern die Vampire, so dass Julias Mutter und Vater nicht gleich alt mit ihr wirken, sondern wie Erwachsene.
Obwohl ich das Original "Romeo und Julia" von William Shakespeare nie gelesen habe, sind mir doch einzelne Szenen recht gut vertraut. Darum wage ich zu behaupten, dass die Autorin sehr nahe am Original geblieben ist, wenngleich sie leider nicht die wunderschöne Sprache wiedergegeben hat. "Dein Blut auf meinen Lippen" ist also im Prinzip die Nacherzählung des Originals mit modernen Worten. Inwieweit sich Nachfolgendes auch auf eben dieses anwenden lässt, weiß ich jedoch nicht. Eine Sache unterscheidet sich jedoch deutlich, denn anders als im Original gibt es hier ein Happy End.
Die Liebesgeschichte zwischen Romeo und Julia ist schlichtweg nicht glaubhaft. Romeo schleicht sich wegen einer anderen Frau, die er glaubt abgöttisch zu lieben, Julias Cousine, beim Ball ein. Dort sieht er Julia, wechselt wenige Worte mit ihr und bittet sie sogleich, seine Frau zu werden. Auch wenn sie jung sind und genug von der Fehde der Familien haben, ist das nicht nachvollziehbar. Da die späteren Ereignisse aber auf der großen Liebe und den wahren, tiefen Gefühlen beruht, kommt leider niemals auch nur eine Emotion beim Leser an. Hinzu kommt, dass hier sehr oberflächlich erzählt wird, Kämpfe sind nicht spannend und werden beinahe nebenbei abgehandelt, Atmosphäre kommt ebenfalls nicht auf, wenn Julias Familie sie unter Druck setzt und sich so die Lage zuspitzt.
Wichtigen Handlungselementen, wie dem Plan des Mönchs wird nicht die ihnen wichtige Aufmerksamkeit geschenkt und man muss vermuten, dass sogar einiges weggelassen worden ist. So kommt es, dass die meisten Szenen wie das Entlanghangeln an einer lose zusammenhängenden Trittleiter wirken.
Trotz der nicht ganz stimmigen Handlung und der fehlenden Emotionalität liest sich die Geschichte flott weg. Julia und Romeo sind sympathisch gelungen, es wäre nur wünschenswert gewesen, wenn sie mehr Zeit hätten zusammen verbingen dürfen. Die Nebenfiguren, vor allem in Romeos Umfeld, wissen jedoch Eindruck zu hinterlassen. Mercutio ist auf jeden Fall jemand, der mit seiner offenen Art und seiner losen Zunge, schnell die Leser auf seiner Seite weiß.
Es handelt sich um einen Roman, der zusätzlich zum Original gelesen werden kann, mit den heute üblichen Redeformen für mehr Verständnis und mit dem Vampirismus für modernen Pepp sorgt. Als Einzelroman wirkt er jedoch leider recht fad und unsinnig.


Claudia Gabel, geboren in Virginia/USA, verfiel der Liebe zum Schreiben schon zu Schulzeiten. Damals verfasste sie ihren ersten Roman. Später studierte die Autorin Literatur und Rhetorik.
Heute ist Claudia Gabel Lektorin für Jugendbücher und lebt in New York.

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